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Absetzprobleme mit Citalopram

Hier lassen sich auch viele Erfahrungsberichte über das Absetzen von Antidepressiva und Benzodiazepinen finden.
Gesperrt
biddie
Beiträge: 5
Registriert: 14.05.2004 07:03

Absetzprobleme mit Citalopram

Beitrag von biddie »

Hallo allerseits,

bin neu hier und habe mir schon diverse Beiträge wie auch das Infopaket zum Thema Absetzprobleme durchgelesen. Trotzdem möchte ich auch für meinen persönlichen Fall nochmal die Frage stellen: wie langsam muss man denn absetzen?

Mein Fall: ich habe von Anfang Dezember bis Ende Februar Citalopram genommen (Steigerung auf Tagesdosis von 40 mg innerhalb der ersten 2-3 Wochen, dann konstant 40 mg). Von Anfang März bis Anfang Mai habe ich begonnen, die Dosis ca. alle 3 Wochen um 10 mg zu reduzieren; dabei ging es mir die ganze Zeit psychisch sehr gut. Die Nebenwirkungen waren z.T. ähnlich wie beim Dosisaufbau zu Beginn der Behandlung: Schlafstörungen, sehr lebhafte Träume, Verdauungsstörungen - alles in einem sehr erträglichen Rahmen und teils sogar angenehm (die Träume: sehr "farbig", sehr skurril - es machte richtig Spaß, sich beim Aufwachen daran zu erinnern :wink: )

Seit gut einer Woche habe ich jetzt gar nichts mehr eingenommen, und schon einen Tag später zeigten sich erste Absetzsymptome: ein Zwischending aus Schwindel und leichten elektrischen Empfindungen - ungefähr so, als würde man kurz ausrutschen und dabei erschrecken. Nur dass dieses kurze "Erschrecken" leider pausenlos passiert, was ganz schön irritierend ist.

Die Symptome haben sich seit ihrem ersten Auftreten nicht verändert, weder verbessert noch verschlimmert. Abgesehen von der ständigen Irritation, die sie bei mir hervorrufen, beeinträchtigen sie mich (zumindest bis jetzt) nicht so stark, dass ich unbedingt etwas dagegen unternehmen müsste. Ich frage mich aber, wie lange das so weiter geht und ob es nicht vielleicht doch sinnvoller ist, wieder mit einer kleinen Dosis Citalopram anzufangen und dann noch langsamer abzusetzen.

Kann mir jemand dazu einen Tipp geben?

Noch eine andere Frage, die zwar nicht direkt hierher gehört, zu der aber hier vielleicht auch jemand was weiß: Meine Depressionen begannen während einer Urlaubsreise, auf der ich zum ersten Mal ein Malariamittel (Malarone) einnahm. Schon anfangs - und im Rückblick immer mehr - habe ich den Verdacht, dass Malarone tatsächlich der Auslöser für die Depressionen war, denn vorher ging es mir sehr gut und schon während des Urlaubs begann ich, das Interesse an meiner Umwelt zu verlieren und immer passiver zu werden - dabei war die Umgebung wahrhaftig interessant genug!
Haltet ihr es für möglich, dass Malarone bei mir tatsächlich solche Nebenwirkungen hatte? Lässt sich eine solche Vermutung überhaupt im Nachhinein klären?

Liebe Grüße,
Biddie
Uschi
Beiträge: 527
Registriert: 22.12.2003 08:41

Beitrag von Uschi »

Hallo Biddie,
herzlich willkommen hier im Forum. Zu Deiner Frage wie lange die Absetzsymptome anhalten, das ist sicherlich bei jedem anders. Es kann natürlich sein, dass sie ein paar Wochen oder auch Monate im Extremfall vorhanden sind. Genauso gut kann es sein dass sie nächste Woche verschwunden sind. Da ist alles möglich. Allerdings sollen sie bei Citalopram ja nicht so heftig wie bei Paroxetin sein. Du könntest jetzt folgendes tun, entweder abwarten wie es sich weiter entwickelt. Natürlich nur wenn die Symptome für Dich erträglich sind. Oder Du könntest wieder auf 10mg gehen und dann schrittweise in 1mg Schritten, wenn das möglich ist alle paar Wochen reduzieren. Ich weiss nicht, sind das Kapseln oder Tabletten die Du nimmst? Bei Tabletten kannst Du dann immer ein wenig mit dem Messer abschaben. Bei Kapseln wird es da schon schwieriger. Eine Waage die mg mißt ist da sehr hilfreich. Ansonsten müßtest Du in der Apotheke nachfragen, ob die Dir das abwiegen.Du kannst dann vorgehen wie Du willst. Entweder alle paar Tage oder alle paar Wochen weniger. Am besten hörtst Du da auf Deinen Körper. Wahrscheinlich wird Dir der eine oder andere hier im Forum, der sich mit Citalopram auskennt auch noch etwas sagen können.
Zu Deiner Frage ob das Malarone bei Dir Depressins auslösend gewirkt hat, ich habe mal im Arzneimittelkompendium der Schweiz nachgesehen
dort steht nichts über solche Nebenwirkungen. Aber das ist ja auch von Mensch zu Mensch verschieden. Jeder reagiert ja anders auf Medikamente. Möglich ist ja alles.
Alles Gute für Dich und berichte uns wie es weiter geht bei Dir

Gruß an Dich Uschi

Medikamente
seit 2 Jahren 40mg Paroxetin
seit 17.02 30mg Paroxetin und100mg Opipramol(Insidon)
seit 01.03 25mg Paroxetin und 100mg Opipramol(Insidon
seit 06.03 22,5mg Paroxetin und 100mg Opipramol(Insidon
seit 11.03. 20mg Paroxetin und 100mg Opipramol(Insidon)
seit 22.03. 15mg Paroxetin und 100mg Opipramol(Insidon)
seit 28.03. 12,5mg Paroxetin und 100mg Opipramol(Insidon)
seit 31.03. 10 mg Paroxetin und 100mg Opipramo (Insidon)
seit 06.04. 7,5 mg Paroxetin und 100 mg Opipramol ( Insidon)
täglich Fischölkapseln, ab und zu nehme ich Vitamin C, Zink, Magnesium
seit 13.04. kein Paroxetin mehr
seit 16.04 wieder 10mg Paroxetin
Absetzversuch fehlgeschlagen!
seit 24.04 Opipramol abgesetzt, keine Probleme dabei
seit 09.05. 20mg Paroxetin
Uschi
Beiträge: 527
Registriert: 22.12.2003 08:41

Beitrag von Uschi »

Hallo Biddie,
hab noch was vergessen, Du könntest noch Fischölkapseln zur Unterstützung nehmen. Sie sollen sehr hilfreich sein, um die Entzugsymptome etwas abzumildern.
Ich selbst habe mich in der Apotheke beraten lassen und nehme da Ameu 3x4 Kapseln täglich.
Fischölkapseln sollen ja auch sehr gut bei Depressionen sein, also falsch machen tust Du da auf jeden Fall nichts.

Uschi
CloneX
Gründer
Beiträge: 1165
Registriert: 10.10.2003 17:01
Wohnort: Deutschland :)
Danksagung erhalten: 20 Mal

Beitrag von CloneX »

In irgend nem anderen Depressionsforum gabs auch ein Gespräch über Malaria-Mittel, und manche können wohl Depressionen auslösen. Welche genau weiß ich aber nicht. Vielleicht weiß Google mehr.
biddie
Beiträge: 5
Registriert: 14.05.2004 07:03

Beitrag von biddie »

Hallo Uschi und CloneX,

vielen Dank für eure rasche Antwort und die moralische Unterstützung. Den Tipp mit dem Fischöl wollte ich eigentlich befolgen, habe es aber vor dem Wochenende nicht mehr geschafft, mir das Zeug noch zu besorgen. Und siehe da: seit Samstag haben die Symptome auch ganz ohne Fischöl deutlich nachgelassen, nachdem sie vorher zehn Tage lang unverändert stark waren. Inzwischen merke ich nur noch gelegentlich so etwas wie eine leichte Irritation, quasi den Schatten eines Erschreckens oder Zusammenzuckens. Sieht ganz so aus, als ob ich die Absetzsymptome nun doch unerwartet schnell und ohne weitere Hilfsmittel loswürde.

Uschi, deine aufmunternden Worte haben mir sehr geholfen. Ich bin heilfroh, dass ich nicht entnervt aufgegeben und wieder angefangen habe, Citalopram zu schlucken. Das Zeug war ja prima, als es mir richtig schlecht ging und solange ich mich nicht wieder stabil gefühlt habe. Aber es dauerhaft nehmen zu müssen, bloß wegen irgendwelcher Absetzsymptome - das wäre ein schrecklicher Gedanke.

Viele liebe Grüße
Biddie
Uschi
Beiträge: 527
Registriert: 22.12.2003 08:41

Beitrag von Uschi »

Hallo Biddie,
freut mich für Dich, dass es Dir besser geht. Ist natürlich gut wenn Du nicht nochmal mit Citalopram anfangen mußtest um langsam runter zu dosieren.
Wünsch Dir jedenfalls viel Erfolg und dass es mit jedem Tag besser wird

Gruß an Dich Uschi

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seit 16.04 wieder 10mg Paroxetin
Absetzversuch fehlgeschlagen!
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biddie
Beiträge: 5
Registriert: 14.05.2004 07:03

Beitrag von biddie »

Hallo Uschi,
wollte mich nochmal melden mit einem Statusbericht, der vielleicht auch anderen Mut machen kann, die mit Absetzproblemen kämpfen:

Ich nehme jetzt seit ungefähr 7 Wochen kein Citalopram mehr ein, und die Absetzsymptome sind inzwischen fast völlig verschwunden; ganz selten mal spüre ich noch ein leichtes elektrisches Kribbeln oder einen sekundenkurzen Schwindel. Psychisch und physisch geht es mir sehr gut.

Nur eines stimmt mich allmählich bedenklich: seit ich mit der Dosisreduktion begonnen habe, bin ich außerordentlich konsumfreudig. Anfangs fand ich das ja ganz in Ordnung, sozusagen als Bestandteil meiner Rückkehr aus der Depression in die "Welt der Lebenden". Inzwischen frage ich mich aber, ob dieser Kaufrausch nicht irgendeine Art von Fehl- bzw. Überreaktion ist. Kennt ihr solche Fälle, wo (nicht gerade manisch-depressive) Leute nach einer Depression diese Art von Gegenreaktion entwickeln? Was tut man da, wenn das überhand nimmt?

Liebe Grüße,
Biddie
Uschi
Beiträge: 527
Registriert: 22.12.2003 08:41

Beitrag von Uschi »

Hallo Biddie,
es freut mich, dass es Dir soweit ganz gut geht und Du es geschafft hast, von dem Citalopram weg zu kommen.
Zu Deiner Frage bezüglich des Kaufrauschs, gebe ich die Frage einfach mal weiter. Biddie, Du kannst Deine Frage ja auch mal im Forum stellen, dann bekommst Du sicher ein paar Tips wie Du damit umgehen kannst.

liebe Grüße an Dich
Uschi
Depression mit Angststörung
2002 bis Nov.2005 Paroxetin zum Teil bis 40mg
Zahlreiche Absetzversuche, immer wieder gescheitert an heftigen Absetzsymptomen:
nun seit 24. Nov. 2005 ohne Paroxetin!
seit 09.01.05 600mg Laif ( Johanniskraut)
Gesperrt