Klick auf das Kreuzchen um das hier auszublenden ->


 ! Nachricht von: Oliver

Dieses Forum ist im Ruhezustand.

Es hat sich eine neue Gemeinschaft aus Betroffenen und Angehörigen gegründet, die sich weiterhin beim risikominimierenden Absetzen von Psychopharmaka unterstützt und Informationen zusammenträgt. Die Informationen, wie ihr dort teilnehmen könnt findet ihr hier:

psyab.net: wichtige Informationen für neue Teilnehmer


Die öffentlichen Beiträge auf adfd.org bleiben erhalten.

Bereits registrierte Teilnehmer können hier noch bis Ende 2022 weiter in den privaten Foren schreiben und PNs austauschen, aber es ist kein aktiver Austausch mehr vorgesehen und es gibt keine Moderation mehr.

Ich möchte mich bei allen bedanken, die über die geholfen haben, dieses Forum über 18 Jahre lang mit zu pflegen und zu gestalten.


Kaltabsetzen von Psychopharmaka

Eine Sammlung von Artikeln, die über wissenschaftliche, politische und wirtschaftliche Hintergründe der Behandlung von seelischen Leiden mit Psychopharmaka berichten.
Antworten
Murmeline
Moderatorenteam
Beiträge: 16480
Registriert: 11.01.2015 13:50
Hat sich bedankt: 843 Mal
Danksagung erhalten: 2773 Mal

Kaltabsetzen von Psychopharmaka

Beitrag von Murmeline »

Monica Cassini von http://www.beyondmeds.com hat einen neuen Artikel zum Thema: Risiere keinen Kaltentzug.
Sie verweist dabei auf ein Video vom Council for Evidence-based Psychiatry, in dem Melanie Davis vom REST Project, MIND in Camden spricht.

MIND wiederrum ist ein Projekt in England, das sich selbst so beschreibt:
Mind in Camden provides high quality support and capacity building services to benefit people who are struggling with mental distress, including: hearing voices, extremes of mood, anxiety, unusual beliefs and post-traumatic reactions.
http://www.mindincamden.org.uk/

Monicas Hinweise und das Video:
The most important thing to understand about withdrawing psych meds cold-turkey is that it’s potentially quite dangerous. This includes every class of psychiatric drug, too. To be clear: just because you’ve heard of someone that managed to do it without harming themselves (or you are the one who did it successfully) doesn’t mean it’s a generally safe thing for others to do. The risk involved if things go wrong are potentially radically life-changing in the extreme negative so it’s simply not a risk worth taking unless one is faced with an immediate life-threatening side-effect from the drugs. That is the only time that cold-turkey is appropriate and wise…in that instance one should have easy access to emergency medical services as well.

I always call the methods for psychiatric drug withdrawal recommended on this blog SAFER withdrawal options, because even discontinuing slowly has risks depending on a lot of factors that are simply not in our control.

*it is potentially dangerous to come off medications without careful planning. Please be sure to be well educated before undertaking any sort of discontinuation of medications. If your MD agrees to help you do so, do not assume they know how to do it well even if they claim to have experience. They are generally not trained in discontinuation and may not know how to recognize withdrawal issues. A lot of withdrawal issues are misdiagnosed to be psychiatric problems. This is why it’s good to educate oneself and find a doctor who is willing to learn with you as your partner in care.
http://beyondmeds.com/2014/06/26/cold-t ... ithdrawal/

Kurzübersetzung Murmeline: Ein Kaltenzug kann potentiell gefährlich sein bei allen Psychopharmaka. Auch wenn es Menschen gibt, die damit keine Probleme haben, gilt das nicht für jeden individuell und man weiß es vorher nicht, zu welcher Grupe man gehört. Man sollte nur bei lebensgefährlichen Nebenwirkungen kalt absetzen, denn nach einem Kaltenzug kann sich das Leben radikal zum Schlechten verändern. Auuschleichen sei daher eine sicherer Methode, aber aucgh langsames Ausschleichen hat Risiken durch viele Faktoren, die man individuell nicht unbedingt beeinflussen kann. Wer Psychopharmaka abesetzen möchte, soll sich selbst gut informeiren, denn wenige Ärzte erkennen Absetzsyndrome bzw. interpretieren sie richtig.

Ergänzend ein Video mit Alto Strada, der Gründerin des amerikanischen Forums Surving Antidepressants zum Thema Absetzen, das sie beim Occupy Psychiatry Protest bei der APA conference am 19. Mai 2013 gegeben hat.

http://beyondmeds.com/2013/05/30/alto-strata-speaks/
Erfahrung mit Psychopharmaka (Citalopram, langjährig Venlafaxin und kurzzeitig Quetiapin), seit 2012 abgesetzt
Hinweis: Das Team sorgt für die Rahmenbedingungen im Forum und organisiert den Austausch. Ansonsten sind wir selbst Betroffene und geben vor allem Erfahrungswerte weiter, die sich aus unserer eigenen Geschichte und aus Erfahrungen anderer ergeben haben.

Dein Behandler nimmt Absetzproblematik nicht ernst? Das geht anderen auch so, siehe hier
Einer Deiner Ärzte erkennt Probleme mit Psychopharmaka an? Dann berichte doch hier
padma
Moderatorenteam
Beiträge: 25736
Registriert: 06.01.2013 17:04
Hat sich bedankt: 2439 Mal
Danksagung erhalten: 1512 Mal

Re: Kaltabsetzen von Psychopharmaka

Beitrag von padma »

ich habe diesen Beitrag von Carlotta hier reinkopiert, mag vielleicht jemand übersetzen?

lg padma

Kalter Entzug - keine weise Entscheidung!

Beitragvon carlotta » Donnerstag, 11.07.13, 11:58
Hallo Ihr Lieben, :group:

bestürzt lese ich immer wieder, dass sich Menschen - teils auch wider besseres Wissen - für einen kalten Entzug von Psychopharmaka, einen sog. Cold Turkey entscheiden. Aus diesem Anlass möchte ich hierzu als Warnung folgende Worte von Altostrata posten, der Administratorin des US-Absetz-Forums http://survivingantidepressants.org.

Altostrata ist selbst Langzeitbetroffene im Entzug und beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit dem Thema Absetzen von Psychopharmaka, kennt sich richtig gut aus und bietet auf Ihrer Website zahllose wertvolle Tipps und Infos zum Thema.

Cold-turkeying off psych drugs is not a wise choice except in a life-threatening emergency

I am seeing an unfortunate trend in the psychiatric survivor community: People are saying cold turkey can be a perfectly fine way to go off psychiatric drugs.

We know many people get away with cold turkey, but others injure their nervous systems severely, for months or years. You don’t know in advance what will happen. Even a taper over a month reduces the risk of injury.

What’s more, if you do get withdrawal syndrome, you’re on your own. You cannot imagine how bad it can be. There’s no real medical treatment. You can’t count on a nice doctor with a pill to save you.

We need to get together to protect each other, the way the gay community united to encourage safe sex to protect people from HIV infection.

Please help spread the word: Friends do not let friends cold turkey.



Der Post ist ein Facebook-Post, den eine weitere Langzeitbetroffene, GiaK, auf ihrer ebenfalls sehr empfehlenswerten Website zu den Themen Alternativen zu Psychopharmaka und der Absetzproblematik mit weiteren Anmerkungen veröffentlich hat: http://beyondmeds.com/2013/05/14/cold-t ... se-choice/

Liebe Grüße :group:
Carlotta
insanity
Beiträge: 297
Registriert: 17.01.2015 15:41
Hat sich bedankt: 2 Mal
Danksagung erhalten: 15 Mal

Re: Kaltabsetzen von Psychopharmaka

Beitrag von insanity »

Übersetzung von insanity

Das kalte Absetzen von Psychopharma ist keine weise Entscheidung, ausgenommen in lebensgefährlichen Notfällen.
Ich sehe einen unglücklichen Trend in der Gemeinschaft der Psychatrie-Überlebenden: Leute sagen, kalt absetzen sei ein ausgezeichneter Weg um Psychopharmaka loszuwerden.
Wir kennen viele Menschen, die kalt absetzen, aber andere schädigen ihr Nervensystem schwer für Monate oder Jahre. Vorher weiß man nicht was passiert. Sogar eine Reduktion über einen Monat reduziert das Risiko zu erkranken. [Ich nehme an, damit sind die Absetzschritte gemeint.]
Wenn man Entzugserscheinungen bekommt, ist man auf sich alleine gestellt. Man kann sich nicht vorstellen, wie schlimm das sein kann. Es gibt keine reale medikamentöse Behandlung. Man kann nicht auf einen netten Arzt mit Pillen, die dich retten, hoffen.
Wir müssen zusammenkommen um uns gegenseitig zu helfen, genauso sich die Schwulenszene vereinigt hat, um "Safer-Sex" zu unterstützen um die Menschen vor einer HIV-Infektion zu schützen.
Helft um es in der Welt bekannt zu machen: Lasst eure Freunde nicht kalt absetzen.
Diagnose: Depressionen, aktuell keine Symptomatik (Juli 2017)
Fluoxetin
Mär'14-Jul'14: 20-40 mg anfangs starke Übelkeit
bei jeder Erhöhung vermehrt Suizidgedanken, die nach einigen Tagen weg waren; im Verlauf zwar Besserung, die Ende Mai in schwerste Depressionen umschlugen
Venlafaxin (retard)
[spoil]25.07.14 75 mg starker Schwindel und Suizidgedanken anfangs; im Verlauf Alles-Egal-Gefühl
4.8.-30.10. stationäre Therapie->DBT. Hat erstmal geholfen
09.12. 75 mg plus 37,5 mittags
27.12. runterdosiert auf 75 mg Schlaflosigkeit
15.01.15 runterdosiert auf 37,5 mg 4 Tage sehr depressiv und suizidal, danach besser und ausgeglichener
24.02. 35,5 mg kaum Symptome, nach einigen Tagen vermehrt Schwindel; Appetitsteigerung zum normalen Mass, intensivere Gefühle, Stimmungsschwankungen wie vor den Medis; starke Beeinträchtigung der Konzentrationsfähigkeit (tlw wie vor den Medis)
16.04. 33 mg Zyklusverschiebung (+5 Tage), längeres PMS; Unruhe und Nervosität mit Konzentrationsschwierigkeit; weiterhin Stimmungsschwankungen und intensivierte Gefühle; mehr Energie und Antrieb sowie deutlich weniger müde
10.06. 32 mgGefühlstaubheit etwas geringer, sonst keine Symptome
30.07. 31 mg keine Symptome, die direkt auf V. zurückzuführen sind; Probleme mit der Pille s.u.
05.09. 29,5 mg Würgen (ohne Übelkeit etc); schmecke nichts bzw nur sehr wenig.
24.10. 29,2 mg[/spoil]
14.12. 37,5 mg erzwungene Aufdosierung durch Klinik. Kügelchenmethode sei nicht praktikabel. Dazu einige Tage unretadiert. Schwindel, Kopfschmerzen
08.04.2017 25 mg leichte Antriebslosigkeit, sonst keine Symptome die direkt darauf zurückzuführen wären
Promethazin, Dipiperon, Seroquel
jeweils 10-20 mg (Seroquel 25-50mg) keine oder zu viel Wirkung
Trimipramin
Dez '14-Anfang 2016: 10-40 mg
Feb '15-heute
Pille: Maxim (Valette)
0,03 mg Ethinylestradiol; 2 mg Dienogest
Jul'15-heute keine Probleme

immer wieder Probleme mit niedrigen HB/Eisenspeicher, gut behandelbar mit Eisentabletten.
Oliver
Gründer
Beiträge: 11072
Registriert: 10.10.2003 23:58
Hat sich bedankt: 713 Mal
Danksagung erhalten: 420 Mal

Re: Kaltabsetzen von Psychopharmaka

Beitrag von Oliver »

Hi insanity,

willkommen im Kreis der Hobbyübersetzer :hug:

"Sogar eine Reduktion über einen Monat reduziert das Risiko zu erkranken. [Ich nehme an, damit sind die Absetzschritte gemeint.]"

Wie wärs mit: "Sogar das Absetzen innerhalb eines Monats reduziert das Risiko zu erkranken."
insanity
Beiträge: 297
Registriert: 17.01.2015 15:41
Hat sich bedankt: 2 Mal
Danksagung erhalten: 15 Mal

Re: Kaltabsetzen von Psychopharmaka

Beitrag von insanity »

Haha. ^^ Irgendwozu muss das ja gut sein :)

Dein Satz hat zwar einen besseren Ausdruck, aber ich finde das klingt eher nach, in einem Monat alles weg. Verstehst du? Ich bezweifle, dass das so gemeint war.
Diagnose: Depressionen, aktuell keine Symptomatik (Juli 2017)
Fluoxetin
Mär'14-Jul'14: 20-40 mg anfangs starke Übelkeit
bei jeder Erhöhung vermehrt Suizidgedanken, die nach einigen Tagen weg waren; im Verlauf zwar Besserung, die Ende Mai in schwerste Depressionen umschlugen
Venlafaxin (retard)
[spoil]25.07.14 75 mg starker Schwindel und Suizidgedanken anfangs; im Verlauf Alles-Egal-Gefühl
4.8.-30.10. stationäre Therapie->DBT. Hat erstmal geholfen
09.12. 75 mg plus 37,5 mittags
27.12. runterdosiert auf 75 mg Schlaflosigkeit
15.01.15 runterdosiert auf 37,5 mg 4 Tage sehr depressiv und suizidal, danach besser und ausgeglichener
24.02. 35,5 mg kaum Symptome, nach einigen Tagen vermehrt Schwindel; Appetitsteigerung zum normalen Mass, intensivere Gefühle, Stimmungsschwankungen wie vor den Medis; starke Beeinträchtigung der Konzentrationsfähigkeit (tlw wie vor den Medis)
16.04. 33 mg Zyklusverschiebung (+5 Tage), längeres PMS; Unruhe und Nervosität mit Konzentrationsschwierigkeit; weiterhin Stimmungsschwankungen und intensivierte Gefühle; mehr Energie und Antrieb sowie deutlich weniger müde
10.06. 32 mgGefühlstaubheit etwas geringer, sonst keine Symptome
30.07. 31 mg keine Symptome, die direkt auf V. zurückzuführen sind; Probleme mit der Pille s.u.
05.09. 29,5 mg Würgen (ohne Übelkeit etc); schmecke nichts bzw nur sehr wenig.
24.10. 29,2 mg[/spoil]
14.12. 37,5 mg erzwungene Aufdosierung durch Klinik. Kügelchenmethode sei nicht praktikabel. Dazu einige Tage unretadiert. Schwindel, Kopfschmerzen
08.04.2017 25 mg leichte Antriebslosigkeit, sonst keine Symptome die direkt darauf zurückzuführen wären
Promethazin, Dipiperon, Seroquel
jeweils 10-20 mg (Seroquel 25-50mg) keine oder zu viel Wirkung
Trimipramin
Dez '14-Anfang 2016: 10-40 mg
Feb '15-heute
Pille: Maxim (Valette)
0,03 mg Ethinylestradiol; 2 mg Dienogest
Jul'15-heute keine Probleme

immer wieder Probleme mit niedrigen HB/Eisenspeicher, gut behandelbar mit Eisentabletten.
Murmeline
Moderatorenteam
Beiträge: 16480
Registriert: 11.01.2015 13:50
Hat sich bedankt: 843 Mal
Danksagung erhalten: 2773 Mal

Re: Kaltabsetzen von Psychopharmaka

Beitrag von Murmeline »

Insanity, sehr cool und herzlichen Dank!

Da sie zwei Sachen gegenüberstellt, nämlich Kaltenzug von heute auf morgen und langsames Reduzieren über einen viel längeren Zeitraum, macht es vielleicht Sinn, den Satz einfach frei zu ergänzen:

Sogar eine Reduktion über nur einen Monat minimiert im Vergleich zu einem Kaltenzug das Risiko zu erkranken.
Erfahrung mit Psychopharmaka (Citalopram, langjährig Venlafaxin und kurzzeitig Quetiapin), seit 2012 abgesetzt
Hinweis: Das Team sorgt für die Rahmenbedingungen im Forum und organisiert den Austausch. Ansonsten sind wir selbst Betroffene und geben vor allem Erfahrungswerte weiter, die sich aus unserer eigenen Geschichte und aus Erfahrungen anderer ergeben haben.

Dein Behandler nimmt Absetzproblematik nicht ernst? Das geht anderen auch so, siehe hier
Einer Deiner Ärzte erkennt Probleme mit Psychopharmaka an? Dann berichte doch hier
Oliver
Gründer
Beiträge: 11072
Registriert: 10.10.2003 23:58
Hat sich bedankt: 713 Mal
Danksagung erhalten: 420 Mal

Re: Kaltabsetzen von Psychopharmaka

Beitrag von Oliver »

Ich denke auch, dass sie wirklich meint, dass nach einem Monat alles weg ist - Murmeline: Deine Version find ich auch gut.
Lisamarie
Beiträge: 9517
Registriert: 14.03.2014 19:16
Hat sich bedankt: 174 Mal
Danksagung erhalten: 231 Mal

Re: Kaltabsetzen von Psychopharmaka

Beitrag von Lisamarie »

Hallo, ja ich denke auch das das gemeint ist , wir haben ja viele im Forum denen ausschleichen empfohlen wird, nur verstehen die Ärzte darunter jetzt halbieren und in zwei Wochen ganz raus damit. Das verstehen die unter langsamen Ausschleichen :o
Lg Petra
Antworten