Klick auf das Kreuzchen um das hier auszublenden ->


 ! Nachricht von: Oliver

Dieses Forum ist im Ruhezustand.

Es hat sich eine neue Gemeinschaft aus Betroffenen und Angehörigen gegründet, die sich weiterhin beim risikominimierenden Absetzen von Psychopharmaka unterstützt und Informationen zusammenträgt. Die Informationen, wie ihr dort teilnehmen könnt findet ihr hier:

psyab.net: wichtige Informationen für neue Teilnehmer


Die öffentlichen Beiträge auf adfd.org bleiben erhalten.

Bereits registrierte Teilnehmer können hier noch bis Ende 2022 weiter in den privaten Foren schreiben und PNs austauschen, aber es ist kein aktiver Austausch mehr vorgesehen und es gibt keine Moderation mehr.

Ich möchte mich bei allen bedanken, die über die geholfen haben, dieses Forum über 18 Jahre lang mit zu pflegen und zu gestalten.


Paradoxe Reaktionen....

Sammlung von Erfahrungsberichten mit Psychopharmaka.
Antworten
Arianrhod
Beiträge: 1936
Registriert: 15.11.2015 15:16
Hat sich bedankt: 377 Mal
Danksagung erhalten: 653 Mal

Paradoxe Reaktionen....

Beitrag von Arianrhod »

Hallo,
ich bin gerade dabei , das Opioid abzusetzen, gegen Schmeerzen, gestern nahm ich die letzte Tablette.
Und wie soll ich es ausdrücken: Opioidabsetzen ist ein SPAZIERGANG, verglichen mit dem Absetzen von Neuroleptika.
Und da wird eine Abhängigkeit allgemein anerkannt , und Ärzte sind sehr vorsichtig.

Ich war am Mittwoch nun beim Psychiater und habe ihm das so gesagt.
- Opioidabsetzen für mich - einfach.
- Tavor absetzen - war auch einfach
- Neuroleptika absetzen - heftigste, monatelange Entzugserscheinungen .....
- gewisse Neuroloptika verursachen psychotische Symptome
- Antidepressiva wirken irgendwie überhaupt nicht , daher konnte ich auch Stangyl problemlos weglassen
- in meiner Vergangenheit haben Narkosemittel manchmal nicht gewirkt, sondern mich in eine manische Stimmung versetzt...

Er meinte, ich neige zu paradoxen Reaktionen.
Im November hatte man mir die Opioide verdoppelt - Resultat Schlaflosigkeit. Normalerweise würde das Medikament sehr müde machen, ich war nächtelang wach.
Angstlösende Medikamente führen bei mir zu Angstzuuständen und Benzos, bei denen habe ich eigentlich das Gefühl, sie wirken gar nicht.
Ich hatte damals 6 Wochen lang Tavor genommen, teilweise bis 10 mg täglich , und sie weggelassen, weil ich das Gefühl hatte, sie bringen nichts.
Mein Psychiater meinte aber, das wäre mithin der schlimmste Entzug und er hat Patienten gesehen, deren Persönlichkeit danach vollkommen zerstört war. :(

jetzt frage ich mich natürlich: Woher weiß man bitte vorher, ob man gegenteilig reagiert? An was liegt das überhaupt?
Und wie kann ich mich vor Fehlbehandlungen schützen ? Ich habe richtig Angst, dass ich Medikamente kriege, die voll nach hinten losgehen.

Gibt es hier noch Leute, denen es ähnlich geht?

liebe Grüße Arianrhod

Ich ziehe baöld um und muss neue Ärzte suchen - sollte ich da was sagen?
[spoil]2005 mit Burnout und Depression in eine Tagesklinik gekommen.

Zuerst einmonatige Behandlung mit diversen Antidepressiva: Doxepin, Mirtazipin, Sulprid,
hypomane Reaktion
wobei die AD sofort und ohne Ausschleichen von den Ärzten abgesetzt wurden.


Verschiedene Diagnosen: schizoaffektive Psychose, Depression, bipolare Störung, Schizophrenie, dissoziative Identitätsstörung


Erst 2 Jahre Behandlung mit Amisulprid . Zu schnell auf eigene Faust abgesetzt.
Schwere Supersensitivitätspsychose .

Einstellen auf verschiedene Neuroleptika: Haloperidol, Quetiapin, Olanzapin, Risperidon, Paliperidon, Aripiprazol
Außerdem Lorazepam, Promethazin, Chlorprothixen, Melperon, Pipamperon

jahrelang , vieles gleichzeitig und in höchster Dosierung.
u.a. Berentung, 60 kg Gewichtszunahme
seit 2012 Ausschleichen von 800 mg Quetiapin retard innerhalb von 2 Jahren.
Meinen Absetzbericht findet man hier:
http://adfd.org/austausch/viewtopic.php ... 47#p120447
Seit Januar 2014 keine Neuroleptika mehr.

Ich leide seit 3 Jahren unter Nervenschmerzen, Kribbeln und Lähmungen. Bei mir wurde eine Polyneuropathie diagnostiziert und ein Zusammenhang mit NL vermutet - leider nicht beweisbar.

Außer Neuroleptika habe ich zwischenzeitlich auch Oxycodon ( ein Opioid) und Trimipramin nach zweijähriger Einnahme abgesetzt , die ich wegen chronischer Schmerzen verschrieben bekommen habe.
Pregabalin habe ich am 7.9.2016 endgültig ausgeschlichen.

Die Anzahl meiner Dauermedikamente beträgt gerade "0". :)

Ich weiß mittlerweile 2019 , dass ich Asperger- Autistin bin .
Nebelsonne
Beiträge: 14
Registriert: 15.10.2015 12:41
Danksagung erhalten: 3 Mal

Re: Paradoxe Reaktionen....

Beitrag von Nebelsonne »

Hallo Arianrhod,
einiges, von dem, was du berichtest, kommt mir bekannt vor. Wenn ich zum Beispiel beim Zahnarzt eine lokale Betäubung bekomme, geht es mir den Rest des Tages schlecht und nachts ist an Schlaf nicht zu denken - Unruhe, Herzrasen, Zittern und das stundenlang! Das Beruhigungsmittel, was ich wegen einer Darmspiegelung bekam, hat erst überhaupt nicht gewirkt, der Arzt meinte dann, ich hätte die dreifache Dosis von "normal" bekommen müssen. Auch Medikamente wirken bei mir oft entweder zu stark oder gar nicht oder paradox. Durch meine CFS-Erkrankung bin ich zu einem Arzt gekommen, der dann einen Verdacht hatte und eine Gen-Untersuchung veranlasst hatte. Es stellte sich heraus, dass ich eine Veränderung/Mutation eines bestimmten Genes habe, welches für die Aktivität des Enzymes COMT (Catecholamin-Methyl-O-Transferase) zuständig ist. Dieses Enzym wird im Körper u.a. auch benötigt, um Medikamente abzubauen. Wenn es also zu stark oder zu wenig aktiv ist, geht das schneller oder langsamer, um es mal einfach zu sagen ;-). Aber auch unsere körpereigenen Stresshormone werden mit diesem Enzym verstoffwechselt. Bei mir arbeitet das COMT zu langsam, das bedeutet, die Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol werden viel langsamer, als normal abgebaut. Also Dauerstress...
Soviel ich weiss, haben um die 10 Prozent der Menschen so eine Gen-Veränderung in unterschiedlicher Ausprägung. Es könnte also sein, dass bei dir auch so etwas eine Rolle spielt. Und es gibt ja nicht nur dieses eine Enzym, was bei Medikamenten-Stoffwechsel wichtig ist, sondern viele und alle können verändert sein. Deshalb ist ja auch jeder Mensch anders und einzigartig. Man weiss es einfach nicht, wie und warum man auf etwas reagiert.
Viele Grüße
Symptome: Erschöpfung bei geringster Belastung, Schlafstörungen, Migräne, Muskelschmerzen, steife Gelenke, ständige extreme Müdigkeit, "Grippegefühl", abgeschlagenl, häufige Infekte, . Unruhige Beine. Magen-Darm-Probleme.
Diagnose: CFS (Chronisches Erschöpfungssyndrom), viele Jahre wurde es aber als Depression behandelt Fibromyalgie; Restless Legs Syndrom; Migräne; Depression
Doxepin 50 mg von 2001 bis 2002 ca. 1,5 Jahre (keine Verbesserung der Symptome, nur Gewichtszunahme und mehr Müdigkeit), nach Absetzen wochenlang starke Unruhe.
Citalopram 20 mg von 2002 bis 2003 ca. 1,5 Jahre (keine Besserung), nach Absetzen ebenfalls starke Unruhe
Zolpidem seit ca 2002, erst sporadisch bei Bedarf, bald täglich 1,25 mg, bei bes. Anlässen (Urlaub, Termine, Nachtdienste) bis zu 10 mg, seit ca. Anfang 2013 2,5mg täglich und mehrmals pro Monat 5 bis selten 10 mg . Jan. 2014 Zolpidem ganz abgesetzt und dafür Mirtazapin 3,75 mg genommen (keine größeren Probleme, anfangs gutes Einschlafen)
Jan.2015 Zolpidem ab und zu wieder genommen wg extremer Schlafstörungen u viel Stress, mehrere Schicksalsschläge kurz hintereinander, Steigerung des Zolpidem auf 10 mg tägl + 7,5mg Mirtazapin, 5 - 10mg Melatonin, mehrmals pro Woche Metamizol gegen Schmerzen, müde, depressiv, lebensmüde, hoffnungslos, beängstigend - Absetzversuche ca 3 mal gescheitert
Suchtambulanz - Plan ab Mai 2015: 1,25 mg Zolpidem weniger alle 2 Wochen, Mirtazapin sofort weglassen (starke Beschwerden - nach 1 Woche wieder auf 7,5 eingestellt)
Ab August größere Abstände von 3 bis 4 Wochen 1,25 mg weniger und die Dosis nicht plötzlich, sondern "krümelweise" abgesetzt wg Schlaflosigkeit und Brennen und Kribbeln in Armen und Beinen, oft sehr depressiv und hoffnungslos, gedrückte Stimmung, Panik-u. Angstzustände nachts
Seit 1.10.2015 auf 0,625 mg Zolpidem, weitere Reduzierung nicht möglich, starke Verschlechterung des Zustandes, mehrmals pro Woche jetzt komplett schlaflose Nächte, sonst nur 3 - 4 Stunden Schlaf, CFS -Symptome sind dadurch extrem, kann kaum noch etwas machen. Tage, an denen ich nur noch weine.
seit 19.9.2015 5mg Levomepromazin + 5mg Promethazin (Tropfenmischung) zum Schlafen
seit 28.9.2015 Zolpidem ganz weg
06.10.2015 mehrere Versuche, ohne die NL Tropfen zu schlafen, wieder schlaflos
03.11.2015 5mg Levomepromazin + 5mg Promethazin (Tropfenmischung) 1 Trp weniger
06.11.2015 1 Trp weniger
12.11.2015 1 Trp weniger
20.11.2015 1 Trp weniger
27.02.2016 wieder Mißempfindungen in den Händen und vermehrt schlaflose Nächte mit Panikanfällen, Herzrasen und Unruhe, komme einfach nicht von der NL Tropfenmischung runter, trotz ständigen Versuchen, es zu reduzieren. aktuell wieder 10 mg Tropfenmischung (Atosil/Neurocil)
Mirtazapin ca.5 mg
23.01.2017 wiederholte Anläufen, die NL-Tropfenmischung zu reduzieren, immer wieder Phasen der Erhöhung wegen Schlaflosigkeit
aktuell 6 mg der Levomepromazin - Promethazin - Mischung.
starke Panikanfälle nachts, Gefühl, nicht schlucken zu können.
Mirtazapin unverändert bei 7,5 mg
Murmeline
Moderatorenteam
Beiträge: 16480
Registriert: 11.01.2015 13:50
Hat sich bedankt: 843 Mal
Danksagung erhalten: 2773 Mal

Re: Paradoxe Reaktionen....

Beitrag von Murmeline »

Hallo ihr!

Zum verstoffwechslertyp hat ulrich etwas zusammengetragen: http://www.adfd.org/austausch/viewtopic.php?t=7754

Grüße, murmeline
Erfahrung mit Psychopharmaka (Citalopram, langjährig Venlafaxin und kurzzeitig Quetiapin), seit 2012 abgesetzt
Hinweis: Das Team sorgt für die Rahmenbedingungen im Forum und organisiert den Austausch. Ansonsten sind wir selbst Betroffene und geben vor allem Erfahrungswerte weiter, die sich aus unserer eigenen Geschichte und aus Erfahrungen anderer ergeben haben.

Dein Behandler nimmt Absetzproblematik nicht ernst? Das geht anderen auch so, siehe hier
Einer Deiner Ärzte erkennt Probleme mit Psychopharmaka an? Dann berichte doch hier
Arianrhod
Beiträge: 1936
Registriert: 15.11.2015 15:16
Hat sich bedankt: 377 Mal
Danksagung erhalten: 653 Mal

Re: Paradoxe Reaktionen....

Beitrag von Arianrhod »

Hallo Nebelsonne, hallo Murmeline,
in dem von dir verlinktem thread geht es u.a. um Carbamazepin. Das wurde bei mir gegen Schmerzen im Krankenhaus ausprobiert und ich bin fast daran gestorben :(
Ich bekam schon beim Einschleichen ein Arzneimittelexanthem, daumennagelgroße Eiterbeulen am ganzen Körper und das am Wochenende, es dauerte bis Montag, bis die Fachärzte wieder da waren und ich an den Tropf kam.
Kein Mensch hatte mich informiert, dass die Verstoffwechselung von Medikamenten getestet werden kann.Ich werde meinen Hausarzt mal drauf ansprechen.
liebe Grüße Arianrhod
[spoil]2005 mit Burnout und Depression in eine Tagesklinik gekommen.

Zuerst einmonatige Behandlung mit diversen Antidepressiva: Doxepin, Mirtazipin, Sulprid,
hypomane Reaktion
wobei die AD sofort und ohne Ausschleichen von den Ärzten abgesetzt wurden.


Verschiedene Diagnosen: schizoaffektive Psychose, Depression, bipolare Störung, Schizophrenie, dissoziative Identitätsstörung


Erst 2 Jahre Behandlung mit Amisulprid . Zu schnell auf eigene Faust abgesetzt.
Schwere Supersensitivitätspsychose .

Einstellen auf verschiedene Neuroleptika: Haloperidol, Quetiapin, Olanzapin, Risperidon, Paliperidon, Aripiprazol
Außerdem Lorazepam, Promethazin, Chlorprothixen, Melperon, Pipamperon

jahrelang , vieles gleichzeitig und in höchster Dosierung.
u.a. Berentung, 60 kg Gewichtszunahme
seit 2012 Ausschleichen von 800 mg Quetiapin retard innerhalb von 2 Jahren.
Meinen Absetzbericht findet man hier:
http://adfd.org/austausch/viewtopic.php ... 47#p120447
Seit Januar 2014 keine Neuroleptika mehr.

Ich leide seit 3 Jahren unter Nervenschmerzen, Kribbeln und Lähmungen. Bei mir wurde eine Polyneuropathie diagnostiziert und ein Zusammenhang mit NL vermutet - leider nicht beweisbar.

Außer Neuroleptika habe ich zwischenzeitlich auch Oxycodon ( ein Opioid) und Trimipramin nach zweijähriger Einnahme abgesetzt , die ich wegen chronischer Schmerzen verschrieben bekommen habe.
Pregabalin habe ich am 7.9.2016 endgültig ausgeschlichen.

Die Anzahl meiner Dauermedikamente beträgt gerade "0". :)

Ich weiß mittlerweile 2019 , dass ich Asperger- Autistin bin .
Antworten