Ich hoffe ihr nehmt euch die Zeit diesen Text von mir durchzulesen, mir liegt sehr viel an der Meinung anderer "Betroffener".
Erstmal zu mir: Bin jetzt 18 Jahre alt und bekomme von meinem Psychiater seit dem 29.6 Paroxetin gegen Depression/Angst-/Panikstörungen.
Ich weiß dass SSRI in diesem alter umstritten sind, darum geht es mir in diesem Thread allerdings nicht.
Ich weiß nicht wo ich mit meiner Geschichte anfangen soll, aber ich werde einfach mal eine kurzfassung schreiben:
Habe seit längerer Zeit (min. 2 Jahre) schon eine durchweg getrübte Stimmung, bin nachdenklich und eigentlich nie wirklich Glücklich und zufrieden. Ich dachte allerdings immer dass sei die Pubertät, in der sich ja einiges an und in den jungen Menschen ändert.
Jedenfalls wurde ich letztes Jahr Opfer einer Straftat, hatte Probleme im partnerschaftlichen Bereich und auch mein "soziales Netz" wieß große Lücken auf. Alles hatte mehr oder weniger viel miteinander zu tun.
Ich belasse es dann hierbei, eine ausführliche Version kann ich später noch schreiben sofern jemand es wünscht.
Anfangs hatte ich in manchen Situationen einen stark erhöhten Ruhepuls, irgendwann kamen Schlafstörungen und Ängste. Ich hatte Angst im dunkeln, bekam keine Luft, hatte Atemnot.
Meine Gedanken kreisten den ganzen Tag in meinem Kopf herum, meine Stimmung war im Keller, ich litt an Depersonalisation (einmal als ich in den Spiegel sah) und häufig an Derealisation.
Ich war unglaublich antriebslos, keine Hausaufgaben, keine Lust zu lernen - selbst wenn ich es getan habe wurde ich von jeder Kleinigkeit abgelenkt und gab es auf.
Hatte 2 mal einen Panikanfall (einer sehr Heftig im vollen Zug).
Mit meinen besten Freunden war ich verstritten und wenn ich dann mal (mit Ausnahme der Schule) aus dem Haus kam, dann kam mir alles unreal und irgendwie außergewöhnlich Dreidimensional vor.
Ich litt an unglaublichen Prüfungsängsten, konnte vor Arbeiten noch weniger Schlafen als sonst schon.
Ach ja, ich habe schlagartig Gewicht verloren, praktisch nichts mehr gegessen.
Ich war permanent verzweifelt, redete aber praktisch mit niemandem darüber.
Durch die Sache mit dem hohen Puls aber bin ich über meine Eltern dann bei meinem Hausarzt gelandet. Ich bekam Johanniskraut-Tabletten.
Geholfen haben sie mir nicht, ich habe nur Durchfall von ihnen bekommen.
Schließlich wurde ich von oben bis unten durchgecheckt, aber nichts wurde gefunden. Ich bekam Insidon®-Tropfen von der Kollegin meines Hausarztes, diese sollte ich im Bedarfsfall zu mir nehmen (12 Tropfen, d.h. 50mg Opipramol).
Bedarfsfall hieß bei mir mittlerweile jeden Tag, zumindest fast.
Anfangs half es gut beim Einschlafen, das legte sich mit der Zeit schnell.
Nach etlichen Untersuchungen und der Erkenntnis dass ich nicht an Schildrüsen-Überfunktion (
Mein sehr netter Neurologe hatte gleich die Vermutung einer Depression, untersuchte mich trozdem gründlich und ließ noch ein MRT vom Schädel machen. Er gab mir Herphonal®-Tabletten mit (Trimipramin), 25mg sollte ich Abends nehmen, sie sollten meinen Schlaf anstoßen damit ich in der Schule Leistung bringen kann. Anfangs haben die auch wunderbar gegen die Schlafstörungen geholfen.
Mein Neurologe schickte mich mit der Diagnose "Insomnie im Rahmen einer depressiven Erkrankung" wieder zum Hausarzt. Nachdem ich ihn schon halb angebettelt habe gab er mir eine Packung Zopiclon (3,5mg) die ich immer Abends vor Kursarbeiten nahm um Schlafen zu können.
Nach einem Langzeit-EKG und einer Untersuchung beim Angiologen bekam ich meine Überweisung zum Kinder- und Jungendpsychologen.
Mittlerweile war es Januar oder Februar, von Tag zu Tag ging es mir schlechter. Habe dann einen Termin für den Juni bekommen, nachdem mein Hausarzt meinen Fall beim Psychologen dringlich machte, sonst hätte ich noch ein Paar Monate länger warten können.
Ich bin jetzt seit dem 29.6. auf Paroxetin und kann nicht von großen Verbesserungen reden.
Was sich wirklich gebessert hat sind meine kleinen "Ticks" von denen ich schon manchmal dachte dass ich sogar Zwangskrank sein könnte. Ich musste z.B. so gründlich Deodorieren dass ich 5 Minuten vor dem Spiegel stand. Die Zeiten sind seit Paroxetin vorbei.
Auch Panikanfälle hatte ich bisher keine mehr, was aber nicht heißen muss dass sie weg sind.
Stimmungsaufhellende Eigenschaften konnte ich komischerweise keine feststellen, bei anderen Betroffenen las ich sogar von Hypomanie.
Kurz vor dem Urlaub meinte mein Arzt dass die Wirkung noch ein bisschen auf sich warten lassen könnte, andernfalls würden wir Absetzen oder auf ein anderes Medikament umsteigen.
Ich weiß nun nicht wie ich das handhaben soll.
Soll ich umsteigen? Soll ich Absetzen?
Meine Antriebslosigkeit ist immernoch vorhanden, allerdings sind gerade Sommerferien, das könnte ein Grund sein.
Eine ausführliche Diagnose habe ich noch nie zu hören bekommen, auf einer Überweisung stand nur einmal etwas von einer "mitterlschweren, depressiven Episode". So bezeichnet es scheinbar mein Hausarzt.
Ich weiß nicht so recht was ich machen soll und bitte um euren Rat und eure Kommentare allgemein.
Ich hoffe der Text ist euch nicht zu lange und ich hoffe es ist einigermaßen verständlich geschrieben.
Falls ich im falschen Forum gelandet bin verschiebt den Thread bitte in den Wilkommens-Bereich.
Schonmal vielen, vielen Dank!
5-HT