ich habe durch einen Link in einem anderen Forum dieses hier entdeckt und bin total glücklich darüber.
Aber ich fange mal an anderer Stelle an...
Vor 2 Jahren häuften sich private, schmerzliche Trennungen und ich rutschte langsam in einer Depression die ich in erster Linie körperlich wahrnahm: eine totaler Antriebsverlust. Ich kam morgens nicht mehr aus dem Bett, und da ich im Schichtdienst arbeitet fing ich an alle Frühdienste wegzutauschen. Ich entwickelte geradezu Panik vor den Frühdiensten.
So ging das eine Zeit, aber auch die Spätdienste fielen mir immer schwerer.
So machte ich mit Zoloft Bekanntschaft, daß sehr schnell eine antriebsseigernde Wirkung zeigte.
Leider wurde ich impotent dadurch.
Auf mein Drängen (der Arzt fand, da sei keine schlimme Nebenwirkung) wechselte ich zu Cipramil. Auch damit wurde es nicht besser; aber ich sah ein, daß ich mich wohl entscheiden müsse zwischen einem guten Sexuallleben und allem was da mit dranhängt wie Beziehung, Harmonie derselben usw, oder fehlendem Antrieb.
Mir blieb damals keine Wahl und so nahm ich Cipramil.
Einige Monate später dachte ich, jetzt könne ich es wohl mal absetzen. Aber mir ging es sofort wieder sehr schlecht, und ich nahm das Cipramil weiter.
Eine Dosis erst von 20, dann 10 mg.
Alle 14 Tage setzte ich es für 3 Tage ab um mit meinem Freund Sex haben zu können. Was schon nach 24 Stunden mäßig ging, und nach 3 Tagen fast wie früher.
Allerdings bekam ich am dritten Tag immer elektische Schläge. Wenn ich die Augen bewegte oder blinzelte. Oft schossen diese Schläge bis in die Fingerspitzen; ich konnte dabei richtig spüren, wie wo meine Nervenbahnen längsliefen.
Das war mir schon klar, daß das Absetzerscheinungen sind, die allerdings nicht beschrieben wurden.
Sobald ich mein Cipramil wieder nahm, waren sie sofort weg. Schon eine Stunde nach der Einnahme.
Mittelrweile nahm ich das Medikament über ein Jahr und der Gedanke es bis ans Lebensende nehmen zu müssen war mir zuwider.
Ich setzte es langsam ab. Alle 5 Tage um 5 mg.
Da ich selbst Krankenschwester bin wußte ich, daß man mit dem Absetzen vorsichtig sein muß; denn ich hatte ja schon Absetzerscheinungen erlebt.
Nachdem ich ganz "ohne" war ging es mir schlecht wie nie zuvor in meinem Leben.
Ich war kaum fähig noch zum Klo zu gehen. Mein ganzer Körper war, als hätte er sich von mir entfernt und reagierte kaum noch auf meine Befehle.
Ich bekam schlimme Angst und dachte: noch etwas schlimmer, und ich bin querschnittsgelähmt. Alles ging nur noch in Zeitlupe und die kleinsten Aufstehversuche machten mich für Stunden völlig immobil.
Es sprach alles dafür die Medis wieder zu nehmen. Ich nahm sie also und als sie wieder wirkten beschrieb ich das meinem Arzt. Auch er war der Meinung, daß ich sie wohl noch brauchen würde.
Zwischendurch hatte ich chinesische Medizin mit Akupunktur ausprobiert, aber das half nicht.
Ich durchforstete meine Psyche um Defizite festzustellen; um Ansatzpunkte zu haben, was ich an mir verändern könne.
Mir wurde klar, dass ich meine Energien falsch verteile. Ich wollte Entspannungsübungen erlernen und andere Mechanismen um mit Streß besser umgehen zu können. Ich wollte eine Kur. Mein Arzt meinte, die würde er nicht für mich beantragen, ich sollte eine Psychoanalyse machen. Da ich schon mal eine gemacht hatte, lernte ich das ab. Ich hatte damals zwar viel über mich gelernt, sehe aber inzwischen eine Analyse nicht als Möglichkeit ein konkretes Problem wie meine Antriebsarmut in einem angemessenen Zeitraum beheben zu können.
Mein Arzt fing an mich zu beleidigen, ich wäre stur und es wäre schlimm mit mir, dass ich alles besser wüsste.
Ich muß zugeben, dass ich relativ konkrete Vorstellungen hatte (habe), aber er wurde richtig beleidigend und fing an Diagnosen alle „narzistische Persönlichkeit“ usw zu stellen.
Ich ging zu einem Neurologen und bat ihn um eine Kur.
Er meinte, die würde ich nicht bekommen; aber er willigte ein es zu versuchen.
Allerdings verstand er nicht, wieso ich überhaupt von den Medis wegkommen wolle.
Er sagte wörtlich: „Warum wollen sie die nicht einfach weiter einnehmen? Das kann ich nicht verstehen, dass sie Entspannungsübungen und so eine Kram machen wollen, was soll das denn, wenn es ihnen mit Cipramil gut geht? Impotenz ist doch wahrlich keine schlimme Nebenwirkung! (ob er das einem Mann auch gesagt hätte?).
Aber mein Gefühl war sich sicher: ich brauche die Medis nicht. Ich bin eigentlich nicht mehr depressiv und ich habe die Trennungen inzwischen überwunden. Dagegen sprach nur, dass ich ohne Cipramil keinen Handschlag mehr machen konnte....
Er war so nett und beantragte eine Kur die dann schon nach 14 Tagen! bewilligt wurde J
Nun werde ich lernen die Dinge zu verändern, die zu der Depression führten. Ich werde an meinen Verlustängsten arbeiten können, und an meiner falschen Energieverteilung. Ich werde Entspannungsübungen lernen, und ich werde Kraft dadurch schöpfen, dass ich nachts wieder schlafen kann. (am 4.2. geht es los J)
Dann sah ich den Link zu diesem Forum.
Jetzt verstand ich, WARUM es mir so erbärmlich ging, nachdem ich das Cipramil abgesetzt hatte. Absetzsymtome.
Kein Wunder, dass mein Arzt krampfhaft versuchte eine Diagnose zu finden in die meine schlimme Antriebsstörung passt. Als Nebenwirkung ist meine schlimme Antriebsstörung unbekannt gewesen. Also muß ich ja mindestens eine „narzistische Persönlichkeit“ haben, wenn der Antrieb auch nach einem Jahr noch nicht da ist. Man sucht nach Erklärungen und da ist es sogar verständlich, wenn man aus Unwissenheit dem Patienten dann Diagnosen gibt, die irgendwie passen.
Und mein Gefühl hat mich nicht getäuscht: ich brauche keine Analyse.
Was ich brauche weiß ich. Ich will meine Defizite nicht schönreden.
Aber sie sind anders, als die Symtome die das Cipramil vermuten lässt.
Ich war schon immer ein Kämpfer.
Was, wenn ich mich nicht so auf mein Gefühl verlassen hätte?
Was, wenn ich die Kraft „nein“ zu den Ärzten zu sagen, nicht gehabt hätte?
Ich werde das Cipramil jetzt superlangsam ausschleichen.
Noch langsamer, als ich es damals schon machte.
Und ich bin mir sicher: diesmal wird es etwas werden!
Ich bin froh diesen Forum gefunden zu haben!
Liebe Grüße, Lill