Klick auf das Kreuzchen um das hier auszublenden ->
Liebe Mitglieder des ADFD-Forums, liebe Interessierte,

Update: Die Wiedereröffnung für neue Teilnehmer verzögert sich noch ein wenig. Geplanter Termin ist der 1.8. Das neue Konzept steht aber mittlerweile und wir arbeiten im Hintergrund an der Umsetzung.

Erste Veränderungen in Form zweier neuen Rubriken sind nun eingestellt, Erläuterungen siehe den Artikel über die geplanten Änderungen.


Seit dem 31.03.2019 Ist das Forum für Neuanmeldungen geschlossen. Bislang freigeschaltete Mitglieder können das Forum natürlich wie gewohnt nutzen und dort schreiben.

Es tut uns leid für diejenigen, die sich nun gerne anmelden möchten und nicht können, aber aufgrund einer völligen Überlastungssituation sind wir nicht mehr in der Lage noch mehr Mitglieder zu betreuen. Wir müssen uns in den kommenden Wochen auch überlegen, wie das Forum künftig organisiert werden kann, so dass es fortbestehen kann. Das Forum wurde in den letzten Wochen geradezu mit Neuanmeldungen geflutet und es ist uns nicht mehr möglich, diese Massen an Anfragen auf Basis unseres ehrenamtlichen Engagements zu bewältigen.

Trotzdem wollen wir keinen von Euch hängen lassen.
Zum einen steht in diesem Forum wirklich alles Relevante, was Ihr wissen müsst, wenn Ihr Eure Psychopharmaka verantwortungsvoll, schonend und nachhaltig absetzen wollt und zum anderen haben wir auch extra noch mal die allerwichtigsten Artikel und Tipps für Euch zusammengestellt.
Nehmt Euren Wunsch, Eure Medikamente auszuschleichen aktiv in die Hand, lest die Infoartikel, wühlt Euch durch die Threads der anderen Betroffenen und erlebt, dass alle im gleichen Boot sitzen, benutzt gerne auch die Suchfunktion... Ihr werdet sehen, so gut wie keine Frage wird unbeantwortet bleiben.

=> Hier sind nochmal häufige Fragen von Neuankömmlingen für Euch beantwortet. <=

Für unsere Bestandsmitglieder und natürlich auch für diejenigen, die an den tiefer gehenden Gründen interessiert sind, weswegen wir den Anmeldestopp verhängt haben, haben wir eine genauere Erklärung verfasst.

Wir danken für Euer Verständnis und erbitten zahlreiches und konstruktives Mitwirken
Das Team des ADFD

TurkeyCold: Teilzeithölle nach Cymbalta (Duloxetin)Cold Turkey (Kaltentzug)

Sammlung von Erfahrungsberichten mit Psychopharmaka.
Antworten
TurkeyCold
Beiträge: 17
Registriert: Freitag, 27.07.18, 14:15
Danksagung erhalten: 47 Mal

TurkeyCold: Teilzeithölle nach Cymbalta (Duloxetin)Cold Turkey (Kaltentzug)

Beitrag von TurkeyCold » Dienstag, 25.06.19, 10:29

Hallo ihr Lieben,

folgenden Beitrag - samt einiger folgender - habe ich am 6.6.2019 auf survivingantidepressants.org veröffentlicht. Mein Heilungsprozess geht derzeit in die Vollen, ich merke, dass ich vor einem Durchbruch stehe, viele glasklare und fast gesunde Phasen sind die Folge, allerdings auch vermehrte Komplettabstürze mit rabenschwarzer Depression, vor der ich nach wie vor Angst habe. Da mir auch dieses Forum auf meinem Weg enorm hilfreich und wichtig war, teile ich die Beiträge gerne in deutscher Übersetzung:

-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Hallo zusammen,

Ich habe die Inhalte auf dieser Webseite [gemeint ist survivingantidepressants.com] und auf seinem deutschen Äquivalent (adfd.org) für lange Zeit als stiller Beobachter verfolgt und das Wissen, dass ich hier und dort erlangte, hat mir enorm geholfen. Ansonsten wäre ich heute ziemlich sicher in der psychiatrischen Mühle gefangen.

Ich bin 29 Jahre alt, männlich und aus Deutschland mit einer langen Vorgeschichte von Depressionen/Dysthymie/Melancholie, nennt es wie auch immer. 3 Therapien erreichten nicht die Wurzel meiner Erkrankung, was dafür sorgte, im Herbst 2015 einen Versuch mit Duloxetin/Cymbalta zu starten. Die psychiatrische Unterstützung, die ich seitdem genoss, war aufgrund fehlenden Wissens lausig und endete in einem ersten Cold Turkey im April 2016 mit einer Woche voller Krankheit: Brain zaps, Grippe, Übelkeit, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen und so fort. Danach war alles okay für eine ganze Weile, bis zu einem mentalen Zusammenbruch 4 Monate später. Natürlich setzte ich die volle Dosis Cymbalta (60mg) wieder ein. Es folgten 2 weitere Cold Turkeys, die sanfter waren und zu Beginn immer von folgendem Gedanken begleitet wurden: "Ja, ich habe es geschafft. Kein Problem für mich, davon loszukommen." Aber die mentalen Zusammenbrüche (Depression, Heulanfälle, innere Leere) kamen Monate später. Natürlich konnte ich das in jenen Jahren nicht derart reflektieren, ansonsten hätte ich meinem System nicht solche Gewalt angetan ...

Im November 2017 veränderten sich dann allerdings die Umstände, weil ich eine manische Episode erlebte mit großen Mengen an Energie, die durch meinen Körper schossen, sodass ich schließlich erkannte, dass hier etwas gehörig schieflief. Ich setzte zum dritten Mal kalt ab, reiste nach Indien, erlebte einen weiteren Zusammenbruch im Februar 2018, hatte aber keine Möglichkeit an Cymbalta zu kommen, ohne nach Deutschland zurückzureisen. Das tat ich nicht, weil ich manchmal sehr stur sein kann. Stattdessen raste ich durch Südindien (wenig Ahnung davon habend, was mit mir geschah) in einem konstanten Gefühl von Flucht und/oder Aggression. Im März 2018 setzte ich nach Sri Lanka über, wo ich von einem Straßenhund gebissen wurde, was mich auf gewisse Art beruhigte. Ich kehrte anschließend nach Deutschland zurück und trat eine Arbeitsstelle als vegetarischer Koch an, die sehr stressig war, und ich fiel schon bald wieder in tiefe depressive Täler und innere Leere. Infolgedessen versuchte ich es mit einem anderen SNRI, Milnaneurax/Milnacipran. Das ging fürchterlich schief, weil mein ZNS die genommene Dosis nicht tolerierte, und ein suizidales Schwert bescherte mir Schlaflosigkeit, Terror und endlosen Schmerz über Wochen hinweg. Ich entschied: Keine Substanzen mehr. Und dann entdeckte ich diese Webseite [survivingantidepressants.com] und adfd.org and begann zu verstehen, was ich all die Zeit getan hatte ...

Rund ein Jahr ist vergangen seit meiner letzten Dosis Milnaneurax und ich kann euch versichern, dass ich enorm gelitten habe. Die ersten 4 Monate waren eine absolute mentale Hölle und auf diese Zeit fällt auch ein misslungener Suizidversuch in der Wohnung eines Freundes. Die Hölle war ausschließlich psychisch, der einzigen physischen Effekt, den ich spürte, war ein unbändiges Verlangen nach Kohlenhydraten und Zucker. Ich Hoch-Zeiten verschlang ich 5 Tafeln Schokolade, also rund 500g. Ich war angeekelt von mir selbst, Tag für Tag für Tag und dennoch unfähig irgendetwas zu verändern, weil meine Körperchemie so aus dem Gleichgewicht geraten war. Die Monate 5 und 6 erlebte ich als manische Fenster, ich erschöpfte mich selbst, tat zu viel, arbeitete lange Tage als Fahrer und dachte, ich hätte alles durchgestanden. Hatte ich nicht. Im November 2018 kam etwas geistige Klarheit zurück und der Gehirnnebel lichtete sich ein wenig, dafür begann die physischen Symptome:
  • Ein Hautausschlag über meinen ganzen Rücken (mittlerweile komplett ausgeheilt)
    Ganzkörperschmerz ausstrahlend von meinem Gehirn (weitgehend verschwunden)
    Enorme Kopfschmerzen (nach wie vor, aber definierter und weniger dumpf)
    Das Gefühl - nach dem Aufwachen -, von einem LKW überfahren worden zu sein (nach wie vor)
    Chronique Fatigue (weniger geworden)
    Rastlosigkeit (nach wie vor)
    Verspannungen im Körper (nach wie vor in den Rückseiten der Oberschenkel)
    Phasen, in denen mein Gehirn förmlich abschaltet(e) (selten geworden, aber nach wie vor)
    Allgemeines Unwohlsein (nach wie vor)

Und natürlich so viele Symptome mehr, in diesem Prozess der Heilung, die kommen und gehen.

Was mir geholfen hat:
  • Akzeptanz
    Akzeptanz
    Akzeptanz
    Vergebung
    Wissen
    Wissen
    Wissen
    Selbstliebe
    Andere lieben
    Hoffnung
Ich lebe allein in diesen Tage, nachdem ich feststellen musste, dass das Leben in meiner Wohngemeinschaft zu anstrengend für mich wurde. Die meisten meiner sozialen Kontakt sind abgebrochen, was okay für mich ist. Es ist besser so, solange ich heile. Die Menschen, die mir am meisten geholfen haben, sind ironischerweise Menschen, die mich nicht kennen, hier eine Liste:

Alan Watts (Ich habe mir die meisten seiner Vorträge auf Youtube angehört, schlicht brillant ...)
Sadghuru (Dasselbe gilt für ihn)
Eckhart Tolle von Zeit zu Zeit (er kann etwas ermüdend sein)
Friedrich Nietzsche
Franz Kafka (Insbesondere die Zürauer Aphorismen: "Du bist die Aufgabe, kein Schüler weit und breit")
Erich Fromm ("Die normalsten sind die Kränkesten und die Kranken sind die Gesunden")
Jiddu Krishnamurti ("It is no measure of health to be well adjusted to a profoundly sick society")
Terence McKenna (Die Vorträge, die auf Selbstermächtigung abzielen, weniger der Pilzkram)
Jack Kornfield
Ganz wichtig: Mike Hellwig (Deutscher Therapeut mit dem Konzept der Radikalen Erlaubnis)
Jens Böttcher (https://www.youtube.com/watch?v=mD9v2Xu7QHc)
Simone Weil (Schwerkraft und Gnade)
Tony Robbins mit seiner energetisierenden Persönlichkeit
Jordan Peterson als negatives und verzweifeltes "Vorbild"
viele mehr ...

Ich kenne nur eine Person in meinem Umfeld, die durch vergleichbares Leid geschritten ist. Er ist ein guter Freund, mit dem ich mich von Zeit zu Zeit unterhalte. Meistens schreiben wir. Zum Glück habe ich Eltern, die sich sorgen und mich lieben (ohne sie wäre ich längst nicht mehr hier). Ich habe nicht immer so über sie gedacht, aber sie sind ein richtiges Geschenk.

Diese Tage schwanke ich zwischen innerem Frieden, körperlichen Schmerzen, enormer Aggression, tiefster Depression mit Suizidgedanken und universeller Liebe. Es ist paradox. Nichtsdestotrotz hat sich mein Zustand deutlich verbessert. Wenn ich nicht ans Bett gefesselt bin, gehe ich schwimmen oder mache Yoga. Joggen ist die meiste Zeit zu intensiv für mich. Lange Spaziergänge in der Natur sind Pflicht. Meine Ernährung ist super gesund und nahrhaft geworden (das war sie auch schon vorher). Ich sehe sie als gemischten Ansatz mit Wissen aus den Felder Vollwerternährung, Ayurveda und Clean-Eating. Ich ernähre mich vorwiegend pflanzlich, ergänze aber mit Eiern und etwas Fisch jede Woche. Keine Milch (Ich bin allergisch gegen Casein) und kein Fleisch, keine verarbeiteten Speisen, kein raffinierter Zucker mehr - der große Heißhunger ist zum Glück seit Februar verschwunden. Seit Anfang Juni bin ich komplett arbeitslos, bis dahin hatte ich hier und da gearbeitet, aber mein ZNS hat mir klar signalisiert, dass es keinem weiteren Stress ausgesetzt sein möchte.

Die größte Einsicht dieser Reise: Ich habe es verursacht, ich werde es durchstehen. Niemand ist schuldig, nicht einmal ich selbst.

Euer C.
Zuletzt geändert von padma am Dienstag, 25.06.19, 17:11, insgesamt 3-mal geändert.
Grund: Titel ergänzt
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor TurkeyCold für den Beitrag (Insgesamt 7):
padmaNali 79Help123KaengurureddieUluluSmilla
Medizinische Vorgeschichte:

11/2015 - Duloxetin 30mg, 12/2015 - Duloxetin 60mg, 4/2016 - kalt abgesetzt
8/2016 - Duloxetin 60mg, 2/2017 - Duloxetin 30mg, 4/2017 - kalt abgesetzt
7/2017 - Duloxetin 60mg, 9/2017 - Duloxetin 30mg, 11/2017 - kalt abgesetzt
3.5.2018 - Milnacipran 25mg, 10.5.2018 - Milnacipran 50mg, 20.5.2018 - Milnacipran 25mg
seit 24.5.2018 - kalt abgesetzt und protrahierter Entzug

NEMs: Kleine Dosis Eisen und Folsäure, 1000μg B12, Omega-3

padma
Moderatorenteam
Beiträge: 17888
Registriert: Sonntag, 06.01.13, 17:04

Re: TurkeyCold: Teilzeithölle nach Cymbalta (Duloxetin)Cold Turkey (Kaltentzug)

Beitrag von padma » Dienstag, 25.06.19, 17:22

hallo C.

willkommen im ADFD.

Vielen Dank, dass du deine Geschichte mit uns teilst.

Du hast ja wirklich Schlimmes hinter dir. Wie gut, dass sich mittlerweile eine Besserung zeigt, auch wenn du noch immer sehr beeinträchtigt bist.

Dein Bericht und dein Vertrauen in deinen Heilungsprozess macht anderen Mut. Es wäre schön, wenn du uns hin und wieder von deinem Heilungsprozess berichten würdest.

Ich schiebe deinen Bericht noch in die Rubrik Erfahrungsberichte. Ist das okay?

Noch eine Bitte bzgl. deiner Signatur: Die Abkürzung CT ist bei uns nicht für ColdTurkey/Kaltentzug bekannt. Könntest du stattdessen bitte schreiben "abrupt komplett abgesetzt" oder was in der Art.

liebe Grüsse und alles Gute,
padma
Diagnose: somatoforme Schmerzstörung ,Fibromyalgie
seit 2002 Fluoxetin zur Schmerztherapie

Quasi - Kaltentzug 2012, Wiedereindosierung, schleiche im :schnecke: Tempo aus
Absetzverlauf:
► Text zeigen
15.06.2019: 0,04 mg



Neu: Infos rund um Antidepressiva, Absetzen, Umgang mit Entzug
: https://adfd.org/austausch/viewtopic.php?f=18&t=15490


Hinweis:
Das Team sorgt für die Rahmenbedingungen im Forum und organisiert den Austausch. Ansonsten sind wir selbst Betroffene und geben vor allem Erfahrungswerte weiter, die sich aus unserer eigenen Geschichte und aus Erfahrungen anderer ergeben haben.


TurkeyCold
Beiträge: 17
Registriert: Freitag, 27.07.18, 14:15
Danksagung erhalten: 47 Mal

Re: TurkeyCold: Teilzeithölle nach Cymbalta (Duloxetin)Cold Turkey (Kaltentzug)

Beitrag von TurkeyCold » Dienstag, 25.06.19, 21:00

Hallo Padma,

danke für deine Willkommensgrüße. Gerne kannst du meinen Bericht zu den Erfahrungsberichten verschieben, ein solcher ist es ja. Die Signatur ändere ich, ich hatte irgendwie im Hinterkopf gehabt, dass CT und die anderen, meist englischsprachigen Abkürzungen, auch hier im Forum Anwendung finden.

Und natürlich werde ich weiterhin berichten. Ich habe sehr viel Zeit, das Posten in den Foren beschäftigt mich positiv und hilft mir selbst weiter, und außerdem habe ich auf survivingantidepressants.com bereits einige Inhalte veröffentlicht in puncto Selbstheilung, die ich teilen möchte.

C.
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor TurkeyCold für den Beitrag (Insgesamt 2):
InnocenceFelispadma
Medizinische Vorgeschichte:

11/2015 - Duloxetin 30mg, 12/2015 - Duloxetin 60mg, 4/2016 - kalt abgesetzt
8/2016 - Duloxetin 60mg, 2/2017 - Duloxetin 30mg, 4/2017 - kalt abgesetzt
7/2017 - Duloxetin 60mg, 9/2017 - Duloxetin 30mg, 11/2017 - kalt abgesetzt
3.5.2018 - Milnacipran 25mg, 10.5.2018 - Milnacipran 50mg, 20.5.2018 - Milnacipran 25mg
seit 24.5.2018 - kalt abgesetzt und protrahierter Entzug

NEMs: Kleine Dosis Eisen und Folsäure, 1000μg B12, Omega-3

TurkeyCold
Beiträge: 17
Registriert: Freitag, 27.07.18, 14:15
Danksagung erhalten: 47 Mal

Re: TurkeyCold: Teilzeithölle nach Cymbalta (Duloxetin)Cold Turkey (Kaltentzug)

Beitrag von TurkeyCold » Mittwoch, 26.06.19, 6:56

Wenn du die Absicht hast, dich zu erneuern, tu es jeden Tag. (Konfuzius)

Um ein eigenes Bild zu verwenden: Ein bisschen verstehe ich die schwere Krankheit, in die ich geraten bin, so –

Man stelle sich ein schwer beschädigtes Auto vor, arg lädiert, mit fehlenden Teilen, völlig schief, manchmal fährt es noch, aber die meiste Zeit ächzt es vor sich hin im Halbschatten der Garage. Abwracken erscheint eigentlich am sinnvollsten. Das Auto möchte sich am liebsten selbst abwracken.

Doch nichts da, es gibt doch Werkstätten. Also hievt sich das Auto mit letzter Kraft in die nächste Werkstatt, wo erst einmal die Situation begutachtet wird. Es sieht wirklich schlimm aus. Doch es können Dinge getan werden, einer der Mechaniker sagt zum Auto: "Wir können hier allerlei tun, doch am wichtigsten ist, dass du wartest, denn du reparierst dich ständig selbst."

Das Auto reagiert etwas ungläubig, denn im Verlauf seines bisherigen Autolebens wurde immer etwas anderes erzählt. Düstere Prognosen wurden abgegeben, der ständige Verschleiß durch eine feindliche Außenwelt war als Erzählung beinahe allgegenwärtig. Das Auto hält inne und stellt fest: "Eben jene Meinungen und Maßnahmen haben mich in die schlimme Situation gebracht, in der ich bin. Ich versuche jetzt etwas anderes."

Und das Auto beginnt zu vertrauen. In sich, in die Maßnahmen, die es ergreift, in die Zeit, die es heilt. Und es beginnt langsam aber sicher zu heilen. Die Anfänge sind fürchterlich, doch nach und nach wird aus dem Wrack ein Gefährt, dass zumindest phasenweise wieder auf die Straße kann. Das Auto gewinnt förmlich Freude an der Reparatur und Erneuerung. Alle Teile werden geprüft, ein paar alte Grundstrukturen wie die Karosserie dürfen bestehen bleiben, doch vieles wandert zu den Ersatzteilen und wird durch passenderes ersetzt. Es gibt auch viele Tage, an denen – zumindest dem Anschein nach – gar nichts passiert in der Werkstatt. Das sind die düsteren Tage.

Das Auto steht nach wie vor in der Werkstatt. Insbesondere die Morgen sind schwer, dann ächzt alles und quietscht, so als hätte ein großer LKW unser Auto über Nacht mehrmals überrollt. Und auch die Tage sind nicht einfach, weil nie klar ist, was kommen wird. Doch das Auto bleibt im Vertrauen in sich und die Werkstatt.

Und in ferner Zukunft scheint manchmal ein Traum auf von einer eigenen Werkstatt, mit vielen anderen Autos, die den Glauben an sich selbst verloren haben und ein Vorbild brauchen in Gestalt eines anderen Autos, das einst an den genau dem gleichen Punkt war: sehr traurig, verzweifelt und kaputt – ohne Vertrauen in irgendetwas auf dieser Welt. Und es sind leider so viele da draußen. Noch. Doch auch sie werden heilen.

C.
Zuletzt geändert von padma am Mittwoch, 26.06.19, 14:00, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Leerzeilen der besseren Lesbarkeit wegen eingefügt
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor TurkeyCold für den Beitrag:
padma
Medizinische Vorgeschichte:

11/2015 - Duloxetin 30mg, 12/2015 - Duloxetin 60mg, 4/2016 - kalt abgesetzt
8/2016 - Duloxetin 60mg, 2/2017 - Duloxetin 30mg, 4/2017 - kalt abgesetzt
7/2017 - Duloxetin 60mg, 9/2017 - Duloxetin 30mg, 11/2017 - kalt abgesetzt
3.5.2018 - Milnacipran 25mg, 10.5.2018 - Milnacipran 50mg, 20.5.2018 - Milnacipran 25mg
seit 24.5.2018 - kalt abgesetzt und protrahierter Entzug

NEMs: Kleine Dosis Eisen und Folsäure, 1000μg B12, Omega-3

TurkeyCold
Beiträge: 17
Registriert: Freitag, 27.07.18, 14:15
Danksagung erhalten: 47 Mal

Re: TurkeyCold: Teilzeithölle nach Cymbalta (Duloxetin)Cold Turkey (Kaltentzug)

Beitrag von TurkeyCold » Mittwoch, 26.06.19, 7:30

Ich erfahre unseren Organismus als unheimlich komplexes Zusammenspiel aller möglichen Systeme, die ineinandergreifen, aufeinander reagieren und einander justieren. Was passiert, wenn dieses systemische Gleichgewicht, man kann auch sagen Homöostase, gestört ist, erfahren wir ja alle am und im eigenen Leib. Ich bin der Überzeugung, dass ein ganz entscheidender Faktor bei der Heilung und Wiederherstellung des Gleichgewichts dieser Systeme unsere Ernährung ist. Zum einen dadurch, was wir an Nährstoffen und Baumaterial zu uns nehmen, zum anderen dadurch, was wir wie gut verwerten können. Wenn irgendeine dieser Maßnahmen meine Leiden nur um einen Tag oder um 1 Stunde verkürzt oder verringert, dann ist es in meinen Augen eine sinnvolle Maßnahme. Das, was ich im Folgenden teile, soll kein Dogma darstellen, denn jeder Körper funktioniert anders, sondern ist lediglich ein Bericht über das, was ich tat und tue.

Probier's mit Vollkorn: Obwohl Vollkorn mehr Antinährstoffe als raffiniertes Mehl enthält, wird dieser Nachteil meiner Meinung nach dadurch ausgeglichen, dass wir mehr Ballaststoffe (taste dich allmählich an eine Menge heran, die dein Darm toleriert), mehr Eisen, Zink, Vitamin B1 und B2, Folsäure und Magnesium zu uns nehmen. Inhaltsstoffe, die direkt und indirekt auf unseren Darm, unseren Blutkreislauf, unsere Nervenfunktion und unsere Zellen wirken.

Ich liebe es, morgens Haferbrei zu essen. Früher immer in Form abgepackter Haferflocken, bis ich herausgefunden habe, dass die industriell verpackten Haferflocken hitzebehandelt werden zur besseren Lagerung. Während des Erhitzens werden viele Fettsäuren zerstört, eben jene, die ansonsten dafür sorgen würden, dass die Haferflocken sehr schnell ranzig werden. Fettsäuren sind essentielle Baustoffe unseres Körpers, auf die ich ungern verzichten möchte. Wenn du also Haferflocken am Morgen isst, stellt eine Flockenquetsche eine sinnvolle Investition dar, mit der du aus Nackthafer und jedem anderen Getreidesorten (ich habe mittlerweile alles ausprobiert bis hin zu Hirse und Quinoa, das kein Getreide ist) deine eigenen Flocken herstellen kannst. Der Geschmack wird dich überzeugen. Auf lange Sicht sparst du Verpackungen und eine gute Quetsche wird dir über viele Jahre, vielleicht sogar ein Leben lang gute Dienste erweisen, wenn du sie pfleglich behandelst. Nachdem du die Flocken frisch gequetscht hast, stelle sicher, dass du die Flocken für einige Zeit in kaltem Wasser quellen lässt. Auf diese Weise wird die Phytase aktiviert, die wiederum Phytinsäure (ein Antinährstoff, der die Aufnahme von Zink und anderen Nährstoffen blockiert) abbaut. Hafer sollte nicht allzu lange eingeweicht werden, da er schneller ranzig wird als andere Getreidearten. 5 Stunden sind soweit ich weiß eine gute Grenze, ab dann wird es bitter. Das ist dem erhöhten Fettgehalt (7%) im Korn geschuldet, andere Getreide können problemlos über Nacht eingeweicht werden.

Wenn du gerne Sauerteigbrot kaufst, stelle sicher, dass es ein gutes und nicht-industrielles Brot ist. Die Industrie gewährt ihrem Sauerteig nur wenig Zeit und setzt zusätzlich Enzyme und Triebmittel ein, die zwar optisch ein gutes Ergebnis produzieren, inhaltlich aber eine Mogelpackung darstellen. Die eigentlichen Vorzüge des Sauerteigs, die da wären: gute Verdaulichkeit und probiotische Wirkung, gehen verloren. Viele Menschen haben Probleme mit industriellem "Sauerteig", weil so viele Zusatzstoffe verwendet werden und die Milchsäurebakterien nicht genügen Zeit bekommen, um zu arbeiten. Solltest du dein eigenes Mehl mahlen, umso besser! Hefebrot ist für den Einstieg einfacher, aber du kannst dich langsam an die Welt des Sauerteigs herantasten, eine andere genauso schmackhafte Welt ist die indische Küche und die Vielzahl ihrer Brote. Ich mache oft einfache Rotis (traditionell ohnehin Vollkorn) mit Weizenmehl oder lieber noch Dinkelmehl. Sie geraten auf meiner Eisenpfanne mittlerweile sehr gut.

Bei Vollkornreis gestaltet es sich nicht ganz so einfach, weil es Berichte über erhöhte Konzentrationen von Arsen in den Randschichten des Reises gab und gibt. Ich esse ihn von Zeit zu Zeit, wasche ihn ausgiebig und weiche ihn vor dem Kochen ein. In meinen Augen ist Reis ohnehin nicht das Lebensmittel erster Wahl für eine Person der westlichen Welt, da es sich – zumindest in Deutschland – immer um Importprodukte handelt. Reis aus Italien ist die naheliegendste Option, auf die wir zugreifen können.

Seit ich sukzessive auf Vollkorn umgestiegen bin, sind meine Heißhungerattacken auf Zucker und Kohlenhydrate deutlich zurückgegangen, auch wenn ich aufgrund meines gestörten Serotoninhaushaltes schlimme Phasen völligen Kontrollverlustes über mein Essverhalten durchstehen musste.

C.
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor TurkeyCold für den Beitrag:
reddie
Medizinische Vorgeschichte:

11/2015 - Duloxetin 30mg, 12/2015 - Duloxetin 60mg, 4/2016 - kalt abgesetzt
8/2016 - Duloxetin 60mg, 2/2017 - Duloxetin 30mg, 4/2017 - kalt abgesetzt
7/2017 - Duloxetin 60mg, 9/2017 - Duloxetin 30mg, 11/2017 - kalt abgesetzt
3.5.2018 - Milnacipran 25mg, 10.5.2018 - Milnacipran 50mg, 20.5.2018 - Milnacipran 25mg
seit 24.5.2018 - kalt abgesetzt und protrahierter Entzug

NEMs: Kleine Dosis Eisen und Folsäure, 1000μg B12, Omega-3

TurkeyCold
Beiträge: 17
Registriert: Freitag, 27.07.18, 14:15
Danksagung erhalten: 47 Mal

Re: TurkeyCold: Teilzeithölle nach Cymbalta (Duloxetin)Cold Turkey (Kaltentzug)

Beitrag von TurkeyCold » Donnerstag, 27.06.19, 9:06

Iss probiotisch, dein Darm wird es dir danken:

Dieser Punkt ist eher neu für mich, aber ich bin überzeugt davon, dass es deinem Körpersystem helfen kann. Traditionell wurden Probiotika vor allem über fermentierte Milchprodukte aufgenommen, die bekannteste Variante ist natürlich der Joghurt, aber auch Käse und Kefir enthalten die wertvollen Milchsäurebakterien. Leider reagiere ich seit meiner Jugend schlecht auf Casein – ich habe sehr lange gebraucht, um das herauszufinden – also sind Milchprodukte nicht wirklich eine Option für mich, zumindest nicht die fermentierten. Glücklicherweise gibt es heutzutage eine ganze Reihe von milchfreien Optionen, aus der wir auswählen können: Misopaste, Sauerkraut (stelle sicher, dass es nicht industriell hergestellt und dabei erhitzt wurde, ansonsten enthält es keine einzige Milchsäurebakterie mehr), fermentierte Säfte (mein Favorit ist Möhrenmost) Kombucha, Tempeh und Apfelessig. Ganz nebenbei ist es ziemlich einfach sein eigenes fermentiertes Gemüse herzustellen. Du brauchst lediglich ein großes Weckglas (1000-1200ml sind eine gute Größe, für 1000ml genügen etwa 800g Gemüse) mit einem Deckel, durch den anfänglich die fermentierenden Gase entweichen können. Dann reibst oder hackst du dein Wunschgemüse klein – für den Anfang empfiehlt es sich mit einer Kohlart und Karotte zu beginnen, man kann aber praktisch alles fermentieren, sogar weiches Gemüse wie z.B. Tomaten. Der Saft wird ausgepresst und die Masse mit Salz vermengt, 20 Gramm Salz auf 1 Kg Gemüse, anschließend wird das Weckglas dicht befüllt. Alles sollte von Flüssigkeit bedeckt sein, weil es ansonsten schimmeln könnte. Bewahrt das Glas an einem dunklen Ort auf und stellt es nach 7 Tagen in den Keller oder in den Kühlschrank. Nach einer weiteren Woche ist die Fermentation mehr oder weniger beendet. Ihr könnt das Glas über Monate in eurem Kühlschrank aufbewahren, sogar wenn ihr es geöffnet und davon gegessen habt.

Nüsse, Saaten und Kerne:

In meiner Ernährung sind fast alle Arten von Nüssen und Saaten zu finden, außer Cashewkerne, Pinienkerne und Pistazien. Als kleinen Luxus genehmige ich mir aber 2 Paranusskerne täglich, weil sie ausreichend Selen liefern, es gibt aber auch andere Selenquellen, z.B. Tahin. Die Vorzüge von Nüssen und Kernen sind bemerkenswert. Sie enthalten eine große Menge an nicht-gesättigten Fettsäuren (jene, die euer Körper nicht in der Lage ist, selbst zu produzieren), Eisen, Magnesium und B-Vitamine, die einen entscheidenden Beitrag zur Funktion eures Energiestoffwechsels und eurer kognitiven Prozesse leisten. Ich esse einen Mix aus frischen Nüssen, die ich über Nacht in Salzwasser einweiche, um die Antinährstoffe abzubauen, die sie enthalten, röste Nüsse und esse verschiedene Arten von Nussbutter, zusätzlich Erdnussbutter, wobei die Erdnuss ja eigentlich eine Hülsenfrucht ist. Außerdem verwende ich frisch geschrotete Leinsamen, Hanfsamen, Chiasamen und Mohn. Sie enthalten große Mengen an Protein und ALA, die pflanzliche Omega-3-Säure. Sie wird nicht so gut verwertet wie die beiden anderen Formen Omega-3 DHA und EPA, aber die Wirkung sollte dennoch eine positive sein, weil sie deinem Körper Abwechslung bietet – zusätzlich nehme ich DHA und EPA mittels Algenöl ein. Ein weiterer schöner Effekt der Saaten ist die Verdaungsförderung, du solltest mit kleineren Mengen beginnen und ein angemessenes Level finden. Ich mag sie gequetscht in meinem Porridge. Sie passen aber auch zu Salaten oder als unsichtbarer Begleiter in Currys oder Pastasaucen.
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor TurkeyCold für den Beitrag (Insgesamt 2):
padmareddie
Medizinische Vorgeschichte:

11/2015 - Duloxetin 30mg, 12/2015 - Duloxetin 60mg, 4/2016 - kalt abgesetzt
8/2016 - Duloxetin 60mg, 2/2017 - Duloxetin 30mg, 4/2017 - kalt abgesetzt
7/2017 - Duloxetin 60mg, 9/2017 - Duloxetin 30mg, 11/2017 - kalt abgesetzt
3.5.2018 - Milnacipran 25mg, 10.5.2018 - Milnacipran 50mg, 20.5.2018 - Milnacipran 25mg
seit 24.5.2018 - kalt abgesetzt und protrahierter Entzug

NEMs: Kleine Dosis Eisen und Folsäure, 1000μg B12, Omega-3

Towanda
Teamunterstützung
Beiträge: 1729
Registriert: Dienstag, 16.01.18, 18:23

Re: TurkeyCold: Teilzeithölle nach Cymbalta (Duloxetin)Cold Turkey (Kaltentzug)

Beitrag von Towanda » Donnerstag, 27.06.19, 11:11

Hallo Turkey,

vielen Dank für Deine Ausführungen - sehr informativ!

Allerdings verstehe ich nicht, warum Du Cashewkerne ausschließt - man nennt sie auch gute Laune Nüsse, da sie einen hohen Anteil Tryptophan haben, was sich wiederum positiv auf die Stimmung auswirkt.

LG Towanda
► Text zeigen

05.06.19 - 3,75 mg Mirtazapin
03.07.19 - 3,10 mg Mirtazapin

Weitere Medikamente:
Wegen Fluorchinolone-Schädigung jede Menge NEMs
1 x wöchentlich Mirtazapin C30 5 Globuli
3 x tgl. Thyreoidea comp. 3 Globuli


Ich bin nicht auf der Welt, um so zu sein, wie andere mich haben wollen

TurkeyCold
Beiträge: 17
Registriert: Freitag, 27.07.18, 14:15
Danksagung erhalten: 47 Mal

Re: TurkeyCold: Teilzeithölle nach Cymbalta (Duloxetin)Cold Turkey (Kaltentzug)

Beitrag von TurkeyCold » Donnerstag, 27.06.19, 16:09

Hallo Towanda,

da hast du völlig Recht, aus eben diesem Grund stehen bei mir Bananen und Kakao auf dem Speiseplan. Die sind von den Anbaubedingungen zwar auch nicht unproblematisch, aber über Cashewkerne habe ich schon einige üble Dinge gelesen, sodass ich seit einiger Zeit die Finger davon lasse:

"Die Cashewernte und Weiterverarbeitung der edlen Nuss ist nahezu 100% Handarbeit und mit erheblichen gesundheitlichen Risiken für die Arbeiterinnen verbunden. Denn das toxische Schalenöl Cardol verursacht bei Hautkontakt schwere Verätzungen und kann zu bleibenden Schäden führen. Ein Blick in den langwierigen Verarbeitungsprozess der Cashew macht klar: Würde der Wert der in der kleinen Nuss steckenden Arbeitskraft und die Gesundheitsrisiken der Verarbeitung eingepreist, Cashews wären wohl kaum bezahlbar. In jedem Fall aber sind sie ein Extrakt menschlicher Arbeit und müssten als eine echte Delikatesse gehandelt werden." (https://tantelemi.wordpress.com/2017/06 ... haut-geht/)

LG C.
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor TurkeyCold für den Beitrag (Insgesamt 2):
padmaAnikke
Medizinische Vorgeschichte:

11/2015 - Duloxetin 30mg, 12/2015 - Duloxetin 60mg, 4/2016 - kalt abgesetzt
8/2016 - Duloxetin 60mg, 2/2017 - Duloxetin 30mg, 4/2017 - kalt abgesetzt
7/2017 - Duloxetin 60mg, 9/2017 - Duloxetin 30mg, 11/2017 - kalt abgesetzt
3.5.2018 - Milnacipran 25mg, 10.5.2018 - Milnacipran 50mg, 20.5.2018 - Milnacipran 25mg
seit 24.5.2018 - kalt abgesetzt und protrahierter Entzug

NEMs: Kleine Dosis Eisen und Folsäure, 1000μg B12, Omega-3

TurkeyCold
Beiträge: 17
Registriert: Freitag, 27.07.18, 14:15
Danksagung erhalten: 47 Mal

Re: TurkeyCold: Teilzeithölle nach Cymbalta (Duloxetin)Cold Turkey (Kaltentzug)

Beitrag von TurkeyCold » Freitag, 28.06.19, 10:20

Vergiss das "H" beim Heilen nicht!

Iss so frisch wie möglich, biologisch und (teilweise)roh:

Der erste Punkt ist definitiv von Ayurveda inspiriert, wo es heißt, dass der Nährstoffgehalt des zubereiteten Essens sinkt, sobald es gekocht wurde. Es wird also empfohlen, gekochtes Essen maximal einen Tag nach seiner Zubereitung zu verzehren. Wenn du also die Zeit und Kraft hast, ist es mehr als sinnvoll zumindest einmal am Tag eine frisch zubereitete Mahlzeit mit unverarbeiteten Lebensmitteln zu kochen.

Wir leben in Zeiten, wo der Raubbau der landwirtschaftlichen Böden weit fortgeschritten ist und ein ungesundes Level erreicht hat. Allein deshalb empfehle ich, über einen Umstieg von konventionell produzierten Lebensmittel auf biologisch-organische nachzudenken. Es dient ja nicht nur dem Erhalt der Böden, sondern vor allem dem Erhalt und Wiederaufbau deines Selbst. Dein inneres Buffet soll reichhaltig und nicht mager sein, und auch wenn es dir miserabel geht, soll dein Körper all das nötige Baumaterial zur Verfügung haben, um seine vitale Grunddisposition wiederherzustellen. Neben Zeit ist eine Menge Baumaterial nötig, und das jeden Tag.

Die Nährwertangaben, die wir bezüglich vieler Lebensmittel gelistet finden, sind in meinen Augen mehr als fraglich, weil ein gutes Produkt immer einen guten Nährboden benötigt, aus dem es seine Nährstoffe bezieht. Das gilt für Gemüse und Obst gleichermaßen wie für deren indirekte Verwerter in Form von Fleisch, Fisch, Milch und Eiern. Es gibt Studien, die keinen Unterschied zwischen konventionell und biologisch-organisch produzierten Lebensmitteln festgestellt haben, sie sind aber meist von der Industrie in Auftrag gegeben und können somit zu keinen unabhängigen Ergebnissen gekommen sein. Ich vertraue hierbei auf meinen gesunden Menschenverstand, auch wenn der leider phasenweise gar nicht so gesund daherkommt *grins*

Im Laufe meines Heilungsprozess habe ich mich für einige Zeit in der Idee verrannt, dass eine roh-vegane Ernährung der Königsweg zur Heilung sein muss. Doch ich fühlte mich kalt und unzufrieden und ich habe das Experiment recht schnell beendet, um die mir bekannten Ansätze (Ayurveda, Vollwerternährung, roh-vegan) wieder zu kombinieren, indem ich jeder Mahlzeit rohe Elemente hinzufüge, z.B. klassisch als Salat, rohe Saaten oder Nüssen, fermentierte Säfte oder Gemüse, Aufstriche, Sprossen und Microgreens. Rohkost fordert unser Verdauungssystem heraus, viele unter uns leiden ohnehin unter Verstopfungen, Blähungen und/oder Durchfall, sodass du die Herausforderung positiv gestalten solltest, indem du dich – wieder einmal – langsam herantasten solltest. Rohkost liefert zum Teil andere Nährstoffe als die gekochten Entsprechungen. Ein gutes Beispiel ist die Karotte, die sowohl roh als auch gekocht ihre Vorzüge hat. Roh enthält sie mehr Inhaltsstoffe, die beim Kochen zum Teil verlorengehen, das Kochen bewirkt andererseits aber auch, dass das Beta-Carotin der Karotte (wird im Körper zu Vitamin A umgewandelt) vom menschlichen Organismus besser aufgenommen werden kann.

C.
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor TurkeyCold für den Beitrag (Insgesamt 2):
reddiepadma
Medizinische Vorgeschichte:

11/2015 - Duloxetin 30mg, 12/2015 - Duloxetin 60mg, 4/2016 - kalt abgesetzt
8/2016 - Duloxetin 60mg, 2/2017 - Duloxetin 30mg, 4/2017 - kalt abgesetzt
7/2017 - Duloxetin 60mg, 9/2017 - Duloxetin 30mg, 11/2017 - kalt abgesetzt
3.5.2018 - Milnacipran 25mg, 10.5.2018 - Milnacipran 50mg, 20.5.2018 - Milnacipran 25mg
seit 24.5.2018 - kalt abgesetzt und protrahierter Entzug

NEMs: Kleine Dosis Eisen und Folsäure, 1000μg B12, Omega-3

TurkeyCold
Beiträge: 17
Registriert: Freitag, 27.07.18, 14:15
Danksagung erhalten: 47 Mal

Re: TurkeyCold: Teilzeithölle nach Cymbalta (Duloxetin)Cold Turkey (Kaltentzug)

Beitrag von TurkeyCold » Samstag, 29.06.19, 8:49

Habe Geduld mit der Zeit!

Iss grün, und ich meine das wörtlich:

Studien haben gezeigt, dass der Verzehr von Grünpflanzen – genauer von Chlorophyll, das starke Ähnlichkeit mit unserem Hämoglobin hat – positive Effekte auf die Reinigung des Bluts und bei der Entwicklung neuer Blutzellen hat. Ich muss nicht erklären, wie wichtig eine gute Blutqualität ist, wenn es darum geht, dein System um- und rückzubauen. Wir alle wollen auf gut erhaltenen und schnellen Straßen fahren, nicht auf Schotterpisten.

Ich habe starkes Verlangen nach Brokkoli seit einiger Zeit und ich liebe es, diesem Verlangen zu folgen, weil es von der Körperintelligenz her ganz bestimmt Sinn macht. Versuch dich mit deinem Bauch(Gefühl) zu verbinden – ich weiß, wie schwer das ist, wenn wirklich alles aus dem Ruder gelaufen ist bzw. läuft, aber es ist möglich, zumindest in den einigermaßen stabilen Phasen. Im Sommer sind der Temperaturen wegen Blattsalate eine gute Option, nährstoffhaltiger kommen Mangold und Spinat daher. Wenn du ihn verträgst: Grünkohl ist lecker, vielseitig und enthält enorm viel Beta-Karotin und Vitamin C. Um die Vitamine zu erhalten, solltest du ihn allerdings nicht totkochen, so wie das klassischerweise gemacht wird, sondern kurz andünsten oder als ihn einen grünen Smoothie mixen.

Zudem habe ich begonnen meine eigenen Sprossen zu ziehen. Radieschen funktionieren wunderbar und sind schön anzuschauen, eine etwas mildere, aber genauso einfache Variante sind Alfalfa-Sprossen, nach 6-7 Tagen kannst du sie ernten. Auch Mungbohnen sind gut für den Anfang, aus ihnen gewinnst du die sogenannten "Sojasprossen", du solltest sie vorher einige Zeit wässern; und wenn es regionaler sein soll: Braune Linsen und/oder Tellerlinsen sind genauso schmackhaft. Im Internet findest du eine Menge Hilfe.

Eher neu für mich sind MicroGreens. Das ist das junge Blattgrün, das sich bildet, wenn wir die Sprossen aus dem Saatgut weiterwachsen lassen. Für gewöhnlich gerät es am besten, wenn es etwas Nährboden hat (ich benutze Pflanzerde), außerdem benötigen MicroGreens Wärme, Wasser und Licht. Ich benutze einfache Teller, bedecke sie mit etwas Erde, die ich wässere und bestreue das "Minibeet" dann mit dem Saatgut – für gewöhnlich Kresse, Brokkoli, Rucola oder Rotklee, es gibt aber weit mehr auszuprobieren. Bedecke die Teller für die ersten 24 Stunden – das ist vor allem beim Brokkoli wichtig (Dunkelkeimer), beim anderen Saatgut hat es zumindest bisher nicht geschadet. Achte darauf, die Erde während der ganzen Wachstumszeit feucht zu halten. Wärme und Licht sind vor allem in den Sommermonaten eher zu viel vorhanden, halte es moderat. MicroGreens eignen sich wunderbar als Topping für Currys, Suppen und Eintöpfe oder ganz einfach auf einer Scheibe Brot mit Butter oder Hummus und natürlich als Salat.

C.
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor TurkeyCold für den Beitrag (Insgesamt 3):
reddiepadmaTowanda
Medizinische Vorgeschichte:

11/2015 - Duloxetin 30mg, 12/2015 - Duloxetin 60mg, 4/2016 - kalt abgesetzt
8/2016 - Duloxetin 60mg, 2/2017 - Duloxetin 30mg, 4/2017 - kalt abgesetzt
7/2017 - Duloxetin 60mg, 9/2017 - Duloxetin 30mg, 11/2017 - kalt abgesetzt
3.5.2018 - Milnacipran 25mg, 10.5.2018 - Milnacipran 50mg, 20.5.2018 - Milnacipran 25mg
seit 24.5.2018 - kalt abgesetzt und protrahierter Entzug

NEMs: Kleine Dosis Eisen und Folsäure, 1000μg B12, Omega-3

TurkeyCold
Beiträge: 17
Registriert: Freitag, 27.07.18, 14:15
Danksagung erhalten: 47 Mal

Re: TurkeyCold: Teilzeithölle nach Cymbalta (Duloxetin)Cold Turkey (Kaltentzug)

Beitrag von TurkeyCold » Sonntag, 30.06.19, 9:58

Du kannst dich zurückhalten von den Leiden der Welt, das ist dir freigestellt und entspricht deiner Natur, aber vielleicht ist gerade dieses Zurückhalten das einzige Leid, das du vermeiden könntest. (Franz Kafka)

Benutze ordentliches Küchenequipment, probier's mit Eisen:

Glaubt man meinen Bluttests der letzten 2 Jahre, dann war ich jeweils am unteren Normwert von Eisen (Ferritin) und Vitamin B12 (Holo-TC) – der in beiden Fällen umstritten ist und als zu niedrig erachtet wird. Es war mein Hausarzt, der mir den Ratschlag erteilte, zusätzlich zu den Supplementen auf gusseisernes Kochgeschirr umzusteigen. Wenn du ein begeisterter Esser von Leber und anderen tierischen Innereien bist, kannst du hier getrost drüber hinweglesen.

Schritt für Schritt habe ich – zumindest meine Pfannen – durch gusseiserne ersetzt aufgrund ihrer Langlebigkeit und, weil sie bei jedem Mal Kochen, Braten oder Dünsten eine kleine Menge Eisen abgeben. Das ist vor allem für diejenigen interessant, die wenig oder gar kein Fleisch essen und neben anderen Maßnahmen (z.B. NEMs) sicherstellen wollen, dass sie eine ausreichende Menge Eisen aufnehmen. Hülsenfrüchte, Vollkorngetreide und Blattgrün liefern zwar auch Eisen, du solltest jedoch darauf achten, ausreichend Vitamin C zu den Mahlzeiten zu dir zu nehmen, um das minderwertigere pflanzliche Eisen gut zu verwerten. Bei mir geschieht das meist durch Zitronensaft, den ich der Speise hinzugebe oder als erfrischendes Getränk zu mir nehme. Viele Gemüsesorten enthalten aber auch schon von sich aus größere Mengen an Vitamin C, z.B. die Paprika, aber auch die meisten Kohlarten.

Gewürze und Kräuter:

Das mag sich eher trivial anhören, aber du könntest einen Versuch wagen, mehr Gewürze in deine Ernährung einzubauen als es die alte Salz-Pfeffer-Paprika-Kombination erlaubt und für die wir Deutschen durchaus bekannt sind. Gewürze haben positive Wirkung auf dein ganzes System. Ein klassisches Beispiel ist der beruhigende Effekt von Cumin auf deine Verdauung, ebenso Fenchel und Anis. In vielen Phasen kämpfe ich mit Verstopfungen und/oder Blähungen, sodass Jeera (Kreuzkümmel) eines meiner Lieblingsgewürze geworden ist, das ich nicht nur benutze, wenn ich indisch koche. Eine andere gute Option sind Anis-Fenchel-Cumin-Tees, die ich 1 bis 2 mal am Tag trinke. Über Kurkuma (in Kombination mit frisch gemahlenem Pfeffer) und Zimt möchte ich nicht zu viele Worte verlieren, da deren Vorzüge (entzündungshemmend, antidepressiv und weitere Wirkungen) im Forum und darüber hinaus bekannt sind. Andere Gewürze, die ich benutze sind: Muskatnuss, Koriander, schwarze Senfsaat, kleine Mengen an Chili, Kala Namak (Schwarzsalz) und weitere.

Du solltest auch darüber nachdenken, etwas mehr Geld für ein vernünftiges Salz zu investieren. Kürzlich habe ich herausgefunden, dass das Solesalz (Bad Reichenhaller), das ich immer in gutem Glauben benutzt habe, industriell gereinigt wird und auf diesem Weg seines Kalziums, Magnesiums und anderer Mineralien beraubt wird. Auch werden sehr oft chemische Rieselhilfen hinzugefügt, die du selbstredend zu dir nimmst. Auch wenn der Unterschied erst einmal marginal sein wird: Warum ein Mangel ein Mangelprodukt verwenden, wenn es andere und bessere Optionen gibt?

Kräuter sind großartig. Ich bin ein Fan davon geworden, meinen Speisen größere Mengen an Petersilie, Koriander und Basilikum hinzuzufügen. Gerne auch frischen Liebstöckel, wenn vorhanden. Mit den Mittelmeerkräutern kann ich eher wenig anfangen, aber auch sie sind wunderbare Ergänzungen. Viele der genannten Kräuter enthalten große Mengen an Eisen und Vitamine. Des Weiteren verleihen sie unseren Speisen die nötige Frische. Du kannst Pestos, Saucen oder Chutneys mit ihnen herstellen. Einige Kräuter bauen ich selbst daheim an und es ist schön, mich um sie zu kümmern. Im Frühjahr greifen ich gerne auf Wildkräuter zurück, die sattgrün daherkommen, wenn unser Kulturgemüse noch im Winterschlaf ruht. Löwenzahn, Knoblauchrauke, Vogelmiere und Brennnessel sind vielseitig, geschmacksintensiv und sehr gesund. Sie übertreffen ihre kultivierten "Entsprechungen" hinsichtlich der Nährstoffdichte bei Weitem, also solltest du einen Versuch wagen, wenn du Zugang zu einem Ort hast, wo sie sauber und unbelastet wachsen können.

C.
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor TurkeyCold für den Beitrag (Insgesamt 2):
Towandapadma
Medizinische Vorgeschichte:

11/2015 - Duloxetin 30mg, 12/2015 - Duloxetin 60mg, 4/2016 - kalt abgesetzt
8/2016 - Duloxetin 60mg, 2/2017 - Duloxetin 30mg, 4/2017 - kalt abgesetzt
7/2017 - Duloxetin 60mg, 9/2017 - Duloxetin 30mg, 11/2017 - kalt abgesetzt
3.5.2018 - Milnacipran 25mg, 10.5.2018 - Milnacipran 50mg, 20.5.2018 - Milnacipran 25mg
seit 24.5.2018 - kalt abgesetzt und protrahierter Entzug

NEMs: Kleine Dosis Eisen und Folsäure, 1000μg B12, Omega-3

TurkeyCold
Beiträge: 17
Registriert: Freitag, 27.07.18, 14:15
Danksagung erhalten: 47 Mal

Re: TurkeyCold: Teilzeithölle nach Cymbalta (Duloxetin)Cold Turkey (Kaltentzug)

Beitrag von TurkeyCold » Montag, 01.07.19, 9:05

Du bist deine eigene Grenze, erhebe dich darüber. (Hafis)

Behandle Wasser mit Wertschätzung:

Dieser Punkt ist etwas esoterisch und geht auf das Video zurück, das ich angehängt habe. Auf seine Art macht es für mich durchaus Sinn, dass Wasser der wichtigste Faktor in unserem System Körper ist, schlicht und ergreifend durch seinen großen Anteil von 72% an unserer Gesamtmasse. Hier in Deutschland haben wir exzellentes Leitungswasser, das häufig die Qualität von abgefülltem und abgepacktem Wasser übersteigt. Doch darüber hinaus habe ich mir einen schönen Tonkrug gekauft, den ich mehrmals am Tag befülle, um Wasser auf Vorrat "ruhen" zu lassen, um damit Tee zu machen oder um zu kochen. Allein durch diese einfache Geste ist meine Wertschätzung für das nasse Gold gestiegen und ich freue mich manchmal sogar darüber, "wie es da auf mich wartet". Erinnere dich ruhig daran: Es ist ein Privileg auf klares und unvergiftetes Wasser zugreifen zu können, ein Privileg, das viele Menschen auf dieser Welt nicht teilen. Auch ich habe lange Zeit den Wasserhahn unbewusst förmlich angeschlagen und das, was kam, für selbstverständlich genommen.

https://www.youtube.com/watch?v=6_eZjroYURU

Hygienische Rituale:

Mund: Jeden Tag beginne ich mit dem Ölziehen. Dafür nimmt man etwa 1 EL Öl (traditionell Sesam, es eignen sich aber auch Kokosöl, Rapsöl, Olivenöl und andere), spült Mund und Zähne für 15-20 Minuten durch, indem man das Öl förmlich "zieht", um es dann mitsamt seiner enthaltenen Stoffe auszuspucken und im Restmüll zu entsorgen. Danach benutze ich einen Zungenschaber und putze meine Zähne mit einer Zahnpasta ohne Fluorid. Am Abend benutze ich Zahnseide.

Finde heraus, wann es für dich angemessen ist, zu trinken. Geht man nach Ayurveda, wird empfohlen einige Zeit vor und vor allem nach den Mahlzeiten nicht oder nur wenig zu trinken, damit die Verdauung optimal arbeiten kann und nichts verdünnt wird. Dieser Ratschlag könnte hilfreich für diejenigen sein, die wie ich Probleme mit der Verdauung haben. Ich habe zwar keinen Säurereflux oder ähnliche Probleme mit dem Magen, bin aber der Auffassung, dass das durchaus mit zu viel (kalter) Flüssigkeit zu tun haben kann. Auch deshalb empfehle ich, sehr kalte Getränke zu vermeiden, insbesondere zu Mahlzeiten. Sie erfrischen zwar kurzzeitig, belasten den Körper aber auf unnötige Weise. Heiße Pommes frites in Kombination mit einer eiskalten Coca Cola mögen sich verführerisch anhören, sind aber auf Dauer wenig förderlich, insbesondere wenn wir uns in einem massiven Heilungsprozess befinden.

Falls du es noch nicht getan hast: Investiere etwas Geld in eine vernünftige Matratze. Schlaf ist neben der Zeit unser wichtigster Heiler, sodass es großen Sinn macht, unsere Schlafqualität mittels einer komfortablen Matratze zu verbessern. Viele unter uns haben große Schlafprobleme und das tut mir sehr leid. Ich hatte/habe Phasen mit miserablem Schlaf und war dementsprechend gerädert, aber die meiste Zeit konnte ich mich dennoch auf des "Todes Bruder" verlassen und bin sehr dankbar dafür. Persönlich bin ich ein großer Fan meines Futons geworden, der auf 2 Tatamis (Reisstrohmatten) ruht. Der Schlaf ist dadurch sehr geerdet und ich fühle mich wohl.

Jeden Morgen versuche ich, in meinem Bett oder auf einer Matte etwas Stretching zu machen. Aus diesem Grund habe ich mir auch eine Faszienrolle gekauft, mit der ich meine verspannten Oberschenkel lockere. Oft genug ist mein Körper schmerzhaft angespannt, aber wann immer ich mich in der Lage dazu fühle, widme ich mich meinem Körper.
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor TurkeyCold für den Beitrag (Insgesamt 3):
RosenrotpadmaKaenguru
Medizinische Vorgeschichte:

11/2015 - Duloxetin 30mg, 12/2015 - Duloxetin 60mg, 4/2016 - kalt abgesetzt
8/2016 - Duloxetin 60mg, 2/2017 - Duloxetin 30mg, 4/2017 - kalt abgesetzt
7/2017 - Duloxetin 60mg, 9/2017 - Duloxetin 30mg, 11/2017 - kalt abgesetzt
3.5.2018 - Milnacipran 25mg, 10.5.2018 - Milnacipran 50mg, 20.5.2018 - Milnacipran 25mg
seit 24.5.2018 - kalt abgesetzt und protrahierter Entzug

NEMs: Kleine Dosis Eisen und Folsäure, 1000μg B12, Omega-3

TurkeyCold
Beiträge: 17
Registriert: Freitag, 27.07.18, 14:15
Danksagung erhalten: 47 Mal

Re: TurkeyCold: Teilzeithölle nach Cymbalta (Duloxetin)Cold Turkey (Kaltentzug)

Beitrag von TurkeyCold » Dienstag, 02.07.19, 10:30

Heilung bedeutet, daß der Mensch erfährt, was ihn trägt, wenn alles andere aufhört, ihn zu tragen. (Wolfram von Eschenbach)

Geh in den "Schmutz" und ordne dein Leben:

Vor einiger Zeit waren wir alle Kinder, die es geliebt haben, im Schmutz zu spielen, mit großer Freude in Pfützen zu springen oder Schnecken und Insekten im Sandkasten zu sammeln. Kinder lieben das, Erwachsene normalerweise nicht. Wir tun es nicht, sodass sich über die Jahre wortwörtlich und auch im übertragenen Sinne ein großer Haufen "Schmutz" anhäuft, mit dem wir immer weniger zurechtkommen. Dazu zähle ich konkrete Dinge wie Möbel, Zeug, eingeschlafene Beziehungen mit Menschen, mit denen wir nur noch wenig teilen oder auch Abstraktes wie Erinnerungen, Meinungen, Ängste und Sorgen. Wir vermeiden für gewöhnlich diesen "Schmutz", unterdrücken die Auseinandersetzung und versuchen ständig abzublenden oder zu kompensieren. Aber es gibt nunmal keinen Ort namens "weg" auf diesem Planeten, sodass dieser Haufen größer und größer wächst und früher oder später auf uns zurückkommen wird und uns auf viele Arten das Leben schwer macht. Und an irgendeinem Punkt wird dann unser Leben selbst ein Schlamassel.

Es gibt die Botschaft der Hoffnung und sie mag etwas verträumt klingen: Dein Schmutz ist dein Gold. Rainer Maria Rilke, eine deutsche Dichtergröße, sagte etwas, das in eine ähnliche Kerbe schlägt: "Ängste sind die Drachen, die unsere größten Schätze bewachen." Was haben Menschen in der Vergangenheit getan, um an Gold zu kommen? Sie gruben, sie wuschen, sie siebten aus. Und genau so solltest du diesen Prozess auch sehen.

Ich bin also in den Schmutz gegangen. Wortwörtlich, indem ich viele Dinge in meinem Haushalt aussortiert habe. Ich habe sie verkauft, verschenkt oder - wenn es sich um hoffnungslosen Ramsch gehandelt hat - weggeworfen. Alles, was über die Jahre nutzlos geworden war, wurde zu einem "Verdächtigen" und ich war sehr gründlich dabei. Das Aufräumen in der äußeren Welt klärt vieles in deiner inneren, davon bin ich überzeugt, und innere Klarheit ist ein Gut, das wir dieser Tage benötigen in einer Welt, die aus allen Nähten platzt. Mit einem zerbombten Gehirn im (verlängerten) Entzug ohnehin.

Gleichzeitg begann sich der mehr imaginäre "Schmutz" zu klären und ich begann diese Welt und die in ihr lebenden Menschen klarer zu sehen. Viele, viele Meinungen und Schlussfolgerungen, die ich über mein Leben und meine Umwelt angesammelt hatte, entpuppten sich als starke negative Projektionen, die aus meiner inneren Welt stammten und mit dem Leben da "draußen" wenig zu tun hatten. Wenn deine innere Welt ein heilloses Durcheinander ist, kannst du dir sicher sein, dass es sich mit deinem äußeren Leben - dazu zähle ich: Wohnsituation, Freunde und Beziehungen, Beruf - auf Dauer genauso verhält. Ich denke nicht, dass wir ganz ohne Projektionen leben müssen bzw. können, aber wenn ich vor die Wahl gestellt werde, dann entscheide ich mich für friedliche, fröhliche und klare Projektionen anstelle derer, mit denen ich gelebt und an denen ich gelitten habe.

Im Kontext des Aufräumens erwähnte eine Freundin von mir vor einiger Zeit Marie Kondō. Ich kannte sie und den Hype um ihre Person noch nicht, aber einige ihrere Prinzipien des Aufräumens gehen in die selbe Richtung, wie ich die Dinge in meinem Leben aufgeräumt und geordnet habe: jedem Ding seinen Platz, nur was benutzt wird, kann bleiben, und so fort. Natürlich gibt es ältere Traditionen, die sich mit Anordnungen im Raum und Anordnungen von Dingen beschäftigen, namentlich sind das Feng Shui und Sthapatya Veda - wo es mehr um die Einheit von Architektur und einer harmonischen Existenz im Kosmos geht.

Etwas sehr Bemerktenswertes sagte meine zweite Psychiaterin zu mir, nachdem ich vergeblich versucht hatte, meine innere Zerstörtheit mit Milnaneurax/Milnacipran abzufedern, was fürchterlich schief ging: "Sie scheinen eine intelligente Person zu sein, aber sie brauchen Ordnung und Struktur." Kurz danach reichte sie mir ein Rezept für Lamictal/Lamotrigin rüber, das - Ironie des Schicksals - manchmal niederdosiert benutzt wird, um Nebeneffekte des Enzugs von Antidepressiva abzudämpfen, so zumindest bei Altostrata von survivingantidepressants.com. Natürlich wusste die Psychiaterin darüber nichts und hatte auch nicht diese Intention. Ich habe das Lamictal nie genommen, aber ihr Zitat ist mir geblieben. Ich empfehle also jedem, der die Kraft aufbringen kann, in seinen "Schmutz" hineinzugehen, es mag oft nicht angenehm sein, aber es lohnt sich. Und die gute Sache ist: Wir alle haben mehr also genug davon 😀

C.
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor TurkeyCold für den Beitrag (Insgesamt 5):
reddieRosenrotAnnanaspadmaKaenguru
Medizinische Vorgeschichte:

11/2015 - Duloxetin 30mg, 12/2015 - Duloxetin 60mg, 4/2016 - kalt abgesetzt
8/2016 - Duloxetin 60mg, 2/2017 - Duloxetin 30mg, 4/2017 - kalt abgesetzt
7/2017 - Duloxetin 60mg, 9/2017 - Duloxetin 30mg, 11/2017 - kalt abgesetzt
3.5.2018 - Milnacipran 25mg, 10.5.2018 - Milnacipran 50mg, 20.5.2018 - Milnacipran 25mg
seit 24.5.2018 - kalt abgesetzt und protrahierter Entzug

NEMs: Kleine Dosis Eisen und Folsäure, 1000μg B12, Omega-3

Anikke
Teamunterstützung
Beiträge: 1288
Registriert: Mittwoch, 05.07.17, 7:20
Hat sich bedankt: 238 Mal
Danksagung erhalten: 2942 Mal

Re: TurkeyCold: Teilzeithölle nach Cymbalta (Duloxetin)Cold Turkey (Kaltentzug)

Beitrag von Anikke » Dienstag, 02.07.19, 18:43

Hallo C.,

deine Beiträge gefallen mir sehr.
Du könntest einen blog schreiben :)

Liebe grüße anikke
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor Anikke für den Beitrag:
Kaenguru
► Text zeigen

TurkeyCold
Beiträge: 17
Registriert: Freitag, 27.07.18, 14:15
Danksagung erhalten: 47 Mal

Re: TurkeyCold: Teilzeithölle nach Cymbalta (Duloxetin)Cold Turkey (Kaltentzug)

Beitrag von TurkeyCold » Mittwoch, 03.07.19, 9:32

Hallo Anikke,

dankeschön, das freut mich zu hören. Gerne teile ich meine Erfahrungen zu den Themen Persönlichkeitsentwicklung, Heilung und Transformation, weil sie mein Lebensthema (bis dato) sind. Ich sehe das hier als Blog :wink:

----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Das Meer ist so tief, weil es jedem Fluss Zulauf gewährt. (Chinesisches Sprichwort)

Natürlich habe ich mich im Verlauf meiner Heilung oft gefragt, warum ich derart viele und starke Symptome habe und warum sich der Heilungsprozess derart hinzieht. Und oft habe ich geflucht und gezetert gegen meine eigene Physis, habe geflucht und gewettert, bis ich den Zorn selbst nicht mehr ertrug, sodass ich mich wieder beruhigte. Einige Recherche später, und dabei war unter anderem wieder die Webseite survivingantidepressants.com hilfreich, bin ich auf das Thema Neuroplastizität gestoßen. Im Kontext der Einnahme von SSRI, SNRI et al. bedeutet das für mich folgendes: Es gibt besonders neuroplastische Gehirne und plastische ZNS, die Reize, Substanzen und Erfahrungen besonders schnell und tiefgehend integrieren. Das kann ein ziemlicher Segen sein, wenn es um Lernprozesse geht, da war ich Zeit meines Lebens ziemlich gesegnet, denn wenn mich etwas interessierte - die Schule konnte ich (leider) nicht dazu zählen -, war ich stets in der Lage, rapide Fortschritte zu erzielen. Auch war eine schnelle Auffassungsgabe immer meine Stärke, vor allem situativ, wenn es darum ging und geht, viele unterschiedliche Sinnesreize sinnvoll zu einer Einschätzung zusammenzufügen. Kurzum: Eine meiner größten Stärken hat mich - neben meinen misslichen Entscheidungen - in ein ziemliches Schlamassel manövriert, weil ich eben jenes SNRI Cymbalta unheimlich schnell in mein System integriert habe, d.h. mein Körper machte allerlei Anpassungen: Hormonzyklen veränderten sich, Gene wurden an- und abgeschaltet, Gehirnstrukturen veränderten sich (Zellvernichtung + Zellwachstum), um trotz des Medikaments weiterhin zu funktionieren.

Hierbei stehenzubleiben wäre allerdings reichlich verzweifelt, sodass ich mich fragte: "Wie kann ich meine eigene Neuroplastizität fördern? Wie kann ich meinen Denkapparat positiv fordern?"
Schon vor 2 Jahren begann ich deshalb, zunehmend auf meine schwächere linke Hand umzusteigen. Ich erinnere mich an die Anfänge, als ich begonnen habe, mit links meine Zähne zu putzen. Es war unheimlich mühsam, ungelenk und ich fühlte mich wieder wie ein kleines Kind, das etwas von der Pike auf lernen muss. Von wegen, "das mache ich doch mit links" ... Nach und nach erzielte ich aber Fortschritte, sodass ich heute problemlos meine Zähne mit links putze. Das Thema ruhte dann innerlich für eine Weile, aber ich habe es in den letzten Monaten wieder forciert. Ich benutze die Computermaus mit der linken Hand, esse häufig mit links (macht man ja klassischerweise ohnehin als Rechtshänder, der Messer und Gabel benutzt), öffne Türen und habe mich der Königsdisziplin gewidmet: mit links zu schreiben! Es fällt mir nach wie vor schwer, aber ich schreibe diszipliniert 1 DIN A4-Seite pro Tag und es sind allmählich Fortschritte zu verzeichnen - bzw. zu verschreiben *grins*. Das innere Gefühl dabei ist aber nach wie vor sehr seltsam.

Was kann ansonsten getan werden? Kürzlich habe ich diese Webseite entdeckt: https://ketoseportal.de/neuronale-plast ... rnaehrung/

Verschiedenes wird empfohlen, und einen Teil davon hatte ich ohnehin schon in mein Leben integriert:

1. Intermittierendes Fasten
2. Reisen
3. Verwende mnemonische Techniken
4. Lerne ein Instrument
5. Übungen mit der nicht-dominanten Hand
6. Lies fiktive Romane
7. Erweitere dein Vokabular
8. Betätige dich künstlerisch
9. Tanzen
10. Schlaf
11. Übungseinheiten mit eingeschränkter Sinnesbeanspruchung
12. Veränderung täglicher Routinen
13. Sportliche Betätigung
14. Achte darauf, genügend Fisch zu essen

Ketogen ernähre ich mich keineswegs, ich habe es zwar ausprobiert, jedoch sehr schnell festgestellt, dass mein Wohlbefinden und mein hormoneller Zyklus das im derzeitigen Zustand nicht zulassen. Dafür faste ich intermittierend und komme auf etwa 15 Std. ohne Nahrungsaufnahme, die Zeiten des Fressdrucks, und das waren einige, mal ausgeklammert. Die Vorzüge von Fisch bzw. Omega-3 sind ohnehin klar, ich esse 1-2 Mal pro Woche welchen und substituiere Omega-3 mittels Algenöl.

C.
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor TurkeyCold für den Beitrag (Insgesamt 4):
TowandareddieKaengurupadma
Medizinische Vorgeschichte:

11/2015 - Duloxetin 30mg, 12/2015 - Duloxetin 60mg, 4/2016 - kalt abgesetzt
8/2016 - Duloxetin 60mg, 2/2017 - Duloxetin 30mg, 4/2017 - kalt abgesetzt
7/2017 - Duloxetin 60mg, 9/2017 - Duloxetin 30mg, 11/2017 - kalt abgesetzt
3.5.2018 - Milnacipran 25mg, 10.5.2018 - Milnacipran 50mg, 20.5.2018 - Milnacipran 25mg
seit 24.5.2018 - kalt abgesetzt und protrahierter Entzug

NEMs: Kleine Dosis Eisen und Folsäure, 1000μg B12, Omega-3

TurkeyCold
Beiträge: 17
Registriert: Freitag, 27.07.18, 14:15
Danksagung erhalten: 47 Mal

Re: TurkeyCold: Teilzeithölle nach Cymbalta (Duloxetin)Cold Turkey (Kaltentzug)

Beitrag von TurkeyCold » Donnerstag, 04.07.19, 9:26

We read to know we are not alone. (C.S. Lewis)

Mein Leben lang habe ich Bücher geliebt, phasenweise verschlungen; bis auf die Zeit von 17 bis etwa 20, als ich kaum ein Buch anrührte, so fern war ich mir selbst und dieser Welt, und damit auch der literarischen Welt. Bücher sind wunderbare Begleiter, sie spenden Trost auf eine Weise, wie es reale Menschen manchmal nicht vermögen, sie geben Rat, indem sie ihre Weisheit sprechen lassen, sie erheitern, sie unterhalten, sie regen zum Nachdenken an. Bücher sind wunderbar, die Welt der Literatur ist wunderbar. Schon vor meiner Krankenzeit habe ich insbesondere die Bücher derjenigen geliebt, die die Tiefen menschlicher Existenz durchschritten: Allen voran Fjodor Dostojewski, Franz Kafka, Friedrich Nietzsche, neu hinzu kam irgendwann Haruki Murakami, dessen Bücher mich auf unerklärliche Weise stets berührt haben (Ich glaube der Spiegel schrieb einmal, dass seine Bücher die Menschen trösten, bevor sie überhaupt wissen, dass sie traurig sind. Nunja, zumindest den ersten Teil der Behauptung kann ich bestätigen). Viele weitere Bücher pflastern meinen Lebensweg, da sie mich unheimlich bereichert haben.

Manchmal denke ich an Gelesenes wie an einen alten Freund, zu dem ich vielleicht keinen beständigen Kontakt mehr pflege, der mir aber als angenehme Erinnerung geblieben ist. Im Folgenden möchte ich ein paar Anregungen geben, welche Bücher mir dieser Tage gedanklich helfen mit dem Wesen der Krankheit und der manchmal zähen Langsamkeit der Heilung zurechtzukommen.

Ottfried Preußler - Die Abenteuer des starken Wanja: Zwar ein Kinderbuch und als solches habe ich es auch gelesen und seitdem nicht mehr angerührt, aber die Figur des Wanja ist mir bis heute merkwürdig präsent. Ofen + Schafspelze + Sonnenblumenkerne, Warten, Dach hochheben, Welt erobern.

"Wanja ist im Gegensatz zu seinen beiden Brüdern entsetzlich faul. Da kommt es ihm gerade recht, dass ihm eines Tages ein Blinder begegnet, der ihm einen Handel anbietet: Sieben Jahre soll Wanja, ohne ein Wort zu sprechen, auf dem Backofen seiner Eltern ausharren und Kraft sammeln. Alles, was er dorthin mitnehmen darf, sind sieben Säcke Sonnenblumenkerne und sieben Schafspelze. Wenn er dann am Ende dieser sieben Jahre das Dach des Hauses so weit hochheben kann, dass er den Sternenhimmel durch die Ritze sieht, hat er die Probe bestanden. Die erste Probe auf dem Weg, Zar zu werden! Keine leichte Aufgabe, denn Wanjas neidische Brüder denken sich so manche List aus, um den faulen Bruder von seinem Ofen zu locken ..."

Thomas Mann - Der Zauberberg: Es gibt wohl wenige Bücher, die das Krank-Sein derart anschaulich und ausführlich beschreiben. Bis heute sind mir die Figur Hans Castorp und die Stimmung im Sanatorium der Schweizer Berge präsent. Zwar nicht einfach zu lesen, und man mag ja von Thomas Mann halten, was man möchte, aber dieses Buch begeistert.

"Hans Castorp, 24, ist ein junger Ingenieur aus traditionsreicher Hamburger Familie. Er besucht seinen tuberkulosekranken Cousin Joachim Ziemßen im Schweizer Sanatorium »Berghof«. Joachim macht Hans mit den Gesetzen der Klinik hoch in den Alpen vertraut. Hier herrscht ein anderer Lebensrhythmus als im Flachland. Anfangs irritiert, gewöhnt Hans sich schnell an das Sanatoriumsleben. Er findet Gefallen am festen Ablauf von Mahlzeiten, Untersuchungen und Liegekuren im Freien. Der Kontakt mit den anderen Patienten wird ihm wichtiger als seine Angehörigen in Hamburg. Sein Zeitgefühl verändert sich; mehrmals verschiebt er den Termin für seine Rückkehr. Als er Fieber bekommt, folgt er bereitwillig dem Rat des resoluten Arztes Hofrat Behrens und bleibt im »Berghof«."

Sten Nadolny - Die Entdeckung der Langsamkeit: Zwar handelt es sich hierbei nicht um eine Krankengeschichte im direkten Sinne, aber auch dieser Held ist gehandicapt und findet schließlich seinen ganz besonderen Weg zum Glück in dieser Welt. Für mich als (ehemals) schnellen und dadurch teils oberflächlich handelnden Menschen definitiv anregend.

"Seit seiner Kindheit träumt John Franklin davon, zur See zu fahren, obwohl er dafür denkbar ungeeignet ist, denn in allem, was er tut, ist er extrem langsam. Doch was er einmal erfaßt hat, vergißt er nicht mehr. Er geht zur Marine und erlebt den Krieg. Insgeheim aber träumt er von friedlichen Fahrten auf See und von der Entdeckung der legendären Nordwestpassage. Als Kommandant eines Schiffes begibt er sich auf die Suche ..."

Franz Kafka - Die Verwandlung: Sicher einer der seltsamsten, aber auch anrührensten Schriftsteller aller Zeiten, mit einem genauso seltsamen Buch, das genauso seltsam endet. Sicherlich interessant auch, was das Motiv des Ausschlusses und der Abwendung durch die Familie angeht.

"Im Mittelpunkt steht der Vertreter Gregor Samsa, der für den Lebensunterhalt seiner Familie sorgt. Als er über Nacht zu einem riesigen Käfer wird, sperren Eltern und Schwester ihn weg. Hilflos und verunsichert erlebt er seine fortschreitende Verwandlung. Er nimmt zusehends tierische Züge an, bevor er einsam zugrunde geht."
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor TurkeyCold für den Beitrag (Insgesamt 2):
Kaengurupadma
Medizinische Vorgeschichte:

11/2015 - Duloxetin 30mg, 12/2015 - Duloxetin 60mg, 4/2016 - kalt abgesetzt
8/2016 - Duloxetin 60mg, 2/2017 - Duloxetin 30mg, 4/2017 - kalt abgesetzt
7/2017 - Duloxetin 60mg, 9/2017 - Duloxetin 30mg, 11/2017 - kalt abgesetzt
3.5.2018 - Milnacipran 25mg, 10.5.2018 - Milnacipran 50mg, 20.5.2018 - Milnacipran 25mg
seit 24.5.2018 - kalt abgesetzt und protrahierter Entzug

NEMs: Kleine Dosis Eisen und Folsäure, 1000μg B12, Omega-3

TurkeyCold
Beiträge: 17
Registriert: Freitag, 27.07.18, 14:15
Danksagung erhalten: 47 Mal

Re: TurkeyCold: Teilzeithölle nach Cymbalta (Duloxetin)Cold Turkey (Kaltentzug)

Beitrag von TurkeyCold » Donnerstag, 11.07.19, 21:21

Wir leben nicht, um zu essen, sondern wir essen, um zu leben. (Sokrates)

Eine der wenigen durchgängigen Freuden während meiner schweren Erkrankung war und ist das Essen. Und so gab es kaum Mahlzeiten in den letzten 21 Monaten, die ich nicht auf irgendeine Art genossen hätte, die Phasen schlimmen Überessens ausgenommen, und selbst da hat mich das Essen auf gewisse Art beruhigt, auch wenn das eigentlich traurig ist. Seit längerer Zeit kommt bei mir wieder Essdruck auf, d.h. ich spüre keinerlei Sättigungsgefühl nach einer Mahlzeit und könnte getrost weiteressen - und habe das in den letzten Wochen auch teilweise getan. Psychisch ging es mir weitgehend gut damit, doch ich fühlte mich körperlich abgeschlagen, habe extrem viel geschlafen - auch während des Tages - und mich wenig wohlgefühlt in meiner Haut. Das krasse Verlangen nach Zucker ist seit diesem Frühjahr zum Glück zurückgegangen, komplexere Kohlenhydrate, allem voran ein gutes Brot, stehen aber nach wie vor hoch im Kurs.

Was mir sehr geholfen hat dieser Tage, in denen ich bei meinen Eltern zu Besuch bin, ist folgendes: Anstatt mit leerem Teller zu starten, hier und da zugreifend, von allem etwas genießend und dabei aber völlig den Überblick über die Essensmenge verlierend, richte ich mir nun immer vorher meinen Teller dekorativ und appetitlich an mit der inneren Vorgabe: Mehr wird nicht gegessen. Die Mengen sind hier auch schon stattlich, aber eben nicht so ausufernd, wie wenn ich nach "Gefühl" und "Hunger" essen würde, wo ich mich drei Mal am Tag überessen habe. Ich hatte schon vor längerer Zeit damit begonnen so zu essen, das Verhalten aber gestoppt im Glauben, es sei zu zwanghaft, jetzt aber wieder als notwendig für mich entdeckt.
Und es hilft: 3 Mahlzeiten am Tag, vor dem ersten Biss alles zusammenstellen und danach nichts mehr nachnehmen (außer ab und an einen warmen Kakao). Zumindest mein Körpergefühlt dankt es mir.

C.
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor TurkeyCold für den Beitrag (Insgesamt 3):
reddieNali 79Kaenguru
Medizinische Vorgeschichte:

11/2015 - Duloxetin 30mg, 12/2015 - Duloxetin 60mg, 4/2016 - kalt abgesetzt
8/2016 - Duloxetin 60mg, 2/2017 - Duloxetin 30mg, 4/2017 - kalt abgesetzt
7/2017 - Duloxetin 60mg, 9/2017 - Duloxetin 30mg, 11/2017 - kalt abgesetzt
3.5.2018 - Milnacipran 25mg, 10.5.2018 - Milnacipran 50mg, 20.5.2018 - Milnacipran 25mg
seit 24.5.2018 - kalt abgesetzt und protrahierter Entzug

NEMs: Kleine Dosis Eisen und Folsäure, 1000μg B12, Omega-3

TurkeyCold
Beiträge: 17
Registriert: Freitag, 27.07.18, 14:15
Danksagung erhalten: 47 Mal

Re: TurkeyCold: Teilzeithölle nach Cymbalta (Duloxetin)Cold Turkey (Kaltentzug)

Beitrag von TurkeyCold » Sonntag, 14.07.19, 15:24

Mein Trost des Tages:

"Wenn etwas von Ihren Vorgängen krankhaft ist, so bedenken Sie doch, daß die Krankheit das Mittel ist, mit dem ein Organismus sich von Fremdem befreit; da muß man ihm nur helfen, krank zu sein, seine ganze Krankheit zu haben und auszubrechen, denn das ist sein Fortschritt. In Ihnen, lieber Herr Kappus, geschieht jetzt so viel; Sie müssen geduldig sein wie ein Kranker und zuversichtlich wie ein Genesender; denn vielleicht sind Sie beides. Und mehr: Sie sind auch der Arzt, der sich zu überwachen hat. Aber da gibt es in jeder Krankheit viele Tage da der Arzt nichts tun kann als abwarten. Und das ist es, was Sie, soweit Sie Ihr Arzt sind, jetzt vor allem tun müssen.

Beobachten Sie sich nicht zu sehr. Ziehen Sie nicht zu schnelle Schlüsse aus dem, was Ihnen geschieht; lassen Sie es sich einfach geschehen. Sie kommen sonst zu leicht dazu, mit Vorwürfen (das heißt: moralisch) auf Ihre Vergangenheit zu schauen, die natürlich an allem, was Ihnen jetzt begegnet, mitbeteiligt ist."

(R. M. Rilke in seinen Briefen an Franz Xaver Kappus, August 1904)
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor TurkeyCold für den Beitrag (Insgesamt 4):
InnocenceFelisRosenrotKaengurupadma
Medizinische Vorgeschichte:

11/2015 - Duloxetin 30mg, 12/2015 - Duloxetin 60mg, 4/2016 - kalt abgesetzt
8/2016 - Duloxetin 60mg, 2/2017 - Duloxetin 30mg, 4/2017 - kalt abgesetzt
7/2017 - Duloxetin 60mg, 9/2017 - Duloxetin 30mg, 11/2017 - kalt abgesetzt
3.5.2018 - Milnacipran 25mg, 10.5.2018 - Milnacipran 50mg, 20.5.2018 - Milnacipran 25mg
seit 24.5.2018 - kalt abgesetzt und protrahierter Entzug

NEMs: Kleine Dosis Eisen und Folsäure, 1000μg B12, Omega-3

TurkeyCold
Beiträge: 17
Registriert: Freitag, 27.07.18, 14:15
Danksagung erhalten: 47 Mal

Re: TurkeyCold: Teilzeithölle nach Cymbalta (Duloxetin)Cold Turkey (Kaltentzug)

Beitrag von TurkeyCold » Mittwoch, 17.07.19, 14:04

Nichts bewegt so sehr wie der Sch(m)erz.

Wunderbare Metapher zum Schmerz/Leiden:

"Before I was aware of being mindful I treated pain like an angry
barking dog on the other side of a chain link fence--I would stay as far
away from the fence as possible and pretend that the dog wasn't there.

After discovering the idea of mindfulness I began to approach the fence,
with apprehension, and stare the dog in the eyes as he barked at me.

Now, going even deeper into the process, my intention is to jump OVER
the fence and embrace the barking dog--and what I'm realizing is that
the dog doesn't want to hurt me, he wants me to hear him and acknowledge
him. He's signaling a pathway for me to walk down to freedom. I truly
believe that paying attention to our pain without judgement is the
pathway to freedom in life."

(https://www.survivingantidepressants.or ... t/?page=19)

C.
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor TurkeyCold für den Beitrag (Insgesamt 3):
FineFinchenKaenguruTowanda
Medizinische Vorgeschichte:

11/2015 - Duloxetin 30mg, 12/2015 - Duloxetin 60mg, 4/2016 - kalt abgesetzt
8/2016 - Duloxetin 60mg, 2/2017 - Duloxetin 30mg, 4/2017 - kalt abgesetzt
7/2017 - Duloxetin 60mg, 9/2017 - Duloxetin 30mg, 11/2017 - kalt abgesetzt
3.5.2018 - Milnacipran 25mg, 10.5.2018 - Milnacipran 50mg, 20.5.2018 - Milnacipran 25mg
seit 24.5.2018 - kalt abgesetzt und protrahierter Entzug

NEMs: Kleine Dosis Eisen und Folsäure, 1000μg B12, Omega-3

FineFinchen
Teamunterstützung
Beiträge: 1135
Registriert: Mittwoch, 08.04.15, 17:34
Hat sich bedankt: 1516 Mal
Danksagung erhalten: 1803 Mal

Re: TurkeyCold: Teilzeithölle nach Cymbalta (Duloxetin)Cold Turkey (Kaltentzug)

Beitrag von FineFinchen » Mittwoch, 17.07.19, 14:23

TurkeyCold hat geschrieben:
Mittwoch, 17.07.19, 14:04
Nichts bewegt so sehr wie der Sch(m)erz.

Wunderbare Metapher zum Schmerz/Leiden:

"Before I was aware of being mindful I treated pain like an angry
barking dog on the other side of a chain link fence--I would stay as far
away from the fence as possible and pretend that the dog wasn't there.

After discovering the idea of mindfulness I began to approach the fence,
with apprehension, and stare the dog in the eyes as he barked at me.

Now, going even deeper into the process, my intention is to jump OVER
the fence and embrace the barking dog--and what I'm realizing is that
the dog doesn't want to hurt me, he wants me to hear him and acknowledge
him. He's signaling a pathway for me to walk down to freedom. I truly
believe that paying attention to our pain without judgement is the
pathway to freedom in life."

(https://www.survivingantidepressants.or ... t/?page=19)

C.

Hallo C., :)

danke Dir fürs Einstellen des schönen Textes. :hug:

Ich war mal so frei und habe ins Deutsche übersetzt:


Bevor ich mir bewusst wurde, dass ich achtsam bin, behandelte ich den Schmerz
wie einen wütenden, bellender Hund auf der anderen Seite eines Gitterzauns
- ich blieb so weit wie möglich vom Zaun entfernt und habe so getan, als wäre der Hund nicht da.


Nachdem ich die Bedeutung der Achtsamkeit entdeckt hatte, begann ich,
mich dem Zaun zu nähern, mit Sorge, und ich starrte dem Hund in die Augen, als er mich anbellte.

Nun, da ich noch tiefer in den Prozess eintauche, ist es meine Absicht, ÜBER den Zaun zu springen
und den bellenden Hund zu umarmen - und was mir klar wird, ist, dass der Hund will mich nicht verletzen will.
Er will, dass ich ihn höre und wahrnehme.

Er weist mir einen Weg, auf dem ich in die Freiheit gehen kann.
Ich glaube wirklich daran, dass die bewusste Beachtung unseres Schmerzes der Weg zur Freiheit im Leben ist."




Viele Grüße
Finchen
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor FineFinchen für den Beitrag (Insgesamt 3):
KaenguruTowandapadma
28.05.2019: Ursprünglicher Benutzernamen (Finchen015) aufgrund von Namensähnlichkeiten und zur Vermeidung von Verwechslungen geändert zu FineFinchen.
► Text zeigen

Antworten