Liebe Maja,
erstmal Grüße von HH nach HH

. Ich wollte versuchen, dir ein büschen Mut zu machen. Ich hab auch
sehr lange
sehr langsam abgesetzt. Alles was auf dem Beipackzettel stand, das hab ich mitgenommen

. Speziell zu der "Selbstmordgeschichte" kann ich mal versuchen, dir zu beschreiben, wie es damit bei
mir war. Du schreibst ja, du kennst die "Zaps". Versuch mal (also, du merkst, ich geb mir ordentlich Mühe beim Beschreiben, aber -hm, ist nicht so einfach), dir "Gedankenzaps" vorzustellen, so kurze flüchtige Gedanken, die durch deinen Kopf schießen und hastdunichtgesehen, sind sie wieder weg und erst mit kurzer Verzögerung fällt der Groschen und du grübelst, was war
das denn jetzt eben?!WAS hab ich da gedacht? Also. An Selbstmord hab ich nicht "gedacht", aber jede Art von Selbstverletzung "zapte" für Bruchteile von selbst durch meinen armen Kopf. So an Tagen, wo mir sowieso schon übel war und zittrig, ich schlecht geschlafen hatte und geschwitzt wie in der Sauna, nichts zum Frühstück herunterbekam außer Tee und ich mir immer sagte "nuur Absetzerscheinungen", keine Panik.... da ging ich vielleicht später mit dem Wäschekorb durchs Haus Richtung Waschmaschine und da -BlitzBlitz- schoss es mir völlig aus dem Zusammenhang durch den Kopf "...du könntest dir jetzt mal glatt in den Arm ritzen mit irgendwas" und hastenichtgesehen, blitzblitz, wars verschwunden und ich stand da mit meiner Wäsche und dachte, Jau, was war DAS denn nu eben? Ich hab das zuerst gar nicht mit dem Absetzen in Verbindung gebracht, später dann natürlich schon. Passiert ist mir nix, aber "geblitzt" hat es öfter, mit der Zeit hab ich mich auch davon nicht mehr ins Boxhorn jagen lassen, hinzu kam natürlich, dass niemand aus der Bekanntschaft sich das vorstellen kann und ich selbst das natürlich zu Anfang reichlich gruselig fand. Es wurde dann mit der Zeit weniger und verschwand irgendwann von selbst im Nirwana der Absetznebenwirkungen. So war das bei mir, also kein tiefes Selbstmordtief in dem es mich herumtrieb und dass ich vielleicht abends mit diesen Gedanken ins Bett ging und Morgens aufstand, gar nicht. Nur eben diese mit Superschallgeschwindigkeit durchschießenden Gedankenblitze. Na, jetzt hab ich mir das eben nochmal durchgelesen und ...

gemerkt, das es vielleicht doch schwer nachvollziehbar ist, oder? Ich lass es trotzdem dabei, vielleicht hilft es dir trotzdem? und wie du merkst, hab ich das doch auch überstanden

Ich drück dir die Daumen!!! Viele hanseatische Grüße von Bettina!!
Frühjahr 2001 Beginn mit 20 mg Paroxat, erster Absetzversuch begonnen in August 2001 und an Weihnachten 01 gescheitert. Von da an bis Ostern 2002 täglich wieder 10 mg und dann hab ich schließlich ohne Rückfall aber mit stärksten gesundheitlichen Einschränkungen (Zaps, Kopfweh, Schwindel, furchtbare Müdigkeit, totale Erschöpfung, Ängste, Zittern, Albträume) diese 10 mg reduziert und ausgeschlichen. Dazu brauchte ich tatsächlich bis März 2003. Seitdem ohne Medikament. Es war mir nicht bekannt, dass es den Wirkstoff auch flüssig gibt, so habe ich von der Tablette immer einige Krümel mehr abgekratzt, bis ich am Ende wochenlang Minikrümel fegte. Jede kleinste Reduzierung hatte zunächst wieder alle Beschwerden aufleben lassen.