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Erschöpfung im Entzug

Verfasst: 10.07.2016 09:55
von Jamie
Hallo sophia,
man kann doch nur soooooooo erschöpft sein, wenn man eine massive erkrankung hat.
Das ist leider mit das hartnäckigste und schlimmste Symptom, wenn du mich fragst.
Ich kenne Leute hier im protrahierten Entzug, die können tagelang nicht das Haus verlassen vor Erschöpfung und von mir selber kenne ich es auch, wenngleich ich unbedingt dazu schreiben muss, dass ich aufgrund meiner jahrelangen Schlafstörungen einen Erschöpfungsgrad habe, der vermutlich nicht mit dem von Absetzenden verglichen werden kann.
Ich kann aber gut verstehen, dass der Gedanke nahe liegt, dass man doch wirklich schwer erkrankt sein muss bei so einer massiven Erschöpfung.
Ich kann in dem Zusammenhang das nicht allzu lange, aber sehr eindrückliche Buch von Elizabeth Tova Bailey "Die Geräusche einer Schnecke beim Essen" empfehlen; die Autorin ist infolge eines Zeckenbisses (was sie nicht wusste) an Fatigue erkrankt und unfähig das Bett zu verlassen. Sie beschreibt ihre Beobachtungen einer Schnecke, die zu ihrer Freundin in dieser Zeit wird und wie sich diese massive Erschöpfung / Schwäche anfühlt.

Grüße
Jamie

Re: Erschöpfung im Entzug

Verfasst: 10.07.2016 10:02
von Johanna_1
liebe jamie,
vielen dank für die buchempfehlung. würde aber viel lieber von menschen lesen, die das bett verlassen können und ihre energie wieder erlangt haben. kannst du das verstehen?...
oder ist das buch sehr positiv?...ich weiß von mir, dass ich mich eher an dinge und berichte halten muss wo es ein positives und aufbauendes feedback gibt, sonst laufe ich gefahr mich noch mehr in den elenden zustand zu begeben. ich hoffe du verstehst was ich meine.
liebe grüsse
sophia

Re: Erschöpfung im Entzug

Verfasst: 10.07.2016 10:24
von Jamie
Hallo Sophia,

ich möchte gouvions Thread nicht weiter füllen, erlaube mir aber noch mal kurz zu antworten; man kann dann ggf. in deinem Thread weiterschreiben.
Die Erschöpfung ist Ausdruck des massiven und anstrengenden Umbauprozesses im Gehirn / ZNS und dauert vermutlich viele Monate.
Da Menschen aber unterschiedlich sind, variiert auch die Länge und der Ausprägungsgrad der Erschöpfung.
Ich habe aber von allen Betroffenen gelesen, die sich auf dem Weg der Besserung befinden, dass die Erschöpfung allmählich besser wird, aber das kann man oft nur über Monate gesehen beurteilen.

Das Buch ist eher nicht geeignet für dich, weil da doch schon ziemlich ausführlich auf diesen sehr beeinträchtigenden Zustand eingegangen wird, wobei es am Ende ein kleines Happy End gibt, weil es der Autorin langsam besser geht.

Grüße
Jamie

Re: Erschöpfung im Entzug

Verfasst: 10.07.2016 10:25
von diane
Hallo...

Ich denke,das kann man so pauschal nicht sagen weil jeder körper anders ist.
Bei mir ist es die innere unruhe die mich zur erschöpfung treibt. Ich bin nun über 2 monate auf 0mg u es variiert von tag zu tag. Wenn uch zb nervös bin,ist das gefühl unerträglich mit stuhldrang,übelkeit usw. Ich fühle mich seit 3 tagen auch nur noch krank :(

Lg

Re: Erschöpfung im Entzug

Verfasst: 10.07.2016 12:53
von Murgtal
Hallo,
diese Erschöpfung ist das was zu schaffen macht. Das grausamste an ADs ist das sie den Gehirnhaushalt einfach zu stark manipulieren und man irgendwie fremdgesteuert ist. Wünsche euch allen und auch mir das wir irgendwann am Ende von diesem Leidensweg ankommen.Voe allem Kraft den Weg zu gehen.
Grüße Axel

Re: Erschöpfung im Entzug

Verfasst: 11.07.2016 19:31
von Johanna_1
liebe diane,
danke für deine rückmeldung. mir geht es genau so...die erschöpfung wird dann wieder von extremer unruhe abgelöst. ein hin und her...und ich kann nicht sagen was schlimmer ist...eigentlich finde ich beides schwer auszuhalten.
aber wir schaffen das...
lg
sophia

CFS (Chronic Fatigue Syndrome) / ME - Fatigue

Verfasst: 23.07.2016 10:00
von Kassiopeia
Liebe Foris :group:

ich möchte hier meine Überlegungen der letzten Woche zur Diskussion stellen.

Anlass ist, dass es mir psychisch im Moment sehr gut geht und ich vor kurzem nach meiner halbjährigen Bildungskarenz fast Vollzeit wieder in den Job eingestiegen bin. Es ging mir richtig gut, bis ich plötzlich wieder die völlige Erschöpfung erlebt habe und drei Tage am Stück im Bett bleiben musste um mich auszuruhen. Dazu kommen diese Muskel- und Gliederschmerzen, die Zuckungen und meine noch schlimmer gewordenen neurologischen Symptome (Kribbeln und Taubheit in Händen und Füßen).

Ich habe begonnen, mich in die Thematik Chronisches Fatigue Syndrom einzulesen und entdecke immer mehr Parallelen zu meiner eigenen Krankheitsgeschichte. Immer mehr verfestigt sich der Gedanke, dass meine somatoforme Schmerzstörung falsch diagnostiziert ist und meine Depression wahrscheinlich sekundär, also eine Reaktion auf die körperliche Problematik ist.

Vieles, was ich als Absetzsymptome und Nebenwirkungen der AD gedeutet habe, könnte auch Symptom der CFS sein. Ich habe mir auch schon einen Spezialisten hier in Wien herausgesucht, den ich privat aufsuchen möchte, um das alles mit ihm zu besprechen. Leider ist er noch bis Ende August auf Urlaub.

Vielleicht gibt es Erfahrungen/Wissen zu diesem Krankheitsbild? Ganz besonders wie alles angefangen hat, bestärkt mich in der Annahme dass es CFS sein könnte. Ich ging von einem grippalen Infekt aus, der aber nicht besser werden wollte. Und ich erinnere mich an die zementschweren Beine, die es mir schwer machten, auch nur in den 1. Stock zu gelangen. Danach tat ich nichts mehr als zur Arbeit gehen und anschließend ins Bett. Zur Arbeit und ins Bett. Genauso ist es jetzt leider wieder.

:bettzeit:

Alles Liebe
Kassiopeia

Re: CFS/ME

Verfasst: 23.07.2016 10:21
von Murmeline
Liebe Kassiopeia,

vielleicht inetressant zu lesen sind die Texte von Monica Cassani zum Thema:

Protracted psych drug withdrawal syndrome, chronic illness, CFS, Fibromyalgia: it’s autonomic nervous system dysfunction
https://beyondmeds.com/2013/07/08/psych ... romyalgia/

Autonomic nervous system dysfunction, protracted psych drug withdrawal, CFS, Fibromyalgia and why I still limit engagement on the internet
https://beyondmeds.com/2013/07/24/ans-and-interaction/

Grüße, Murmeline

Ergänzung von padma:
Sehr interessant ist auch dieser Spektrum Artikel über Serotonin, SSRI und zentrale Erschöpfung:
Dieser Fall trete übrigens womöglich nicht nur bei einer Überlastung ein, sondern auch, wenn der Serotoninspiegel im Organismus künstlich hochgehalten wird – etwa bei der Einnahme von SSRI-Medikamenten gegen Depressionen. Eine Nebenwirkung solcher Medikamente sind in der Tat deutlich schneller eintretende zentrale Erschöpfungssymptome bei körperlicher Anstrengung, was durch den nun beschriebenen Mechanismus erklärbar wird.
Zentrale Notabschaltung für zu müde Muskeln

Re: CFS/ME

Verfasst: 23.07.2016 11:22
von Kassiopeia
Danke Murmeline :hug:

Das Buch, auf das sie verweist, werde ich mir so bald als möglich downloaden. Klingt sehr spannend.

Die Strategien bei CFS und Absetzsyndrom sind ja auch sehr ähnlich. Es geht darum, Neurostress zu vermeiden und das Nervensystem zur Ruhe kommen zu lassen. Es helfen etwa Ruhe und Entspannung, Meditation, Massagen, leichte Bewegung, gesunde Ernährung und Supplemente (Vitamin D, B und Magnesium), Psychotherapie und das sogenannte "Pacing". Die Suche nach angemessener Belastung bei tunlichster Vermeidung von Überforderung.

Alles Liebe
Kassiopeia

Re: CFS/ME

Verfasst: 23.07.2016 14:30
von Jamie
Liebe Kassiopeia :),

ich kann dir das Buch "Das Geräusch einer Schnecke beim Essen" :schnecke: von Elisabeth Tova Bailey sehr ans Herz legen.
Die Autorin erkrankt schwer an CFS aufgrund eines vermutlich nicht erkannten (behandelten) Zeckenbisses mit Übertragung von Viren.
Allerdings wusste sie das nicht in den ersten akuten Phasen; erst Jahre später erhärtete sich dieser Verdacht.
In dem kleinen aber feinen Buch beschreibt sie, wie die massive Schwäche sie ans Bett fesselte bis eine kleine Schnecke kam, die ihr fortan Gesellschaft leistete und so ihre Tortur erleichterte.

Hier kannst du mal reinschauen, wenn es dich interessiert:

und hier ihre website: http://www.elisabethtovabailey.net/

Grüße
Jamie

Re: CFS (Chronic Fatigue Syndrome) / ME - Fatigue

Verfasst: 06.12.2017 13:36
von lila Fee
Liebe Kassiopeia,

ich komme aus Wien und habe schon jahrzehntelang vielfältige Beschwerden.
Angefangen hat es nach einer Con. aufgrund von HPV-Viren plus nachfolgendem grippalen Infekt mit Panikattaken. Viele ADs wurden ausprobiert, mit unerträglichen NW, bis schließlich Saroten das Mittel der Wahl war. Dieses Medi habe ich einige Jahre genommen und zusätzlich Therapien gemacht.
Den HPV-Virus habe ich auch sehr lange mit mir mitgeschleppt und noch ein zweites Mal operiert. Danach war ich nicht mehr so belastbar und leichter ermüdbar. Hatte mit extremen Kopfschmerzen und Muskelverspannungen Probleme, immer wieder hörte ich, dies sei alles psychosomatisch. Jahre später wurde mir dann der re Eierstock aufgrund einer Endometeriosezyste entfernt. Dann ging es mit Schmerzen im ganzen Körper so richtig los.
Grippegefühl mit Untertemperatur und geschwollenen Lymphknoten. Kaum belastbar, immer müde und erschöpft, schon in der Früh beim Aufstehen.
Hände und Füße bamstig. Bei Kälte auch Klima werden sie blaulila und schmerzen. Dazu kommen Verdauungsprobleme, Sehstörungen uvm.
Endlich eine vernünftige Ärztin hat mir die Diagnose "Fibromyalgie" gestellt. Jetzt kam noch Osteoporose, Polyarthritis und ein Raynaud Syndrom, welches ich schon sehr lange hatte, dazu. Trotzdem wird man wie du weißt von vielen Ärzten belächelt und als Simulant oder Psycho :evil: abgetan und wieder mit ADs bombardiert obwohl die bei mir noch alles schlimmer machten. Nachdem ich sehr lange über meine Krankengeschichte nachgedacht und Zusammenhänge gefunden habe, kommt bei mir der Verdacht hoch CFS zu haben.
In einer deiner Postings schreibst du einen Spezialisten dafür in Wien aufzusuchen.
Wäre dir für weitere Informationen (Name Arzt/Erfahrung) sehr dankbar.

Lg lila Fee
P.s: bin froh, dass es solche Foren gibt und möchte mich auch bei allen anderen Mitgliedern bedanken. :D

Re: CFS (Chronic Fatigue Syndrome) / ME - Fatigue

Verfasst: 28.03.2019 10:37
von Jamie
Hallo :),

ich möchte ein brillantes, hoch interessantes Video zu ME / fatigue / CFS hier einstellen.
Es ist wissenschaftlich, aber auch für Laien sehr gut nachvollziehbar und verständlich.

Es ist ein Mitschnitt eines 25minütigen Vortrags von einem Ärztekongress.

Ich denke, man darf die Rednerin, Frau Prof. Scheibenbogen von der Charité Berlin, durchaus als Vorreiterin und Koryphäe auf diesem leider noch immer viel zu unbekannten Gebiet bezeichnen.

Es lohnt sich wirklich da mal zuzuhören:

VIDEO: https://cfc.charite.de/#c30479347

Viele Grüße
Jamie

Re: CFS (Chronic Fatigue Syndrome) / ME - Fatigue

Verfasst: 20.03.2020 19:18
von Josh
Das Problem kenne ich seit ûber einem Jahr, während des Absetzen von Escitalopram fing es an!
Erschöpftung bei psychischen Stress und körperlichen Betätigung!
Kein Sport oder ähnliches möglich!
Ruhe hilft aber das kann es doch nicht gewesen sein ?
B kompex
D3
Magnesium
Omega3 usw!
Denken ist an manchen Tagen überhaupt nicht möglich!
Was macht ihr dagegen?
Ich weiß es kommt von dem absetzen aber über 1 jahr schon !
Liebe Grüsse
Josh

Re: CFS (Chronic Fatigue Syndrome) / ME - Fatigue

Verfasst: 11.05.2020 14:01
von Clarissa
Hallo.

Ich habe von psychiatrischen Therapien und Entzügen auch CFS/ME zurückbehalten.
Jedenfalls passen die Symptome und ich habe eine "Selbstdiagnose" gestellt. Allerdings frage ich mich: was nützt mir diese Diagnose? Es gibt keine überzeugenden Therapiemöglichkeiten.
Ruhe, Entspannung, Neurostreß vermeiden: wie Kassiopeia 2016 bereits schrieb.
Angemessene Belastung bei Vermeidung von Überforderung.

Immer wieder die einzige Strategie, die mir den Umgang damit erleichtert.

VG von Clarissa

Re: CFS (Chronic Fatigue Syndrome) / ME - Fatigue

Verfasst: 04.10.2020 23:38
von doolinbay
Ich hab diese Erschöpfung seit 20 Jahren. Bin über meine Grenzen gegangen. Durch ADs wurde es noch schlimmer und jetzt im Entzug bin ich zwar klarer im Kopf, aber kaum was geht.

Bin auch in Richtung CGS am forschen bzw Hashimoto.
Aber irgendwie:will ich diese Diagnosen?

Da es bei mir vor der Einnahme der ADs anfing, bringe ich es nicht mit dem Entzug in Verbindung.
Aber nur daran glauben, dass Ängste und alte Glaubenssätze die Erschöpfung bringen, mag man auch nicht, auch wenn diese Richtung sehr richtig scheint.
Es ist so anstrengend, im Ebtzug noch mehr.