Erfolgreiches Absetzen von Venlafaxin und Mirtazapin
Verfasst: 24.02.2017 12:38
Hallo liebe Forenmitglieder,
vorab möchte ich sagen, dass ich keineswegs die Nebenwirkungen von Medikamenten leugne, von denen hier berichtet wird. Auch bezweifle ich nicht, dass viele Leute massive Probleme mit dem Absetzen von Psychopharmaka haben. Ich hoffe, dass mein Beitrag nicht als Provokation wahrgenommen wird - so ist er wirklich nicht gemeint - stattdessen möchte ich meine Erfahrungen mitteilen, die ja vielleicht für den einen oder anderen interessant sein könnten. Ich habe viel in diesem Forum gelesen und halte es für eine wichtige Plattform, daher wollte ich mich nun auch einmal beteiligen, auch wenn meine Erfahrungen von denen der meisten Mitglieder abweichen dürften.
Meine psychischen Probleme begannen etwa 2009. Ich hatte schon seit einigen Jahren vorher mit Schlafstörungen zu kämpfen, um 2009 wurden diese allerdings immer schlimmer und zum verzögerten Einschlafen trat immer häufiger ein nächtliches Erwachen. Ich erklärte mir diese Probleme zunächst mit allgemeinem Stress (berufliche Belastungen), sah mich allerdings bald mit ständiger Müdigkeit, abnehmender Leistungsfähigkeit und immer stärker werdenden psychosomatischen Beschwerden konfrontiert, die mich zu verschiedenen Ärzten führten, die alle keine Ursache ausmachen konnten.
2010 begab ich mich dann schließlich in Psychotherapie. Ich hatte damals keine Ahnung von verschiedenen Therapieformen, sondern begab mich zu dem Therapeuten, bei dem ich am schnellsten einen Termin bekommen konnte.
Leider bekam dieser Therapeut meine Probleme nicht in den Griff, stattdessen ging es immer nur um irgendwelche Kindheitserfahrungen. Während dieser Therapie verschlechterte sich mein Zustand zunehmend und ich begann, unter nächtlichen Panikattacken, allgegenwärtigen Ängsten, Freudlosigkeit und einer Reihe weiterer psychischer Probleme zu leiden. Die Beziehung zu meiner Frau verschlechterte sich durch meine Reizbarkeit und wachsende Aggressionen auch noch. 2011 hatte ich dann einen plötzlichen Panikanfall am Arbeitsplatz und verließ diesen einen Vorwand, um zunächst ziellos durch die Stadt zu wandern. Da dämmerte mir, dass es so nicht weitergehen konnte.
Ich begab mich in die Psychiatrie der hiesigen Uni-Klinik. Für mich, der ich solche Einrichtungen bisher nur aus Horrorfilmen kannte, war das ein großer Schritt, allerdings dachte ich mir damals, dass nun sowieso alles egal sei und nach mehreren nahezu völlig schlaflosen Nächten war ich der Ansicht, dass es nicht mehr schlimmer werden könne.
Allerdings wurden meine Vorurteile komplett widerlegt.
Eine freundliche, recht junge Ärztin nahm sich meiner an und gelangte bald zur Diagnose "Mittelschwere Depression und Generalisierte Angststörung". Das war die erste Erleichterung für mich, denn ich fürchtete damals, schlichtweg "wahnsinnig" zu werden oder an einer Schizophrenie zu erkranken. Die Ärztin beruhigte mich in dieser Hinsicht, erläuterte mir aber auch - und das rechne ich ihr inzwischen hoch an - dass bislang nicht wirklich bekannt sei, was eine Depression auslöse. Sie ordnete dann ein Blutbild und einige weitere Untersuchungen an und schließlich wurde ich mit einem Rezept für Venlafaxin und Olanzapin entlassen.
Ich wurde übrigens sehr umfassend über die möglichen Nebenwirkungen aufgeklärt (inklusive Serotoninsyndrom und MNS) und mir wurde auch klar gemacht, dass das Absetzen schwierig werden könne, auch wenn die Medikamente keine Sucht auslösen würden. Rückblickend fand ich das Verhalten der Ärztin sehr transparent und ehrlich.
Das Einschleichen des Venlafaxin klappte problemlos, das niedrigdosierte Olanzapin haute mich allerdings komplett um.
Dermaßen müde, langsam und fertig hatte ich mich noch nie gefühlt, war allerdings zunächst froh darüber, da ich endlich wieder 8 Stunden am Stück schlafen konnte.
Schließlich wurde ich an einen niedergelassenen Psychiater überwiesen und dieser erwies sich als echter Glücksgriff. Er setzte zunächst das Olanzapin ab, da er der Meinung (und die teile ich inzwischen völlig) war, dass Neuroleptika in der Behandlung von Depressionen nur im Notfall etwas zu suchen hätten. Stattdessen verordnete er mir Mirtazapin.
Die Medikamente vertrug ich hervorragend. Die einzigen Nebenwirkungen, unter denen ich "zu leiden" hatte, waren eine lästige Mundtrockenheit und eine leichte Gewichtszunahme. Nach 6 Monaten auf 150mg Venlafaxin und 15mg Mirtazapin begannen wir dann mit dem langsamen Ausschleichen.
Mein Arzt erklärte mir sehr genau, dass es zu Problemen beim Absetzen kommen könnte und plädierte deshalb zu einem sehr langsamen Absetzen.
Das alles klappte wunderbar und 2013 waren alle Medikamente abgesetzt.
Ich kann glücklicherweise sagen, dass ich keinerlei Absetzschwierigkeiten hatte.
Um 2015 bekam ich nochmal Schlafprobleme, diese wurden mit niedrig dosiertem Mirtazapin (7.5 mg) behandelt.
Als ich wieder weniger Stress hatte, stieg ich in Absprache mit dem Psychiater wieder aus dem Medikament aus. Seither bin ich medikamenten- und symptomfrei.
Insgesamt habe ich wirklich das Gefühl, massiv von diesen Medikamenten profitiert zu haben. Ich weiß nicht, wie ich ohne sie hätte weitermachen sollen.
Der Psychotherapeut machte mir übrigens eine Szene, weil ich mich ohne sein Wissen in psychiatrische Behandlung begeben hatte...dieser unprofessionelle Kerl sah mich danach natürlich nie wieder.
Rückblickend finde ich es erstaunlich, wie unterschiedlich Menschen auf diese Medikamente reagieren und wollte einfach aufzeigen, dass es auch Verläufe wie meinen gibt. Vielleicht sind diese Informationen ja für jemanden von Nutzen. Für Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung.
Viele Grüße
Randolf
vorab möchte ich sagen, dass ich keineswegs die Nebenwirkungen von Medikamenten leugne, von denen hier berichtet wird. Auch bezweifle ich nicht, dass viele Leute massive Probleme mit dem Absetzen von Psychopharmaka haben. Ich hoffe, dass mein Beitrag nicht als Provokation wahrgenommen wird - so ist er wirklich nicht gemeint - stattdessen möchte ich meine Erfahrungen mitteilen, die ja vielleicht für den einen oder anderen interessant sein könnten. Ich habe viel in diesem Forum gelesen und halte es für eine wichtige Plattform, daher wollte ich mich nun auch einmal beteiligen, auch wenn meine Erfahrungen von denen der meisten Mitglieder abweichen dürften.
Meine psychischen Probleme begannen etwa 2009. Ich hatte schon seit einigen Jahren vorher mit Schlafstörungen zu kämpfen, um 2009 wurden diese allerdings immer schlimmer und zum verzögerten Einschlafen trat immer häufiger ein nächtliches Erwachen. Ich erklärte mir diese Probleme zunächst mit allgemeinem Stress (berufliche Belastungen), sah mich allerdings bald mit ständiger Müdigkeit, abnehmender Leistungsfähigkeit und immer stärker werdenden psychosomatischen Beschwerden konfrontiert, die mich zu verschiedenen Ärzten führten, die alle keine Ursache ausmachen konnten.
2010 begab ich mich dann schließlich in Psychotherapie. Ich hatte damals keine Ahnung von verschiedenen Therapieformen, sondern begab mich zu dem Therapeuten, bei dem ich am schnellsten einen Termin bekommen konnte.
Leider bekam dieser Therapeut meine Probleme nicht in den Griff, stattdessen ging es immer nur um irgendwelche Kindheitserfahrungen. Während dieser Therapie verschlechterte sich mein Zustand zunehmend und ich begann, unter nächtlichen Panikattacken, allgegenwärtigen Ängsten, Freudlosigkeit und einer Reihe weiterer psychischer Probleme zu leiden. Die Beziehung zu meiner Frau verschlechterte sich durch meine Reizbarkeit und wachsende Aggressionen auch noch. 2011 hatte ich dann einen plötzlichen Panikanfall am Arbeitsplatz und verließ diesen einen Vorwand, um zunächst ziellos durch die Stadt zu wandern. Da dämmerte mir, dass es so nicht weitergehen konnte.
Ich begab mich in die Psychiatrie der hiesigen Uni-Klinik. Für mich, der ich solche Einrichtungen bisher nur aus Horrorfilmen kannte, war das ein großer Schritt, allerdings dachte ich mir damals, dass nun sowieso alles egal sei und nach mehreren nahezu völlig schlaflosen Nächten war ich der Ansicht, dass es nicht mehr schlimmer werden könne.
Allerdings wurden meine Vorurteile komplett widerlegt.
Eine freundliche, recht junge Ärztin nahm sich meiner an und gelangte bald zur Diagnose "Mittelschwere Depression und Generalisierte Angststörung". Das war die erste Erleichterung für mich, denn ich fürchtete damals, schlichtweg "wahnsinnig" zu werden oder an einer Schizophrenie zu erkranken. Die Ärztin beruhigte mich in dieser Hinsicht, erläuterte mir aber auch - und das rechne ich ihr inzwischen hoch an - dass bislang nicht wirklich bekannt sei, was eine Depression auslöse. Sie ordnete dann ein Blutbild und einige weitere Untersuchungen an und schließlich wurde ich mit einem Rezept für Venlafaxin und Olanzapin entlassen.
Ich wurde übrigens sehr umfassend über die möglichen Nebenwirkungen aufgeklärt (inklusive Serotoninsyndrom und MNS) und mir wurde auch klar gemacht, dass das Absetzen schwierig werden könne, auch wenn die Medikamente keine Sucht auslösen würden. Rückblickend fand ich das Verhalten der Ärztin sehr transparent und ehrlich.
Das Einschleichen des Venlafaxin klappte problemlos, das niedrigdosierte Olanzapin haute mich allerdings komplett um.
Dermaßen müde, langsam und fertig hatte ich mich noch nie gefühlt, war allerdings zunächst froh darüber, da ich endlich wieder 8 Stunden am Stück schlafen konnte.
Schließlich wurde ich an einen niedergelassenen Psychiater überwiesen und dieser erwies sich als echter Glücksgriff. Er setzte zunächst das Olanzapin ab, da er der Meinung (und die teile ich inzwischen völlig) war, dass Neuroleptika in der Behandlung von Depressionen nur im Notfall etwas zu suchen hätten. Stattdessen verordnete er mir Mirtazapin.
Die Medikamente vertrug ich hervorragend. Die einzigen Nebenwirkungen, unter denen ich "zu leiden" hatte, waren eine lästige Mundtrockenheit und eine leichte Gewichtszunahme. Nach 6 Monaten auf 150mg Venlafaxin und 15mg Mirtazapin begannen wir dann mit dem langsamen Ausschleichen.
Mein Arzt erklärte mir sehr genau, dass es zu Problemen beim Absetzen kommen könnte und plädierte deshalb zu einem sehr langsamen Absetzen.
Das alles klappte wunderbar und 2013 waren alle Medikamente abgesetzt.
Ich kann glücklicherweise sagen, dass ich keinerlei Absetzschwierigkeiten hatte.
Um 2015 bekam ich nochmal Schlafprobleme, diese wurden mit niedrig dosiertem Mirtazapin (7.5 mg) behandelt.
Als ich wieder weniger Stress hatte, stieg ich in Absprache mit dem Psychiater wieder aus dem Medikament aus. Seither bin ich medikamenten- und symptomfrei.
Insgesamt habe ich wirklich das Gefühl, massiv von diesen Medikamenten profitiert zu haben. Ich weiß nicht, wie ich ohne sie hätte weitermachen sollen.
Der Psychotherapeut machte mir übrigens eine Szene, weil ich mich ohne sein Wissen in psychiatrische Behandlung begeben hatte...dieser unprofessionelle Kerl sah mich danach natürlich nie wieder.
Rückblickend finde ich es erstaunlich, wie unterschiedlich Menschen auf diese Medikamente reagieren und wollte einfach aufzeigen, dass es auch Verläufe wie meinen gibt. Vielleicht sind diese Informationen ja für jemanden von Nutzen. Für Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung.
Viele Grüße
Randolf