Ich bin wieder da, nach langer offline Zeit.
Seit 2001 nahm ich Schlaftabletten, bedingt durch einen Auslandseinsatz, in dem ich war. Erinnerungen betäuben, Arbeit perfekt machen, funtionieren, Anerkennung finden. Das war mein Hauptziel. Danach fand ich nur schwer wieder Platz im zivilen Leben, habe mich nur durch Arbeit und Leistung identifiziert, der Rest blieb auf der Strecke. 2003 im nächsten Einsatz, mit katastrophalen Folgen nach Angriffen, Alarmen, Wochen voller Angst und Strapazen. Aber ich habe funktioniert.
2005 habe ich Deutschland verlassen um in den USA zu arbeiten - tolles Land, leider jedoch landete ich in einer noch größeren Mühle aus Arbeit, die ich überperfekt machen wollte. Manchmal elf, zwölf Stunden am Tag. Für einen Beamten nicht schlecht. Ich erntete auf der einen Seite Lob und Anerkennung, auf der Kollegen- und Chefseite: Mobbing, Mißmut, Neid. Ich nahm immer mehr, mein Pillenarsenal ausgeweitet auf Tramal, Ambien (USA-Stilnox), Tetrazepam, Soma (USA-Muscle-Relaxer) und ab und an diverse Antidepressiva. Ich war allein, lebte allein, hatte nur wenige Freunde dort, und die gingen beizeiten wieder nach Deutschland, die Verwendungszeit war vorbei.
Meine beste Freundin in Deutschlan und noch zwei, drei andere blieben, aber zu weit weg. Ich habe mich eingeigelt, verloren in meiner Welt aus Arbeit und Tabletten. Ende April letzten Jahres crashte alles - ich nahm an einem Wochenende um die 60 Ambien - ich wollte schlafen, nicht dasein, nicht fühlen, nicht denken. Ich bin dann direkt ins Krankenhaus gegangen - gerettet haben mich meine Hunde, rein symolisch - ich wollte die Beiden doch nicht allein lassen!
Ich wurde drei Tage in einer Psychatrie behandelt, bekam Beruhigungsmittel (Adivan) und Seroquel zur Nacht. Funktionierte gut, ein Psychologe stand bereit und nach meiner Entlassung war mein Dad rübergekommen, um mir beizustehen. Doch es ging nicht, alles saß zu tief und ich war unfähig zu erkennen, was mit mir los war. Ich habe in den nächsten neun, zehn Wochen alles genommen, was mir in die Finger kam. Ich kann mich nicht mal mehr an alles aus dieser Zeit erinnern, ich habe Tramal, Benzos, Seroquel und Schlafmittel quasi ständig genommen. Als ich nach Deutschland flog, um mir eine Wohnung zu suchen, war ich körperlich am Ende. Beim Arzt vorstellig, wurde ich sofort in die Uniklinik Leipzig eingewiesen - zur Entgiftung. Ich wollte es nicht wahrhaben, aber das erklärte meinen Zustand: ich war bereits seit Tagen im kalten Entzug.
Nach drei Wochen wurde ich entlassen und mit eine Doxepin-Medikation nach Hause geschickt. Danach wurde es noch schlimmer - bereits in der Klinik hatte ich mit der Ärztin gesprochen - mein zweiter Auslandseinsatz in Kuwait war wieder da, präsent, in jeder Situation, Nachts, Tags. Die junge Ärztin nahm das nicht für voll. Sie glaubte mir nicht. Ich stand nach drei Wochen auf der Straße, mit einer Empfehlung, zur Suchtberatung zu gehen. Was ich nicht tat.
Meine Sozialarbeiterin, eine gute Freundin, half weiter - ich konnte im September dann in eine stationäre Therapie, in der mich ein Traumatologe behandelte. Ich bekam in dieser Zeit Zoloft und Remergil. Ich blieb in den sechs Wochen sauber. Ich lernte, mit den Derpressionen umzugehen, mit den Erinnerungen.
Ich begann wieder zu arbeiten, langsam, stundenweise. Ich war ja kaum in der Lage, mich zu konzentrieren. Ich hatte Angst vor den Leuten, das Mobbing hatte mich zu einem Schatten von dem gemacht, was ich einmal war: eine selbstbewußte, intelligente und leistungsfähige junge Frau.
Ich wurde zweimal wieder stationär aufgenommen, zur Entgiftung. Das erste Mal bin ich nach drei Tagen wieder raus - das war die Hölle und der Patient war das letzte. Das zweite Mal erfolgreich entgiftet, aber mit seelischen Schmerzen - ich hatte meinen Hund mit gerade einmal dreieinhalb Jahren einschläfern lassen müssen.
Mittlerweile habe ich mich gefangen, bewege mich aber auf dünnem Eis. Mit Gefühlen, dem Druck, der Sehnsucht nach der Betäubung, die Unzufriedenheit über mich selbst, die Erwartungen an mich fressen mich auf. Um wieder einigermaßen klarzukommen, nehme ich jetzt Trevilor, das pegelt zumindest die schlimmen Phasen ein wenig aus.
Ich habe eine ambulante Therapeuting, die alles sehr ernst nimmt, stehe aber noch am Anfang der Therapie, erst seit einem Monat. Es gibt ja nirgends Termine, und ich biete ja eine Multidiagnose. Und trotzdem. Meine Rückenschmerzen betäube ich mit Targin, manchmal. Mit Tramal habe ich aufgehört, nachdem ich mich hier informiert hatte. Ab und an nehme ich Schlafmittel. Aber alles dreht sich jeden Tag um die Sucht. Ich will wieder zurück ins Leben, aber will zuviel auf einmal. Ich komme nicht raus, weil ich hier nicht mehr viele Leute habe, die Freunde von früher sind weg, andere mit sich selbst beschäftigt.
Derzeit suche ich nach einer Klinik, in der ich eine stationäre Therapie machen kann, in der Trauma, Burnout, Mobbing und die Sucht behandelt werden, ich möchte aber nicht in eine Alkoholikerklinik, das habe ich hier in Altscherbitz durch, die drei Tage. Vielleicht kann mir jemand etwas empfehlen?!
Nunja, und falls es hier in der Gegend Leute gibt, denen es ähnlich geht, die auch wieder neu anfangen möchten zu leben, die jemanden zum reden und austauschen suchen - ich denke miteinander ist es leichter. Das Verstehen im Umfeld ist nicht leicht, meine Eltern unterstützen mich, aber das ist was anderes. Ich gehe sehr offen mit meiner Krankheit um, bin aber einsam. Meine letzte Beziehung scheiterte, weil ich noch nicht soweit war und er einfach nicht verstand, was in mir vorgeht. Es paßte nicht viel zwischen uns.
Ich möchte einfach nicht mehr, das mein Leben von den Pillen beherrscht wird. Ich möchte mich wieder selbst mögen, möchte rausgehen, möchte leben und erleben. Möchte wieder lachen können. Und weinen. Denn das ist der höchste Preis, den ich gezahlt habe. Ich habe meine Gefühle an die Kette gelegt.
Hello again
Hello again
Symptome: (Muskelkrämpfe, Kreislaufprobleme, Schweißausbrüche, Depressionen, Pulsrasen, innere Unruhe); Diagnose: (Schlafmittelabhängigkeit Stilnox, Zopiclon, Zolpediem)
Medikation: (Beginn 1999 mit 5mg) >> (Dosierung, Dauer) >> (2007 bis zu 80mg)
Zusätzlich: (Dosierung, Start (wofür/wogegen));
Bisherige Absetzversuche: (2, 1 gescheitert, 2ter stationäre Entgiftung)
Absetzverlauf (04.07.2007, ausschleichend mit Faustan, Bedarfsmedikation Aponal): (Dauer, Dosierung) >> (Dauer, Dosierung) >> (Entgiftung abgeschlossen nach zwei Wochen) (Rückfälle:3)
Medikation: (Beginn 1999 mit 5mg) >> (Dosierung, Dauer) >> (2007 bis zu 80mg)
Zusätzlich: (Dosierung, Start (wofür/wogegen));
Bisherige Absetzversuche: (2, 1 gescheitert, 2ter stationäre Entgiftung)
Absetzverlauf (04.07.2007, ausschleichend mit Faustan, Bedarfsmedikation Aponal): (Dauer, Dosierung) >> (Dauer, Dosierung) >> (Entgiftung abgeschlossen nach zwei Wochen) (Rückfälle:3)
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mücke
- Beiträge: 2922
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- Hat sich bedankt: 156 Mal
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Re: Hello again
Hallo redjule
Gruss Mücke
Ich kann verstehen was du meinst. Medikamente können kurzfristig helfen, aber wenn die Gefühle dadurch total blockiert werden ist das sehr schlimm.Ich möchte einfach nicht mehr, das mein Leben von den Pillen beherrscht wird. Ich möchte mich wieder selbst mögen, möchte rausgehen, möchte leben und erleben. Möchte wieder lachen können. Und weinen. Denn das ist der höchste Preis, den ich gezahlt habe. Ich habe meine Gefühle an die Kette gelegt.
Hier bist du nicht allein, kannst über alles reden was dich bewegt. Du wirst dabei auf viel Verständnis stoßen.Ich gehe sehr offen mit meiner Krankheit um, bin aber einsam.
Gruss Mücke
Erfahrung mit Bespar, Zoloft, Mirtazapin, Thombran
Benzodiazepinentzug (Lexotanil)
http://adfd.org/austausch/viewtopic.php ... 71#p184371
viewtopic.php?f=35&t=16516
viewtopic.php?f=66&t=16653
viewtopic.php?f=18&t=15490
Benzodiazepinentzug (Lexotanil)
http://adfd.org/austausch/viewtopic.php ... 71#p184371
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Re: Hello again
Ich bin mittlerweile bei einer tollen Therapeutin - aber die Macht der Pille holt mich immer wieder ein. Nicht jeden Tag - aber die Sehn-Sucht nach Ruhe ist riesig. Leider habe ich eine Multidiagnose - PTBS, Burn Out, Mobbing - am Ende haben die Pillen gesiegt und mich beinahe umgebracht.
Ich habe festgestellt, dass ich gar nicht mehr weiß, wer ich bin, mich selbst nicht wertschätzen kann und die letzten zehn Jahre nur funktioniert habe. Nach dem Kriegseinsatz sind meine Gefühle in eine Grauzone gerutscht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass mich jemand lieben kann - außer meiner Eltern und meiner besten Freundin, die den ganzen Weg miterlebt haben.
Aber ist es überhaupt zu schaffen? Wenn ich nichtmal weiß, wofür?
Ich habe festgestellt, dass ich gar nicht mehr weiß, wer ich bin, mich selbst nicht wertschätzen kann und die letzten zehn Jahre nur funktioniert habe. Nach dem Kriegseinsatz sind meine Gefühle in eine Grauzone gerutscht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass mich jemand lieben kann - außer meiner Eltern und meiner besten Freundin, die den ganzen Weg miterlebt haben.
Aber ist es überhaupt zu schaffen? Wenn ich nichtmal weiß, wofür?
Symptome: (Muskelkrämpfe, Kreislaufprobleme, Schweißausbrüche, Depressionen, Pulsrasen, innere Unruhe); Diagnose: (Schlafmittelabhängigkeit Stilnox, Zopiclon, Zolpediem)
Medikation: (Beginn 1999 mit 5mg) >> (Dosierung, Dauer) >> (2007 bis zu 80mg)
Zusätzlich: (Dosierung, Start (wofür/wogegen));
Bisherige Absetzversuche: (2, 1 gescheitert, 2ter stationäre Entgiftung)
Absetzverlauf (04.07.2007, ausschleichend mit Faustan, Bedarfsmedikation Aponal): (Dauer, Dosierung) >> (Dauer, Dosierung) >> (Entgiftung abgeschlossen nach zwei Wochen) (Rückfälle:3)
Medikation: (Beginn 1999 mit 5mg) >> (Dosierung, Dauer) >> (2007 bis zu 80mg)
Zusätzlich: (Dosierung, Start (wofür/wogegen));
Bisherige Absetzversuche: (2, 1 gescheitert, 2ter stationäre Entgiftung)
Absetzverlauf (04.07.2007, ausschleichend mit Faustan, Bedarfsmedikation Aponal): (Dauer, Dosierung) >> (Dauer, Dosierung) >> (Entgiftung abgeschlossen nach zwei Wochen) (Rückfälle:3)
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Marsupilami
Re: Hello again
Hallo Redjule,
das klingt Alles absolut grauenhaft, was Du schreibst und vor Allem auch danach, dass Du mit Allem alleine bist. Es haut einen ja schon um, wenn man nur davon liest... Das Gefühl der Hoffnungslosigkeit kenne ich auch, das Gefühl, wozu eigentlich kämpfen, einfach nicht mehr wollen. Sich irgendwie vom ganzen Leben im Stich gelassen fühlen. Du hast wohl immer nur gegeben und gekämpft, und es ist an der Zeit, dass es auch mal um Dich geht. Ich kämpfe auch jeden Tag mit dem Gefühl von Versagen und vergleiche mit mit Anderen, die arbeiten, einen Freund haben, unbeschwert und erfolgreich sind. Und dann fühle ich mich als Ultra-Loser, der all das selbst nicht auf die Reihe kriegt. Das ist leider kein hilfreiches Gefühl, weil man sich damit in noch tiefere Abgründe zieht, sich noch mehr abwertet und verachtet. Mach das nicht, versuch, nicht die Achtung vor Dir zu verlieren. Nimm Dich oft selbst in den Arm und sprich Dir Mut und Trost zu und sage Dir, dass es die Depressionen sind, die Dich so fühlen lassen und Dich so machtlos und klein machen. Es ist nicht Dein wahres Ich, Dein wahres Ich ist sicher eine sehr liebenswerte und tüchtige Person. Das ist schwer, weil man so überzeugt davon ist, dass man nicht liebenswert ist, es ist so tief in Einem verankert, ich weiß es selbst auch...
Gib nicht auf, gib Dich nicht auf, irgendwann sehen auch wir vielleicht wieder ein kleines Licht am Horizont...
vom Marsu
das klingt Alles absolut grauenhaft, was Du schreibst und vor Allem auch danach, dass Du mit Allem alleine bist. Es haut einen ja schon um, wenn man nur davon liest... Das Gefühl der Hoffnungslosigkeit kenne ich auch, das Gefühl, wozu eigentlich kämpfen, einfach nicht mehr wollen. Sich irgendwie vom ganzen Leben im Stich gelassen fühlen. Du hast wohl immer nur gegeben und gekämpft, und es ist an der Zeit, dass es auch mal um Dich geht. Ich kämpfe auch jeden Tag mit dem Gefühl von Versagen und vergleiche mit mit Anderen, die arbeiten, einen Freund haben, unbeschwert und erfolgreich sind. Und dann fühle ich mich als Ultra-Loser, der all das selbst nicht auf die Reihe kriegt. Das ist leider kein hilfreiches Gefühl, weil man sich damit in noch tiefere Abgründe zieht, sich noch mehr abwertet und verachtet. Mach das nicht, versuch, nicht die Achtung vor Dir zu verlieren. Nimm Dich oft selbst in den Arm und sprich Dir Mut und Trost zu und sage Dir, dass es die Depressionen sind, die Dich so fühlen lassen und Dich so machtlos und klein machen. Es ist nicht Dein wahres Ich, Dein wahres Ich ist sicher eine sehr liebenswerte und tüchtige Person. Das ist schwer, weil man so überzeugt davon ist, dass man nicht liebenswert ist, es ist so tief in Einem verankert, ich weiß es selbst auch...
Gib nicht auf, gib Dich nicht auf, irgendwann sehen auch wir vielleicht wieder ein kleines Licht am Horizont...