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Warum die Pharmaindustrie Selbsthilfegruppen finanziert

Verfasst: 18.07.2015 21:54
von Murmeline
Artikel Tagesspiegel 30.06.2015

In Deutschland gibt es für fast jede Krankheit eine Selbsthilfegruppe. Die Pharmaindustrie unterstützt diese Organisationen mit Millionen.

Kein Wort zu Depressions-Selbsthilfegruppen - aber das sagt nichts aus.

Auszüge
Um ihre Produkte unters Patientenvolk zu bringen, sind in Deutschland rund 15 000 Pharmareferenten auf Achse. Sie besuchen Ärzte in ihren Praxen, bringen Geschenke mit, bezahlen sie für fragwürdige Anwendungsstudien. Mehr als 90 Prozent aller ärztlichen Fortbildungen sind noch immer von Pharmafirmen gesponsert, schätzen Experten.

Allerdings wird diese Art der Kundenpflege zunehmend schwieriger. Dank eines Antikorruptionsgesetzes droht nun auch niedergelassenen Ärzten Strafverfolgung, wenn sie allzu offensichtlich die Hand aufhalten. Viele Mediziner sind im Zuge der Diskussion darüber deutlich sensibler geworden. Und um ihr Negativimage loszuwerden, haben sich auch die Hersteller selber zu einer Transparenzoffensive aufgerafft. Von 2016 an wollen sie im Internet auflisten, welche Ärzte, Apotheker und Kliniken mit ihnen zusammenarbeiten – und was die dafür kassieren.
Werbung verboten, Kontaktpflege erlaubt

Bleibt, wenn die Mediziner diesem Outing zustimmen, denn das wird vorausgesetzt, eine zweite große Marketingschiene der Pharmaindustrie: das „Direct to Consumer“-Prinzip (DTC). Zwar ist Werbung für verschreibungspflichtige Arznei in Europa außerhalb der Fachkreise aus gutem Grund verboten. Doch wenn man den Kontakt zu potenziellen Abnehmern pflegt, sich als ihr Anwalt geriert, das Engagement gegen die jeweilige Krankheit gebührend hervorhebt, rückt das auch die eigenen Produkte in positives Licht. Und Patientendruck beeinflusst das Verschreibungsverhalten der Mediziner allemal.
All dem fehlt der Hinweis auf Risiken und Nebenwirkungen. Natürlich seien solche Zuwendungen nicht selbstlos, sagt Wolf-Dieter Ludwig, Chef der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft. Die Selbsthilfeorganisationen würden, so behauptet er, von der Pharmaindustrie „ganz gezielt benutzt“, um neue teure Medikamente mit zweifelhaftem Nutzen „in den Markt zu drücken“.

Ludwig verweist darauf, dass die Branche in einer „Innovationskrise“ stecke und daher stärker denn je auch auf solche Vermarktung angewiesen sei. Beliebte Methode: Die gesponserten Publikationen, Internetforen und Veranstaltungen werden mit „Fachjournalisten“ und „Experten“ bestückt, die auf ihren Lohnlisten stehen. Und Verbandsmitgliedern würden Mediziner mit engen Kontakten zur Pharmaindustrie empfohlen.
Es sei „naiv zu glauben“, dass die Industrie mit all dem keine versteckten Ziele verfolge, sagt der Gesundheitswissenschaftler Jörg Schaaber von der kritischen Buko-Pharmakampagne. Und der Bremer Arzneiexperte Gerd Glaeske zitiert US-Studien, wonach jeder Dollar, der in Patienteninformation fließt, den Umsatz um 4,20 Dollar steigert. Die Investition in Patienten sichere mehr Absatz und Profit „als alle Marketingaktivitäten in Arztpraxen“. Kranke erwiesen sich, derart instrumentalisiert, als „die unverdächtigeren und wirksameren Pharmareferenten“.
http://www.tagesspiegel.de/themen/agend ... 91862.html

Re: Warum die Pharmaindustrie Selbsthilfegruppen finanziert

Verfasst: 27.11.2015 21:52
von Inge2
Ich war vor Jahren mal in so einer Angst Gruppe. ....so zwischen dem 2 und 3. Benzo Entzug,.....aber da hatte ich noch nicht gewusst, bzw. noch nicht so darauf geachtet, daß ich Angstzuständen eigentlich vorher nie hatte, erst nach den Benzos....
Ok, und in dieser Gruppe ...war nur einmal dort, war das Hauptgespräch, welche Medis nimmst du, ich nehme das, aha, welches ist noch gut, usw, ...hätte gerade noch gefehlt, daß sie die Medis in die Mitte auf einen Tisch gelegt hätten . ...ja, da wundert es mich nich, wenn die Pharmafirmen sich dazugesellen, denn so funktionierte es wirklich...igitt, das hat mich geschüttelt, bin nie mehr hingegangen .
Bin aber seit dem letzten Benzo Entzug, ca. Vor 16 Jahren in den NA Gruppen ( narcotics anonymus) regelmäßig gewesen, wenn ich dachte es geht mir besser, ging ich einige Jahre nicht...aber dann immer wieder. Das unterstützen die Pharmafirmen nicht, Derzeit kann ich gar nicht, geht mir zu schlecht. Aber generell ist es schon gut, wenn man seinen Frust o.ä. Ausreden möchte, und niemand unterbricht einen, und auch dort geht's darum, sein Leid an meine Höhere Macht abzugeben ......will nicht sagen, daß man da hin sollte.... Möchte nur sAgn, daß es dort gegen die Drogen und Regen die Medis geht, und das ist dich schon mal toll.
LG
Inge

Re: Warum die Pharmaindustrie Selbsthilfegruppen finanziert

Verfasst: 03.10.2019 14:20
von Michael808
Hallo allerseits,
ich selbst habe mal in Erwägung gezogen, an einer Selbsthilfegruppe für Depressive teilzunehmen. Ich war aber nur ein mal zum Kennenlernen dort. Es war bereits zu der Zeit, als ich schon 3 Wochen Mirtazapin nahm. Ich berichtete in der Gruppe, dass ich von dem Zeug nur die Nebenwirkungen spüre und es nie einen antidepressiven Effekt hatte. Es dürfte unverkennbar gewesen sein, dass ich bereits gut über Psychopharmaka informiert war. Viele Teilnehmer beteiligten sich überhaupt nicht an der Diskussion, aber einige versuchten, mir in bekehrender Weise beizubringen, dass man eben das „richtige“ Medikament für mich finden müsse. Dabei hätte ich auch Nebenwirkungen in Kauf zu nehmen, die der Nutzen des Medikaments dann aber überwiege. Ich spürte schon damals, dass ich dort fehl am Platze war und ließ nicht von meiner Überzeugung ab, dass die Depression eine Erkrankung des Denkens (nicht der Hirnchemie) ist, die selbst unbehandelt wieder heilen wird. Ich kam mir dort vor wie ein Außenseiter. Und doch behielt ich wieder recht. Inzwischen ist meine 4. depressive Episode ohne Behandlung wieder geheilt, aber diesmal kam die Lebensqualität nicht wieder zurück, weil ich mich auf eine Pharma-Droge einließ und die körperlichen Beschwerden geblieben sind.
LG
Michael