Hi Hannes,
im gestern erschienenen
Dt. Ärzteblatt steht eine dringende Sofortmeldung zu ZYPREXA:
> Hier online nachzulesen.
Dazu muss man was erklären:
Rhabdomyolyse ist eine schlimmstenfalls
lebensgefährliche Nebenwirkung verschiedenster Medikamente - Neuroleptika machen das eben
manchmal auch, wir hatten das Thema schon.
Insgesamt am bekanntesten ist vielleicht die Sache mit LIPOBAY (>150 Tote infolge Rhabdomyolyse), später nicht ohne Grund "LIPOBAY-Skandal" genannt.
Auf den beiden Folgeplätzen dieser "Negativstatistik" der Rhabdomyolyse-Verursacher stehen die LIPOBAY-ähnlichen Medikamente
Atorvastatin und
Simvastatin (man nimmt heute einen
Klasseneffekt an, d.h. die Cholesterinsenker machen irgendwie alle solche Schäden).
Dazu muss man außerdem wissen, dass SORTIS (Atorvastatin) eines der meistverschriebenen Medikamente hierzulande ist - m.W. sogar DAS am häufigsten verordnete Präparat überhaupt - und von 2 % der Deutschen (! - also 1,6 Mio. !!) genommen wird ... dazu und zu einem fast vergessenen Skandal übrigens hier.
Simvastatin wird ähnlich häufig genommen, ist viel billiger bei gleicher Wirkung.
Tja - und direkt dahinter auf Platz 4 folgt schon Olanzapin = ZYPREXA.
Das ist eine echte Gruselmeldung, denn unter Beachtung der deutlich niedrigeren ZYPREXA-Verordnungszahlen kann man eine wesentlich höhere Rhabdomyolyse-Rate vermuten als bei "Statinen" (= LIPOBAY, SORTIS & Co.)
OK ... das ganz aktuell zum Thema
Risiko.
(Ich freue mich übrigens nicht, wenn ich mit meiner Schwarzmalerei Recht behalte. Ist viel zu oft der Fall.)
<hr>
Und nun noch was zum Thema
Nutzen.
Kürzlich fand ich bei einer MedLine-Recherche
diesen bemerkenswerten Beitrag aus 2004; online
> hier im Volltext einsehbar.
Kurzfassung von dessen Kernaussage:
- Es gibt KEINEN NUTZENBELEG für die neueren Neuroleptika (darunter ZYPREXA) bei anderen Störungen als den schizophrenen Psychosen !!
Statt dessen das Übliche: Propaganda, schlecht getarnte Marketingmanöver, fachlich indiskutable Pseudo-Studien zwecks "Beleg" einer Wirkung, usw.
Diesen Artikel sollte man Psychiatern, die
ZYPREXA als Halt's-Maul-Droge verschreiben,
freundlich um die Ohren hauen.
-> damit meine ich sowas wie
* ausdrucken
* "sehen Sie mal hier, kennen Sie bestimmt, war doch letztes Jahr viel im Gespräch"
* "gibt es da eigentlich Neues - SIE wissen das doch bestimmt genau ?!"
* dann
neuere Studien bzw. solche
mit anderem Resultat erfragen,
>
nur mit exakter Quelle akzeptieren (
Kongress oder so zählt nicht).
... OK, die Auflösung vorweg:
Es gibt nichts, nullo.
Ausschließlich Werbemüll, also angebliche
Fallbeobachtungen,
Empfehlungen ohne Datenbasis,
Tierversuche ohne Sinn für den Menschen, usw. usf.
Eine einzige
aktuelle Auswertung echter Daten bestätigt im Gegenteil:
Olanzapin wirkt nicht überzeugend.
<hr>
Nutzen : Risiko =
0 : 1
Damit hat sich für dieses Mal die Frage "ZYPREXA nehmen oder nicht" wohl gründlich
erledigt.
- Es sei denn, man ist Masochist, steht auf lebensgefährliche Schadwirkungen oder nimmt Medikamente sowieso nur, wenn sie nichts bringen außer Ärger
(Solche Leute gibt's nämlich tatsächlich - bei gewissen Cluster-B-Persönlichkeitsstörungen beispielsweise.)
Grüße sendet
-PhilRS.