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 ! Nachricht von: Oliver

Dieses Forum ist im Ruhezustand.

Es hat sich eine neue Gemeinschaft aus Betroffenen und Angehörigen gegründet, die sich weiterhin beim risikominimierenden Absetzen von Psychopharmaka unterstützt und Informationen zusammenträgt. Die Informationen, wie ihr dort teilnehmen könnt findet ihr hier:

psyab.net: wichtige Informationen für neue Teilnehmer


Die öffentlichen Beiträge auf adfd.org bleiben erhalten.

Bereits registrierte Teilnehmer können hier noch bis Ende 2022 weiter in den privaten Foren schreiben und PNs austauschen, aber es ist kein aktiver Austausch mehr vorgesehen und es gibt keine Moderation mehr.

Ich möchte mich bei allen bedanken, die über die geholfen haben, dieses Forum über 18 Jahre lang mit zu pflegen und zu gestalten.


Hallo zusammen,

Hier lassen sich auch viele Erfahrungsberichte über das Absetzen von Antidepressiva und Benzodiazepinen finden.
Gesperrt
moebse
Beiträge: 2
Registriert: 12.07.2004 15:05

Hallo zusammen,

Beitrag von moebse »

Hallo,

ein Zufall hat mich in Euer Forum "gespült" als ich danach gegoogelt habe, inwieweit sich Schwangerschaft und Paroxetin ausschließen bzw. ob andere Medikamente gegen Angststörung dabei weniger risikobehaftet sind.

Mein Name ist Katrin, ich bin 31 Jahre alt und habe mind. schon 10 Jahre eine Angststörung, welche ich jedoch diagnosemäßig nicht genau eingrenzen kann. Bei meinem Hausarzt läuft es unter generalisierter Angststörung, aber das sehe ich nicht so, meiner Meinung nach ist es komplexer. Eine Verhaltenstherapie habe ich hinter mir, die aber nichts brachte, mein Therapeut wußte nicht genau., was er mit mir anfangen sollte. Da ich mich auch noch berufsmäßig in der Materie auskenne, hatte er es sowieso schwer mit mir. Seit nunmehr zwei Jahren nehme ich Paroxetin und kam bisher gut damit klar. Wie viele hier im Forum, habe ich auch einige Absetzversuche hinter mir, die aber allesamt fehlschlugen, da meine Angst wiederkam, zuletzt bin ich genauso dekompensiert, wie vor der Paroxetineinnahme.
Mir war zwar bewusst, das Paroxetin nicht so einfach abzusetzen ist (hatte mir mein Therapeut gesagt), aber dass es solche massive Absetzsymptome, v.a. körperlich auslöst, war mir vor dem Kontakt mit diesem Forum völlig unbekannt. Ich bin bisher zum Glück eine derjenigen, die von heftigen Absetzsymptomen verschont geblieben ist. "Nur" eben die Angst macht mir zu schaffen, jedesmal, wenn nach dem Reduzieren der Paroxetindosis die Angst wiederkam, war ich ziemlich enttäuscht darüber und habe dann, wie andere auch, die Dosis wieder erhöht. Nach einiger Zeit war wieder alles ok.

Obwohl alles, was ich bisher hier gelesen habe, darauf hindeutet, dass diese "Wiederkehr" der Angst ein Absetzsymptom ist, bin ich mir nicht so richtig sicher, dass das auch bei mir der Fall ist, da bei der Ersteinnahme das Paroxetin bei mir auch schon innerhalb von 4 Tagen angeschlagen hatte. Weiterhin verstehe ich folgendes nicht. Hätte ich die Angst nicht auch in anderen Situationen, die vorher nicht angstbesetzt waren, wenn das ein Absetzsymptom ist? Sie kommt bei mir jedoch in denselben Situationen vor, wie vorher. Und zweitens: Warum tauchen Absetzsymptome auch noch lange nach der Dosisreduktion auf, wenn Paroxetin doch eine so kurze Halbwertszeit besitzt? Vielleicht kann mir jemand eine logische Erklärung dafür liefern, denn die Befürchtung, dass meine Angst doch kein Absetzsymptom ist, besteht bei mir immer noch stark.

Da wir gern ein Kind möchten und ich am liebsten tablettenfrei sein möchte, wollte ich außerdme fragen, ob jemand von euch schwanger war und dabei Medikamente gegen Angststörung eingenommen hat bzw. wenn nicht, wie er die Schwangerschaft bewältigt hat.

Vielen Dank schon mal, dass ihr mir "zugelesen" habt.
Viele Grüße
Katrin
Oliver
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Beitrag von Oliver »

Hallo Katrin.

Willkommen im Forum :)

Wenn bei Dir Paroxetin nach 4 Tagen angeschlagen hat, lässt das nach allem was ich weiss darauf schliessen, dass Du vom vielgerühmten Placebo Effekt profitierst - Der ist nämlich nicht zu unterschätzen. Hier ist ein Geo Artikel zum Thema: http://forum.adfd.org/viewtopic.php?t=31

Sowohl die eigentliche Wirkung als auch Rückfälle nach dem Absetzen treten verzögert auf ... Rückfälle erst nach mehreren Monaten (Laut Healy - siehe Infopkaet in meiner Signatur). Also kann es nicht wirklich ein Rückfall bei Dir sein ... wenn allerdings Paroxetin bei Dir hauptsächlich aufgrund des Placebo-Effekts wirkt, wäre es doch nur logisch, dass Dein "Absetzsymptom" genau die spezifische Angst ist, die Du vorher hattest. Durch das Absetzen weisst Du, dass Du keinen Schutz mehr vor Deinen Ängsten hast und das lässt sie wieder aus dem Käfig.

Heilen kann Paroxetin oder irgendeine andere Medikation Deine Angstproblematik doch sowieso nicht, also warum versuchst Du es nicht nach zwei Jahren mal wieder ohne?

Alles Gute
Oliver
Ich sag jetzt auch einfach mal in meiner Signatur Hallo und Tschüss :)

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Linda
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Beitrag von Linda »

Hallo Katrin,

willkommen im Forum.

Du schreibst
aber das sehe ich nicht so, meiner Meinung nach ist es komplexer
Du scheinst also schon eine Ahnung zu haben, woher Deine Angst kommt - obwohl Du sie nicht mit einer Diagnose eingrenzen kannst.

Übrigens, eine der schlimmsten Entzugserscheinungen, die meine Tochter Jessica hatte, war die Angst. Sie hatte solche Symptome nie zuvor und sie tauchen leider immer wieder noch auf - glücklicherweise nur selten - 15 Monaten nach dem Absetzen.

Linda
Astrid
Beiträge: 313
Registriert: 26.11.2003 18:02
Danksagung erhalten: 1 Mal

Beitrag von Astrid »

Liebe Katrin,

deine wesentliche Frage nach "Schwangerschaft und Paroxetin" kann ich dir nicht sachlich fundiert beantworten. Das können nur wirklich erfahrene Ärzte und Pharmakologen.

Als Paroxetin-Patientin, die wie du eine zweijährige Erfahrung hinter sich hat, kann ich dir nur sagen, dass ich unter Paroxetin NIEMALS hätte schwanger werden wollen.
Die Gründe dafür sind sehr vielseitig.

Dein zentrales Thema scheint die Angst zu sein, der selbst eine Verhaltenstherapie bisher nicht nahekommen, geschweige denn sie "verändern" konnte.

Katrin, DAS ist das Problem.

Berufsmäßig kenne ich mich damit auch aus, aber meine (Verhaltens-)Therapie löste sich von den Vorerfahrungen ab. Meine Therapie bezog sich auf MICH PERSÖNLICH. Das war das entscheidende Moment. Das hat nichts mehr mit Satus, Beruf, Erfahrung, Bildungsstand oder Sonstigem zu tun. Sondern es ging um DAS WESENTLICHE!

Darf ich fragen?
Hast du EINE Angst? Hast du DIE Angst vor etwas ganz Bestimmten?
oder
Hast du allgemein Angst?

Du sprachst von "mindestens 10 Jahren" Angsterfahrung.
Ich vermute, dass du damit die 10 Jahre meintest, in denen dir die Angst bewusst wurde?
Oder war sie schon unterschwellig viel länger vorher da?
Oder wurde sie durch ein auslösendes Moment vor 10 Jahren hervorgerufen? Und verschwand seit dem nicht mehr?

Fragen über Fragen - die evtl. helfen könne, dich besser zu verstehen.

Aus ähnlicher Thematik bzw. Betroffenheit und mit Paroxetinerfahrung grüßt dich herzlich

Astrid
Uschi
Beiträge: 527
Registriert: 22.12.2003 08:41

Beitrag von Uschi »

Hallo Katrin, :)
auch von mir herzlich willkommen hier im Forum.
Zu Deiner Frage über die Schwangerschaft mit Paroxetin.
Ich würde da auch Abstand davon nehmen.
Irgenwo in einem Beitrag habe ich mal gelesen, dass nach der Geburt das Baby schwere Entzugssymptome mitmacht.
Genau wie wir wenn wir das Paroxetin zu schnell absetzen. :roll:
Du solltest also erst das Paroxetin ausschleichen, bevor Du schwanger wirst.
Wegen Deiner Angsterkrankung, da schließe ich mich den Fragen von Astrid an. Vielleicht kannst oder willst Du uns näheres darüber schreiben, dann könnten wir Dir gezielter antworten. Ich selbst habe seit zwanzig Jahren Depressionen und eine Angsterkrankung.
Ich habe gelernt damit zu leben, vielleicht kann ich Dir ein paar Tips geben.

Lieben Gruß an Dich Uschi
Depression mit Angststörung
2002 bis Nov.2005 Paroxetin zum Teil bis 40mg
Zahlreiche Absetzversuche, immer wieder gescheitert an heftigen Absetzsymptomen:
nun seit 24. Nov. 2005 ohne Paroxetin!
seit 09.01.05 600mg Laif ( Johanniskraut)
moebse
Beiträge: 2
Registriert: 12.07.2004 15:05

Beitrag von moebse »

Hallo,

zunächst vielen Dank für Eure Antworten.

@ Oliver: Ich denke, Du scheinst recht zu haben. Ich glaube mich zu erinnern, dass genau das bei meinen letzten Absetzversuchen das Problem war: Ich hatte die Befürchtung, wieder Angst zu kriegen und dann ganz ohne medikamentöse Stütze dazustehen. Und dann kam sie auch: selbsterfüllende Prophezeiung! Als Du mir das schriebst, fiel es mir wie Schuppen aus den Haaren. :D Nur wenn es so ist, wie gehe ich damit um? Wie kann ich das Ganze entschärfen?

@ Astrid und Uschi
Genau obiges mit dem "man muss nur daran glauben, dass man Angst bekommt, dann kommt sie auch" ist mein Problem. Ich bin ein ziemlicher Pessimist und katastrophisiere alles. Ob ich nun ein Symptom einer Krankheit an mir entdecke oder irgendetwas anderes in meiner Umgebung passiert: ich denke immer das Schlimmste. Das ist natürlich ein idealer Nährboden für die Angst. Und wenn ich einmal in einer Angstattacke drinstecke, gibt es kein Entrinnen. Ich habe nie Situationen wegen der Angst gemieden, bin immer mittendurch gegangen und habe die stärkste Angst ausgehalten. Daraus, dass sie dann irgendwann wegging, konnte ich nicht lernen, beim nächsten Mal war sie wieder da. Ich kann dann nix essen, es gab Zeiten, da habe ich mir regelrecht die Seele aus dem Leib gek.... (Ihr versteht?) ganz schlimm wurde es vor 2 Jahren. Ich habe Angst gehabt, ich würde meinen Mann nicht mehr lieben. da bin ich ganz dekompensiert. Ich hatte mehrere Tage hindurch Angstattacken, wenn eine weg war, kam gleich darauf die nächste. Paroxetin hat mich da rausgeholt. Mittlerweile weiß ich, meine Verlustängste waren daran schuld. Und mein Katastrophisieren hat das Ganze unterstützt. Ich war damals noch nicht verheiratet, der Status des Verliebtseins war vorbei, ich hatte dieses starke Gefühl von Verliebtheit nicht mehr. Das Fehlen dieses Gefühls war für mich gleichbedeutend mit "ich liebe ihn nicht mehr". War natürlich totaler Quatsch. Aber dieses schwarz-weiß-Denken ist typisch für mich. Ich kenne die Techniken, wie man entkatastrophisiert, habe das auch schon vor der Verhaltenstherapie angewendet, aber das "die Angst überdecken/an Symptomen rumdoktern" bringt mir nichts. Irgendwann kam es wieder und zwar um so schlimmer.
Da ich sowieso ein Typ bin, der genau wissen muss, was vor sich geht, denke ich, jetzt ist die Zeit reif, eine tiefenpsychologische Therapie anzufangen. Das mit dem Kinderwunsch und dem Absetzen von Paroxetin hat den Ball ins Rollen gebracht. Ich bin jetzt wieder bereit, dagegen vorzugehen und zwar ohne Paroxetin. Seitdem ich hier und auf anderen Webseiten soviel über das Absetzen von Paroxetin gelesen habe, komme ich mir dahingehend auch kompenter vor als vorher (und auch als mein Arzt, der es mir verschrieb) und weiß, wie ich bestimmte Dinge einzuordnen habe. Ich denke, das hilft mir.

Nein, ich möchte auch nicht schwanger werden unter Paroxetin. Ich habe aber schon von Müttern gelesen, die in ihrer Schwangerschaft so starke Angstzustände bekamen, dass sie ein SSRI wieder ansetzen mussten. Man will ja für alle Fälle informiert sein. Ich habe aber den starken Willen, jetzt ohne Paroxetin zurechtzukommen, ich hoffe, ich schaffe es auch.

Astrid zu Deiner Frage, wie lange ich die Angst habe und was sie auslöste: Letzteres kann ich (noch) nicht so genau nachvollziehen. Ich war schon immer ängstlich. Ich glaube, im Urlaub mit meinen Eltern hatte ich meine erste Angstepisode. Richtig schlimm wurde es in meiner Lehre vor ca. 10 Jahren. Aber bewusst, dass das Angst ist, wurde mir es erst in meinem Studium (ca. 1998). 1 Jahr habe ich Aurorix genommen gegen Soziale Phobie, hab es dann abgesetzt und denke, es war nicht das richtige Medikament. Dann hab ich mich ohne Medikament rumgequält bis vor 2 Jahren.
Zu Deinem Hinweis, das es meine Therapie ist und da Berufskenntnisse außen vor sind: ja, das stimmt wohl. Ich meinte eigentlich, dass ich vorher schon vieles ausprobiert hatte, was man verhaltenstherapeutisch anwendete. Außerdem hätte ich sowieso lieber eine Kombination aus Verhaltens- und tiefenpsychologischer Therapie bevorzugt, aber das bezahlt die Kasse halt nicht. Ich glaube aber, das wäre für mich ideal. Ich habe dann die VT bevorzugt, da ich wußte, dass man damit die besten Ergebnisse bei Ängsten erzielt. Aber bei mir scheint das ganze zu komplex zu sein.

Ich hoffe, ich habe Euch nicht erschlagen mit dem langen Text und hoffe, ich habe insbesondere Dir, Astrid, Deine Fragen ausreichend beantwortet. Vielen Dank, dass Ihr Euch so dafür interessiert.

Viele Grüße
Katrin

P.S.: Ich bin ab Fr bis So nicht da.
Astrid
Beiträge: 313
Registriert: 26.11.2003 18:02
Danksagung erhalten: 1 Mal

Beitrag von Astrid »

Hallo Katrin,
wollt nur kurz Bescheid sagen, dass ich deine Antwort aufmerksam gelesen habe. Ich würde gerne antworten, aber ich weiß gerade nicht wo mir der Kopf steht.
Bin leider gerade auf einer "anderen Baustelle". Akute Notsituation meiner Schwiegermutter.
Sobald es mir möglich ist, werde ich dir antworten.
Herzliche Grüße (trotz aller Eile)
von Astrid
Gesperrt