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 ! Nachricht von: Oliver

Dieses Forum ist im Ruhezustand.

Es hat sich eine neue Gemeinschaft aus Betroffenen und Angehörigen gegründet, die sich weiterhin beim risikominimierenden Absetzen von Psychopharmaka unterstützt und Informationen zusammenträgt. Die Informationen, wie ihr dort teilnehmen könnt findet ihr hier:

psyab.net: wichtige Informationen für neue Teilnehmer


Die öffentlichen Beiträge auf adfd.org bleiben erhalten.

Bereits registrierte Teilnehmer können hier noch bis Ende 2022 weiter in den privaten Foren schreiben und PNs austauschen, aber es ist kein aktiver Austausch mehr vorgesehen und es gibt keine Moderation mehr.

Ich möchte mich bei allen bedanken, die über die geholfen haben, dieses Forum über 18 Jahre lang mit zu pflegen und zu gestalten.


Hat jemand Erfahrung mit CBASP?

Hier lassen sich auch viele Erfahrungsberichte über das Absetzen von Antidepressiva und Benzodiazepinen finden.
Gesperrt
Azurjungfer
Beiträge: 3
Registriert: 18.05.2011 23:13

Hat jemand Erfahrung mit CBASP?

Beitrag von Azurjungfer »

Hallo!

Jetzt bin ich hier ja schon eine ganze Weile registriert und wollte mich schon lange mal vorstellen, na ja, Ihr wisst ja wahrscheinlich, wie das ist....
Vielleicht finden manche es merkwürdig, dass ich mich für dieses Forum interessiere, zumal ich noch nie Antidepressiva oder sonst irgendwelche Psychopharmaka genommen habe. Aber ich wurde einmal mit so einem Vorschlag konfrontiert und das hat mir gereicht. Ich war sehr froh, als ich dann dieses Forum hier gefunden hatte, sonst gibt es ja sehr wenig, wo eine wirklich kritische Haltung zu „Medies“ (diesen verharmlosenden Ausdruck finde ich zum kotzen) vertreten wird.

Der Ratschlag, Antidepressiva zu nehmen, wurde mir von einer selbsternannten „Messie-Expertin“ gegeben, nachdem ich ein Jahr lang Gruppentherapie bei ihr gemacht hatte. Ich bin zwar (fast gar) kein Messie, aber diese Therapeutin hatte mich, anfangs jedenfalls, ziemlich beeindruckt. Außer Gruppengesprächen machten wir viel Gestaltungs-Therapie (nicht zu verwechseln mit Gestalttherapie), und es wurden damit zu Anfang auch viele wichtige Themen angesprochen. Ich hatte natürlich erwartet, dass die dann noch weiter vertieft werden würden, so dass wir dann dazu kommen könnten, die Zusammenhänge zwischen alten „Prägungen“ und jetzigen Problemen zu verstehen, und daraus neue Perspektiven für unser Leben ableiten könnten. Dem war aber nicht so, das ganze wurde zu einer zusammenhangslosen Larifari-Therapie. Gegen Ende sagte mir die Therapeutin, dass sie der Meinung sei, dass ich Depressionen habe. Ich fragte, woher die kommen, in der Hoffnung, dass wir jetzt wenigstens mal auf Zusammenhänge zu sprechen kommen würden. Aber sie sagte, Depressionen hätten genetische Ursachen und Antidepressiva würden ganz prima dagegen helfen. Ich hatte einige Wochen gebraucht, um mich von diesem Tiefschlag zu erholen, immerhin hatte ich dieser Frau ja, trotze einiger Bedenken, immer noch vertraut.

Auf meiner Suche nach einer sinnvollen Therapie bin ich jetzt bei der Uniklinik gelandet, die machen eine Studie zur Chronischen Depression (mal ohne Medikamente), und ich kann da 32 Stunden CBASP machen. Ich habe schon fast die Hälfte hinter mir und die Therapeutin gibt sich ja auch Mühe, aber ich sehe wirklich nicht, was an dieser allseits so hochgelobten neuen Therapiemethode so toll sein soll. Kernstück dieser Methode sind eigentlich „Situationsanalysen“, bei denen man lernen soll, sich in der Interaktion mit anderen Menschen anders zu verhalten. Bisher haben wir sowas aber kaum gemacht, weil ich darin keinen Nutzen sehe. Selbst wenn man das gelernte im richtigen Leben umsetzen kann, ist es doch nur eine Symptom-kuriererei, die nichts an den Ursachen meiner Depression ändert. Die Therapeutin sieht das zwar anders, aber ich finde nicht, dass meine Depression allein daher rührt, dass ich mich anderen gegenüber falsch verhalten würde und dadurch isoliert wäre. Vielleicht bin ich das, aber das ist nicht Ursache, sondern Folge meiner Depression. Außerdem ist mir an CBASP natürlich suspekt, dass die Leute dabei sonst meist unter Antidepressiva gesetzt werden.

Sinnvolle Gedanken zu Wesen und Ursachen von Depressionen habe ich bisher nur in den Büchern von Josef Giger-Bütler gefunden („Sie haben es doch gut gemeint“ - Familie und Depression; „Endlich frei“ - Schritte aus der Depression; „Jetzt geht es um mich“ - Die Depression besiegen – Anleitung zur Selbsthilfe, alle im Beltz-Verlag erschienen). Von ihm ist die einzige mir bekannte Theorie über Depressionen, der man anmerkt, dass der Autor depressiven Menschen zugehört hat und nicht einfach alles besser weiß. Er betont auch, das Antidepressiva keinen Nutzen bringen werden, nicht wegen der Nebenwirkungen, sondern weil man durch sie an seiner Lebensweise nichts ändert.
Was ich mir wünschen würde, wäre eine Therapie, die mir dabei hilft, etwas von den Vorschlägen, die Giger-Bütler macht, umzusetzen und meinen eigenen Weg zu finden. Na ja, ganz so einfach ist es wohl doch nicht (obwohl auch das schon nicht einfach wäre), zumal er ja auch nicht alles aufzeigen kann, was nötig wäre, ich müsste auch noch selbst ein Stück neuen Weg finden. Wie ja auch seine Beschreibung der Ursachen von Depressionen – so unglaublich gut sie auch ist – natürlich nicht auf jeden individuellen Menschen zutreffen kann. In meinem Leben war doch noch einiges anders und daraus müsste ich noch eigene Strategien entwickeln, um aus der Depression herauszufinden. Nur – weit und breit ist keine Therapie in Sicht, die mir dabei helfen würde.
Hat sonst jemand Erfahrungen mit CBASP – womöglich gute – gemacht? Ich halte Euch auf dem Laufenden, falls ich mal etwas hilfreiches finde.

Liebe Grüße und alles Gute für Euch alle!
Habe nie AD genommen und bin auch heilfroh darüber!! Mir wude aber mal von einer Therapeutin (ausgerechnet einer Heilpraktikerin für Psychotherapie!) sehr dazu geraten, welche zu nehmen. Mir war gleich klar, dass ich das nicht tun würde, fand aber, als ich mich näher darüber informieren wollte, nur Unmengen von Werbung für ADs. War dann wiederum heilfroh, als ich dieses Forum hier gefunden hatte, das mir den Rücken stärkt. Es ist ja schon blöd genug, depressiv zu sein, aber dass so dermaßen viel Desinformation darüber verbreitet wird und so wenig sinnvolles, das einem weiterhelfen könnte, macht es wirklich schlimm.
Marsupilami

Re: Hat jemand Erfahrung mit CBASP?

Beitrag von Marsupilami »

Hallo,

was ist das denn für eine Therapie? Eine offiziell anerkannte Psychotherapie ja wohl nicht? Ah, okay, hab gegoogelt, alter Wein in neuen Schläuchen, kognitive Verhaltenstherapie irgendwie neu aufgemischt. Kognitive Verhaltenstherapie ist keine Therapie, die nach Ursachen sucht. Wenn Du das willst, ist tiefenpsychologische Therapie oder Psychoanalyse für Dich das, was sonst noch bleibt an offiziell anerkannten Therapien. Leider ist Psychotherapie ein meist sehr langwieriger Prozess, man darf man sich das nicht so vorstellen wie den Besuch bei einem Arzt, der einem sofort sagt, was man hat, woher das kommt und wie man es wegkriegt. Da braucht man oft sehr viel Geduld und langen Atem und oft auch sehr viel Zeit.
Wenn Du Dich über Formen der Psychtherapie informieren willst, kann Dir vielleicht diese Seite helfen: http://www.therapie.de/psyche/info/ Es gibt verschiedene Theorien, diese helfen manchen Betroffenen, aber nicht jedem.
Wichtig für das Finden einer passenden Therapie ist auch, dass man eine zutreffende Diagnose hat. Man sollte auf jeden Fall selbst prüfen, ob man die Diagnose für zutreffend hält und nicht automatisch glauben, dass das, was Therapeuten oder Psychiater sagen, der Weisheit letzter Schluss ist, denn Diagnosen sind nicht objektiv überprüfbar.
Was ist denn eigentlich Gestaltungs-Therapie, das hab ich auch noch nie gehört, das ist doch auch keine offizielle Therapieform? Und diese Therapeutin von Dir, also, eigentlich ist es heute unter Psychotherapeuten anerkannt, dass die Theorie von der Genetik als Auslöser von psychischen Problemen so nicht gesehen werden kann. Sehr zweifelhaft, was diese Frau da von sich gab.
Ansonsten ist das Forum hier primär der Absetzproblematik gewidmet, Du findest da also nicht primär Diskussionen über Therapien, sondern das läuft mehr am Rand.

Liebe Grüße,

Marsu
Marsupilami

Re: Hat jemand Erfahrung mit CBASP?

Beitrag von Marsupilami »

Ah, sehe gerade, das war eine PT nach HPG, die verdienen diese Bezeichnung meist nicht, haben oft nur Wochenendkurse gemacht und dürfen sich ausgerechnet auf die "Seelischen" loslassen, wo man noch viel mehr kaputtmachen kann. Kann Dich nur warnen vor denen.

Gruß,

M.
Das-kleine-Runde

Re: Hat jemand Erfahrung mit CBASP?

Beitrag von Das-kleine-Runde »

Liebe Azurjungfer :) ,

Herzlich Willkommen :)
Vielleicht finden manche es merkwürdig, dass ich mich für dieses Forum interessiere, zumal ich noch nie Antidepressiva oder sonst irgendwelche Psychopharmaka genommen habe.
Der beste Zeitpunkt hier im Forum zu lesen, ist, BEVOR man Psychopharmaka nimmt, finde ich. Ich freue mich sehr über Mitglieder, die sich informieren und nichts einnehmen, ansatt erst reinzuschauen, wenn Probleme mit den Pillen auftreten. :)

Daß AD gegen Messietum helfen sollen, mag mir nicht recht einleuchten. Ich kenne einige Menschen, die Dank AD und der dadurch ausgelösten Gleichgültigkeit erst eine Tendenz zum Messietum entwickelt haben. In Ansätzen war ich selbst davon betroffen. :roll:

Zu Medikamenten habe ich zwei Info-Pakete zusammengestellt, vielleicht interessieren sie Dich:

http://www.adfd.org/austausch/viewtopic.php?f=18&t=6456
http://www.adfd.org/austausch/viewtopic.php?f=16&t=6465
Auf meiner Suche nach einer sinnvollen Therapie bin ich jetzt bei der Uniklinik gelandet, die machen eine Studie zur Chronischen Depression (mal ohne Medikamente), und ich kann da 32 Stunden CBASP machen. Ich habe schon fast die Hälfte hinter mir und die Therapeutin gibt sich ja auch Mühe, aber ich sehe wirklich nicht, was an dieser allseits so hochgelobten neuen Therapiemethode so toll sein soll.
Findet das im Rahmen einer Studie satt?

Ich habe etwas über CBASP recherchiert und komme zum gleichen Schluß wie Marsu.
Da wird die Kognitive Verhaltenstherapie mit Details zum Thema Depression geschmückt und fertig ist eine neue Spezialtherapie.

Eigentlich hat jede Depression mehr oder weniger deutliche Ursachen in der Lebensgeschichte, Du tendierst ja selber zu einem entsprechenden Ansatz.
Vielleicht findest Du auch intressant, was Alice Miller geschrieben hat.
Da wäre für Dich ein tiefenpsychologischer Ansatz eigentlich naheliegend oder ein Therapeut, der verschieden Ansätze integriert.
Verhaltenstherapie kann eigentlich nur eine Hilfe sein, aus der Depression rauszukommen und ein Stück Handlungsspielraum zu grwinnen, CBASP klingt ziemlich einseitig,
da will sich jemand mit etwas Altbekannten einen Namen machen und verdienen.
Kernstück dieser Methode sind eigentlich „Situationsanalysen“, bei denen man lernen soll, sich in der Interaktion mit anderen Menschen anders zu verhalten.


Das klingt sehr einseitig. Einigen mag es etwas bringen, deren Problem tatsächlich sehr im Zwischenmenschlichen angesiedelt ist.
Allerdings liegen auch da die Ursachen meist in der Vergangenheit und man wiederholt alte Muster...

Ich habe hier einiges über Psychotherapie und Therapeutensuche geschrieben:
http://www.adfd.org/austausch/viewtopic ... oga#p43114

Leider bleibt Dir wenig übrig, als Termine für Vorgespräche auszumachen und zu sehen, ob Du mit dem Behandler weiterkommen kannst.
Ich würde beim Vorgespräch die wichtigste Themen offen ansprechen, ein seriöser Therapeut gibt gerne Auskunft.

Liebe Grüße
Rundi :)
Marsupilami

Re: Hat jemand Erfahrung mit CBASP?

Beitrag von Marsupilami »

Hallo Rundi,

das ist super, hab ich noch gar nicht gelesen. Mit Deinen Hinweisen hätte ich mir selbst Einiges erspart. Man kann die Betroffenen gar nicht genug auffordern, den Therapeuten kritisch gegenüberzutreten und auch wegzugehen, wenn man merkt, dass man seine Fragen nicht beantwortet bekommt usw. usf. Es gibt leider viele schlechte Therapeuten, und wenn man erst geht, wenn eine Therapie eigentlich schon ins Wasser gefallen ist, kann man dadurch Schaden erleiden, weil einem manchmal noch eingeredet wird, dass man selbst schuld dran ist.
Ansonsten: Ich denke, dass jeder für sich entscheiden sollte, welches Verfahren ihm zusagt, womit er sich anfreunden kann, sonst wird es wohl nicht viel bringen.

Gruß,

Marsu
Gesperrt