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Anu: Olanzapin Ausgeschlichen, Entzugserscheinungen?

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Anu
Beiträge: 1
Registriert: Sonntag, 17.11.19, 14:32

Anu: Olanzapin Ausgeschlichen, Entzugserscheinungen?

Beitrag von Anu » Sonntag, 17.11.19, 19:59

Hallo ihr lieben,

es ist sehr ermutigend ein Forum wie dieses hier gefunden zu haben!

Ich hab nichts darüber gelesen, daher eine kurze Frage zum Anfang. Es geht um meine Freundin und ich würde gerne die Initiative ergreifen und Ihre Geschichte hier beginnen. Vielleicht wird sie später dann hier weiter schreiben. Wäre das OK?

Bevor ich zum Abstztteil komme, würde ich gerne auch noch ein wenig zur "Vorgeschichte" erzählen, möglicherweise spielt das auch eine Rolle.

Ende Juni hatte sie nach einer super stressigen Phase und zusätzlich Substanzen eine psychotische Episode.
Eigentlich so gut wie von einem Tag auf den anderen (ca. eine Woche nach dem Substaz und Stress ding) was dann leider dazu geführt hat, dass sie auf die Akutstation kam.
Dort wurde sie dann mit Haloperidol (5mg jeweils Morgens und Abends) und Olanzapin (10mg jeweils Morgens und Abends) sowie Tavor (1mg 4 mal am Tag) behandelt.
Ich hatte zu dem Zeitpunkt eigentlich noch keinen blassen schimmer von den Medikamenten und was ein "Standard" vorgehen wäre. Aber mir erschien das schon extrem viel und meine Freundin war auch zu dem Zeitpunkt eigneltich nichtmehr wirklich "Anwesend"...

Die Psychose hielt vielleicht 1,5 Wochen an. Nach zwei Wochen auf der Akutstation durfte sie dann auf die offene Wechseln. Noch weiteren zwei Wochen auf dieser Station mittlerweile hatte sie Parkinson Syndrom und auch mehrere doch heftige Nebenwirkungen entwickelt was die Ärzte besorgniserregend fanden.
Haldol und Tavor wurden in der letzten Woche abgesetzt und zum Wochenende hin sollte sie einen zuhause Urlaub einlegen und gleichzeitig von Olanzapin auf Abilify umsteigen.
In der Stadt war ein Straßenfest und im Krankenhaus brauchten sie für das Wochenende Betten für Akutere fälle... :cry:
Ungünstig war auch, dass ich zu dem Zeitpunkt Unterwegs Arbeiten war und an dem besagten Wochenende erst Sonntag wieder zurückkommen konnte... Die Umstellung und alleine zu Hause und das Absetzen der Tavor + Haldol und alles innerhalb einer Woche hat sie dann so gar nicht vertragen und hatte dann Samstag/Sonntag ein Rückfall oder Rebound Psychose.
... Also wieder ins Krankenhaus Haldol wurde wieder eindosiert und Tavor auch. Olanzapin abgesetzt und Abilify hoch dosiert. uiuiui.. Es ging Ihr dann immer schlechter. Die Psychose ging nach wenigen Tagen zurück, aber Parkinsonsyndrom wurde schlimmer, Sitzunruhe und innere Unruhe kamen dazu. Das wurde dann richtig schlimm und die Ärzte waren nach zwei Wochen überzeugt, dass Abilify nichts für sie ist und Dosieren Olanzapin wieder ein und Haldol sowie Tavor wieder über einen Zeitraum von einer Woche abgesetzt. Nun also nur noch Olanzapin 10mg Morgens und 10mg Abends und relativ zügig auf 5mg innerhalb von 2 Wochen.

Nach insgesamt etwas mehr als 2 Monaten durfte sie das Krankenhaus endlich verlassen und war nun wieder zu Hause. Nur... super suizidal und nicht wirklich da. Sie hat dann versucht mit Ihrer Ärztin in der psychiatrischen Instituts Ambulanz ein Reduzieren bzw. Absetzten von Olanzapin zu verhandeln, ohne Erfolg. Die Aussage der Ärztin war dann nur irgendwas von Rückfallrisiko, mindestens 1 Jahr Medikamente nehmen und die Dosis ist ja bereits sehr niedrig. Wenn die Nebenwirkungen zu belastend wären, könnte sie ja auch wieder Abilify ausprobieren oder Cariprazin. Mittlerweile hat sich eine rasend schnelle Gewichtszunahme eingestellt. In 2 Wochen ca. 10 kg. Meine Freundin ist super schlank und das mehr macht nicht wirklich etwas. Jedoch die Geschwindigkeit hat Ihr extrem zugesetzt und die fehlende Motivation, Interessenlosigkeit, fehlende Empathie, kein Gesichtsausdruck und Suizidalität waren dann einfach zu viel. Sie hatte auch keine Energie nach einer anderen Ärztin oder Arzt zu suchen. Und ich musste feststellen, dass sich die Suche auch mehr als schwierig darstellt. In unserem Bezirk und Nachbarbezirken ging eigentlich kaum einer ans Telefon oder hatte keine Termine, wenn man nicht bereits Patient da ist.

Ok also haben wir Bücher besorgt und uns versucht so gut es geht weiter zu bilden was das Absetzten von Neuroleptika angeht. Also kannten wir nun auch die 10% regel alle 4 Wochen. Leider war das nicht wirklich zufriedenstellend für sie und die Situation schien immer Akuter zu werden. Also gut in zwei Wochen von 5mg auf 2,5mg reduziert. Und siehe da, ein Lichtblick! Meine Freundin ist fast wieder da! Erstmal sind die Suizidgedanken weg. Sie kann wieder Lachen und Weinen konnte sie nun auch wieder. Was für eine Erleichterung. Nur wurde das Tempo der Gewichtszunahme gefühlt immer schneller! Die Ärzte wissen nun auch von der Reduktion und sind erstmal einverstanden. Nur wollen sie wegen den Nebenwirkungen immer noch auf Cariprazin wechseln. Meine Freundin will nicht und möchte lieber ganz absetzten. Die Ärztin ist skeptisch, versichert Ihr aber, falls was passieren sollte, ist sie für sie da.

Ab dem 24. August reduziert sie nun in 0,31 mg schritten jeweils jede Wochen. Also innerhalb von 8 Wochen bis zum 19. Oktober auf 0.

Wir konnten auch in den ersten 7 Wochen keine großen Probleme feststellen was ermutigend war. Für die letzte Woche haben wir uns Urlaub genommen und sie hat den letzten Schritt dann unterwegs gemacht. Soweit so gut.

Nach ca. 1 Woche ohne Olanzapin (26.10) fing das drama aber erst so richtig an. Fast alle Nebenwirkungen (nur ohne Parkinsonsyndrom) waren plötzlich wieder da. In Gesellschaft mit Anhedonie, Hoffnungslosigkeit, Sinnlosigkeit, Suizidalität etc.
Über ein mögliches wieder eindosieren von Olanzapin hatten wir zu dem Zeitpunkt aber keine Ahnung. Also "halten" wir den zustand gerade eher aus, als dass wir irgendwas dagegen machen könnten. Sie ist noch einmal die Woche bei Ihrer Ärztin in der PIA und da auch einmal die Woche bei einer Therapeutin. Dass die Symptome vom Absetzen kommen, leugnen die beiden leider und vermuten eher die Rückkehr Ihrer ursprünglichen Symptome (sie war nie Suizidal oder hoffnungslos, eher das genaue Gegenteil und auch Ihre Psychose war mehr ein Zustand von Glück und das Gefühl "Auserwählt" zu sein) und drängen auf das Einstellen auf ein Neuroleptika und zusätzlich ein Antidepressiva. Das möchte sie aber beides nicht.

Bis Heute 17.11 hält die Hoffnungslosigkeit, Angst vorm Tag und der Zukunft, Anhedonie, Sinnlosigkeit und Suizidalität an (die Ärzte wissen Bescheid und im schlimmsten fall wird sie wohl wieder in die Klinik). Es gab in den vergangenen 3 Wochen ein paar Lichtblicke, an denen sie fast keine dieser Symptome hatte und einen Tag an dem alles wie weggeblasen schien. Nur um dann am nächsten Tag mit doppelter Heftigkeit wieder zuzuschlagen. Das Ganze ist für sie extrem Hart! Vor allem weil sie mittlerweile zweifelt, dass die Gefühle durch den Entzug ausgelöst wurden. Sie hat aber auch keine Erklärung warum sie plötzlich diese Gefühle hat. Und fragt sich jeden Tag warum. Dazu kommt nun auch extreme Müdigkeit. Sie kann eigentlich den ganzen Tag nur noch schlafen. Sie fühlt sich ziemlich schwach, hat öfter Kopfschmerzen und ein Druckgefühl in der Stirn. Ihre Beine tun Ihr weh und es lagert sich auch Wasser in Ihren Beinen und Füßen ab.

Sie nimmt schon während Ihres Krankenhausaufenthaltes Vitamin b3/b12/C/Omega3. Um irgendetwas gegen die Nebenwirkungen zu machen oder mögliche Schäden durch die Neuroleptika zu reduzieren...

Wäre es sinnvoll Olanzapin wieder eine kleine ecke zu geben? Oder ist das nach 4 Wochen schon keine gute Idee mehr? Ein Verschlechtern Ihres Zustandes wäre eine absolute Katastrophe.

Wir verstehen einfach nicht, wie es dazu kommen konnte. Sie war immer voller Lebensmut, hat alles genossen, der Tag konnte gar nicht lang genug sein. Jetzt will sie die Augen nicht mehr aufmachen, findet keinen Sinn mehr und keine Freude. Habt ihr ähnliches erlebt oder könnt uns irgendwas dazu sagen? Wir hoffen es sehr.. danke, wenn jemand unsere Geschichte hier liest und uns Mut machen kann..
Zuletzt geändert von Jamie am Sonntag, 17.11.19, 20:13, insgesamt 2-mal geändert.
Grund: Titel ergänzt

FineFinchen
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Re: Anu: Olanzapin Ausgeschlichen, Entzugserscheinungen?

Beitrag von FineFinchen » Sonntag, 17.11.19, 20:22

Hallo Anu, :-)

willkommen im ADFD.

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Ich wünsche dir einen guten Austausch im Forum,
liebe Grüße
Finchen
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Philine
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Re: Anu: Olanzapin Ausgeschlichen, Entzugserscheinungen?

Beitrag von Philine » Sonntag, 17.11.19, 23:06

Anu hat geschrieben:
Sonntag, 17.11.19, 19:59
Vor allem weil sie mittlerweile zweifelt, dass die Gefühle durch den Entzug ausgelöst wurden. Sie hat aber auch keine Erklärung warum sie plötzlich diese Gefühle hat. Und fragt sich jeden Tag warum.
Hallo Anu,
willkommen im Forum! Es tut mir so leid, was deine Freundin da Brutales durchmachen muss. Das ist ganz entsetzlich.

Ich habe hier nur ein Zitat von dir herausgegriffen, auf das ich reagieren will.
Es ist ganz typisch, dass man sich im Entzug immer fragt, ob das Entzug sein kann, es ist so grausam, dass man sich das kaum vorstellen kann.

Aber der zeitliche Zusammenhang, die vielen Medikamentenwechsel und Dosisveränderungen und die Tatsache, dass es neue, vorher nie dagewesene Symptome sind, deuten absolut auf Entzug hin.

Wie deine Freundin selber sagt: woher sollte das sonst kommen?
Bitte lasst euch nicht auf das Argument Grunderkrankung und weitere Medikamente ein.

Was das Wiedereindosieren angeht, überlasse ich die Antwort lieber Erfahreneren.

Ich wünsche euch alles Gute, vor allem deiner Freundin:

Sie hat eine extrem harte Zeit, wahrscheinlich die härteste in ihrem Leben, aber sie wird es überstehen, und es wird langsam aber ganz sicher immer milder werden.
Es ist nicht gefährlich, es fühlt sich nur so an.

Lg
Philine
Mitte Okt. 2018-bis Mitte Jan. 2019: 30 x Tavor 0.5
Mitte Okt. – Ende Nov. 2018 Esci. 5-10-5 mg
seit Dez. 2018 Sertr. 25, langsam runterdosiert auf 16
weitere Medikation:
nach SD-OP 100 Euthyrox
Calcium 500

padma
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Re: Anu: Olanzapin Ausgeschlichen, Entzugserscheinungen?

Beitrag von padma » Montag, 18.11.19, 18:42

hallo Anu, :)

auch von mir willkommen.

Deine Freundin hatte also eine substanzinduzierte (vermutlich Drogen) Psychose. Es ist ganz wichtig, dass sie nie wieder mit Drogen und ähnlichem experimentiert, dann hat sie eine sehr gute Chance auf ein psychosefreies Leben.
Die Aussage der Ärztin war dann nur irgendwas von Rückfallrisiko, mindestens 1 Jahr Medikamente nehmen und die Dosis ist ja bereits sehr niedrig.
Das ist die Standardaussage von Ärzten. Ich würde das viel individueller sehen. Gerade bei einer substanzinduzierten Psychose ist es nicht unbedingt angezeit solange NL zu nehmen.
Mittlerweile hat sich eine rasend schnelle Gewichtszunahme eingestellt. In 2 Wochen ca. 10 kg.
Viele NL machen eine Gewichtszunahme, bei Olanzapin ist eine extreme Gewichtszunahme sehr typisch.
Nach ca. 1 Woche ohne Olanzapin (26.10) fing das drama aber erst so richtig an. Fast alle Nebenwirkungen (nur ohne Parkinsonsyndrom) waren plötzlich wieder da. In Gesellschaft mit Anhedonie, Hoffnungslosigkeit, Sinnlosigkeit, Suizidalität etc.
Das können sowohl Entzugssymptome als auch noch Folgen der Psychose sein. Vermutlich eine Kombination aus beidem. Entzugssymptome treten oft zeitverzögert auf.

Sie nimmt aktuell also gar nichts mehr?

Ich denke, sie hat zu schnell abgesetzt. 4 Wochen nach dem Absetzen ist die Wiedereindosierung einer Kleinstmenge zumeist noch möglich. Ich denke, sie könnte es zunächst mit 0,1 oder 0,2 mg versuchen.

liebe Grüsse,
padma
Diagnose: somatoforme Schmerzstörung ,Fibromyalgie
seit 2002 Fluoxetin zur Schmerztherapie

Quasi - Kaltentzug 2012, Wiedereindosierung, schleiche im :schnecke: Tempo aus
Absetzverlauf:
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25.10.2019: 0,01 mg bin auf der Zielgeraden angelangt :D



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Anu
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Registriert: Sonntag, 17.11.19, 14:32

Re: Anu: Olanzapin Ausgeschlichen, Entzugserscheinungen?

Beitrag von Anu » Dienstag, 26.11.19, 13:42

Huhu ihr lieben,

also erstmal entschuldige, dass ich so lange gebraucht hab um auf eure Kommentare zu antworten. Wie es so ist, war viel los... mit dem ganzen Chaos was gerade unser Leben betrifft und dann noch ganz viel Arbeit und dem Geburtstag meiner Freundin bin ich nicht früher dazu gekommen..
padma hat geschrieben:
Montag, 18.11.19, 18:42
Deine Freundin hatte also eine substanzinduzierte (vermutlich Drogen) Psychose. Es ist ganz wichtig, dass sie nie wieder mit Drogen und ähnlichem experimentiert, dann hat sie eine sehr gute Chance auf ein psychosefreies Leben.
Vermutlich... die einen sagen es wäre ne Drogen induzierte Psychose, die anderen sagen es wäre ne Akute vorübergehende polymorphe psychotische Störung mit schizophrenen Symptomen und auf der Krankschreibung steht Verdacht auf paranoide Schizophrenie...
Wenn man im Nachhinein die Ereignisse betrachtet, drängt sich eigentlich mehr die Akute vorübergehende psychotische Störung auf. Der schnelle Beginn (1 Woche nach den Drogen...) und eigentlich auch das abrupte Ende nach weniger als 3 Wochen. Sowie die vermutlich für fast jeden super stressigen Ereignisse die vorangegangen waren. In dem Augenblick waren Drogen auch die vermutlich schlechteste idee... im Nachhinein betrachtet.
Auf jeden Fall bleiben die Finger weg von Substanzen. Nochmal sowas wie gerade muss nicht sein. Nur müssen wir auch die anderen Ereignisse betrachten und auch da schauen, dass sie nichtmehr (oder wenn es trotzdem passiert, vorbereitet) in solche Situationen schlittert.

Das können sowohl Entzugssymptome als auch noch Folgen der Psychose sein. Vermutlich eine Kombination aus beidem. Entzugssymptome treten oft zeitverzögert auf.

Sie nimmt aktuell also gar nichts mehr?
Sie nimmt gerade nichts. Genau. Vor ein paar Wochen ab und an, wenn’s dolle wurde 0,5mg lorazepam.


Ich würde gern die letzten Tage noch kurz zusammenfassen denn eigentlich waren die garnicht mal so schlecht.
Am 18. November ging es ihr wieder plötzlich relativ gut! Was mich sehr gefreut hat :) klar, die Hoffnungslosen Gedanken waren immer noch da, jedoch weniger präsent, sagt sie. Daher hat sie nun auch nichtmehr ne kleine Menge genommen. Ging ja Bergauf! Und überreden nochmal was zu nehmen wollte ich nun auch nicht. Das bessere Gefühl hielt dann auch immer länger an. Ich schätze es waren gut zwei Tage in denen wir wieder etwas Luft hatten zum Atmen. Klar, das ging auch nochmal nach unten. Damit hatte ich auch gerechnet. Aber die negativ Symptome halten nichtmehr so lange an wie vorher und sind auch nichtmehr ganz so intensiv.

Dazu gekommen ist nun aber, dass sie nach knapp 4 Stunden Schlaf fast jede Nacht aufwacht... sie hat aber gerade keine Probleme wieder einzuschlafen. Und sowas wie „brain zapps“ also wie ein kleiner elektrischer Schlag durch ihr Gehirn. Ich hab das bisher nur von antidepressiva gehört. Aber da Olanzapin ja auch Serotonin Rezeptoren belegt und an manchen sowohl als agonist und an anderen als Antagonist funktioniert kann ich mir gut vorstellen, dass der Mechanismus ein ähnlicher ist.
Die wassereinlagerungen in Füßen und Beinen sind nun weitestgehend verschwunden und auch die extra Kilos purzeln gerade trotz gleich bleibenden Essgewohnheiten. (Eigentlich super gesund, wie sie trotz der gesunden Ernährung so schnell zunehmen konnte ist auf jeden Fall krass...)

Sie hat definitiv noch gut zu kämpfen mit Hoffnungslosigkeit und interessensverlust. Wobei teilweise Freude an manchen Dingen wieder kommt! Von außen betrachten sehe ich fast jeden Tag ihre Persönlichkeit Stück für Stück wiederkommen :party2:

Was noch ein großes Fragezeichen ihrerseits ist, ist das veränderte Zeit empfinden. Die Tage kommen ihr richtig zäh und lang vor. Obwohl die Tage teilweise gut vollgestopft sind, ist so gut wie jede freie Minute eine Ewigkeit.
Hat das jemand ähnlich? Sie braucht gerade konstant was zu tun, sonst langweilt sie sich zu Tode und fängt an endlos über ihre Zukunft nachzudenken und wie alles verloren scheint :-/

Was gerade noch zusätzlich belastet ist die berufliche Situation. Wir sind seit 5 Jahren gemeinsam selbstständig und der Anfang war definitiv nicht leicht (in der kreativwirtschaft...) trotzdem haben wir es geschafft uns immer weiter zu etablieren und gerade dieses Jahr lief es tatsächlich recht gut. Was auch mehr Druck und Stress erzeugt hat, keine Frage. Während ihrer Psychose hat sie sich noch sehr stark damit identifiziert. Nur nach ihrem Krankenhaus Aufenthalt scheint es so, als hätte sie sich komplett distanziert davon.

Sie will am liebsten einen festen Arbeitsvertrag in einem komplett anderen Berufszweig. Da ne zweite Ausbildung oder Studium nicht mal eben kurz geht und direkt zum Erfolg führt, ist das ne ziemlich frustrierende Situation...
was zu der „verlorenen Zukunft“-s Angst einen guten Batzen beiträgt.
Für mich kommt das ganze ziemlich unerwartet, ich hab damals meinen Beruf aufgegeben um sie mit in ihrer Selbstständigkeit zu unterstützen. Wir hatten eine großartige Zeit bisher. Das leugnet sie auch garnicht, sie vermisst das sogar. Aber sie hat das Gefühl als wäre jedes Interesse an ihrer Arbeit verloren und was nun zählt wäre ein sicherer Job.
Ich Versuch sie so gut es geht auch darin zu unterstützen. Aber was zu finden, wenn sie keine Interessen und Motivation hat stellt sich als schier unmöglich heraus 😓
Ihre Therapeutin und ich versuchen ihr zu raten sich nicht so viel Druck zu machen. Das richtige wird schon kommen, aber aus ihrer Situation heraus muss! Das nun direkt sein...

Phuu.. manchmal bin ich richtig ratlos.

Entschuldigt den ewig langen Text... ich schreib das für sie, damit sich vielleicht manche fragen lösen lassen.
Sie hat teilweise das Gefühl, dass ihre Situation nicht zu vergleichen ist mit anderen und ihre Interessen, Motivation und Lebensfreude nichtmehr zurückkommen würden :( obwohl sie teilweise bereits wieder da sind. Ich kann mir das als nicht Betroffener unmöglich vorstellen wie das Gefühl ist. Kennt das jemand? Und kamen die Interessen und die Kreativität wieder?

Ganz liebe Grüße und eine wunderschöne Woche wünsch ich allen 🍀

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