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Unruhe etc. aufgrund der frühmorgendlichen Cortisolausschüttung

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Unruhe etc. aufgrund der frühmorgendlichen Cortisolausschüttung

Beitrag von padma » Freitag, 18.05.18, 19:33

hallo zusammen, :)

da frühmorgendliches Aufschrecken mit Panik, quälender Unruhe etc. ja im Entzug sehr oft auftritt, können hier dazu Erfahrungen, Erklärungen, Tipps gesammelt werden
Jamie schrieb:
morgendliche Panik hängt auch eng mit dem Cortisolspiegel zusammen.
Es wird ab ca. 3.30 - 4 h in der Nacht und in den weiteren Stunden Cortisol in hohen Mengen ausgeschüttet.
Das ist ein normaler biophysiologischer Vorgang, denn eigentlich soll das Cortisol den Körper auf das Aufwachen vorbereiten und den Menschen wach und fit für den Tag machen (es ist ja im Prinzip ein Stresshormon!).

Menschen im Entzug und / oder ängstliche Menschen merken die Cortisolausschüttung viel stärker als Otto-Normal-Mensch, da das ZNS so sensibilisiert ist.
Es gibt viele Betroffene im Forum hier, die sich morgens mit Angst, Panik, Unruhe, Nervosität und Zittern herumschlagen.
Du kannst mal versuchen einen süßen Keks, eine Banane oder Schoki neben das Bett zu legen und sofort wenn du wach wirst und dich unwohl fühlst, davon was abzuknabbern. Die Insulinausschüttung, die dadurch angeregt wird, hilft das Cortisol ein wenig einzudämmen (Insulin ist der natürliche Gegenspieler des Cortisols).
viewtopic.php?p=217366#p217366

Carlotta schrieb:
es geht beim Cortisol im Kern nicht darum, dass der Körper an sich damit überfordert ist, sondern dass ein Körper im Entzug zu viel davon ausschüttet. Das kommt daher, dass er viel leichter in den Alarmmodus, den sog. Fight-or-Flight-Modus, gerät. Er interpretiert quasi die harmlosesten Ereignisse, wie bspw. morgendliche Sonneneinstrahlung, als Gefahr und reagiert entsprechend.

Das muss übrigens gar nicht viel mehr Cortisol sein als im Normalfall. Es reichen schon kleine Mengen über der Norm, um den Ausnahmezustand einzuläuten. Der Körper hat da ein äußerst feines Sensorium und reagiert deutlich auf kleinste Abweichungen.

Statt Zucker könnte man auch gehaltvollere Kohlenhydrate versuchen, z. B. Vollkorn. Ist im Entzug ohnehin besser, den Zuckerkonsum einzuschränken. Ich meine mich zu erinnern, dass im US-Absetzforum survivingantidepressants.org mal vorgeschlagen wurde, sogar abends noch später komplexe Kohlenhydrate zu essen, um die frühe Cortisolausschüttung zu verzögern. Einige dort praktizieren das wohl auch. Ob es im Einzelfall funktioniert, kann man nur testen.
viewtopic.php?p=247124#p247124
Loewe schrieb
Aber der Tipp mit den Kohlehydraten hat schon das 2. Mal funktioniert. Ich bereite mir abends ein kleines Brot vor und lege es in den Kühlschrank. Wecker wird auf 5:00 morgens gestellt, dann tappe ich noch im Halbschlaf zum Kühlschrank, esse und lege mich wieder hin. Schlafe sofort weiter und siehe da- kein Morgenschreck kam! 😱😱😱 Natürlich kommt direkt beim Aufwachen noch ein kleiner Schub, aber es reißt mich eben nicht mehr so brutal aus dem Schlaf. Vielleicht lernt mein System jetzt, dass es nicht mehr so viel ausschütten muss. 😀😀
viewtopic.php?p=248384#p248384

lg padma
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Re: Unruhe etc. aufgrund der frühmorgendlichen Cortisolausschüttung

Beitrag von Anikke » Samstag, 19.05.18, 21:16

Hallo,
das ist schön dass ihr diesen thread aufgemacht habt.
Ich habe ja auch seit langem mit diesen cortisolausschüttungen zu tun.
Dazu habe ich im inet diese Seite gefunden und werde mal eine zeitlang die Lebensmittel, die ich Vertrage, vermehrt zu mir nehmen:
http://www.stronggeneration.com/cortiso ... elfen-dir/
liebe grüße anikke
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Anikke
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Re: Unruhe etc. aufgrund der frühmorgendlichen Cortisolausschüttung

Beitrag von Anikke » Samstag, 19.05.18, 21:25

hallo,
wer von euch weiß, was komexe Kohlenhydrate sind??
Liebe grüße anikke
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Guglhupf
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Re: Unruhe etc. aufgrund der frühmorgendlichen Cortisolausschüttung

Beitrag von Guglhupf » Samstag, 19.05.18, 22:36

Hallo :)

Bei mir war das ganz lange einer der Hauptauslöser für schlimme Panikattacken. Ich hatte damals noch keine Erklärung für so schlimmes Herzrasen schon gleich am Morgen wo jeder andere anscheinend entspannt und ausgeschlafen ist. Das hat mir furchtbare Angst gemacht und so einen schlimmen Panikkreislauf ausgelöst.

Wollte nicht mehr recht schlafen, da ich jedes Mal - auch nachmittags - nach dem Schlafen mit Herzrasen aufwachte.

Erst diese logische Erklärung hat mir die Angst davor genommen. So merke ich, dass ich zB nach üppigen Mahlzeiten oder wenn es unter der Decke zu heiß ist mit hohem Puls munter werde, aber so wie ich wach bin geht das sofort zurück weil ich weiß, dass es komplett normal ist.

Wahnsinn wie sehr mich das Mal in Panik versetzt hat.

Viele Grüße
Anna
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Re: Unruhe etc. aufgrund der frühmorgendlichen Cortisolausschüttung

Beitrag von Arianrhod » Sonntag, 20.05.18, 19:32

ich habe ja Cortisontabletten 40 mg bekommen,
und sollte sie zwischen 5 und 8 Uhr morgens einnehmen,
weil der Körper da seinen höchsten Cortisolspiegel hat....
die Arzthelferin sagte mir, am besten wird das vertragen,
wenn ich vorher was esse : also am Bett liegen habe: einen halben Früchteriegel, ein Stück Brot, egal.
Ich frage mich nun, ob das auch allgemein helfen würde gegen die Wirkungen von Cortisol am Morgen:
kurz etwas essen und Wasser trinken.

Ich hatte zumindest keine Nebenwirkungen in Richtung Angst, konnte sogar weiterschlafen. Vielleicht probieren.

liebe Grüße Arian
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Re: Unruhe etc. aufgrund der frühmorgendlichen Cortisolausschüttung

Beitrag von Lana19 » Montag, 21.05.18, 21:58

Hallo

ich hatte das auch extrem schlimm während dem Entzug. Heute ab und an in Wellenzeiten. Aber zum Glück kein Vergleich.

Kekse oder so haben bei mir leider nichts gebracht.
Was ein klein wenig geholfen hat war aufstehen und aufs Trimm Dich Rad.
Furchtbar , weil totmüde aber die Unruhe wurde leicht besser.

So richtig weg war sie allerdings erst gegen Abend komplett

Grüße
Lana
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Re: Unruhe etc. aufgrund der frühmorgendlichen Cortisolausschüttung

Beitrag von Ululu 69 » Dienstag, 22.05.18, 20:21

Hallo Anikke,

hier eine Liste von www.WeightLessForAll.de

Übersicht komplexer Kohlenhydrate in Lebensmitteln
Kleie
Weizenkeime
Gerste
Mais
Buchweizen
Maismehl
Hafermehl


Produkte, die viele komplexe Kohlenhydrate enthalten
Bagels
ballaststoffreiche Frühstücksflocken
Brauner Reis
Bohnen
Erbsen
Fladenbrot
geschroteter Weizen
Haferflocken
Haferplätzchen
Kleiearten, alle
Kartoffeln
Knäckebrot
Linsen
Mais
Makkaroni
Maniok
Müsli
Nudlen
Spaghetti
Süßkartoffeln
Vollkornbrot
Vollkorncerealien
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Re: Unruhe etc. aufgrund der frühmorgendlichen Cortisolausschüttung

Beitrag von padma » Samstag, 02.06.18, 22:33

hallo zusammen,

von Carlotta :)

ich kenne seit genau dieses Abwechseln von Phasen der Übererregung gepaart mit schlechtem Schlaf und Übermüdungs-/Erschöpfungsphasen mit wieder mehr Schlaf. Begleitet mich seit Jahren durch den Entzug.

Ich habe von diesen Phasenwechseln auch des Öfteren von Betroffenen gelesen.

Meine Theorie dazu ist, dass nach Phasen, wo der Fight-or-Flight-Modus extrem dominiert und u. a. hohe Mengen Cortisol ausgeschüttet werden, die Nebennieren derart erschöpft sind, dass es zu diesen Übermüdungsphasen kommt, wo man gefühlt gar nicht mehr richtig wach wird. Wenn sich der Körper dann wieder einigermaßen davon erholt hat, droht u. U. leider wieder der nächste Cortisolschub (sofern die Entzugssymptomatik noch nicht weiter abgeklungen ist bzw. überwunden).

Das zeigt deutlich, dass kein Gleichgewicht an Reaktionen mehr vorhanden ist (das haben die Medikamente verbrochen), sondern der Körper zwischen den Extremen hin- und herpendelt. Es gilt, langfristig wieder in ein Gleichgewicht zu kommen.

Kaffee ist dabei wirklich mit Vorsicht zu genießen! Abgesehen davon, das er kaum hilfreich ist, ist Koffein psychoaktiv und kann das Chaos im Nervensystem noch anheizen. Auch wenn man das vielleicht nicht unmittelbar merkt. Wenn Du gar nicht darauf verzichten möchtest, dann versuche den Konsum zumindest zu reduzieren.

Es dauert leider alles die körpereigene Zeit, man braucht Geduld.
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Absetzverlauf:
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Neu: Infos rund um Antidepressiva, Absetzen, Umgang mit Entzug
: https://adfd.org/austausch/viewtopic.php?f=18&t=15490


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Re: Unruhe etc. aufgrund der frühmorgendlichen Cortisolausschüttung

Beitrag von padma » Sonntag, 05.08.18, 22:46

von LinLina :) :
Das mit der verzögerten Unruhe morgens kenne ich auch. Das liegt sicher daran, dass der Cortisolspiegel morgens so um 7 oder 8 am höchsten ist. Die Cortisolausschüttung fängt irgendwann nachts/sehr früh morgens an, das weckt viele von uns sehr früh. Dann steigt er weiter, und je nachdem wie sensibel man darauf gerade reagiert wird man eben irgendwann unruhig. Ich denke es ist gut, dann auf den Körper zu hören, und so lange liegen zu bleiben wie es gut tut und dann möglichst in die Bewegung zu gehen, das entspricht dem natürlichen Verhalten.

Schau mal hier gibt es einen anschaulichen Beispielverlauf
http://www.med4you.at/laborbefunde/lbef ... profil.gif
https://adfd.org/austausch/viewtopic.ph ... 10#p263010
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Re: Unruhe etc. aufgrund der frühmorgendlichen Cortisolausschüttung

Beitrag von Tapira » Montag, 06.08.18, 11:26

Hallo in die Runde,
hätte ich das mal früher gewusst! Als ich diese Info das erste Mal gelesen habe, ist es mir wie Schuppen von den Augen gefallen!
Das war noch vor meiner AD Zeit und vor der Angst- und Zwangsstörung...morgens aufgewacht und gleich auf 180 gewesen. Schrecklich. Hätte ich euch nur früher gefunden, hätte ich es auch ohne AD geschafft, da bin ich mir sicher.
Aber jetzt ist es wie es ist :)
Hier im Forum kriegt man so unglaublich viele Infos, dass man eigentlich für alle Probleme die man so hat, eine Antwort findet :)
Liebe Grüße
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Re: Unruhe etc. aufgrund der frühmorgendlichen Cortisolausschüttung

Beitrag von vindi74 » Mittwoch, 08.08.18, 21:53

könnte eine Nebenniere schwäche sein. ich bin das auch gerade am checken bei mir

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Re: Unruhe etc. aufgrund der frühmorgendlichen Cortisolausschüttung

Beitrag von padma » Dienstag, 14.08.18, 13:52

von Lina :) ,

Ich hatte das auch schon anhaltend viele Monate mit dieser ständigen Unruhe und Angst den ganzen Tag. Das ist extrem anstrengend und kraftraubend :hug:

Ich denke, erstmal helfen da oft nur sogenannte coping Strategien, die du ja auch schon verwendest, also zu schauen wie kannst du es irgendwie aushalten, indem du dich ablenkst, Gesellschaft hast wenn möglich usw. man läuft dann wie getrieben herum und ist gleichzeitig total fertig :hug:

Wäre es für dich möglich, morgens schon gleich raus zu gehen wenn die Unruhe so schlimm wird? Vielleicht mit Walking Stöcken zu laufen, bis zu zumindest körperlich etwas ruhiger bist?

Laufen wirkt auf verschiedene Weise ausgleichend auf das Nervensystem. Zum einen wird durch die körperliche Bewegung der hohe Adrenalin und Cortisolspiegel wieder gesenkt, außerdem wirkt der Rhythmus dass man abwechselnd die Beine und Arme rechts und links und diagonal bewegt ausgleichend auf das Gehirn.

Als bei mir die Angst so schlimm war, konnte ich teilweise nicht raus, aber wenn es irgendwie ging bin ich 3-4 mal rausgegangen und habe mit meinen Walkingstöcken meine Runde gedreht. Irgendwann ging es dann nach und nach besser.
https://adfd.org/austausch/viewtopic.ph ... 00#p264800
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Re: Unruhe etc. aufgrund der frühmorgendlichen Cortisolausschüttung

Beitrag von padma » Donnerstag, 30.08.18, 13:26

von Carlotta :) :
Hallo,

kurz zum Cortisol, da die Frage ja immer wieder aufkommt:

Man geht im Zusammenhang mit einem Entzugssyndrom davon aus, dass die Level erhöht sind (und nicht, dass man auf normale Level plötzlich stärker reagiert, zumindest habe ich das noch nirgends außer hier manchmal gelesen, weiß aber nicht, auf welche Quelle sich diese Interpretation bezieht). Altostrata, Gründerin des US-Forums survivingantidepressants.org, die sich ja lange und intensiv auch wissenschaftlich mit dem Thema beschäftigt hat, dazu:

This seems to be a very common symptom of withdrawal syndrome. Many people report waking up with a surge of panic or anxiety, or a feeling of anxiety early in the morning. A lot of times, people are waking around 4:30 a.m. or closer to dawn. The first glimmers of morning light signal the nervous system to start the morning cycle with a jump in cortisol. At normal levels, cortisol gives you energy. At elevated levels, cortisol gives you a feeling of unease, anxiety, panic, or depression. When you have withdrawal syndrome, your system is on "high alert" all the time. The normal morning peak of cortisol gets exaggerated and what you would normally feel as "wake up" becomes a surge of panic, anxiety, or dread in the early morning. [meine Hervorhebungen]

Quelle: https://www.survivingantidepressants.or ... comment=41

Das ergibt auch Sinn im Zusammenhang mit der Übererregbarkeit durch den ständigen/häufigen Fight-or-Flight-Modus, in dem man sich im Entzug befindet. Der ist ja gerade gekennzeichnet durch überhöhte Ausschüttung von Stresshormonen.

Zudem kommt es häufig im Entzug auch zu Phasen der totalen Erschöpfung (oft auch im Wechsel mit Akathisie), was für eine (vorübergehende) Nebennierenschwäche spricht, hervorgerufen durch die permanente, überhöhte Produktion von Stresshormonen.

Liebe Grüße
Carlotta
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