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 ! Nachricht von: Oliver

Dieses Forum ist im Ruhezustand.

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Alles egal?!

Hier lassen sich auch viele Erfahrungsberichte über das Absetzen von Antidepressiva und Benzodiazepinen finden.
Gesperrt
nase
Beiträge: 8
Registriert: 05.04.2004 19:02

Alles egal?!

Beitrag von nase »

Hi Leute !

Heute hab ich zum ersten mal wegen heftigen Panik-Attacken, Angstzuständen und Depressionen, Paroxetin (Oxet) eingenommen. Meine Ärztin wollte mir gleich die "volle Dröhnung" mit 20 mg verpassen, was ich aber ablehnte. Auf 10 mg habe ich mich dann eingelassen und soll es so eine Woche nehmen. Dann wird die Dosis erhöht.

Ist schon komisch. Vor ca. einem Monat war ich noch einer ganz anderen Meinung was Antipepressiva anbetrifft. Meine negative Einstellung zu diesen Medikamenten wurden durch dieses Forum bestätigt. Nun bin ich aber an einem Punkt angekommen, wo ich die Antidepressiva als einen letzten Strohhalm sehe, an dem ich mich festhalte. Für mich sind sie im Moment der Wegbegleiter in die Normalität. Vielleicht bekomme ich durch sie meine Kräfte zurück, um die Wurzeln meiner Probleme zu bekämpfen.

Der erste Tag mit Paroxetin war aber alles andere als toll. OK ... ich weiß, dass die Wirkung erst Wochen später einsetzten wird und das man am Anfang mit den Nebenwirkungen zu kämpfen hat. Mit den meisten könnt ich wohl ohne Probleme leben. Aber da ist etwas was ich sehr eigenartig finde. Einige Stunden nach der Einnahme war mir alles egal. Vor der Medikation hatte ich Angst mich selbst oder andere verletzen zu können. Diese Angst ist zwar noch da, aber mir ist sie egal!! Da kommen die Bedenken hoch, dass ich wirklich etwas anrichten könnte, wenn mir alles total wurscht ist. Beim Autofahren war ich heute total aggressiv, habe über alles und jeden geschimpft. Hab dann daran gedacht, wie ich das vordere Auto rammen würde. Auch das war mir egal. Ich habs natürlich nicht getan und würde es wahrscheinlich nicht tun. Aber es macht mir Angst keine "natürlichen" Bedenken oder Ängste mehr zu haben. Hört sich komisch an, oder? Ist das die Abstumpfung, von der in der Packungsbeilage und auch hier berichtet wird? Oder sind es mal wieder meine Depressionen, die meine Gedanken durcheinander würfeln? Ich weiß nur eins ... so ging es mir vorher noch NIE!! Alles nur Einbildung?!

Meine Ärztin meinte, dass ich nicht auf die Nebenwirkungen achten und einfach ganz normal weiter leben solle. Also, die Tablette morgens schlucken, ganz beiläufig, als wenns nur Vitamine wären. Sollte mich das einfach nur beruhigen oder weiß sie selber nicht wie stark das Zeug auf viele wirkt? Angeblich nehmen 20 weitere Patienten von ihr die gleichen Tabletten ... ohne Probleme. War das auch nur eine Beruhigungstaktik?

Ich bin jetzt sehr skeptisch und auf den weiteren Verlauf gespannt. Es ist die feste Entschlossenheit da, sofort in eine Klinik zu gehen, wenn ich mir selbst zu gefährlich werden sollte. Aber kann ich das dann noch, wenn mir alles egal ist? Das ist alles sehr merkwürdig!!

Würde mich sehr über Eure Postings dazu freuen.

Bis denne
Nase
Paroxetin 10 mg seit 05.04.2004
Alprazolam 0,25 mg bei Bedarf
CloneX
Gründer
Beiträge: 1165
Registriert: 10.10.2003 17:01
Wohnort: Deutschland :)
Danksagung erhalten: 20 Mal

Beitrag von CloneX »

Hi Nase,

du hast auch alles Recht diese Medikamente als einen Strohalm zurück ins Leben zu sehen. Nur weil in _diesem_ Forum hauptsächlich Leute mit negativen Erfahrungen sind, bedeutet das nicht, dass es bei dir auch negativ sein muss :)

Zu deinem Problem: Das "Alles Egal" Gefühl hört man ja öfters bei den SSRI, auch verstärkte Aggressionen sind beim Eingewöhnen möglich. Es kann sein, dass sich das mit der Zeit legt. Es kann sein, dass das "Alles egal" gefühl auch länger bestehen bleibt - das kann man aber nich voraussagen. Ich denke aber dass sich diese Nebenwirkungen mit der Zeit zumindest lindern werden.

Ich kann dir da auch keinen genauen Rat geben. Solange es keine größeren Probleme gibt und es okay für dich ist, solltest du wohl ausharren und warten bis die anfänglichen nebenwirkungen verschwinden. Sollte das nicht der Fall sein oder die gewünschte Wirkung nicht eintreten, dann muss du evtl. wechseln oder absetzen.

Versuch am besten wirklich erstmal nicht so drauf zu achten - wenn es aber zu problematisch wird, dann scheu dich nicht die Ärztin zu kontaktieren oder in die Klinik zu gehen

Alles Gute
Candy
Beiträge: 91
Registriert: 21.03.2004 19:19

Beitrag von Candy »

Hallo Nase,

mir ist es ganz genauso gegangen wie dir! Auch ich hatte ganz große Bedenken, ein AD zu nehmen. Aber es ging nicht mehr ohne - ich bin aus dem Strudel von Depressionen, Aggressionen und Sui..dgedanken nicht mehr rausgekommen.
Ich hoffe, das AD versetzt mich in die Lage, eine Therapie zu machen und meine Probleme anzugehen.
Ich nehme jetzt seit 3 Wochen Paroxetin und in den ersten Tagen ist es mir so gegangen wie dir - das Aggressionslevel war erhöht und gleichzeitig war es mir aber auch egal.
Das hat sich jetzt relativiert. Ich habe bisher auf unangenehme Nachrichten oder Veränderungen in meinem Leben regelrecht panisch reagiert ("Oh Gott, oh Gott, wie soll ich das schaffen - das ist ja alles so furchtbar!".... etc.).
Uns wurde jetzt auf Arbeit das Überstundengeld gestrichen - ich muss mit meinen Kindern in ein anderes Haus umziehen ........ Noch vor 4 Wochen hätte ich nur noch geheult und gedacht, das ist alles eine Katastrophe. Jetzt habe ich eine gewisse Ruhe und Abstand dazu, die Dinge nacheinander anzugehen. Auch wenn ich immer noch nicht sicher bin, das alles zu schaffen - aber die PANIK ist weg. Und ich denke, an DER STELLE setzt jetzt die Wirkung des SSRI ein.
Gib dir Zeit, ich hatte in den ersten zwei Wochen auch nur mit den Nebenwirkungen zu kämpfen und dachte: "Wann hört das endlich auf und wann wirkt das AD so, wie es soll?"
Wie dein Arzt und CloneX bereits sagten: auch wenn's schwer fällt - versuch, nicht ständig an die Nebenwirkungen zu denken und dich da nicht reinzusteigern - das vergeht!
Ich wünsche dir alles Gute und Kraft und Mut, die nächsten Wochen durchzustehen - du schaffst das!

Ganz liebe Grüße von der Candy
Symptome: Depressionen, Ein- und Durchschlafstörungen, Alpträume, dissoziative Zustände in allen Ausprägungen, SVV, Essstörungen; Diagnosen: Posttraumatische Belastungsstörung; atypische Anorexie; soziale Phobie; Borderline Persönlichkeitsstörung; rezidivierende, mittelschwere Depression
Medikation: Paroxetin (Paroxetin ratiopharm / Tagonis ab März 2004, 20 mg 2 Monate
>> 40 mg 1 Monat >> 20 mg 1 Monat >> 0); Reboxetin (Edronax ab Juni 2004, 8 mg 3 Monate); Venlafaxin (Trevilor ab Sept. 2004, 225 mg 2,5 Monate))
Zusätzlich: seit Feb. 2004 bei Bedarf 1 - 2,5 mg Lorazepam (Tavor)
Absetzverlauf: Paroxetin wg. gesteigertem SVV problemlos abgesetzt; Reboxetin wg. gesteigerter Aggression und allergischer Reaktion problemlos abgesetzt; Venlafaxin Mitte Dez. 2004 zunächst von 225 mg auf 150 mg, dann ganz abgesetzt (2 Wochen erhebliche Absetzsymptome: Zaps, Schwindel, Übelkeit, Zittern, bis heute noch zeitweise vorhanden).
Seit Ende Dezember 2004 "clean".
nase
Beiträge: 8
Registriert: 05.04.2004 19:02

Beitrag von nase »

Danke für Eure ermutigenden Worte.

Der Gedanke, dass die Nebenwirkungen nach ein paar Wochen weggehen, baut auf.

@CloneX:
Danke, dass man bei Euch auch willkommen ist, wenn man (noch) keine negativen Erfahrungen mit ADs hatte. Ich hoffe, dass ich von den meisten Nebenwirkungen verschont bleibe, von denen hier berichtet wurde. Die Homepage und das Forum haben mich dazu gebracht, die Einnahme genau zu überdenken und mit einer gewissen Skepsis an die Aussagen der Ärzte heran zu gehen. Solche Foren sind meiner Meinung nach sehr wichtig, um die Mündigkeit der Patienten zu erhalten. Es wirkt gegen den (indirekten) Willen der Ärzte, uns zu willenlosen Pillenschluckern zu machen.

@Candy:
Du sprichst mir aus der Seele. Anscheinend haben wir ähnliches erlebt. Sowohl mit den Medikamenten als auch in der Vergangenheit. Ist schon gammel, wenn man sich wegen der Angst zu nichts mehr traut. Erst wusste ich nicht, was zuerst da war ... die Angst oder die Depressionen. Mittlerweile ist mir klar geworden, dass ich schon lange ... sehr lange ... vor der Angst/Panik depressiv war. Habe es aber immer ignoriert, bis irgendwann der Supergau passierte. War das bei Dir auch so?

Heut ist der zweite Tag mit Paroxetin. Die Wirkungen bzw. Nebenwirkungen sind weder besser noch schlechter geworden. Meine Gedanken und Gefühle sind wie gehabt sehr gedämpft (Egal-Stimmung). Aber zeitweise tut es ganz gut, weil dadurch keine Angst entsteht. Jedenfalls im Moment nicht. Ich kann nur noch nicht zuordnen, ob ich zur Zeit eine positive Phase habe oder ob es an den Medikamenten liegt. Habe heute mit meinem Doc telefoniert. Der meinte, er könne sich nicht vorstellen, dass ich JETZT schon etwas spüren könne. Er schließt es aber nicht 100%ig aus, weil ja jeder Mensch anders auf dieses Medikament reagiert.

Ist mir auch egal ;) Mir ist zwar etwas gammelig, duselig ... halt komisch. Aber wenigstens gehts mir damit besser als in all den Wochen und Monaten davor!! Das ist doch die Hauptsache, ob mit Medis oder ohne. Ich genieße jedenfalls den Moment.

Bis denne
Nase
Paroxetin 10 mg seit 05.04.2004
Alprazolam 0,25 mg bei Bedarf
Candy
Beiträge: 91
Registriert: 21.03.2004 19:19

Beitrag von Candy »

Hallo Nase,

ja, bei mir war es auch so. Ich hatte in der Jugend schon Depressionen, war mit 29 Jahren stationär in Therapie für 14 Wochen, danach 1 Jahr ambulante Therapie.
Jetzt - nach all den Jahren - hat es mich wieder eingeholt, über Monate gesteigert. Erst wollte ich es nicht wahrhaben und alleine damit klar kommen, aber es ist nicht zu schaffen.
Ich muss mich meiner Vergangenheit stellen und Frieden finden, sonst kann ich das nicht überleben.
Das Paroxetin ist ein Anfang - die Therapie der nächste Schritt. Das Problem wird halt sein, für meine Symptome einen Thera zu finden, der damit klar kommt und nicht überforder ist, ........... mal sehen - ich hoffe so sehr, ich finde jemand!!!

Schreib mir einfach - hier in's Forum oder als pn, wenn was ist während der Eingewöhnungsphase - wenn ich dir helfen kann, hilft mir das auch!!!

Ganz liebe Grüße von der Candy
Symptome: Depressionen, Ein- und Durchschlafstörungen, Alpträume, dissoziative Zustände in allen Ausprägungen, SVV, Essstörungen; Diagnosen: Posttraumatische Belastungsstörung; atypische Anorexie; soziale Phobie; Borderline Persönlichkeitsstörung; rezidivierende, mittelschwere Depression
Medikation: Paroxetin (Paroxetin ratiopharm / Tagonis ab März 2004, 20 mg 2 Monate
>> 40 mg 1 Monat >> 20 mg 1 Monat >> 0); Reboxetin (Edronax ab Juni 2004, 8 mg 3 Monate); Venlafaxin (Trevilor ab Sept. 2004, 225 mg 2,5 Monate))
Zusätzlich: seit Feb. 2004 bei Bedarf 1 - 2,5 mg Lorazepam (Tavor)
Absetzverlauf: Paroxetin wg. gesteigertem SVV problemlos abgesetzt; Reboxetin wg. gesteigerter Aggression und allergischer Reaktion problemlos abgesetzt; Venlafaxin Mitte Dez. 2004 zunächst von 225 mg auf 150 mg, dann ganz abgesetzt (2 Wochen erhebliche Absetzsymptome: Zaps, Schwindel, Übelkeit, Zittern, bis heute noch zeitweise vorhanden).
Seit Ende Dezember 2004 "clean".
nase
Beiträge: 8
Registriert: 05.04.2004 19:02

Beitrag von nase »

@Candy:

Jo ... der Vergangenheit stellen ... das ist wohl die einzige Möglichkeit aus diesem Schlamassel rauszukommen. Medis sind eben nur Mittel zum Zweck und nicht die Lösung. Nur weiß ich bei mir gar nicht wo ich anfangen soll. Dachte schon ich hätte die Wurzel des Problems gefunden. Aber das war es wohl doch nicht oder zumindest nicht alles. Es gibt so viel was mich belastet hat. Wird wohl noch ne harte Zeit werden.

Hast Du auch schon Therapeuten gehabt die überfordert waren? Das hört sich so an ;) Na dann können wir uns die Hände reichen ;) Hatte schon bei einigen Vorgespräche gehabt. Der Hammer war eine Therapeutin, die hier eigentlich einen sehr guten Ruf hat. Während ich ihr alles erzählte fing sie an zu gähnen und schaute an die Wand oder Decke. Entweder war sie genervt, voller desinteresse oder einfach nur überfordert. Jedenfalls meinte sie zum Schluß: "Ach jaaa ... hatte ich schon erwähnt, dass ich ihnen momentan keinen Therapieplatz anbieten kann. Bin voll ausgebucht. Aber ihre Chipkarte und die 10 Euro müssen sie mir noch geben." Ich dachte in diesem Moment, mir platzt gleich der Hals!! Die anderen waren auch nicht viel besser. Erst hören sie zu und erwähnen dann später, dass doch kein Platz frei ist. Als nächstes steht ein Besuch bei einem Psychater/Neurologen an. Der soll "angeblich" auch so einen tollen Ruf haben. Mal sehn wie der so ist. Kann ja nur noch besser werden ;)

Na klar, wir können gerne PN schreiben. Würde mich freuen.

Bis denne dann
Nase
Paroxetin 10 mg seit 05.04.2004
Alprazolam 0,25 mg bei Bedarf
Uschi
Beiträge: 527
Registriert: 22.12.2003 08:41

Beitrag von Uschi »

Hallo Nase,

mit Therapeuten habe ich diese Erfahrungen gemacht. Der erste den ich hatte, der ging gar nicht auf meine Probleme ein. Er versuchte mir einzureden, dass es mir doch gut geht. Ich solle mal raussehen, die Sonne scheint, setzen sie sich doch mal in die Sonne usw. Mir gings so schlecht, ich hatte meinen Selbstmord schon geplant und dieser Depp wollte mich nicht verstehen. Ich habe dann die Therapie abgebrochen und auch keinen Selbstmord gemacht. Gott sei Dank, aber dieser Therapeut hätte mich fast so weit gebracht. Der zweite Therapeut hielt mir in der ganzen Therapiestunden Vorträge über die Wirkungsweise der einzelnen Medis, er kam mir auch so vor als hätte er selber Probleme. Als er mich dann in der 6 Stunde fragte." Na was treiben wir so den ganzen Tag? Erzählen Sie mal!" Da dachte ich mir nur, nix wie weg der hat doch selber ne Meise. Ich machte ihm dann weiß daß es mir schon viel besser geht und ich auf seine Hilfe verzichten kann. Er hat es geglaubt. Ich habe es dann noch ein paar Mal versucht jemanden zu finden, aber es hieß dann immer , in ein paar Monaten habe ich wieder einen Platz frei, melden sie sich noch mal.

Seit diesen Erfahrungen versuche ich ohne auszukommen, was auch bisher ganz gut geklappt hat.

Gruß an Dich Uschi
Gesperrt