wie schon erwähnt, ich bin neu bei euch!
Nach nur wenigen gelesenen Berichten war mir klar, hier bin ich richtig.
Kurz zu meiner Person: ich bin weiblich, 36 Jahre jung und ehrlich gesagt ziemlich entsetzt, das ich in einer Medikamenten-Abhängigkeit gelandet bin.
Alles begann im Juni 2003. Ich fühlte mich ziemlich schlecht, konnte nicht richtig schlafen und ging meinen Kollegen mit meiner schlechten Laune auf die Nerven.
Ich hatte schon in früheren Jahren unter Stimmungsschwankungen gelitten (meist wegen privater Probleme), aber im Juni 2003 wurde es so schlimm, dass meine Hausärztin mich zum Neurologen überwies.
Nach einigen Gesprächen diagnostizierte die Neurologin eine ausgeprägte Depression bei mir, die bis ins Kindesalter zurückreicht.
Sie verschrieb mir neben einer Therapie auch Antidepressiva.
Da Anfangs die gewünschte Wirkung ausblieb, experimentierte Sie so lange herum, bis wir beim Paroxetin landeten.
Ich nahm also über ein Jahr lang tägl. 40 mg Paroxetin zu mir.
Während der Einnahme ging es mir immer besser und die "Nebenwirkungen" wie intensives Träumen und Schwitzen in der Nacht waren für mich nebensächlich.
Im August 2004 lernte ich dann einen ganz wunderbaren Mann kennen, mit dem ich auch heute noch zusammen bin.
Motiviert durch die vielen Glückshormone, die inwischen beendete Therapie und die Tatsache, das Paroxetin sich stark auf die Libido auswirkt, beschloss ich, der Medikamenteneinnahme ein Ende zu setzen.
Da meine Neurologin mir versicherte, Paroxetin würde nicht "abhängig" machen, sah ich keine Probleme, mich innerhalb von 3-4 Wochen aus der Behandlung auszuschleichen.
Zeitgleich damit begannen meine Probleme, die ich allerdings nicht auf den Paroxetinentzug bezog.
Ich hatte plötzlich ständig Kopfschmerzen und Schwindelgefühle (besonders wenn ich den Kopf nach links oder rechts drehte). Ich fühlte mich erschöpft, müde und lustlos. Meine Hausärztin schrieb mich ständig krank, weil ich auch am Arbeitsplatz fast einschlief vor Erschöpfung. Sie schickte mich zum Augenarzt und zu einem anderen Neurologen, die mich allerdings beide als "unauffällig" wieder entließen.
Dann stellte meine Ärztin fest, dass sich meine Schilddrüsenwerte geändert hatten und reduzierte das Hormon, das ich tägl. nehmen muß.
Nach einigen Tagen ging es mir immer besser und ich vermutete, dass sich meine Beschwerden auf die Schilddrüse bezogen.
Zu diesem Zeitpunkt hatte ich das Paroxetin 3 Monate nicht mehr genommen.
Im Januar 2005 fühlte ich mich durch zwei Grippeerkrankungen in Folge ziemlich am Boden. War fast 6 Wochen krank geschrieben und hatte Probleme wieder in den Job reinzukommen.
Meine Hausärztin verschrieb mir erneut Paroxetin, wenn auch in der
20 mg Ausführung.
"Die sind ja harmlos, ich verschreibe sie auch jungen Leuten, denen es nicht gut geht" war ihre Aussage.
Nach ca. 5 Wochen fühlte ich mich wieder richtig gut und wollte die Behandlung beenden. Schlich mich diesmal "nur" 1 Woche raus, da ich das Medikament ja auch nur 5 Wochen genommen hatte.
Und was soll ich sagen? Die Beschwerden vom letzten Jahr waren sofort wieder da!
Kopfschmerzen, Schwindel, totale Erschöpfung, Schüttelfrost. Kurz gesagt, mir gings körperlich wieder richtig besch....!
Da dämmerte mir zum ersten Mal, dass es einen Zusammenhang geben muß zwischen meinen Beschwerden und dem Absetzen des Paroxetin.
Nehme jetzt seit 2 Tagen wieder 10 mg pro Tag und die Beschwerden sind weg!!!
Nach eingehender Recherche im Netz bin ich auf euer Forum gestoßen und bin begeistert!
Ich dachte schon, ich wäre nicht normal (was ist schon normal? würde mein Therapeut sagen). Alle Ärzte haben über meine Symptome den Kopf geschüttelt oder ratlos dreingeschaut. Dabei habe ich allen gesagt, dass ich lange Zeit Paroxetin genommen habe.
Ist es denn tatsächlich möglich, dass die Ärzte so unwissend sind, was die Entzugsproblematik angeht?
Aber eigentlich darf es mich nicht wundern, gibt doch der Beipackzettel des Paroxetin diesbezüglich auch nichts her.
Ich hatte Paroxetin von 3 verschiedenen Firmen und in keinem Beipackzettel irgend ein Hinweis. Immer gehts nur um Nebenwirkungen "während" der Einnahme, niemals um Probleme "nach" der Behandlung.
So jetzt habe ich erst mal genug geschrieben, will euch ja auch nicht "zutexten", aber ich mußte das mal Menschen mitteilen, die wissen worum es geht und ähnliche Erfahrungen gemacht haben.
Ich werde das Paroxetin erstmal weiternehmen und versuche dann, mich in winzigen Schritten auszuschleichen.
Das Medikament hat mir wirklich gut geholfen und ich hätte es damals warscheinlich auch genommen, wenn ich von der "Abhängigkeit" gewußt hätte. Aber das einfach verschwiegen wird, das der Entzug alles andere als leicht ist und ich ja nicht mal wußte, das es ein Entzug ist, das ist der Hammer.
Ich hatte schon mit den schlimmsten Erkrankungen gerechnet (wegen des Schwindels und der Sehstörungen).
Aber Dank euch kann ich erstmal beruhigt aufatmen!
Vielen Dank!!!