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Klaus Lieb: Entzugssymptome beim Absetzen von Antidepressiva?

Verfasst: 01.04.2016 21:10
von Murmeline
Klaus Lieb ist Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Mainz.
2015 erschien in der Zeitschrift PSYCH up2date (Ausgabe 06 · Volume 9 ) folgender Artikel von ihm (Danke an Kassiopeia :) fürs finden):
Entzugssymptome beim Absetzen von Antidepressiva?

Der Artikel kann unter diesem Link komplett gelesen werden: https://www.thieme-connect.com/products ... 041-107587

Drei kurze Ausschnitte:
Beschäftigt man sich etwas genauer mit dem Thema, fällt erstens auf, dass die Häufigkeit und Art solcher Absetzphänomene bisher sehr wenig untersucht ist, obwohl es inzwischen hunderte von Studien zur Effektivität von Antidepressiva gibt.
Es liegt nahe anzunehmen, dass an der Untersuchung von Schwierigkeiten beim Absetzen von Antidepressiva niemand wirklich Interesse hat – weder die Industrie noch wir Psychiater, die froh sind, wenn die Patienten ihre Medikamente überhaupt einnehmen.
Müssen wir befürchten, dass ein Teil der wissenschaftlichen Belege für den rezidivprophylaktischen Effekt von Antidepressiva darauf zurückzuführen ist, dass in solchen Absetzstudien Antidepressiva meist abrupt auf Placebo umgesetzt wurden und Entzugssymptome als Rezidive klassifiziert wurden? Studien wären auch hierzu dringend erforderlich.
Als Fazit sieht er u.a. "unabhängige Untersuchungen zu Absetzeffekten fordern bzw. durchführen."

Re: Klaus Lieb: Entzugssymptome beim Absetzen von Antidepressiva?

Verfasst: 01.04.2016 22:04
von LinLina
Danke fürs finden :)
Beschäftigt man sich etwas genauer mit dem Thema, fällt erstens auf, dass die Häufigkeit und Art solcher Absetzphänomene bisher sehr wenig untersucht ist, obwohl es inzwischen hunderte von Studien zur Effektivität von Antidepressiva gibt.
Ach was :o
Es liegt nahe anzunehmen, dass an der Untersuchung von Schwierigkeiten beim Absetzen von Antidepressiva niemand wirklich Interesse hat – weder die Industrie noch wir Psychiater, die froh sind, wenn die Patienten ihre Medikamente überhaupt einnehmen.
Ach was :shock:
Müssen wir befürchten, dass ein Teil der wissenschaftlichen Belege für den rezidivprophylaktischen Effekt von Antidepressiva darauf zurückzuführen ist, dass in solchen Absetzstudien Antidepressiva meist abrupt auf Placebo umgesetzt wurden und Entzugssymptome als Rezidive klassifiziert wurden? Studien wären auch hierzu dringend erforderlich.
Uiuiuiui der Mann wagt sich weit vor :P

Sehr schön, da ahnt er doch was, nach so vielen Jahren :-) auch wenns noch sehr vorsichtig formuliert ist.

Wer konnte auch so was ahnen... die guten Medikamente...
Was bleibt als Fazit? Ich meine 5 Punkte: 1) dran denken, 2) Patienten darüber aufklären, 3) Antidepressiva nie abrupt absetzen (außer bei sehr langer Halbwertszeit), 4) kritischer sein bei der Verordnung von Antidepressiva und 5) unabhängige Untersuchungen zu Absetzeffekten fordern bzw. durchführen.
6) Patienten/Betroffenengruppen zuhören und ernst nehmen.

lg Lina

Re: Klaus Lieb: Entzugssymptome beim Absetzen von Antidepressiva?

Verfasst: 01.04.2016 22:28
von Murmeline
Klaus Lieb ist Gründungsmitglied der pharmakritischen Initiative unbestechlicher Ärztinnen und Ärzte Mezis („Mein Essen zahl ich selbst“) und Unabhängiger Kopf bei NeurologyFirst, einer Initiative deutscher Neurologen für Pharma-unabhängige Kongresse und Leitlinien.

:whistle: :whistle: :whistle:

Re: Klaus Lieb: Entzugssymptome beim Absetzen von Antidepressiva?

Verfasst: 01.04.2016 22:39
von LinLina
Ich glaube er hat es vielleicht für die Leser vorsichtiger formuliert als er es denkt. Wenn er Gründungsmitglied einer pharmakritischen Initiative ist, ist es ihm sicher schon länger klar dass da was nicht so gut läuft, und es mehr Probleme gibt als offen zugegeben wird.