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Übersetzung Studie untersucht die Schwierigkeit, Antidepressiva abzusetzen

Eine Sammlung von Artikeln, die über wissenschaftliche, politische und wirtschaftliche Hintergründe der Behandlung von seelischen Leiden mit Psychopharmaka berichten.
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Rosenrot
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Übersetzung Studie untersucht die Schwierigkeit, Antidepressiva abzusetzen

Beitrag von Rosenrot » Freitag, 05.01.18, 19:27

Hallo Murmeline, hallo zusammen,

ich hab mich mal an dem Text versucht.

Liebe Grüße
Rosenrot
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Quelle: https://www.madinamerica.com/2017/12/st ... epressant/

Studie untersucht die Schwierigkeit, Antidepressiva abzusetzen

Die Korrektur unnötiger langfristiger Antidepressiva-Einnahme ist schwierig und trifft bei Ärzten und Nutzern auf Vorbehalte

Von Zenobia Morrill
11. Dezember 2017


In den Niederlanden haben Wissenschaftler unter der Leitung von Dr. Rhona Eveleigh einen maßgeschneiderten Plan zum Entzug von Antidepressiva, welche langfristig und in Abweichung zu klinischen Leitlinien verordnet wurden, untersucht. Ihre Ergebnisse lassen vermuten, dass Antidepressiva zu häufig verschrieben werden und im Verlauf der Einnahme nur schwer abgesetzt werden können.

  • „Die Studie kommt zu dem Schluss, das Antidepressiva sehr häufig verschrieben werden und dass einem beträchtlichen Teil der langfristigen Verordnungen eine klinische Begründung fehlt,“ schreiben die Autoren. „Ziel dieser Studie ist es daher, den gewohnheitsmäßigen und unangemessen langfristigen Einsatz von Antidepressiva einzudämmen.“


Die Forschung hat gezeigt (http://www.annfammed.org/content/3/5/449), dass Antidepressiva nur wenig wirksamer als Placebos bei der Bekämpfung depressiver Symptome sind, es sei denn, es handelt sich um schwere Depressionen. Jedoch hat die Verschreibungspraxis es versäumt, diese Forschungsergebnisse zu berücksichtigen. Antidepressiva sind weiterhin das Mittel der Wahl bei leichten und mittleren Depressionen. Die Frage, wie Antidepressiva zu entziehen sind, wenn sie unangemessen verordnet wurden, hat inzwischen zentrale Bedeutung, um eine Übertherapie zu korrigieren.

Die Forscher untersuchen, inwiefern eine Empfehlung zur Beendigung der Antidepressiva-Behandlung sinnvoll ist. Zu diesem Zweck wird ein auf den Patienten und seine psychiatrische Diagnose zugeschnittenes Konzept umgesetzt. Diese Studie berücksichtigt die hochgradigen Schwierigkeiten der langfristigen Antidepressiva-Behandlung, die als „Übertherapie“ klassifiziert wird.

Die Verwendung der Ergebnisse ist ausdrücklich kontraindiziert durch die Forschung, die die zeitlich begrenzte Behandlung mit Antidepressiva empfiehlt. Darüber hinaus schreiben die Autoren, dass die Wirksamkeit von Antidepressiva „fragwürdig“ sei, da 5 von 6 Nutzern keine Verbesserung ihres Zustandes erfahren. (http://journals.plos.org/plosmedicine/a ... d.00500459). Die Wissenschaftler erklären:

  • „Es ist wichtig zu hinterfragen, auf welche Weise Patienten ihre eigenen Ressourcen zur Bewältigung ihrer Probleme einsetzen können; eine Medikation könnte dabei kontraproduktiv sein, da diese den Patienten unempfindlich für die Suche nach einer nicht-chemischen Problemlösung machen kann. Dadurch verringern sich die Kompetenzen des Patienten in einer Situation, wo die Rückgewinnung eigener Zuständigkeiten essentiell für die Genesung ist.“


Die Studie wurde in den Niederlanden in 45 allgemeinmedizinischen Praxen in der Zeit von Februar 2010 bis März 2013 durchgeführt. Die Ärzte suchten Patienten, die Antidepressiva länger als neun Monate einnahmen, aus. Die Studie umfasste ebenfalls Patienten, die nicht den Kriterien einer psychiatrischen Diagnose entsprachen, oder aus anderen Gründen (wie z.B. chronische Schmerzen oder neuropathischer Schmerz) langfristig Antidepressiva einnahmen.

Die Untersuchungseinheit bestand aus 146 Patienten, die per Zufallsprinzip zwei Gruppen zugeordnet wurden: diejenigen, denen eine Beendigung der Antidepressiva-Einnahme empfohlen wurde, und diejenigen, die in einer Kontrollgruppe ihre gewohnte Einnahme fortsetzten. Die Charakteristika der Patienten wurden gleichmäßig auf beide Gruppen verteilt.

Die Empfehlung, die Medikamente abzusetzen, wurde von 34 von 70 Teilnehmern (49 %) durch die Patienten selbst (14 Fälle, 41 %), vom Arzt (1 Fall, 3 %), als gemeinsame Entscheidung (16 Fälle, 47 %) abgelehnt. In den verbleibenden Fällen fehlten die Angaben. Als Begründung wurden Angst vor Wiederkehr der Krankheit, Rückfall nach einem früheren Absetzversuch, psychische Symptome, der Wunsch nach Einholung einer Zweitmeinung, und weitere, nicht näher benannte Gründe genannt. Jedoch stellte es sich nicht heraus, dass diejenigen, die die Empfehlung ablehnten, dies aus einer Notlage oder wegen depressiven Symptomen taten.

Die Ergebnisse zeigen, dass 6 % der Patienten, die der Empfehlung folgten, erfolgreich absetzen konnten, selbst in Anbetracht der Tatsache, dass 51 % in dieser Gruppe der Empfehlung zum Absetzen nachkamen.

In der Kontrollgruppe setzten 8 % erfolgreich ab, nur weil sie sich spontan für eine Beendigung der Behandlung entschieden. Das „erfolgreiche Absetzen“ wurde definiert durch keine Antidepressiva-Einnahme während der vorangegangenen sechs Monate und kein Auftreten einer Depression oder Angsterkrankung innerhalb des nachfolgenden Jahres (wie vom Composite International Diagnostic Interview festgelegt).

Darüber hinaus war bei den Patienten, denen ein Absetzen empfehlen wurde, die Wahrscheinlichkeit, einen Rückfall zu erleiden, höher als bei Patienten der Kontrollgruppe. Patienten, die erfolgreich absetzen konnten, unterschieden sich in den demografischen Eigenschaften nicht von denen, die nicht absetzen konnten. Jedoch nahmen sie wahrscheinlich die Antidepressiva über einen kürzeren Zeitraum ein, bevor sie versuchten abzusetzen.

Im Allgemeinen lehnten viele Patienten die Empfehlung abzusetzen ab. Allgemeinmediziner neigten dazu, dieser Entscheidung zuzustimmen. Die meisten der Patienten, die einen Absetzversuch unternahmen, scheiterten. Eveleigh und ihr Team interpretieren diese Ergebnisse dahingehend, dass sie sowohl die Diskrepanz zwischen Leitlinien und Praxisarbeit als auch die gleichermaßen bei Ärzten und Patienten vorhandenen Vorbehalte beim Absetzen aufzeigen.

Die Autoren zitieren weitere Forschungsergebnisse, die zeigen, dass Patienten Angst davor haben, Antidepressiva abzusetzen, und zu einer „Lieber-sicher-als-bedauern-müssen“-Haltung tendieren. Es wurde auch belegt, dass diese Haltung mit der Überzeugung, ihre Depression sei chronisch und bedürfe lebenslanger Behandlung, verknüpft ist. In ähnlicher Weise drücken Allgemeinmediziner ihre Überlegungen aus, das „Gleichgewicht“ durch Ausschleichen der Antidepressiva zu stören und stattdessen lieber den „Weg des geringsten Widerstandes“ gehen zu wollen.

Eveleigh und ihre Co-Autoren kommen zu dem Schluss, dass Empfehlungen, abzusetzen, unwirksam und in Anbetracht ihrer Untersuchungsergebnisse vielleicht sogar kontraproduktiv sein können. Stattdessen betonen sie die Notwendigkeit, bei der Verschreibung von Antidepressiva von Anfang an Vorsicht walten zu lassen, besonders unter Berücksichtigung der fehlenden Wirksamkeit und möglicher nicht-pharmazeutischer Alternativen. Sie schreiben:

  • „Nichtsdestotrotz entsteht der Eindruck, dass der erste und vielleicht wichtigste Schritt zur Vermeidung eines unangemessen langen Antidepressiva-Gebrauchs in einer von Anfang an restriktiveren hausärztlichen Verschreibungspraxis sowie der Einbeziehung alternativer, nicht-pharmazeutischer Therapien besteht.“


Außerdem erwähnen sie, dass es in Fällen, die ein Absetzen erforderlich machen, „hilfreich sein könnte, die Patienten über die Schwierigkeiten des Absetzens zu informieren und sie zum lediglich kurzfristigen Gebrauchs eines Antidepressivums anzuhalten.“

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Eveleigh, R., Muskens, E., Lucassen, P., Verhaak, P., Spijker, J., van Weel, C., … & Speckens, A. (2017). Withdrawal of unnecessary antidepressant medication: a randomised controlled trial in primary care. BJGP Open, BJGP-2017. (http://bjgpopen.org/content/early/2017/ ... n17X101265)
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Eva
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Registriert: Sonntag, 23.07.17, 13:47

Re: Übersetzung Studie untersucht die Schwierigkeit, Antidepressiva abzusetzen

Beitrag von Eva » Dienstag, 06.02.18, 19:10

Hallo!

Was bedeutet "kurzfristiger Gebrauch", wenn andererseits im Beipackzettel schohn von etlichen Wochen die Rede ist, bis das AD Wirkung zeigen soll?

LG Eva
Zolpidem und Bromazepam abgesetzt.

Rosenrot
Beiträge: 310
Registriert: Montag, 20.03.17, 7:30

Re: Übersetzung Studie untersucht die Schwierigkeit, Antidepressiva abzusetzen

Beitrag von Rosenrot » Dienstag, 06.02.18, 19:28

Hallo Eva, :)

also ich verstehe unter einem kurzfristigen Gebrauch maximal ein halbes Jahr, besser 3 Monate.

Das würde für mich Sinn machen. Das wäre ein guter Zeitraum, um zur Ruhe zu kommen und auf therapeutischem Wege etwas zu erreichen.

LG
Rosenrot
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