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Flatterina: Citalopram-Absetzen > langer Erfahrungsbericht und Fragen zu Niktoin/Nahrungsergänzung

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Flatterina
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Flatterina: Citalopram-Absetzen > langer Erfahrungsbericht und Fragen zu Niktoin/Nahrungsergänzung

Beitrag von Flatterina » Sonntag, 10.11.19, 23:38

Hallo zusammen,

nachdem ich seit einer Weile still mitlese, stelle ich mich heute einmal vor. Zum einen, weil ich beim Absetzen immer wieder Opfer meiner eigenen Ungeduld werde und ein wenig Kontrolle durch den Gang an die geschützte Öffentlichkeit hier im Forum sicher hilfreich wäre, zum anderen, weil ich einen Ratschlag zum Nikotinentzug und zu Nahrungsergänzungsmitteln bräuchte.

Zunächst meine Geschichte. Die ist ganz schön lang geworden. Ihr könnt daher gerne direkt zum letzten Abschnitt mit meinen beiden Fragen springen :). Aber es tat gut, mir das einmal von der Seele zu schreiben und es für mich zu strukturieren.
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Seit Juli war ich auf 2,0 mg Citalopram und die ganze Zeit stabil und ohne Entzugssymptome. Vor ein paar Wochen meisterte ich dann einige schwere Situationen und das, ohne dabei in depressive Gedanken zu rutschen. Ich fühlte mich unbesiegbar und war bereit für den nächsten Absetzschritt. Statt endlich vernünftig zu sein und mich an die 10%-Empfehlung zu halten, dachte ich, es würde bei mir sicher auch mit 20 % weniger gehen. Ich reduzierte also auf 1,6 mg Citalopram. Tja, ich habe mich geirrt. Nun sitze ich hier mitten in der Depression und mit starken kognitiven Einschränkungen. Mein Gedächtnis funktioniert nicht richtig, mein Gehirn kribbelt, Konzentration kostet mich große Anstrengung (auch das Schreiben dieses ellenlangen Textes, wie ihr euch denken könnt), meine Gedanken kreisen, ich habe oft wenig bis gar keinen Antrieb und weiß nicht, wie ich die Arbeit überstehen soll. Vorgestern habe ich nach ca. 5 Wochen wieder etwas eindosiert und bin hoch auf 1,8 mg gegangen. Ich hoffe, die Wirkung wird sich in den nächsten Tagen zeigen, bisher habe ich ja immer gute Erfahrungen damit gemacht. Nun habe ich mich aber hier im Forum durch die ganzen Infotexte gelesen und habe zwei Fragen. Ich habe versucht, die Antworten dazu in Threads zu finden, bin aber nicht so richtig fündig geworden.

1. Nachdem ich gelesen habe, wie stark sich Nikotin auf das Gehirn auswirkt, wollte ich sofort aufhören zu rauchen. Ich habe also seit gestern Morgen keine Zigarette mehr angerührt (davor 10-15 Zigaretten am Tag). Meint ihr, das war richtig, oder kann der Nikotinentzug mein Gehirn gerade noch mehr verwirren? (Auf Alkohol und Koffein verzichte ich schon seit einigen Monaten).

2. Ich nehme seit 3 Wochen Kieselerdekapseln (die enthalten Folsäure, Vitamin B2, Vitamin C, Biotin, Calcium, Magnesium u.v.m.), weil ich so starken Haarausfall habe. Mir war bis vorgestern allerdings auch nicht bewussst, dass Nahrungsergänzungsmittel beim Antidepressiva-Absetzen destabilisierend wirken können. Nun meine Frage: Da ich das Zeug schon seit drei Wochen nehme: Sollte ich damit ebenfalls sofort aufhören oder wäre das nun auch wieder kontraproduktiv? Vielleicht habt ihr da Erfahrungswerte. Ich habe gerade einfach nur große Angst, mein Gehirn noch mehr durcheinander zu bringen, als es ohnehin schon ist und will nun endlich die optimalen Bedingungen für das Absetzen schaffen.

Gerade bin ich einfach sehr erschöpft und hoffe, dass es mir bald endlich wieder besser geht. Dieser Thread ist mein Versprechen an mich selber, das nächste Mal nicht wieder zu übermütig und ungeduldig zu sein und das Absetzen nun mindestens mit der 10-Prozent-Regel, ggf. sogar noch langsamer zu gestalten, falls mein Gehirn das benötigt :) :schnecke: .

Falls jemand Erfahrungen zu Nikotinentzug und Nahrungsergänzungsmitteln hat, wäre ich sehr dankbar, aber auch über allgemeine aufmunternde Worte würde ich mich freuen.

Liebe Grüße von Flatterina, die erst mehrfach auf die Nase fallen musste, bevor sie sich auf die 10%-Regel einlassen konnte :wink:
Zuletzt geändert von Annanas am Montag, 11.11.19, 4:09, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Nutzername im Titel ergänzt
Seit Sommer 2010: 20 mg Citalopram
Februar 2018: ca. 14 mg Citalopram
(jeden 3. Tag keine Tablette)
März 2018: 10 mg Citalopram (jeden 2. Tag keine Tablette)
April 2018: ca. 7 mg Citalopram (jeden 3. Tag eine Tablette)
Mai 2018: 0 mg Citalopram >schwere Depression (schwerer als jemals vor den Medikamenten) und Suizidgedanken
Mitte Juni 2018: 5 mg Citalopram
Seit Juni 2018: 4 mg Mönchspfeffer wegen starkem PMS
22.4.2019: 2,5 mg Citalopram > Keine Absetzsymptome, abgesehen von erhöhter Sensibilität
Seit 1.5.2019: Auf ärztliche Empfehlung: 20 mg Mönchspfeffer wegen PMS (wirkt gut)
20.5.2019: 1,25 mg Citalopram > Starke kognitive Einschränkungen, Überreizung, kann Alltag nur mit Ohrstöpsel bestreiten, psychisch aber völlig stabil
26.6.2019: Hoch auf 2,0 mg Citalopram > nach 2 Wochen funktioniert Gehirn wieder einwandfrei
24.9.2019: 1,6 mg Citalopram > starke kognitive Einschränkungen, Depression
8.11.2019: Hoch auf 1,8 mg Citalopram > kreisende Gedanken gehen kurzzeitig zurück, kehren wieder, Depression wird immer schlimmer, kann nicht mehr aufstehen, 2 Wochen Krankschreibung, Kribbeln im Gehirn, schnell überreizt, überfordert
5.12.2019 ich bin am Ende und setzte auf 2,0 mg hoch, innerhalb weniger Stunden bessern sich die Gedanken, etwas mehr Antrieb, kribbelndes Gehirn bleibt

Kaenguru
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Re: Flatterina: Citalopram-Absetzen > langer Erfahrungsbericht und Fragen zu Niktoin/Nahrungsergänzung

Beitrag von Kaenguru » Montag, 11.11.19, 8:28

Hallo Flatterina :)

willkommen im ADFD.

Hier zunächst einige wichtige Punkte zum Austausch im Forum:

Das ADFD ist ein Selbsthilfeforum und lebt vom gegenseitigen Austausch von Betroffenen untereinander. Mit der Anmeldung hast du dich für gelebte Selbsthilfe und aktiven Austausch auf der Basis der bereitgestellten Informationen entschieden.

Bitte beachte, dass im Forum keine medizinischen Ratschläge gegeben werden. Du entscheidest dich selbstverantwortlich, ob du etwas von den Erfahrungen anderer Betroffener umsetzen möchtest.

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Bevor du dich am Austausch beteiligst, lies dich bitte zunächst unbedingt in unsere Grundlageninfos zum Absetzen von Antidepressiva ein: Infoartikel: Ausschleichen von Antidepressiva und Erste Hilfe - Antidepressiva absetzen



Dies hier ist jetzt dein persönlicher Thread. Hier kannst du über deine Erfahrungen mit deinem Absetzverlauf berichten und dich mit anderen darüber austauschen. Du kannst hier auch deine Fragen zu deinem Absetzprozess stellen.


Damit du Rückmeldungen zu deinem Absetzverlauf bekommen kannst, ist es erforderlich, dass du eine Signatur erstellst. Die Anleitung wie das geht und was rein gehört findest Du hier: Signatur erstellen


Erfahrungen mit dem Umgang mit entzugsbedingten Schwierigkeiten/Symptomen findest du in den Bereichen Umgang mit dem Entzug und Gesundheit. Eine Übersicht über ausgewählte Themen findest du unter Was finde ich wo im Forum? Bitte benutze auch die Suchfunktion oben rechts.

Uns ist ein freundlicher, wertschätzender Umgang im Forum sehr wichtig.
Dazu gehört, Beiträge mit einem "hallo" zu beginnen und einem Gruß zu beenden.
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Wenn du Kraftausdrücke verwenden willst, benutze dafür bitte den censored smiley, also z.B. sch :censored: Beachte bitte auch unsere Regeln.

Damit die Beiträge besser lesbar sind, füge bitte Absätze und Leerzeilen ein.

Es kann etwas dauern, bis du eine persönliche Antwort auf dein Anliegen bekommst, bitte habe dann etwas Geduld.

Wichtig: Du wirst nicht automatisch darüber informiert, wenn du Antworten in deinem thread bekommst! Wenn du eine Information über mail wünschst musst du das zunächst einstellen.

Dein Thread befindet sich aktuell in der Rubrik "Hier bist du richtig". Sobald du im Forum "angekommen" bist, wird er von einem Moderator in die passende Rubrik Antidepressiva absetzen verschoben.


Zu deinem persönlichen Anliegen :) ,
im Forum raten wir im allgemeinen von einem Nikotinentzug im PP-Entzug ab.
Dies ist eine zusätzliche Belastung fürs Nervensystem und könnte alles nur verschlimmern.

Bezüglich Antidepressiva meldet sich sicher noch jemand mit AD Erfahrung.

Ich wünsche dir einen guten Austausch im Forum,

liebe Grüße
Sarah
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Werde bald anfangen Lamotrigin abzusetzen
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Straycat
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Re: Flatterina: Citalopram-Absetzen > langer Erfahrungsbericht und Fragen zu Niktoin/Nahrungsergänzung

Beitrag von Straycat » Montag, 11.11.19, 10:47

Liebe Flatterina,

herzlich willkommen im Forum!
Ich muss gestehen, ich finde mich in vielen Aspekten deiner Geschichte sehr stark selbst wieder. Auch ich habe seit ungefähr dem gleichen Alter eine rezidive Depression und mir ging es auch unter Escitalopram einige Zeit richtig gut. Allerdings trat dann ein Wirkverlust ein und meine Ärztin dosierte einfach immer mehr auf und die Nebenwirkungen wurden unerträglich.

Zunächst mal: großen Respekt, dass du so gut reflektierst und trotz der positiven Wirkung des Citalopram die Schwächen und Unzulänglichkeiten des SSRI erkennst. Du lässt dich durch die gescheiterten Absetzversuche nicht entmutigen - super!

Ich denke die kleine Wiedereindosierung war jedenfalls eine gute Idee. Wie du selbst schon erkannt hast, waren deine Reduktionsschritte häufig zu schnell und zu groß. Wenn du vorgestern wieder eindosiert hast, dauert es vielleicht noch etwas, bis du dich stabilisierst. Ich würde mal auf dieser Dosis bleiben und schauen, wie es dir in den nächsten Tagen geht. Eventuell ist die Dosis von 1,8 mg ausreichend, dass du dich wieder stabilisieren kannst.

Zum Thema Nikotinentzug: Natürlich kann man niemandem dazu raten zu rauchen - ganz klar. Aber da dein Gehirn mit dem Absetzen von Citalopram schon sehr beschäftigt ist, ist es fraglich, ob man ihm den Nikotinentzug noch zusätzlich aufbürden sollte. Ich könnte mir schon vorstellen, dass der zusätzliche Entzug von Nikotin die Absetzsymptome noch mehr triggert oder noch weitere körperliche Symptome hinzufügt.
Vielleicht kannst du beim Rauchen auch erstmal nur die Menge reduzieren? Oder mit Nikotinpflaster zumindest den Nikotinentzug etwas abfedern?

Bei NEM ist es immer eine sehr individuelle Sache, was Menschen vertragen und was nicht. Ich habe hier im Forum schon von Mitgliedern gelesen, bei denen kleine Mengen von Vitaminen Absetzsymptome getriggert habe und andere vertragen es sehr gut.
Ich denke hier ist es sinnvoll, wenn du versuchst möglichst kleine Mengen auszutesten, ob du sie verträgst.
Das Austesten funktioniert aber oft nur, wenn man gerade beim Absetzen relativ stabil ist. Wenn du also gerade ohnehin massive Absetzsymptome hast, ist es schwer zu sagen, was ohnehin vom Entzug gerade kommt und was eventuell von NEM noch zusätzlich verstärkt/getriggert wird.

Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft. Diese depressiven Episoden können unglaublich kräftezehrend sein (ich kenne das :( )
Versuche dir möglichst Stress zu ersparen und haushalte mit deinen Kräften gut! Gönne dir so viel wie möglich an Dingen, die dir gut tun (egal ob ein Spaziergang oder ein warmes Bad oder was es auch ist, das dich entspannt).
Ich hoffe die Depression ist bald vorbei und die Wiedereindosierung führt zu einem baldigen Abklingen der Absetzsymptome.

Liebe Grüße,
Cat
ursprüngliche Symptome ca. 2004: Weinen ohne Grund, grundlose Hoffnungslosigkeit, keine Motivation für irgendwas
neue Symptome (seit Frühling 2017): Panikattacken, Muskelschmerzen und chronische Verspannungen (vermutlich protrahierte Entzugssymptome vom zu schnellen Absetzen von Escitalopram)
Diagnose: rezidive Depression (2006)
Psychotherapie (verschiedene Typen) seit 2004
Escitalopram 2007-2016 zu schnell abgesetzt, danach immer wieder Panikattacken, Unruhezustände und starke Muskelschmerzen/Verspannungen (orthopädisch abgeklärt und o.B.)
vorübergehend auch Lamotrigin , Aripiprazol , Trazodon, Bupropion - alles wieder abgesetzt
Venlafaxin - aktuelles Absetzen seit 04/2018 (wurde aufgrund von Panikattacken - die ich aber mittlerweile eher als protrahiertes Entzugssymptom von Escitalopram sehe - verschrieben)
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Chris76
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Re: Flatterina: Citalopram-Absetzen > langer Erfahrungsbericht und Fragen zu Niktoin/Nahrungsergänzung

Beitrag von Chris76 » Montag, 11.11.19, 10:49

Hallo Flatterina,

ich kann zur ersten Frage etwas sagen.

Nachdem ich 2009 Nikotin kalt abgesetzte, hatte ich entsetzliche Entzugserscheinungen ähnlich wie bei Mirtazapin.
Nikotin wirkt wie ein AD beruhigend im Gehirn. Da du eh schon im Entzug bist, kann ich mir vorstellen, dass ein abruptes Absetzen zu Komplikationen führen kann. Das bedeutet nicht , dass es zwingend bei dir sein muss. Ich kann nur von meiner Erfahrung her berichten.

Was habe ich gemacht: Umstieg auf E-Zigarette und habe alle 6 Wochen das Nikotin halbiert bis ich auf 0 war. Bei jedem Schritt hatte ich Symptome obwohl ich das Mirtazapin noch nicht reduzierte!

Nikotin ist im Entzug nicht zu unterschätzen. Wenn du mal nach Nikotinentzug und Symptomen googlest, findest du genug Einträge die davon berichten.
Ich bin froh, von dem Zeug los zu sein.


LG und alles Gute!
Chris
Meine Vorgeschichte
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25.10.19 Mirtazapin 6,8mg

Mein Thread: viewtopic.php?f=35&t=11664#p145047

Straycat
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Re: Flatterina: Citalopram-Absetzen > langer Erfahrungsbericht und Fragen zu Niktoin/Nahrungsergänzung

Beitrag von Straycat » Montag, 11.11.19, 11:12

Liebe Flatterina,
Lieber Chris,

ich möchte noch kurz anfügen, dass ich selbst auch auf E-Zigarette umgestiegen bin.
Hier kann das Nikotin wirklich sehr langsam reduziert werden und die Schäden durch Verbrennungsstoffe (also die krebserregenden Stoffe) wären immerhin vermieden.
Zum langsamen Ausschleichen von Nikotinsucht kann ich das ebenfalls nur empfehlen.

Liebe Grüße,
Cat
ursprüngliche Symptome ca. 2004: Weinen ohne Grund, grundlose Hoffnungslosigkeit, keine Motivation für irgendwas
neue Symptome (seit Frühling 2017): Panikattacken, Muskelschmerzen und chronische Verspannungen (vermutlich protrahierte Entzugssymptome vom zu schnellen Absetzen von Escitalopram)
Diagnose: rezidive Depression (2006)
Psychotherapie (verschiedene Typen) seit 2004
Escitalopram 2007-2016 zu schnell abgesetzt, danach immer wieder Panikattacken, Unruhezustände und starke Muskelschmerzen/Verspannungen (orthopädisch abgeklärt und o.B.)
vorübergehend auch Lamotrigin , Aripiprazol , Trazodon, Bupropion - alles wieder abgesetzt
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Melina 17
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Re: Flatterina: Citalopram-Absetzen > langer Erfahrungsbericht und Fragen zu Niktoin/Nahrungsergänzung

Beitrag von Melina 17 » Montag, 11.11.19, 13:56

Hallo,

als (mittlerweile seit einem Jahr wieder) Exraucherin und mindestens 30 "Entzüge" hinter mir habend, kann ich nur dringend dazu raten, das Rauchen auf jeden Fall SEIN ZU LASSEN!

Mag es auch triggern, sch.... drauf, die Auswirkungen des Rauchens sind auf jeden Fall schlimmer. Und wenn du jetzt schon einen Tag geschafft hast, solltest du durchziehen. Bei mir hat es immer so fünf Tage gedauert, dann war das schlimmste vorbei. Das "Entzug" oben ist in Anführungszeichen gesetzt, weil es kein wirklicher ist, also nix körperliches (auch wenn man viele körperlichen Symptome haben kann).

Das schlimmst beim Rauchen ist die psychische Gehirnwäsche (von Allen Care sehr gut enthüllt und erklärt) und daß es sehr stark süchtig macht. Nikotin ist in 20 Sekunden in Gehirn und dann wird "herrlich" viel Dopamin freigesetzt (der "Kick", den viele Raucher fast gar nicht mehr wahrnehmen).

Nikkotin an sich wirkt weder beruhigend noch stimulierend, man kann den Dopaminausstoß nur quasi so nutzen, wie man es gerade braucht, daher das rauchen sowohl in Streß-als auch in Genußsituationen.

Es mit Nikotinpflastern oder übers reduzieren zu versuchen, geht übrigens fast immer schief, "normales" aufhören geht so gut wie nur über Schlußpunktmethode.

Komischerweise scheint es aber mit der E-Zigarette über reduzieren zu gehen (vermutlich weil alle Zusatzstoffe der Tabakmafia fehlen), ich hab keine eigenen Erfahrungen, aber schon viel positives gehört und gesehen.

Ich weiß, wir Veteranen können da manchmal nerven, aber wir, die wir Jahrzehnte unseren Körper geschädigt haben, können am besten beurteilen, WIE schädlich das wirklich ist. Und als Nichtraucher ist das eine völlig andere Lebensqualität, also laß den Schwachsinn, dein Körper wird es dir echt danken.

Liebe grüße

Melina
1994 erste Einnahme Doxepin ca 5mg zum Schlafen
1996-1997 Doxepin 20mg, Absetzen problemlos, jedoch ein Jahr gedauert, bis ich mich wieder wie "ich selbst" fühlte
Herbst 2004 erneute Einnahme von Doxepin wegen schwerer depri, raufdosiert auf 100mg
Frühling 2005 Abdosieren von Doxepin, Einschleichen von Citalopram ca 30mg
Frühling 2006 abruptes Absetzen von Citalopram, nach 4 Wochen extreme Depri, wieder Einnnahme; paar Wochen später Ausschleichen über ca 4 Wochen, nach drei Monaten schwere Depri
immer mal wieder Reduktion versucht, kam auch mal bis ca 7,5 mg, aber immer wieder depri, im Lauf der jahre Einnahme zwischen 10 und 40 mg (auch zwischendurch escitalopram)
ca Mai 2018 nach wasserlösmethode in 10% über 4 Wochen von 15 auf 7 mg reduziert, dann instabil geworden, wieder auf 10 mg hochgegangen
09.09.18 auf 9 mg Citalopram reduziert
17.09. zusätzlich 6 bzw 12 mg Doxepin abends zum schlafen (brauch ich oft im Herbst)
ca Anfang Oktober 2018 gleichmäßige Einnahme Doxepin 12,5 mg
24.10.18 8mg Citalopram
24.11.18 ca 7,5 mg
22.12.18 7 mg Citalopram, Doxepin nur noch bei Bedarf (entweder 6,25 oder 12,5 mg)
18.01.19 ca 6,5 mg Citalopram
11.02. 6,4 mg Citalopram
18.02. 6,3 mg
20.02. 6,0 mg
23.03. 5,7 mg
18.04. 5,3 mg
17.05. 5,7 mg (wegen Urlaub. erhoffte bessere Laune)
23.05. 6,0 mg (wegen Ängste im Urlaub)
29.05.5,7 mg (erhoffte positive Wirkung nicht stattgefunden, stattdessen eher weniger Genußfähigkeit)
zwischen 21.05 und 13.06 abends 6,25 bzw 12,5 mg Doxepin, einmal auch wegen starker Ängste 2 mg Tavor und ca 30 mg Doxepin
16.06. 5,3 mg
21.06. 5 mg
19.07. 4,7 mg
20.08. 4,3 mg
11. bis 15.09 12,5 bis 18,75 mg Doxepin (verreist)
16.09. 4,2 mg Citalopram
20.09. 4,0 m
ab ca Anfang Oktober sehr unregelmäßig 12,5 mg Doxepin zum schlafen
10.10.3,8 mg Citalopram
01.11. 3,6 mg
13. 11. erstmalig 25 mg Doxepin zum schlafen (Dosiserhöhung wegen Wirkverflachung)
22.11. 3,4 mg Citalopram

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Re: Flatterina: Citalopram-Absetzen > langer Erfahrungsbericht und Fragen zu Niktoin/Nahrungsergänzung

Beitrag von Chris76 » Montag, 11.11.19, 14:09

Melina 17 hat geschrieben:
Montag, 11.11.19, 13:56
....Komischerweise scheint es aber mit der E-Zigarette über reduzieren zu gehen (vermutlich weil alle Zusatzstoffe der Tabakmafia fehlen), ich hab keine eigenen Erfahrungen, aber schon viel positives gehört und gesehen....

Ich weiß, wir Veteranen können da manchmal nerven, aber wir, die wir Jahrzehnte unseren Körper geschädigt haben, können am besten beurteilen, WIE schädlich das wirklich ist. Und als Nichtraucher ist das eine völlig andere Lebensqualität, also laß den Schwachsinn, dein Körper wird es dir echt danken.
Hallo Melina,

man kann den Nikotingehalt im Liquid selber bestimmen. Man mischt das "Liquid" selber an und versieht es mit flüssigem Nikotin. So kann man eine "Lösung" herstellen. Ich begann mit 6mg Nikotin und reduzierte immer um die Hälfte bis auf 0mg.
So habe ich es geschafft und freue mich wie ein kleines Kind darüber. Ich will und werde nie wieder einen Glimmstengel anfassen.

Für jemanden wie mich der die Packung nicht so eben weglassen konnte eine tolle Alternative. Geraucht habe ich auch ca. 18 Jahre. Viel zu lange!!

LG
Chris
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25.10.19 Mirtazapin 6,8mg

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Re: Flatterina: Citalopram-Absetzen > langer Erfahrungsbericht und Fragen zu Niktoin/Nahrungsergänzung

Beitrag von Ululu » Montag, 11.11.19, 16:56

Hallo Flatterina,

so lange du noch am Absetzen bist, würde ich auf keinen Fall noch einen Nikotinentzug oben drauf setzen.

Dein Gehirn hat dann mit zwei Entzogen zu kämpfen und das kann Symptome massiv verstärken.

Zudem ist es möglich, dass das Nikotin die Aufnahme des Citsloprams in deinem Organismus hemmt und wenn du das Nikotin abrupt weglässt, steht wieder mehr davon zur Verfügung, was dein ZNS extrem belasten kann.
Bei Duloxetin ist das zum Beispiel sicher so. Es steht sogar im Beipackzettel und im Krankenhaus wird entsprechend eingestellt.

Rauchen ist ungesund, das weiß jeder. Wenn man allerdings nikotinentzügig ist, beruhigt das Nikotin durchaus, weil es eben die Entzugsunruhe nimmt.

Mit dem Rauchen aufzuhören ist sicher eine gute Idee. Der momentane Zeitpunkt ist da allerdings nicht der richtige.

LG Ute
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Hinweis:
Das Team sorgt für die Rahmenbedingungen im Forum und organisiert den Austausch. Ansonsten sind wir selbst Betroffene und geben vor allem Erfahrungswerte weiter, die sich aus unserer eigenen Geschichte und aus Erfahrungen anderer ergeben haben.

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Re: Flatterina: Citalopram-Absetzen > langer Erfahrungsbericht und Fragen zu Niktoin/Nahrungsergänzung

Beitrag von Flatterina » Montag, 11.11.19, 22:39

Danke, liebe Sarah für die vielen Informationen! Ich habe mich heute durch zahlreiche Infotexte gelesen, die Videos angeschaut und einige Erfolgsgeschichten gelesen. Das hat mir so viel bedeutet und so viel Mut gemacht - ich kann gar nicht in Worte fassen, wie dankbar ich dafür bin, dass es dieses Forum und die Menschen dahinter gibt!

Denn bisher glaubt keiner meiner Ärzte (oder will es glauben), dass das Absetzen in solch "homöopathischer" Dosis, wie ich sie inzwischen nehme, irgendwelche Probleme bereiten kann :frust: . Da zweifelt man doch manchmal an sich selber ... :(

Danke, liebe Cat für die aufmunternden und verständnisvollen Worte und dafür, dass du so detailliert auf meine Fragen eingegangen bist. Ja, ich werde definitiv noch eine Weile bei 1,8 mg bleiben und meinem Gehirn die Zeit geben, sich daran zu gewöhnen. Gut, dass du mich auch nochmal an das Haushalten mit meinen Kräften erinnert hast, dieser Punkt fällt mir immer am schwersten, weil ich ja nichts verpassen und einwandfrei funktionieren will - obwohl es natürlich niemandem etwas bringt, wenn dann der Totalzusammenbruch folgt. Und auch wenn ich natürlich niemandem ähnliche Erfahrungen wünsche, ist es doch ein beruhigendes Gefühl, nicht allein zu sein. Ich wünsche auch dir weiterhin ganz viel Kraft!

Und danke auch an Chris, Melina und Ute für die Tipps und Erfahrungswerte zum Nikotin!

Jetzt, wo ich darüber nachdenke, erscheint es mir völlig sinnvoll, dass man mit Nikotin während des Absetzens nicht rumexperimentieren sollte. Bei Alkohol habe ich es ja selbst bemerkt, bei Koffein sogar noch viel deutlicher - über Nikotin habe ich bisher gar nicht nachgedacht :roll: . Ich könnte jetzt die kognitiven Einschränkungen, die bei mir ein krasses Entzugssymptom sind, vorschieben, aber ich stand wohl einfach auf dem Schlauch :D .

Dazu muss ich sagen, dass ich schon immer eine On-Off-Raucherin war. Als ich angefangen habe, das Citalipram abzusetzen, habe ich schon seit etwa einem halben Jahr nicht geraucht (Beziehung mit einem Nichtraucher), nach einigen Monaten Citalopram-Entzug habe ich dann wieder angefangen (Trennung), dann mal wieder zwei Monate aufgehört (da viel erkältet) und so weiter. Ich kann also rein vom Kopf her sehr gut von einem Tag auf den anderen (für eine Weile :whistle: ) aufhören, wenn ich einen guten Grund habe. Mein Gehirn nicht weiter zu verwirren, ist auf jeden Fall ein SEHR guter Grund :) . Aber ihr habt recht: In der aktuellen Krise war es vielleicht etwas zu überstürzt. Ich habe also heute wieder ein wenig geraucht und werde den kontrollierten Niktoin-Entzug dann in Angriff nehmen, wenn ich mich wieder stabil fühle und genau beobachten kann, was die geringere Menge Nikotin mit mir macht. Das ist definitiv nur eine Frage des Wanns, nicht des Obs, denn ich weiß ja eigentlich sehr genau, dass du vollkommen recht hast, Melina :).

Aber im Moment möchte ich einfach nur die aktuelle Krise hinter mir lassen und würde alles dafür tun, sie nicht noch zu verschlimmern! Die NEM habe ich daher heute auch erstmals weggelassen und schaue, wie bzw. ob sich das auswirkt.

Nochmals danke an alle, die sich die Zeit genommen haben, meinen Beitrag zu lesen und zu antworten. Ich fühle mich jetzt schon ein kleines bisschen sicherer und nicht mehr so allein an der Absetz-Front :party2:
Seit Sommer 2010: 20 mg Citalopram
Februar 2018: ca. 14 mg Citalopram
(jeden 3. Tag keine Tablette)
März 2018: 10 mg Citalopram (jeden 2. Tag keine Tablette)
April 2018: ca. 7 mg Citalopram (jeden 3. Tag eine Tablette)
Mai 2018: 0 mg Citalopram >schwere Depression (schwerer als jemals vor den Medikamenten) und Suizidgedanken
Mitte Juni 2018: 5 mg Citalopram
Seit Juni 2018: 4 mg Mönchspfeffer wegen starkem PMS
22.4.2019: 2,5 mg Citalopram > Keine Absetzsymptome, abgesehen von erhöhter Sensibilität
Seit 1.5.2019: Auf ärztliche Empfehlung: 20 mg Mönchspfeffer wegen PMS (wirkt gut)
20.5.2019: 1,25 mg Citalopram > Starke kognitive Einschränkungen, Überreizung, kann Alltag nur mit Ohrstöpsel bestreiten, psychisch aber völlig stabil
26.6.2019: Hoch auf 2,0 mg Citalopram > nach 2 Wochen funktioniert Gehirn wieder einwandfrei
24.9.2019: 1,6 mg Citalopram > starke kognitive Einschränkungen, Depression
8.11.2019: Hoch auf 1,8 mg Citalopram > kreisende Gedanken gehen kurzzeitig zurück, kehren wieder, Depression wird immer schlimmer, kann nicht mehr aufstehen, 2 Wochen Krankschreibung, Kribbeln im Gehirn, schnell überreizt, überfordert
5.12.2019 ich bin am Ende und setzte auf 2,0 mg hoch, innerhalb weniger Stunden bessern sich die Gedanken, etwas mehr Antrieb, kribbelndes Gehirn bleibt

Straycat
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Re: Flatterina: Citalopram-Absetzen > langer Erfahrungsbericht und Fragen zu Niktoin/Nahrungsergänzung

Beitrag von Straycat » Montag, 11.11.19, 22:49

Liebe Flatterina,
Flatterina hat geschrieben:
Montag, 11.11.19, 22:39
Denn bisher glaubt keiner meiner Ärzte (oder will es glauben), dass das Absetzen in solch "homöopathischer" Dosis, wie ich sie inzwischen nehme, irgendwelche Probleme bereiten kann :frust: . Da zweifelt man doch manchmal an sich selber ... :(
An solche Ärzte sind (fast) alle hier schon geraten. So etwas ist immer sehr frustrierend.
Aber vergiss nie: Du selbst bist in deinem Körper, nicht der Arzt und auch sonst niemand. Und deshalb entscheidest auch nur DU, was du mit deinem Körper machst.
Lass dich nicht verunsichern. Du musst nicht an dir zweifeln - wir alle hier leider (mehr oder weniger) an verschiedensten Absetzsymptomen. Sie sind Realität, auch wenn manche (oder leider viele) Ärzte und andere Personen sie sich nicht einmal vorstellen können oder wollen.

Alles Gute und weiterhin viel Kraft!
Cat
ursprüngliche Symptome ca. 2004: Weinen ohne Grund, grundlose Hoffnungslosigkeit, keine Motivation für irgendwas
neue Symptome (seit Frühling 2017): Panikattacken, Muskelschmerzen und chronische Verspannungen (vermutlich protrahierte Entzugssymptome vom zu schnellen Absetzen von Escitalopram)
Diagnose: rezidive Depression (2006)
Psychotherapie (verschiedene Typen) seit 2004
Escitalopram 2007-2016 zu schnell abgesetzt, danach immer wieder Panikattacken, Unruhezustände und starke Muskelschmerzen/Verspannungen (orthopädisch abgeklärt und o.B.)
vorübergehend auch Lamotrigin , Aripiprazol , Trazodon, Bupropion - alles wieder abgesetzt
Venlafaxin - aktuelles Absetzen seit 04/2018 (wurde aufgrund von Panikattacken - die ich aber mittlerweile eher als protrahiertes Entzugssymptom von Escitalopram sehe - verschrieben)
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Flatterina
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Re: Flatterina: Citalopram-Absetzen > langer Erfahrungsbericht und Fragen zu Niktoin/Nahrungsergänzung

Beitrag von Flatterina » Dienstag, 12.11.19, 18:22

Danke, liebe Cat. Genau deshalb ist es ja so toll, dass es das Forum gibt und man sich nicht so allein fühlen muss. Heute hatte ich bereits kurze Fenster (bis zu einer Stunde), in denen mein Gehirn sich normal angefühlt hat. Das war sehr erleichternd. Ich hoffe, jetzt geht es Schritt für Schritt bergauf! Liebe Grüße, Flatterina
Seit Sommer 2010: 20 mg Citalopram
Februar 2018: ca. 14 mg Citalopram
(jeden 3. Tag keine Tablette)
März 2018: 10 mg Citalopram (jeden 2. Tag keine Tablette)
April 2018: ca. 7 mg Citalopram (jeden 3. Tag eine Tablette)
Mai 2018: 0 mg Citalopram >schwere Depression (schwerer als jemals vor den Medikamenten) und Suizidgedanken
Mitte Juni 2018: 5 mg Citalopram
Seit Juni 2018: 4 mg Mönchspfeffer wegen starkem PMS
22.4.2019: 2,5 mg Citalopram > Keine Absetzsymptome, abgesehen von erhöhter Sensibilität
Seit 1.5.2019: Auf ärztliche Empfehlung: 20 mg Mönchspfeffer wegen PMS (wirkt gut)
20.5.2019: 1,25 mg Citalopram > Starke kognitive Einschränkungen, Überreizung, kann Alltag nur mit Ohrstöpsel bestreiten, psychisch aber völlig stabil
26.6.2019: Hoch auf 2,0 mg Citalopram > nach 2 Wochen funktioniert Gehirn wieder einwandfrei
24.9.2019: 1,6 mg Citalopram > starke kognitive Einschränkungen, Depression
8.11.2019: Hoch auf 1,8 mg Citalopram > kreisende Gedanken gehen kurzzeitig zurück, kehren wieder, Depression wird immer schlimmer, kann nicht mehr aufstehen, 2 Wochen Krankschreibung, Kribbeln im Gehirn, schnell überreizt, überfordert
5.12.2019 ich bin am Ende und setzte auf 2,0 mg hoch, innerhalb weniger Stunden bessern sich die Gedanken, etwas mehr Antrieb, kribbelndes Gehirn bleibt

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Re: Flatterina: Citalopram-Absetzen > langer Erfahrungsbericht und Fragen zu Niktoin/Nahrungsergänzung

Beitrag von Straycat » Dienstag, 12.11.19, 21:52

Liebe Flatterina,

ja, da ist das Forum wirklich ein Segen. Ich bin auch sehr froh, es gefunden zu haben :)

Ich freue mich, dass es dir besser geht! Ein Schritt in die richtige Richtung :hug:

Noch einige Worte zum Entzug: Er verläuft meistens nicht linear, sondern wellenartig. Es kann also gut sein, dass auch wieder Wellen mit Absetzsymptomen auftreten.
Wieso schreibe ich dir das? Weil du dich von solchen Wellen nicht verunsichern lassen sollst. Auch sie gehen dann wieder zurück und es kommen Fenster ohne Absetzsymptome oder mit milderen Symptomen.

Alles Gute weiterhin,
Cat
ursprüngliche Symptome ca. 2004: Weinen ohne Grund, grundlose Hoffnungslosigkeit, keine Motivation für irgendwas
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Re: Flatterina: Citalopram-Absetzen > langer Erfahrungsbericht und Fragen zu Niktoin/Nahrungsergänzung

Beitrag von Flatterina » Sonntag, 17.11.19, 22:41

Liebe Cat,

vielen Dank für deine Nachricht. Irgendwie habe ich das mit der Benachrichtigung nicht richtig eingestellt und habe deinen Post gerade erst entdeckt. Ja, es ist in der Tat ein Auf und Ab. Konzentration und Gedächtnis kommen langsam, aber stetig zurück und am Donnerstag hatte ich sogar einen Tag gute Laune und sehr gesunde, nicht "selbstzerfleischende" Gedanken - das war dann wohl ein Fenster. Ich konnte vieles gelassener und realistischer sehen. Aber gerade habe ich auf der Arbeit eine sehr unschöne Situation mit vielen Herausforderungen und schwups - heute stecke ich wieder ganz tief drin in der Depression, fühle mich isoliert und überfordert.

Mein größtes Problem ist, in solchen Situationen an den Entzug zu glauben und das Ganze nicht als Rückfall in alte Muster zu werten. Vielleicht geht es einigen von euch ja auch so? Mein Kopf sagt mir dann: "Du kannst es einfach nicht ohne Medikamente, du musst sie wieder nehmen. Warum tust du dir und deinen Freunden und Angehörigen diese Qual an, wo es doch einfacher gehen würde." Denn seit ich absetze, muss sich ständig jemand um mich kümmern und es geht mir einfach nicht gut. Ich wiederum kann nicht mehr so gut für andere da sein, weil ich ständig mit mir selbst beschäftigt bin. Nach 8 Jahren stabilem Zustand auf 20 mg Citalopram verliere ich dann manchmal aus den Augen, warum ich mir den Entzug antue. Kennt ihr das? Was hilft euch in solchen Situationen?

Liebe Grüße, Flatterina
Seit Sommer 2010: 20 mg Citalopram
Februar 2018: ca. 14 mg Citalopram
(jeden 3. Tag keine Tablette)
März 2018: 10 mg Citalopram (jeden 2. Tag keine Tablette)
April 2018: ca. 7 mg Citalopram (jeden 3. Tag eine Tablette)
Mai 2018: 0 mg Citalopram >schwere Depression (schwerer als jemals vor den Medikamenten) und Suizidgedanken
Mitte Juni 2018: 5 mg Citalopram
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22.4.2019: 2,5 mg Citalopram > Keine Absetzsymptome, abgesehen von erhöhter Sensibilität
Seit 1.5.2019: Auf ärztliche Empfehlung: 20 mg Mönchspfeffer wegen PMS (wirkt gut)
20.5.2019: 1,25 mg Citalopram > Starke kognitive Einschränkungen, Überreizung, kann Alltag nur mit Ohrstöpsel bestreiten, psychisch aber völlig stabil
26.6.2019: Hoch auf 2,0 mg Citalopram > nach 2 Wochen funktioniert Gehirn wieder einwandfrei
24.9.2019: 1,6 mg Citalopram > starke kognitive Einschränkungen, Depression
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5.12.2019 ich bin am Ende und setzte auf 2,0 mg hoch, innerhalb weniger Stunden bessern sich die Gedanken, etwas mehr Antrieb, kribbelndes Gehirn bleibt

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Re: Flatterina: Citalopram-Absetzen > langer Erfahrungsbericht und Fragen zu Niktoin/Nahrungsergänzung

Beitrag von Straycat » Montag, 18.11.19, 12:27

Liebe Flatterina,

ja ich kenne solche Zweifel auch und viele berichten davon im Forum.
Ich kann dir nur schreiben, wie es sich aus meiner Perspektive darstellt:
Die Psychopharmaka deckeln im besten Fall Symptome von psychischen Problemen. Woher diese Probleme kommen ist sehr unterschiedlich. Manche haben aufgrund eines Trauerfalls oder eines traumatischen Erlebnisses depressive Episoden oder eine Angststörung entwickelt. Bei anderen (bei mir zB und so wie ich das in deinem Anfangspost gelesen habe, ist es bei dir auch so) ist gar kein Auslöser für Depressionen odgl. auszumachen.

Das Problem mit den PP ist, dass sie nie die Ursache in Angriff nehmen, sondern maximal die Symptome "kosmetisch" beheben. Und in vielen Fällen können sie das auch nur eine gewisse Zeit, bis die Wirkung nachlässt (da sind die Ansichten unterschiedlich, ob die ursprüngliche Wirkung nur ein Placeboeffekt ist oder ob man eine gewisse Toleranz entwickelt und dann immer höhere Dosen braucht).

Eine "Falle" ist bei dem ganzen dann sehr häufig das Absetzen. Man setzt zu schnell oder falsch (durch Auslassen von Tagesdosen) ab oder setzt überhaupt kalt ab und bekommt Absetzsymptome, die häufig sehr heftig ausfallen. Logischerweise denkt man dann "Meine Grundproblematik ist zurück, ich muss wieder meine Medikamente nehmen". Leider bestärken viele Ärzte auch noch diesen Irrglauben.

Ich persönlich habe zu schnell abgesetzt, dann auch aufgrund der heftigen Entzugssymptome gedacht ich kann nicht ohne Medikamente und befinde mich nun neuerlich im Absetzen, weil ich für mich erkannt habe, dass die Medikamente meine Grunderkrankung nicht heilen, sondern im besten Fall einige Zeit die Symptome deckeln.

Letztendlich ist es natürlich jedem selbst überlassen, ob er die Medikamente absetzen will. Es ist DEIN Körper und DU entscheidest, was du tust.

Der Fairness halber muss ich dich aber auch warnen, dass bei vielen die AD, wenn man sie einmal abgesetzt hat, bei neuerliche Einnahme nicht mehr so greifen oder sogar zu paradoxen Symptomen führen können. Es ist also auch möglich, dass du Citalopram, wenn du es jetzt wieder langsam auf 20mg hochdosieren würdest, gar nicht mehr so vertragen würdest oder es nicht mehr den gleichen positiven Effekt hätte.

Alles Liebe,
Cat
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Re: Flatterina: Citalopram-Absetzen > langer Erfahrungsbericht und Fragen zu Niktoin/Nahrungsergänzung

Beitrag von Flatterina » Montag, 18.11.19, 21:09

Liebe Cat,

vielen Dank für deine ausführliche Antwort! Besonders hilfreich ist der Hinweis, dass ich mit dem Wiederaufdosieren vielleicht gar nicht den ursprünglichen Zustand zurückholen könnte - das hilft sicher in schweren Zeiten dabei, nicht in die Falle zu tappen, den vermeintlich "leichten" Weg zu wählen.

Was das reine Deckeln der Symptome durch Psychopharmaka betrifft, stimme ich dir natürlich zu. Vor allem in guten Phasen, wenn ich ein gutes Ich-Gefühl habe und nicht depressiv bin, dann bin ich sogar dankbar, dass ich inzwischen wieder mehr spüren kann und bin überzeugt davon, dass ich es auch ohne Medikamente und stattdessen mit anderen Methoden (Meditation, Achtsamkeit generell, mein Leben meinen Bedürfnissen und Grenzen anpassen etc.) aus der Krankheit schaffen kann. Aber wenn ich mitten drin stecke in so einer Phase, nicht richtig "funktioniere" und verzweifelt bin, dann wünsche ich mir die Medikamente so sehr zurück.

Aber ich werde durchhalten, denn ich möchte es ohne "Chemie" schaffen. Ich werde einfach noch ein paar Erfolgsgeschichten hier lesen, damit ich nicht aus den Augen verliere, wofür ich kämpfe.

Ich bewundere dich für deine Kraft und dafür, dass du trotz deiner eigenen Herausforderungen in der Lage bist, anderen Mut zuzusprechen.
Liebe Grüße
Flatterina
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Re: Flatterina: Citalopram-Absetzen > langer Erfahrungsbericht und Fragen zu Niktoin/Nahrungsergänzung

Beitrag von Straycat » Montag, 18.11.19, 22:09

Liebe Flatterina,

ja, in den Depressionstiefen ist es immer am schwersten. Da wünscht man sich einfach Besserung und es ist einem schon fast egal wie.
Manchmal würde ich meine eine Hand dafür hergeben, einfach nicht mehr depressiv zu sein.
Aber die Erkenntnis, dass mir die AD da auch nicht wirklich dauerhaft helfen, hat mich eben zum Absetzen bewegt und nun, da ich weiß wie ich es ohne diesen Horror-Kaltenzug mache, geht es mir besser. Die Depressionen kommen zwar, aber ich weiß auch, dass sie wieder gehen werden.

Ich weiß nicht, wie dein Muster aussieht bei den Episoden, bei mir kommen sie (oder zumindest die besonders heftigen "Peaks" der Depressionen) relativ plötzlich. Ich merke zwar schon, dass etwas im Anrollen ist (vor allem wenn ich ungewöhnlich viel schlafe), aber der komplette Tiefpunkt kommt dann relativ rasch. Dafür geht es dann meistens auch relativ rasch wieder aufwärts zu einem erträglichen Zustand (nicht gut, aber auch nicht komplett schrecklich).
Deswegen kann ich mich über diese schlimmsten Zeiten hinwegretten, in dem ich mir immer sage: Jede depressive Phase war irgendwann zu Ende - auch diese wird es sein. Und dann geht es mir auch wieder gut (zumindest nach einiger Erholungszeit).

Ich nehme jetzt schon so lange AD, dass ich einfach auch wissen will, wie es ohne ist. Und zwar dann, wenn auch die Absetzerscheinungen dauerhaft weg sind.
Ähnlich wie mit der Antibaby-Pille. Auch wenn die Stimmungsschwankungen, schneller fettige Haare, stärkere Menstruationsbeschwerden etc. unangenehm sind - man spürt sich einfach wieder mehr selbst. Also zumindest mir geht es so.

Ich kann dich nur ermutigen weiterzumachen. Ich glaube es ist ein beschwerlicher Weg, aber er lohnt sich.
Und wie gesagt: Die AD sind auch immer nur eine kurzfristige Lösung. Irgendwann wirken sie dann nicht mehr, dann muss man aufdosieren oder wechseln oder gar nichts wirkt mehr. Oftmals ist es irgendwann dann schlimmer als zu Beginn (ich hatte zB durch den zu schnellen Entzug damals dann massive Panikattacken - etwas, das vorher nie Teil meiner Erkrankung war).

Ich wünsche dir alles Gute weiterhin!
Liebe Grüße,
Cat
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Re: Flatterina: Citalopram-Absetzen > langer Erfahrungsbericht und Fragen zu Niktoin/Nahrungsergänzung

Beitrag von Flatterina » Mittwoch, 20.11.19, 22:48

Nochmals danke, liebe Cat!

Normalerweise komme ich auch besser mit diesen Tiefs klar, im Moment häufen sich einfach die Symptome und schaukeln sich, glaube ich, gegenseitig hoch. Konzentrationsschwierigkeiten (etwas, was ich vor den Medikamenten nie hatte), Angstgefühl, das Gefühl neben mir zu stehen, Gereiztheit, kreisende Gedanken, Antriebslosigkeit und Überforderungsgefühl und dazu noch so einige herausfordernde Situationen in meinem Leben außerhalb des Absetzens strengen mich einfach sehr an. Und da bei mir mit den Medikamenten Depression und Angst wirklich fast komplett weg waren - und das konstant über 8 Jahre -, drängt sich dann natürlich immer der Gedanke auf, sie einfach wieder zu nehmen. Nach dem Motto: Warum tue ich mir das an?

Aber wie schon geschrieben, in guten Phasen bin ich ganz bei dir. Und die Argumente, die du nennst, und zusätzlich die erschreckende Erkenntnis, wie stark die Tabletten mich abhängig gemacht haben, wie krass sie also auf mein Gehirn wirken, sorgen ja auch dafür, dass ich immer weitermache. Zum Glück habe ich ein sehr geduldiges und verständnisvolles Umfeld, was mir zur Seite steht und mich jeden Tag daran erinnert, dass es besser wird und warum ich die Tabletten nicht mehr nehmen möchte. Dieser Absetzschritt war vielleicht auch einfach schlecht geplant (wegen der äußeren Einflüsse, wobei die nicht alle vorauszusehen waren). Der letzte Absetzschritt war sehr viel harmloser. Da hatte ich ja "nur" dieses Gefühl der heftigen Überreizung, was furchtbar war, aber sehr viel erträglicher als psychische Downs, der davor hatte sogar nur minimale Auswirkungen.

Ich hatte mir wohl einfach erhofft, dass es mit der Wiedereindosierung schneller wieder bergauf gehen würde, so wie die letzten Male - und bin nun enttäuscht, dass der Kampf weitergeht. Naja, immer ein Tag nach dem anderen! Tief in mir ist immer eine Hoffnung, dass es irgendwann gut wird - manchmal kaum wahrnehmbar, aber immer irgendwie da. Und da Visualisierung bei mir supergut funktioniert, stelle ich mir jetzt einfach ganz fest vor, wie ich in einem oder vielleicht auch zwei Jahren in diesen Thread schreibe, dass ich es geschafft habe und wie gut es mir nun geht :).

Das wünsche ich uns allen! Liebe und nicht völlig hoffnungslose Grüße, Flatterina
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Re: Flatterina: Citalopram-Absetzen > langer Erfahrungsbericht und Fragen zu Niktoin/Nahrungsergänzung

Beitrag von Straycat » Mittwoch, 20.11.19, 23:43

Hallo Flatterina,

ein unterstützendes Umfeld ist gold wert! Ich habe das auch und bin jeden einzelnen Tag dankbar dafür!

Auch die Wiedereindosierung benötigt oft etwas Zeit, um zu greifen. Es kann sein, dass deine Symptome noch zurückgehen.
Für den nächsten Absetzschritt würde ich dir allerdings dann besser mal eine kleinere Dosis empfehlen. Vielleicht eine Reduktion um 5% statt um 10%.
Insbesondere im niedrigen Dosisbereich wird es immer schwieriger mit dem Absetzen. Das liegt bei SSRI an der Rezeptorenbelegung. Hier ein Link dazu: viewtopic.php?f=18&t=8829
Vielleicht willst du ja mal nachlesen, um es zu verstehen.

Mir hilft es immer sehr, wenn ich Dinge verstehen kann - warum auch immer, ich kann sie dann einfach besser akzeptieren. Deswegen lese ich auch viel nach zu den Wirkweisen von PP und dem, was in unserem Gehirn passiert, wenn wir Absetzen. So kann ich es mir fast bildlich vorstellen und damit verlieren die Absetzsymptome etwas von ihrer einschüchternden Macht.

Ich hoffe, es geht bei dir bergauf und deine Absetzsymptome mildern sich.

Alles Liebe,
Cat
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Re: Flatterina: Citalopram-Absetzen > langer Erfahrungsbericht und Fragen zu Niktoin/Nahrungsergänzung

Beitrag von Flatterina » Donnerstag, 21.11.19, 17:04

Danke für den Tipp, liebe Cat! Das werde ich mir auf jeden Fall durchlesen. Auch ich kann Dinge besser akzeptieren, wenn ich sie verstehe :).
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26.6.2019: Hoch auf 2,0 mg Citalopram > nach 2 Wochen funktioniert Gehirn wieder einwandfrei
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