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Liebe Mitglieder des ADFD-Forums, liebe Interessierte,

Update: wir sind bisher noch nicht zu einer tragfähigen Lösung gekommen und müssen unseren Aufnahmestopp daher leider länger als geplant aufrecht erhalten.

wir mussten uns heute, am 31.03.2019, zu einem gleichermaßen ungewöhnlichen wie einschneidenden Schritt entscheiden.
Wir werden das Forum für ca. 4 Wochen für Neuanmeldungen schließen und damit einen Anmeldestopp verhängen.
Bislang freigeschaltete Mitglieder können das Forum natürlich wie gewohnt nutzen und dort schreiben.

Es tut uns leid für diejenigen, die sich nun gerne anmelden möchten und nicht können, aber aufgrund einer völligen Überlastungssituation sind wir nicht mehr in der Lage noch mehr Mitglieder zu betreuen.
Wir müssen uns in den kommenden Wochen auch überlegen, wie das Forum künftig organisiert werden kann, so dass es fortbestehen kann.
Das Forum wurde in den letzten Wochen geradezu mit Neuanmeldungen geflutet und es ist uns nicht mehr möglich, diese Massen an Anfragen auf Basis unseres ehrenamtlichen Engagements zu bewältigen.

Trotzdem wollen wir keinen von Euch hängen lassen.
Zum einen steht in diesem Forum wirklich alles Relevante, was Ihr wissen müsst, wenn Ihr Eure Psychopharmaka verantwortungsvoll, schonend und nachhaltig absetzen wollt und zum anderen haben wir auch extra noch mal die allerwichtigsten Artikel und Tipps für Euch zusammengestellt.
Nehmt Euren Wunsch, Eure Medikamente auszuschleichen aktiv in die Hand, lest die Infoartikel, wühlt Euch durch die Threads der anderen Betroffenen und erlebt, dass alle im gleichen Boot sitzen, benutzt gerne auch die Suchfunktion... Ihr werdet sehen, so gut wie keine Frage wird unbeantwortet bleiben.

=> Hier sind nochmal häufige Fragen von Neuankömmlingen für Euch beantwortet. <=

Für unsere Bestandsmitglieder und natürlich auch für diejenigen, die an den tiefer gehenden Gründen interessiert sind, weswegen wir den Anmeldestopp verhängt haben, haben wir eine genauere Erklärung verfasst.

Wir danken für Euer Verständnis und erbitten zahlreiches und konstruktives Mitwirken
Das Team des ADFD

vegetative Nervensystem (Sympathikus und Parasympathikus) /Stresshormone

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vegetative Nervensystem (Sympathikus und Parasympathikus) /Stresshormone

Beitrag von padma » Samstag, 20.01.18, 18:20

hallo zusammen, :)

da ein Ungleichgewicht zwischen Sympathikus und Parasympathikus bei der Entzugssymptomatik eine wichtige Rolle zu spielen scheint, fange ich hierzu einen thread an und kopiere 2 Beiträge rei
Gelblack :) schrieb:

Um mit Unsicherheit und Verzweiflung besser umgehen zu können, hatte mir geholfen zu verstehen warum es mir schlecht ging. Welche Prozesse laufen in meinem Körper ab, was kam da ausser Takt.

Es ist das vegetative Nervensystem (Sympathikus und Parasympathikus) das massive Probleme hat. Wenn der Körper im Einklang ist, ist das dem vegetativen Nervensystem zu verdanken. Alle vegetativen Körperprozesse laufen dann im Hintergrund und dir geht es blendend. Im Entzug ist das vegetative Nervensystem aufgerieben. Sympathikusfunktionen sind so stark gestört, dass der Gegenspieler Parasympathikus keine Chance mehr hat entsprechend gegen zu regeln, damit der Körper frei von Symptomen läuft. Das sind dann die Entzugssymptome, die zum Großteil echt abstrus sind. Gerade das Gedankengut solltest du skeptisch betrachten. Ich bin kein Mediziner, aber so hatte ich das verstanden, als ich im Buch von Claire Weekes, Hope and Help for your Nerves, quergelesen hatte.

Wie sind deine Englischkenntnisse? ... Falls du gute Grundkenntnisse haben solltest, kann ich dir dieses Buch empfehlen. Ich habe es auf Kindle und kann somit das hinterlegte Englischwörterbuch nutzen, wenn ich mal ein Wort nicht verstehen sollte.

Die Umstände zu akzeptieren und den Glauben an eine Heilung nicht zu verlieren ist schwer, aber der einzige Weg der bleibt. Bei SA in der Rubrik Success Stories hat DizzyGirl den Kaltentzug von Paxil überstanden. Sie berichtet sehr anschaulich über die Zeit des Entzugs und wie sie sich immer wieder Ziele setzte um diese grausame Zeit zu überstehen. Sie hat es geschafft. Als Deutsche ist ihr Englisch einfach und gut verständlich. Auch die Reaktion von vielen Betroffenen in ihrem Thread finde ich sehr informativ.
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Monalinde :) schrieb

ich klinge mich jetzt einmal hier ein, weil ich einen Bezug herstellen möchte, zu dem was Gelblack über das vegetative Nervensystem im Entzug schreibt.
In einem Psychiatrie- und Psychologieforum, das von einem Experten betreut wird, habe ich viele meiner Symptome geschildert, z.B. dieses panikartige Aufwachen am frühen Morgen, Unruhezustände, die bis zu zwei Stunden und länger dauern können, Angstgedanken, Reizüberflutung durch Musik, wechselnde Emotionen, Besserung oftmals gegen Abend, manchmal auch das Gegenteil, wechselnden Tinnitus und vieles andere.
Ich habe dann die Frage gestellt, ob es evtl. doch eine Unregelmäßigkeit im vegetativen Nervensystem sein könnte, nachdem ich triftige psychische Gründe dafür nicht mehr hahaerkennen könne.

Viele Betroffene haben auf die Psyche verwiesen. Um so verwunderter war ich als der Experte, ein Psychiater mir folgendes dazu mitgeteilt hat.
"Ihre Beschreibung erinnert tatsächlich an eine sog. zirkardiane Rhythmusstörung, d.h die Umschaltung vom parasympathischen Nachttonus auf den sympathischen Tagtonus klappt nicht immer- wie auch umgekehrt."
Dann die Frage: Können Sie tageszeitliche Häufungen oder Abhängigkeiten im Tagesrhythmus feststellen. Wie effektiv ist Ihr Schlaf?

Ich kann genau das alles feststellen und noch vieles mehr, seit ich die Antidepressiva genommen, wie auch abgesetzt habe und bin mir sehr sicher, dass es nur der Entzug sein kann, leider auch noch nach so vielen Jahren. Denn bei einer früheren Depression, bei der ich keine Antidepressiva eingenommen hatte, war das alles ganz anders. Weder Schlafstörungen danach, noch diese vielen körperlichen Symptome, wie Albträume und dgl.

Ich glaube zwar nicht, dass mir der Psychiater meine Symptome als Absetzerscheinungen durchgehen lassen wird, aber immerhin wird das bestätigt, was Gelblack beschrieben hat und auch ich immer so gefühlt habe. Ich werde weiter berichten.

Ich gebe die Hoffnung nicht auf, auch wenn ich manchmal am Verzweifeln bin, so wie viele hier auch. Ich habe auch heute noch neue Symptome wie jetzt z.B. Muskelkrämpfe und kann mir schon gar nicht mehr vorstellen, dass das alles auch einmal ein Ende haben kann.
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Re: vegetative Nervensystem (Sympathikus und Parasympathikus)

Beitrag von Murmeline » Samstag, 20.01.18, 18:26

Ich ergänze ;)

Übersetzung eines Beitrages von http://www.beyoundmeds.com von Murmeline
Quelle: http://beyondmeds.com/2015/04/15/oliver-sacks/

Der Ehemann von Monica, Paul Woodward, schreibt Monica Cassini (Langzeitentzug nach jahrelanger Polymedikation)

Oliver Sacks schrieb über einer aktuellen Phase seiner Krebsbehandlung im Endstadium und was er schreibt gibt etwas Aufschluss über das, womit Du (Monica) jeden Tag zu kämpfen hast.

Sacks: "Das vegitative Nervensystem (VNS), welches ohne jemals zu schlafen jedes Organ und Gewebe im Körper überwacht, teilt einem mit, wer man ist."

Das VNS ist somit das körpereigene System der Selbstwahrnehmung. Als solches kann es als Sitz des Bewusstseins gesehen werden, weil die Erfahrung, wie es uns geht, ist eng mit Gefühl, wer wir sind, verbunden.

Sacks:
Kurioserweise hast das Gehirn selbst keine Sinnesorgane, deshalb kann man schlimme Störungen hier haben, und fühlt dennoch kein Unwohlsein. Daher würde Ralph Waldo Emerson, der in seinen Sechzigern Alzheimer bekommen hat, sagen: "Ich habe meine geistigen Fähigkeiten verloren, aber mir geht sehr gut."

Im frühen zwanzigsten Jahrhunderts wurden zwei allgemeine Bereiche des vegitativen Nervensystems erkannt: der "sympathischen" Teil, der durch die Erhöhung der Herzleistung, das Schärfen der Sinne und das Anspannen der Muskeln ein Tier auf Handlung vorbereitet (in Extremsituationen beispielsweise lebensrettender Kampf oder Flucht); und das entsprechenden Gegenstück, der "parasympathischen" Teil, der die Aktivität in den „hauswirtschaftlichen“ Teilen des Körpers (Darm, Nieren, Leber, etc.) erhöht, das Herz verlangsamt und Entspannung und Schlaf fördert. Diese beiden Teile der VNS arbeiten in der Regel in einer glücklichen Gegenseitigkeit; daher ist die angenehme Müdigkeit, die einer schweren Mahlzeit folgt, eben nicht die Zeit, um ein Rennen zu laufen oder sich in einen Kampf zu stürzen. Wenn die beiden Teile der VNS harmonisch zusammenarbeiten, dann man fühlt sich "gut" oder "normal".

Niemand hat darüber eloquenter geschrieben als Antonio Damasio in seinem Buch „The Feeling of what happens“ und in vielen nachfolgendem Büchern und Artikeln. Er spricht von einer "Kernbewusstsein", einem Grundgefühl, wie man ist, was schließlich zu einem vagen, impliziten Gefühl des Bewusstseins führt.

Vor allem dann, wenn die Dinge im Körper schief gehen, wenn eine Homöostase (Selbstregulierung eines Gleichgewichtszustandes) nicht eingehalten werden kann; wenn die autonomen Balance eine starke Schlagseite zu einer Seite oder der anderen hat, dann bekommt dieses Kernbewusstsein, das Gefühl, wie man ist, eine aufdringliche, unangenehme Qualität, und nun wird man sagen: "Ich fühle mich schlecht, etwas stimmt nicht." In solchen Zeiten sieht auch niemand mehr gut aus.

Da Wohlfühlen eine homöostatische Grundlinie ist, ist es natürlich eine Art unterschwelliges Bewusstsein - etwas, dass nur durch seine Abwesenheit auffällt. (mehr unter: http://www.nybooks.com/articles/archive ... -disorder/)
Unwohlsein, auf der anderen Seite, ist von Natur aufdringlich. Man könnte lernen, wie man damit umgeht, aber wir Menschen sind nicht dafür geschaffen, uns daran zu gewöhnen. Der Zweck der VNS ist es, der es unmöglich macht, Unwohlsein zu normalisieren (EDIT: ich verstehe das so: denn Ungleichgewicht ist Unwohnwohlsein und der Körper versucht immer und immer wieder, dieses auszugleichen und ins Gleichgewicht zu bringen).

Eine Verletzung der VNS ist einfach die schlimmste Art von Verletzungen, weil es die Fähigkeit betrifft, Verletzungen zu spüren. Man kann alle Arten von Verletzungen und Krankheiten haben, bei denen das Gefühl des Unwohlseins zeitweise auftritt, aber es definitiv sehr quälend wenn etwas die Fähigkeit, Wohlsein zu spüren, so stark betrifft.

Es scheint mir allerdings, was Dich rettet und auf dem Weg zu Deiner Heilung voranbringt, ist Deine Bereitschaft Dein Unwohlsein zu fühlen. Wie Du sagst, man kann nichts heilen, was man nicht fühlt. (As you say, you can’t heal what you don’t feel)

Ich denke, für "normale" Menschen ist es nicht nur schwierig, sich vorzustellen, sich ständig unwohl zu fühlen, es ist definitiv auch nicht etwas, was man sich vorzustellen wünscht.

Ich weiß, Du sagst oft, Du fühlst Dich gebrochen, aber paradoxerweise zeigt Dein Gefühl des Unwohlseins an, dass Dein VNS funktioniert, wie es sollte. Doch während andere Formen der Heilung im Hintergrund stattfinden können, ist die Heilung der VNS zwangsläufig ein Vordergrundprozess, der alle Deine Aufmerksamkeit fordert.
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Dein Behandler nimmt Absetzproblematik nicht ernst? Das geht anderen auch so, siehe hier
Einer Deiner Ärzte erkennt Probleme mit Psychopharmaka an? Dann berichte doch hier

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Re: vegetative Nervensystem (Sympathikus und Parasympathikus)

Beitrag von padma » Donnerstag, 08.03.18, 17:47

von Veilchenwien :) :


Hallo, ihr Lieben! Ich war heute bei einer Endokrinologin. Und das war super. Sie hat mir ganz viele hormonelle Zusammenhänge erklärt und drei Bereiche zur Reduktion meiner Unruhe herausgearbeitet. Ich kann es hier gar nicht mehr so genau erklären, sage euch aber die Überschriften.
1) Zu viel Sympathikus, zu viel Stress und zu wenig Parasympathikus. Also Stress abbauen und mit neuem Stress besser umgehen lernen und Sport und Selbstfürsorge vermehren -bin ich eh stark dran. Bin sehr Stressanfällig.
2) An den Gefühlen arbeiten, die sich auch wieder in körperlichen Symptomen und Adrenalinausschüttung und Cortisolanstieg äußern (können) (Bin ich auch dran, weil ich wieder regelmäßig Psychotherapie mache)
3) mehr essen. Stress macht oft, dass wir zu wenig essen. Ich hatte dieses Problem NIE. Konnte immer essen. Habe aber selbst schon bemerkt, dass ich in letzter Zeit wirklich wenig gegessen habe. Hunger, bzw zu wenig Nahrung und ein niederer Grundumsatz und dann aber Belastungen und Sport sind wieder Stress für den Körper und machen wieder Adrenalin und Cortisolausschüttung und setzen auch Orexin frei, das Hungerhormon. Sie hat es recht anschaulich erklärt: Wenn wir in der Steinzeit in der Höhle sitzen, draußen 4 Meter Schnee und unsere Vorräte sind weg, dann sorgt Orexin dafür, dass wir uns noch aufraffen können raus zu gehen und zu jagen. Nimmt auch das Hungergefühl und Schmerzen weg. Da ich ja nicht jagen muss, habe ich wieder zu viel Unruhe in mir.
Sie hat mir geraten, nach dem Abendessen noch einmal eine Kohlehydratmahlzeit einzuführen.ZB ein Butterbrot. Eine Banane ist zu wenig, hat sie gemeint. Das soll auch bei manchen Schlafstörungen helfen, weil ja der Hungerstress in der Nacht wieder zu viel Cortisol ausschütten lässt und wir aufwachen/ nicht schlafen können. Ich hab in der Nacht keinen Hunger, ich hab überhaupt nicht so oft Hunger, aber der Mechanismus ist dennoch so.
Ich hoffe, ich hab das halbwegs richtig weiter gegeben. Ist halt sehr laienhaft, hat mir aber sehr viel Sinn gemacht. Ich hoffe, es ist auch für euch nachvollziehbar.
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Re: vegetative Nervensystem (Sympathikus und Parasympathikus) /Stresshormone

Beitrag von padma » Donnerstag, 05.04.18, 17:57

von Jamie :) :
Ich litt und leide unter massiven Schlafstörungen.
Wenn ich früher irgendwann nach Stunden endlich eingedöst war, bin ich oft nach ein paar Minuten mit einem massiven Adrenalinschub wieder aufgewacht, innerhalb von Sekunden war dann die Panik da, das Herz raste, Verzweiflung usw.
Das ist meines Erachtens eine klassische absetzbedingte (oder AD-bedingte) Stressreaktion und deutet auf eine Störung im System Sympathikus-Parasympathikus hin, das aus dem Tritt kommt.
Normalerweise gleitet man im Schlaf ja zwischen verschiedenen Zuständen hin und her (Leichtschlaf, Träumen, Tiefschlaf etc.) - wenn man da so rausgerissen wird, dann ist der ganze Organismus durcheinander.

Hilfreich ist es da sich zu sagen, dass das alles sehr unschön ist, bedrohlich wirkt und dass man wirklich auch alles Recht hat sich zu fürchten, aber dass diese Entgleisungen nicht tödlich sind.
Ich leide Gott sei Dank nicht mehr so oft darunter und wenn es noch mal vorkommt, dann mache ich es wie du, stehe sofort auf, versuche mich abzulenken und die Gedanken von dieser bedrohlichen Situation wegzulenken, weil ich sonst nur meine eigene Angst füttere.
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Re: vegetative Nervensystem (Sympathikus und Parasympathikus) /Stresshormone

Beitrag von padma » Mittwoch, 18.04.18, 10:45

von Carlotta :)
Da im Entzug gerade das Zusammenspiel von Parasympathikus und Sympathikus nicht richtig funktioniert, steht der Körper viel stärker unter Strom als im Normalfall. Die sog. Fight-or-Flight-Reaktion, also die körperliche Reaktion auf drohende Gefahr mit Ausschüttung von Stresshormonen etc. ist völlig enthemmt. Das äußert sich leider gerne ganz besonders deutlich, wenn man zur Ruhe kommen will, z. B. nachts. Dann interpretiert der Körper das so: "Oh, hier lässt gerade die Aufmerksamkeit nach, das geht aber nicht, da könnte ja gleich der Säbelzahntiger kommen!" Und schwupps, beschleunigen sich Herzschlag und Puls, Blutdruck geht hoch, Körpertemperatur auch und tausend andere Prozesse kommen in Gang, die in Ruhephasen eigentlich so nicht ablaufen sollten. Das ist eine häufige Fehlinterpretation des ZNS, denn die Gefahr ist ja nicht real. Deshalb haben auch so viele im Entzug Schlafprobleme oder wachen mit Panik auf. Gerade wenn die Aufmerksamkeit zu stark nachlässt, schießt das ZNS verstärkt dagegen. In Wellen umso mehr.
viewtopic.php?p=242383#p242383


Dazu passt von Altostrata:
Sogar bei Menschen, die unter den schlimmsten Antidepressiva-Absetzsyndromen leiden, werden die Serotoninrezeptoren wahrscheinlich lange vor dem Abklingen der Symptome regeneriert. Während der Reparaturphase des Serotoninsystems gerät jedoch das vegetative Nervensystem aus dem Gleichgewicht. Das „Flucht oder Kampf“-Zentrum im Locus caeruleus wird enthemmt und das Glutamat-System wird aktiver als im Normalzustand. Dies nennt man Enthemmung des körpereigenen Alarmsystems und es ruft Symptome wie Panik, Angstzustände, Schlaflosigkeit und furchtbare Vorstellungen hervor.
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Re: vegetative Nervensystem (Sympathikus und Parasympathikus) /Stresshormone

Beitrag von Katharina » Mittwoch, 18.04.18, 11:40

Hallo, vielen Dank!

einmal mehr die Erklärung weshalb ich durch nichts meine Körper Reaktion auf die sogenannte Uhrzeit umstellen kann:

pünktliches Herzrasen
Unruhe

es wäre schön dann eine Runde rennen zu können,
eine Option, einmal im Treppen Haus hoch und runter 100 Treppen Stufen um die Unruhe weg zu bekommen /Ideen vom Arzt.
Ich habe keine Kraft dafür
ich komme nicht vor die Türe, evtl spät und unsicher,
ich nehme kontinuierlich ab,

esse viel Kohlehydrate wenn noch mehr Stress von außen ansteht

sonst nimmt das Essen eher ab
der Hunger auch

Wie immer im Stress, Blutzucker atypisch niedrig
wenn ich dann extra viel Kohlehydrate esse um Unterzuckerung zu vermeiden.

Gefühle auf null,
abwarten.

Grüße,
Katharina
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Re: vegetative Nervensystem (Sympathikus und Parasympathikus) /Stresshormone

Beitrag von Katharina » Mittwoch, 18.04.18, 17:07

Hallo, guten Abend !

Kälte und Wärme Empfinden wird auch zu den Stressreaktionen des VNS gehören
Ausser Ruhe kann man selbst wohl wenig bewirken, ich überlege nur.

Früher gab es die Diagnose: Vegetative Dystonie.
Heute habe ich ungute Gefühle bei Diagnosen, wenn die in die Bereiche Psyche geraten,
und damit eventuell zu Medikamenten führen könnten,

was daran liegt, das ich sehr matt und deshalb zum diskutieren nicht bereit wäre.



Liebe Grüsse,

Katharina
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Re: vegetative Nervensystem (Sympathikus und Parasympathikus) /Stresshormone

Beitrag von padma » Dienstag, 22.01.19, 18:28

ein Beitrag von Ananas zu Krämpfen im Solarplexus mit Mundtrockenheit:
Sie sind so massiv körperlich !
Ich weiß, wie bescheuert das klingt - eigentlich kaum vorstellbar.
Klingt nicht bescheuert, dieses Absetzen bringt die absonderlichsten Symptome hervor - ich kann diese teilweise nicht
mal Jemandem beschreiben. :( Wenn das dann irgendwie gelingt, kann trotzdem eine Person, die es nicht selbst durchgemacht hat, kaum etwas damit anfangen. Was Anderes ist es, wenn man z.B. sagt, man hat Migräne, das kennen die meisten (leider)!
es sind regelrechte Krämpfe - ich vermute im Solarplexus....

Und mir ist aufgefallen, daß ich immer dann auch einen sehr trockenen Mund habe ! Schlimmer als sonst.
Das muß es einen Zusammenhang geben.
Es könnte sein, daß es Nervenschmerzen sind, dieser Bereich (Sonnengeflecht) enthält ja viele Nervenstränge oder es sind fehlgeleitete Nervenimpulse (durch das heilende ZNS), die Muskelkontraktionen in diesem Bereich verursachen.

Es gibt einen Zusammenhang - durch Stress/Anspannung, die wir durch den Entzug erfahren, wird der Symphatikus phasenweise stark aktiviert, es kommt vermehrt zur Cortisol-/Adrenalinausschüttung, die einen trockenen Mund verursachen.
Das kann man auch bemerken, wenn man z.B. einen Vortrag vor vielen Menschen halten muß - da wird auch der Mund trocken -
es sind die gleichen Regularien.

Das sind die uralten Mechanismen (Kampf-/oder Fluchthaltung) im Körper des Menschen, die hierbei zum Tragen kommen -
Spucke wird beim Kampf oder Jagen nicht gebraucht - erst wieder, wenn der Körper zur Ruhe kommt (Parasymphatikus) u. das erlegte Tier verspeist wurde - spätestens bei der Nahrungszerkleinerung ist Speichel dann wieder notwendig.
Ob sich das eines Tages auch wieder abschwächt ? Es hat sich ja erst im Laufe des letzten Jahres erst so massiv
entwickelt !
Ich glaube fest daran, daß es sich mit zunehmender Heilung des ZNS wieder verliert - es ist eben nur schlimm, daß man nicht mal ansatzweise etwas zur Dauer der Symptomatik sagen kann.
https://adfd.org/austausch/viewtopic.ph ... 81#p286881
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Re: vegetative Nervensystem (Sympathikus und Parasympathikus) /Stresshormone

Beitrag von Mole25 » Dienstag, 22.01.19, 21:34

Hallo Katherina und Padma,

zur Zeit mache ich auch eine schlimme Zeit durch. Meine ZNS überregiert. Ich erlebe eine starke Panik/Angst gegen 11:00 Uhr ein Rausch im Kopf - egal, wo ich bin. Egal, ob ich nette Nachbarn siehe, ob ich einkaufe, oder ich male - und plötzlich kann ich nicht nach links gucken. Ich denke, ich sterbe. Ständig neuralgische Bewegungen im Kopf - brain movement.
Dann nach 14:00 Uhr das schlimmste Gefühl ist weg! Wohl leichtes Brain movement. Mein "Charly" ist wenigstens vorhersehbar. Grundsätzlich mache ich kein Nickerchen tagsüber - sonst ist "er" wieder da beim Aufwachen.
Zum Glück kann ich gut schlafen, wache mit leichter Panik auf - aber kein Erbrechen mehr. Dann kommt die Angst.
Es ist keine Lebensqualität, wenn ich ständig Angst habe, raus zu geben usw. Ich fühle mich "down"
Ich denke, es ist in der Winterzeit schlimmer geworden, da ich keine Gartenarbeit mache. Jacobsons Progressiv-Muskelentspannung auf dem Balkon in der Sonne mit einer Decke hilft.
Na ja, bald kommt Frühling.

LG Mole
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Re: vegetative Nervensystem (Sympathikus und Parasympathikus) /Stresshormone

Beitrag von padma » Montag, 04.03.19, 22:37

ein Beitrag von Jamie:
Nachts mit Schweißausbrüchen aufzuwachen ist ein typisches Zeichen, dass die Balance zwischen Sympathikus und Parasympathikus durcheinander gekommen ist. Vermutlich fluten dann auch Stresshormone (Cortisol, Adrenalin) deinen Körper und verursachen die Symptome; dafür sprechen Schwitzen und Kälteschauer.

Ich habe auch immer wieder nachts Bauchschmerzen, das hängt mit dem Parasympathikus zusammen, dieser ist nachts aktiver und soll für Schlaf und Entspannung sorgen, sorgt aber auch für die Verdauung und Drüsentätigkeit (unter anderem) und wenn das ZNS hypersensibilisiert ist, dann spürt man leider Magen und Darm viel stärker und nachts sowieso, wo der Körper normalerweise ruhiger ist.
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Re: vegetative Nervensystem (Sympathikus und Parasympathikus) /Stresshormone

Beitrag von padma » Dienstag, 12.03.19, 10:48

Entzündete Brustwarzen als mögliches Absetzsymptom durch überaktiven Sympatikus

Razia schrieb
die Brustwarzen sind nicht mehr entzündet. Ich vermute, die hatten sich wundgescheuert, weil sie irgendwie dauer aufgestellt sind. Keine Ahnung woher das kommt, das hab ich sonst noch nie gehabt. Gyn meinte, das könnte nicht von der Hormonumstellung kommen, was ich sehr merkwürdig fand. Naja, evtl. ist es ein Absetzsymptom.
Antwort von Annanas
Es könnte tatsächlich ein Absetzsymptom sein, so komisch das klingt.

Ich hatte mal vor einer Weile nach Sympathikus/Parasympathikus - Aufgaben geschaut, finde jetzt allerdings die spezielle Seite nicht mehr, wo zu den Brustwarzen etwas stand.

Vllt bekomme ich das sinngemäß hin:
Ein Teil des ZNS ist das vegetative Nervensystem, dieses wiederum gliedert sich in Sympathikus, Parasympathikus und Eingeweidenervensystem.

Stress, den wir durch das Absetzen automatisch haben, läßt den Sympathikus übermäßig aktiv werden - das kann
sich in Unruhe (erhöhter Puls), Muskelanspannung usw äußern, es wird mehr Energie bereitgestellt.

Eine Rolle spielt dabei das Noradrenalin, das sorgt dafür,
daß sich die winzigen Haarbalgmuskeln zusammenziehen/kontrahieren (Gänsehaut, Haare stehen zu Berge) und das kann auch nur punktuell passieren, was dann zu Verhärtungen führt u in diesem Fall die Brustwarzen betrifft.

Was normal auch ein gewünschter Effekt ist (Säugling zB).
Ursächlich sind es wohl auch in deinem Fall, wie bei den Absetzsymptomen überhaupt, fehlgeleitete Nervenimpulse, bedingt durch den absetzbedingten Stress im ZNS :cry:

Mittlerweile glaube ich wirklich, daß aber auch jede Stelle des Körpers von Absetzsymptomen heimgesucht werden kann, was eine Abklärung nicht gerade vereinfacht.
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Re: vegetative Nervensystem (Sympathikus und Parasympathikus) /Stresshormone

Beitrag von padma » Sonntag, 14.04.19, 17:18

Lesser1981 hat geschrieben: ↑

Morgens ist die Angst überwältigend, dauert dann immer
So bis zum Mittag hin. Dann ist alles ok ausser die Gedanken sind dann anstrengend (immer Angst davor ich könnte mir was antun) das feuert wieder die Angst an
Und fühle mich dadurch angeschlagen.
Dann ist ein Fenster, und dann plötzlich total Schwäche
Und Müdigkeit die hält dann ne Std an.
Dann kommen gleich wieder Angst und Anspannung
Und Gedanken 🤢🤢🤢
Carlotta antwortet:
Das ist ein ganz typisches Muster. Die Angst und Zwangsgedanken morgens sprechen für einen erhöhten Stresshormonspiegel, allen voran Cortisol. Dessen Spiegel liegt in der ersten Tageshälfte ohnehin höher, im Entzug wird es dann aber durch die gestörte ZNS-Regulation mehr als gewöhnlich und kann auch im späteren Tagesverlauf über Normalmaß ansteigen. Dieses Übermaß an Stresshormonen leitet den sog. Flucht-oder-Kampf-Modus ein, der sich bei Dir in Ängsten äußert. Im weiteren Tagesverlauf fällt der Spiegel wieder ab, Du wirst ruhiger. Da aber in den frühen Stunden zu viel Stresshormone ausgeschüttet wurden und die Nebennieren deshalb auf Hochtouren liefen, kommt die Erschöpfung mitsamt Müdigkeit. Und dann folgt die nächste Runde - vermutlich weil der Körper Entspannung als bedrohlich empfindet, da man nicht aufmerksam genug auf "Gefahren" reagieren kann. Eine gestörte ZNS-Regulation, wie gesagt bzw. eine gestörte Interaktion von Sympathikus und dem (größernteils lahmgelegten) Parasympathikus. So erklärt es bspw. Altostrata vom US-Forum survivingantidepressants.org

Ich kenne dasselbe Muster mit abwechselnder Übererregbarkeit und Erschöpfung, bei mir dauern die Intervalle nur länger (mehrere Tage); auch äußert sich bei mir ein Stresshormonschub weniger in Angst als in Schlafproblemen und Unruhezuständen sowie Entzündungen. Letztendlich sind das alles Formen von Akathisie mit individuellen Ausprägungen.

Ich weiß, das Wissen darum verhindert nicht die Symptomatik, aber vielleicht beruhigt es dennoch ein wenig, wenn man es einordnen kann.
https://adfd.org/austausch/viewtopic.ph ... 27#p298427
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