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Unregelmäßige Einnahme von Mirtazapin

Hier lassen sich auch viele Erfahrungsberichte über das Absetzen von Antidepressiva und Benzodiazepinen finden.
Gesperrt
Schatzi
Beiträge: 1
Registriert: 16.04.2005 16:08

Unregelmäßige Einnahme von Mirtazapin

Beitrag von Schatzi »

Hallo,
ich bin heute das erste mal hier. Ich leide seit ein paar Monaten unter Schalflosigkeit, die sich in den letzten Wochen verstärkt hat. Ich erleben momentan sehr starken Streß und kenne diese Schlaflosigkeit aus ähnlichen Situationen. Vor ein paar Jahren habe ich Doxepin genommen, was mir damals gut geholfen hat, bis auf die Nebenwirkungen (starke Benommenheit, Gewichtszunahme). Meine Ärztin hat mir als Schlafmittel Stylnox gegeben, was mir nicht gut geht, da es oft Angstsymptome auslöst. Dann habe ich, weil mich das Doxepin total umhaut, voher Mirtazapin bekommen, von dem ich weniger als 15 mg einnehme. Damit schlafe ich sehr gut, habe keine Ängste, merke das Medikament aber sehr am nächsten Tag. Daher habe ich es nur ein paarmal genommen, jeden zweiten Tag und das nur 2 Wochen. Danach sollte ich es mit dem Stylnox probieren, aber ich kann das nicht nehmen. Meine Frage jetzt an euch. Ist es gefährlich, wenn ich das Mirtazapin nur ab und zu nehme? Den Effekt mit dem Schlaf erreiche ich dadurch, mir ging es auch bzgl. des Stresses deutlich besser, aber dann kam das Stylnox dazwischen mit den Angstsymptomen und jetzt wollte ich wieder auf das Mirtazapin umsteigen, aber nur kurzfristig. Es geht wirklich nur ums Schlafen. Ein anderes Schlafmittel was evtl. eine Abhänigkeit erzeugt, kommt für mich nicht in Frage.
Ich würde mich freuen, wenn ihr eine Antwort auf meine Frage hättet.
Liebe Grüße
Schatzi
Hannes Wien
Gründer
Beiträge: 903
Registriert: 27.10.2003 14:16
Wohnort: Wien
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Beitrag von Hannes Wien »

Hallo Schatzi,

willkommen im Forum!
Meine Ärztin hat mir als Schlafmittel Stylnox gegeben, was mir nicht gut geht, da es oft Angstsymptome auslöst
Kein Wunder das Zolpidem (Stylnox) wirkt genau so wie die Benzos auf dem GABA Rezeptor und macht auch abhängig.

Die Angstsymptome waren Entzugserscheinungen.
Meine Frage jetzt an euch. Ist es gefährlich, wenn ich das Mirtazapin nur ab und zu nehme?
Sorry aber wir können wirklich niemanden AD empfehlen, auch kurzfristig nicht, denn die meisten hier haben große Probleme mit dem Absetzen von AD´s.

Nur ein 2 Links zu Remergil:

http://www.adfd.org/austausch/viewtopic.php?p=8495#8495

http://www.adfd.org/austausch/viewtopic.php?p=7492#7492


Liebe Grüsse

Hannes
PhilRS
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Beitrag von PhilRS »

Hallo zusammen am Sonntag,
Hi Hannes,
Hannes Wien hat geschrieben:Kein Wunder das Zolpidem (Stylnox) wirkt genau so wie die Benzos auf dem GABA Rezeptor und macht auch abhängig.

Die Angstsymptome waren Entzugserscheinungen.
-> respektive Rebound-Symptome, d.h.: Das, wogegen man das Med. einnimmt, tritt wieder genau so auf wie vorher, wenn man das Med. absetzt (oder schlimmer als zuvor, i.d. Tagen direkt nach Absetzen). Ist der berüchtigste Grund + oft Anfang der Abhängigkeit bei Benzodiazepinen.

Wie Hannes richtig meint, sind Zolpidem und einige weitere Med. (Alpidem, Zopiclon) zwar "Nicht-Benzodiazepine", und von den Herstellern anfangs als "ungefährlich" beworben worden. Inzwischen gilt es aber als gesichert, dass sie ähnlich wirken und ähnliche Gefahren haben.

(Die Bindungsstelle am Rezeptor soll geringfügig anders sein als bei BD, das hat klinisch aber offensichtlich keinen "Schutzeffekt" vor Abhängigkeit.
= Eine Sache, die wir BTW schon 1992/93 kurz nach Einführung in der Klinik bemerkt haben, weil 'unsere' Abhängigen auf Stilnox genauso reagiert haben wie auf BD. Hat dann "nur" noch Jahre (!) gedauert, bis das auch der Hersteller "mitbekam".)

Hannes Wien hat geschrieben:
Schatzi hat geschrieben:Meine Frage jetzt an euch. Ist es gefährlich, wenn ich das Mirtazapin nur ab und zu nehme?
Sorry aber wir können wirklich niemanden AD empfehlen, auch kurzfristig nicht, denn die meisten hier haben große Probleme mit dem Absetzen von AD´s.
... für Freunde der englischen Sprache: Mirtazapin-Entzug "ultra".

<hr>
Wenn Du starken Stress hast - und damit sogar die vmtl. Ursache der Schlaflosigkeit kennst - wäre es ratsam, alles dranzusetzen, an dieser Ursache was zu ändern oder eine Alternative zum Umgang damit zu finden. Ich meine nicht (!), dass ich unterschätze, welche Art Stress das evtl. ist, und wenn es existenzielle Probleme sind, dass Du dagegen vielleicht gar nichts tun kannst usw.
-> Damit täte ich Dir bestimmt Unrecht.

Ich will nur dringend drauf hinweisen: Die Variante "Med. schlucken" ist unter allen Optionen m.E. als allerletzte in Erwägung zu ziehen. Mit den genannten Präparaten gehst Du ein Risiko ein, was vorher nicht abzuschätzen ist.

Viele Abhängigkeiten fangen so an, erst gelegentliche Einnahme, dann öfter, dann fällt es immer schwerer zu unterscheiden, ob+warum es nötig ist, ... außerdem tendiert der Mensch dazu, eine Abhängigkeit zu verdrängen.

Übrigens gilt der Grundsatz: Keine Wirkung ohne Nebenwirkung - d.h. auch die rezeptfrei käuflichen Schlafmittel können abhängig machen. Selbst die pflanzlichen, wobei ich die berühmte "Ausweichlösung" Johanniskraut extra nicht empfehlen will (die hat noch ganz andere NW und Wechselwirkungen).

Du hast Schlafstörungen, bei denen zusätzlich zugeführte Med. perspektivisch eher problematisch erscheinen. Wenn es eine Möglichkeit gibt (autogenes Training?), dann nutze alles andere aus, bevor Du "schluckst".

Alles Gute wünscht
-PhilippRS.

ps: Doxepin ist bekannt für den "Hangover" (=Müdigkeit am Morgen danach). Ähnlich (dämpfend) wirkende Antidepressiva sind Amitryptilin, Trimipramin usw. - alles recht gut bekannte Stoffe, im Gegensatz zum Mirtazapin, wo doch sehr viel noch unklar ist bzgl. Risiken.
Potenzieller Interessenkonflikt: Beamter, Forensische Psychiatrie (Finnland) seit 1/08.

Quellen: Medizin allgemein BMJ | JAMA | Lancet | NEJM || Psychiatrie/Neurologie Acta Psychiatr Scand | Am J Psychiatry | Arch Gen Psychiatry | Br J Psychiatry | JAACAP | JCPP | J Clin Psychiatry | J Clin Psychopharmacol | Neurology || Open Access | Ann Gen Psychiatry | BMC Psychiatry | Can J Psychiatry | CMAJ | CNS Spectrums | Depress Anxiety | PLoS Med
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