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Die Hölle DURCH SSRI??!
Verfasst: 18.09.2004 23:22
von oldsumsel
Hallöchen,
seit Anfang des Jahres (2004) gehöre ich auch zu den "Angsthasen". Habe seitdem auch schon eine ganz schön irre "Pillenfahrt" auf mich nehmen müssen.
Mein Neurologe verschrieb mir im März 04 einen MAO-Hemmer - nur leider bekam ich davon emense Sehstörungen. Kurz darauf begannen auch meine AGGRESSIVEN ZWANGSGEDANKEN, die mich seither wahnsinnig quälen. Deshalb verschrieb mir der Neurologe dann Clomipramin - ich sollte am Tag 20mg nehmen - doch keine Besserung meiner Gedanken. Ich wechselte den Arzt. Im Juni bekam ich dann Paroxetin verschrieben - ich sollte bis auf 40mg am Tag dosieren. Ich hatte vor dem Zeug allerdings wahnsinnig Angst und "verordnete mir selbst" nur 20mg... KEINE BESSERUNG. Es wurde sogar noch schlimmer. Ständig diese Gedanken, andere aus meiner Familie zu würgen, ein Messer zu nehmen und sie nachts abzustechen...
Vorige Woche war es dann besonders schlimm. Ich konnte nachts nicht mehr schlafen, hatte Angst zu schlafen (schlimmste Alpträume), Schüttelfrost, Gedanken kreisten wie wirr herum. Ständig dachte ich, ich tue wirklich was schlimmes und werde bald ins Gefängnis kommen. Also wieder zum Arzt und seit Anfang der Woche nehme ich nun 20mg FLUOXETIN, was ich auf 40mg steigern soll... Doch diese 20mg machen mich schon ganz gaga... Laufe wie "besoffen" rum, schlimmste Gedanken, irrer Kopfdruck!!! Ich will eigentlich gar keine Tabletten! Habe das Gefühl, sie verändern mich noch mehr und ich bin gar nicht mehr bei mir???
Bei wem ist es vielleicht auch erst durch SSRI so schlimm geworden? Wer hat es abgesetzt? Wie lang wirkt es denn noch im Körper an? Ich habe solche Angst, was das Zeug mit mir anstellt...
Habe schon an Johanniskraut gedacht???
Vielen lieben Dank für eure Antworten!
Susi
P.S. Habe die SSRI hauptsächlich gegen meine Zwangsgedanken verordnet bekommen - gibt es Alternativen?
Verfasst: 19.09.2004 11:28
von CloneX
Hallo Susi,
Meinst du, du hast die Zwangsgedanken durch den MAO-Hemmer bekommen ?
Wie du erkannt hast, können die SSRI auch negativ wirken. Wir haben im Forum jetzt auch schon einige Fälle gehabt wo Zwangsgedanken durch die SSRI schlimmer wurden anstatt besser. Deswegen war es wahrscheinlich gut, dass du nur 20mg Paroxetine genommen hast und nicht 40mg.
Das Problem ist, dass manche diese Medikamente einfach nicht vertragen bzw. es dadurch schlimmer wird. Möglicherweise bist du so ein Fall. Leider wissen noch nicht so viele Ärzte von dieser Problematik und wälzen das auf dem Patienten ab.
Ich kann dir leider keine Alternative nennen, da ich mich da nicht so auskenne und z.B. Linda zur Zeit im Urlaub ist. Vielleicht möchtest du dich auch etwas im Forum umschauen oder du kannst auch die Suchfunktion benutzen.
Wichtig ist, dass du dir nicht einreden lässt, dass alles nur von dir kommt und diese Medikamente soetwas nicht verursachen können. Wenn du selber meinst es ist so, dann höre auf dich.
Verfasst: 20.09.2004 07:56
von Sven
Hallo Susi!
Du beschreibst fast meinen Fall. Hin und wieder leide ich auch an Zwangsgedanken, natürlich meist aggressiver Natur, was sehr belastend sein kann und bei mir dann schließlich zu Dissoziativen Zuständen führt, doch das ist ein anderes Thema. Ich habe 2 mal in meinem Leben Citalopram (SSRI) genommen, einmal Amitiptylin. Letzteres hat mich 2 Monate schläfrig gemacht, das Citalopram hat gerade bei der 2ten Therapie, die ich im März begonnen habe, die Zwangsgedanken verstärkt (gerade zu Anfang massiv) und mich in eine Art Depression geführt, da meine Gefühle und Libido völlig abgeflacht sind. Momentan bin ich beim Absetzen, und zwar pro Woche 1 MG. Nun zu meinen Tipps.
Wenn Du ein SSRI nimmst, dann tu dir den Gefallen und dosiere langsam hoch, z. B. pro Woche um 5 MG (0 - 5 - 10 - 15 - 20 MG ...) das sollte den Anfang erträglicher machen. Bei Zwängen brauchen SSRIs sehr sehr lange bis sie wirken, meist 12 Monate. Anfangs kann alles schlimmer werden und die Gedanken nehmen zu, denn die SSRIs fahren das Hirn (Serotonin um genau zu sein) noch mal ein Stück höher, als es bei der Zwangsstörung es schon ist ... Wenn Du die SSRI absetzt ist es sehr wahrscheinlich, dass die Zwänge wieder kommen. Ich lege Dir also eine Psychotherapie dringendst ans Herz, das ist anstrengend, dauert lange, aber hat keine Nebenwirkungen und Absetzphenomäne gibt es auch nicht!
Mach Dir klar, dass Tabletten nur für die Zeit in der du Sie nimmst die Zwänge unterdrücken und teils miese Nebenwirkungen und Absetzerscheinungen provozieren. Du kommst um eine Psychotheraoie nicht herum, das also als Alternative zu den Medis.
Zum Ansetzen der SSRI, was Du evtl. möchtest. Reduziere ganz langsam, nicht zu schnell, das macht evtl .mehr Probleme als die Sache wert ist. reudizere wieder in 5 MG Schritten, wenn Du empfindlich reagierst 2,5 MG Schrittem (ich muss sogar 1 MG Schritte reinhauen). Tu das in Absprache mir (D)einem Arzt.
Zu Johanniskraut: ja, ich kann es empfehlen, ich habe es lange Zeit benutzt und hatte keinerlei Nebenwirkungen. Die Sache ist die, dass es nicht für Zwänge zugelassen ist, aber es ist erwiesen, dass es den Serotoninhaushalt und auch andere Neurotransmitte positiv beeinflussen kann. sagen wir mal so: nach 3 Monaten Johanniskraut (1200 mg Jarsin am Tag) reduzierten sich die Zwänge um ca. 50 % und ich war happy.
Wichtig ist hier nur, dass Du Johanniskraut NIEMALS!!! mit SSRI kombinieren solltest, dass habe ich gemacht und mir gings superdreckig.Setz SSRI erst ab, dann Johanniskraut! Nehm ein gutes Johanniskraut in aussreichendem Maße, z. B. Jarsin 750 MG zwei mal täglich. Erwarte nicht ein Wunder, es dauert 2 bis 4 Monate bis es wirkt, ähnlich einem SSRI. Zudem wirkt es nur schwach aber immerhin machts die Sache erträglicher. Und ja, Johanniskraut hat auch Nebenwirkungen, vor allem Wechselwirkungen (Packung aufmerksam durchlesen). Ich persönlich habe allerdings nix an Nebenwirkung gemerkt, im Gegenteil, ich habe abgenommen, habe besser gechlafen und fühlte mich erstaunlich ausgeglichen. Just try it. O.K. Du kannst mich gerne kontaktieren, ich kenne mich gerade mit Zwängen aus ;o). Lies ruhig auch meine Fragen hier vom 17. Septmeber. Wünsch Dir alles Gute, vor allem Geduld.
Sven
Verfasst: 20.09.2004 09:02
von Sven
Hallo Susi, kleine Ergänzung.
Ich bin kein Arzt aber ich habe viel gelesen und am eigenen Leib getestet ... Bilde Dir also eine Meinugn und sieh es nicht unbedingt als Empfehlung...
Um Objektiv zu bleiben und Dir die Sache mit den Medis nicht zu vermiesen noch ein paar Facts über Zwänge und Medis für Zwänge:
Bei Zwängen sollen wirksam sein die Medis:
Clomipramin (Trizykla)
Imipramin (Trizykla)
Alle SSRIs
Bei SSRIs und den 2 Trizykla liegt die Wirklatenz (Zeit bis die Medis wirken) bei 8 bis 12 Wochen!
Du musst also Geduld mitbringen. Wenn ein Medi nach 4 Wochen noch nicht ,,greift" hat das allein gar nichts zu sagen, es könnte wirklich noch wirken ...
Bei Zwängen muss meist höher als bei Depressionen dosiert werden (anstatt 20 MG womöglich 40 oder gar 60, aber das muss der Arzt entscheiden)
Kaum bzw. unwirksam:
Andere Trizykla (Amitryptilin, Doxepin, etc.)
NSRI wie Reboxetin
Bezodiazepine (Valium etc.)
Tetrazykla wie Nortryptilin
Neuroleptika (zwar teilweise wirksam im Sinne einer Dämpfung, dafür aber schwerste Nebenwirkungen und unzureichend untersucht)
Evtl. Wirksam (Wirksamkeit wird noch klinisch untersucht)
Johanniskraut, standardisiert
Duale Noradrenerge Serotonerge Wideraufnahmehemmer
Fakt ist zudem:
bei manchen bewirken die Medis Wunder, bei manchen passiert rein gar nichts, bei einigen (wie bei mir) wird alles noch unerträglicher.
Ich halte nichts von SSRI muss aber fair bleiben und sagen, dass es Leute gibt die darauf schwören!
Eines muss Dir klar sein: Um mit Medis eine Zwangsstörung auszumerzen, müsstest Du das Medikament wahrscheinlich für immer (!!!) nehmen.
- 90 % der Zwangskranken erkranken erneut nach Beendingung der SSRI Medikamente entweder sofort wieder oder Monate später wieder an den alten Zwängen
- Es gibt wenig und womöglich gar keine Langzeitstudien über SSRIs, kann sein, dass sie keine Langzeitfolgen (Schäden) verursachen oder sie haben eben doch welche
kann sein das die Wirkung mit der Zeit nachlässt und man immer höher dosieren muss (wie bei Benzos) kann sein aber dass das nicht stimmt.
- Kann sein dass man abhängig von den Medis wird, oder eben nicht, ich habe jedenfalls erhebliche Absetzprobleme und viele in dem Forum auch.
- Medis können nie eine Psychotherapie ersetzen, weder bei Zwängen, bei Panik oder Depressionen, egal was Dir die Fachärzte verzählen wollen,
von wegen Gepräche sind unnütz, Sie sind unheilbar, endogen krank, Gene kaputt, da helfen nur Pillen -> das ist alles Müll und eine Frechheit obendrein!
Die machen es sich so einfach wie nur irgend möglich (sind auch nur Menschen mit Stress)
und geben Dir irgendwelche (Wunder)Pillen die ratzfatz alles lösen sollen, nur wieso gibts dann überhaupt noch psychisch Kranke und sogar Kliniken für ,,uns Bekloppte" ???
- Fakt ist auch, dass die Mediziner nicht wirklich wissen, was bei Zwängen, bei Depressionen oder Psychosen im Gehirn wirklich biologisch geschieht. Sie vermuten und
schlussfolgern und testen, mehr nicht. Und die Docs wissen freilich auch nicht wie SSRIs genau funktionieren, sie vermuten mal wieder und testen (z.B. auch an Ratten und Mäusen)
- Ich für mein Teil bin ein Teil der Gesellschaft und Mensch, ich lass mich nicht mehr ruhigstellen und mir irgendwelche Scheiße erzählen von wegen ich habe schlechte Gehirngene geerbt,
die Herren Ärzte machen es sich manchmal etwas einfach.
@sven
Verfasst: 20.09.2004 10:37
von DarkAngel
Hi Du,
ich komm von der anderen Richtung (also Depri).
Bei mir schlugen die AD's gut an (zumindest bis jetzt, nun wirken sie nach 3 Jahren nicht mehr...)
Ich weiss nicht, ob Du das beurteilen kannst, wenn die AD's bei Dir nie gewirkt haben (ausser Nebenwirkungen natürlich...)
-bringt Therapie wirklich so viel, wie AD's bei voller Wirksamkeit bringen (also ein NORMALES Leben OHNE Probleme...) oder sind das lediglich nur "Schmerzlinderungsmöglichkeiten" mit der gleichen Unsicherheit wie AD's und auch der Gefahr von Nebenwirkungen (nämlich einen unfähigen Doc, der einen mit einem ausgegrabenen Haufen Scheisse alleinlässt)???
-wie lebst Du mit Therapie&Naturzeugs so??? Gehts "normal"?
CU
Dark Angel
Verfasst: 20.09.2004 12:33
von Sven
Hallo Darkangel,
logisch kann ich nur für mich sprechen, mag schon sein, dass die Medis bei anderen Patienten sehr gut wirken. Ist auch nicht so, dass die Medis gar nicht wirken, sie wirken und unterdrücken die Zwangsideen, aber der Preis den ich zahle ist hoch: 2 Monate lang sind die Gendanken massiv stärker, dann werden Sie schwächer. Irgendwie unterdrücken die SSRIs dann auch meine Libido und auch andere positiven Gefühle. Die Gedanken sind zwar weg, dafür komm ich mir vor wie ein ,,Eisklotz".
Naja, so fremd sind Zwänge den Depressionen auch nicht, denn bei Depressionen grübelt man auch oft sinnloses Zeugs, und im Gegenzug, wenn du täglich daran zwanghaft denken musst Dich vor irgendwelche Autos zu schmeissen, oder aber beim Zwiebelaschälen die unschönen Gedanken hast Deine Mutter die zu Besucht ist abzustechen, dann bist Du wirklich sehr sehr unglücklich, erschrocken über Dich selbst und fühlst eine schreckliche Ohnmacht... viel bekloppter kann ne Depression auch nicht sein.
Die Therapie bringt die Störung auf ein erträgliches level, ich kann damit leben, wenngleich die Dissoziativen Zustände (Depersonalisation) schwer wieder weggehen, aber dafür gibts auch keine Medis. Also nur Schmerzlinderungsmöglichkeiten, dafür aber keine Nebenwirkungen.
Zwänge sind nunmal nahezu unheilbar, man muss mit einem Rest ,,leben lernen".
Ich lebe mein Leben mit der Hoffnung, dass ich irgendwann wieder 2 bis 3 Jahre Ruhe vorm nächsten Schub habe und dass meine Therapie das dann
,,ausgleichen oder abmildern" kann.
Wie gesagt, was mir ,,natürlich" geholfen hat:
Sport, Sport, Sport - Joggen lindert Angst und depressive Gefühle, warum weiss ich nicht!!! Nebenwirkung: Muskelkater, weniger Kilos auf der Waage.
Sonne tanken, warum das wirkt ebenfalls keine Ahnung.
Nebenwirkung: naja wenns übel läuft Hautkrebs.
Johanniskraut, wirkt nach ca. 3 Monaten leicht antidepressiv und lindert Zwänge etwas, jedenfalls bei mir. Nebenwirkungen: habe abgenommen und habe ca. ne halbe Stunde pro Nacht länger geschlafen, seltsamer weise habe ich weniger Lust auf Alkohol wenn ich Johanniskraut nehme,
aber das war angenehm wie ich fand. Naja wenn ich zurückblicke, dann hätte ich gescheiter das Johannikraut weitergenommen. Aber ich wollte 100 % Heilung vor Zwängen und DP und glaubte meine Psychiater der sagte ich sei endogen und schwer depressiv und somit ein klarer Fall für SSRI!
Ich esse fast täglich Fisch, ob das was bringt, ebenfalls keine Ahnung, aber gesund isses allemal. Nebenwirkung: null.
Ich lenke mich ab wenn mal wieder üble Gedanken hochkommen, höre ich laute Musik, rede mit leuten, gehe Joggen...
Aber das lindert alles nur, geheilt bin ich nicht und ich erwarte auch keine Wunder mehr. Sagen wir ich bin zu 65 % normal, wenn ich die SSRI abgesetzt habe und wieder Jarsin (J.-Kraut) nehme und die Therapie gut beende komme ich auf vielleicht wieder auf 85 % - 90 % -> das wäre für mich ein tolles Ergebnis, wo ich ja auch schon mal war für 3 Jahre!!!
Sven
...
Verfasst: 20.09.2004 19:47
von oldsumsel
Hallo ihr lieben,
zuerst einmal ein ganz herzliches "Dankeschön" - ich hätte echt nicht mit solch lieben Postings gerechnet!!!
Ich habe am Donnerstag einen Termin bei meinem Neurologen - möchte unbedingt weg von den SSRI! Vielleicht bleiben dann meine Zwangsgedanken, aber ich habe wenigstens das Gefühl, einen "klaren Kopf" zu haben!? - Auf jeden Fall ist es derzeit für mich unerträglich. Vielleicht hat sich mein Körper auch schon die ganze Zeit gegen das Zeug gesträubt??? Ich fühle mich auch streckenweise echt von den Ärzten veräppelt - ich wiege so wenig und dann verschreibt die mir auch noch das Fluoxetin, was eigentlich zu GewichtsABNAHME führt!?
@ Sven: Eine Verhaltenstherapie habe ich gerade abgebrochen, da ich absolut nicht mit dem Therapeuten in Einklang kam...
Will mich aber um eine neue Therapie kümmern. Auch ich weiß, wie schlimm diese Zwangsgedanken sein können - ich empfinde sie mittlerweile schlimmer als die "Angst" an sich... Auch möchte ich im Oktober mein Studium wieder beginnen - da brauche ich einen klaren Kopf!
Als Frage an alle: wenn ihr so schrittweise reduziert - habt ihr das Zeug dann FLÜSSIG verschrieben bekommen??? Hoffe, es gibt Fluoxetin flüssig?!
Kann man während der Zeit des Absetzens vielleicht noch ein anderes Mittelchen parallel nehmen, um die "Entzugserscheinungen" zu lindern???
Ich wünsche euch allen so verdammt viel Kraft!!!
LG von Susi!
Verfasst: 20.09.2004 21:35
von SandraF
Hallo Susi,
hast du wegen der aggressiven Zwangsgedanken schon einmal ins Zwangsforum geschaut?
www.zwaenge.de
Meine Tochter hat auch eine Zwangserkrankung.
Viele Grüße
Sandra
Verfasst: 21.09.2004 09:08
von Sven
Hallo Susi.
Ich würde mir die kleinstmögliche Darreichform an Tabletten geben lassen, z.B. gibt es 10, 20, 30 und 40 mg von den meisten SSRI.
Lass Dir 10 geben und teile die Tabletten in kleinstmögliche Teile, ich kann easy 10 mg Citalopram mit dem Modellbaumesser in 8 Teile a 1,25 mg
teilen, noch geringer wäre eh unnütz!
Was kann den Entzug erträglicher machen:
Lenke Dich ab und häng nicht zu viel im Bett oder zuhause herum. Triff Freunde, rede mit ihnen, treibe Sport in einer Gruppe, hauptsache raus raus raus.
Reduziere in kleinen Schritten. Habe Geduld und sage Dir immer wieder das es besser wird!
Du kannst Fischölkapseln nehmen, die helfen dem Gehirn sich besser anzupassen.
Nimm Vitamintabletten; vor allem Vitamine des B - Komplexes sind hilfreich fürs Gehirn.
Versuche Baldriantabletten, aber erwarte nicht eine umhauende Wirkung.
Chemische Hilfsmittel gibt es auch, aber Vorsicht da beisst sich die Katze leicht in den Schwanz:
Benzodiazepine wie Valium beruhigen und ermöglichen leichteres einschlafen.
Achtung Benzodiazepine machen nach spät. 4 Wochen abhängig, und dann heisst es willkommen in
der Hölle des Benzoentzugs! Also eher ungeeignet.
Sedierende also beruhigende ,,alte ADs". Trizykla wie Amineurin oder Doxepin. Die beruhigen, sind angstlösend
machen weniger Probleme beim Absetzen und dämpfen auch Zwangsgedanken.
Der Haken hier: die dämpfen wirklich und Du bist generell (vor allem Anfangs) recht zermanscht im Kopf und schläfrig
so al a Prinzessin Valium ... Zudem kann man die nur mit Vorsicht mit SSRI kombinieren.
Dann haben die logisch auch komische Nebenwirkungen wie einen trockenen Mund und Herzklopfen oder aber leider die totale Gweichtszunahme.
Trotzallem empfand ich Doxepin verträglicher als die SSRIs...
Also es gibt keine wirkliche Alternative ausser durchhalten und (ganz) langsam Absetzen, falls Du das möchtest. Aber sag das bitte deinem Arzt, SSRI absezen ist eben mal nicht ohne!
Wenn Du abgesetzt hast, dann Besprech mit dem Neurologen die Sache mit einem anderen AD oder dem Johanniskraut (ich empfehle Jarsin 750 mg 2 mal täglich)
lass Dich nicht beirren wenn er sagt das sei unwirksam, Jarsin ist in vielen klinischen randomisierten und placebokontrollierten Studien als hilfreich bei Depressionen eingestuft worden
und zwar mir deutlich weniger Nebenwirkungen als bei den SSRI oder Trizykla, zudem kann man Jarsin problemlos und ohne irgendwelche Entzugserscheinungen im Rahmen von 2 Woche easy ausschleichen,
falls auch das nicht bei Dir wirkt oder es Dir nicht bekommen sollte. Falls Du selbst an Dir rumdoctern willst sei hier Vorsicht geboten, Johanniskraut mit SSRI oder TZA kombinieren wäre dumm, denn
da bekommt man üble Kopfschmerzen, Angstattacken und Muskelzuckungen (leichtes Serotoninsyndrom) denn Johanniskraut erhöht auch Serotonin im Gehirn und verstärkt andere ADs in der Wirkung!
Das selbe gillt für Drogen die Serotonin beeinflussen, wie Canabis oder Ectasy: die mit ADs kombiniert und Du bekommst evtl. ein übles Serotoninsyndrom, was im Einzelfall tödlich ausgehen kann!
Ich habe die Erfahruing gemacht, dass Canabiskonsum meine Zwangsgedanken fürchterlich verschlimmert genauso wie die SSRIs, was mich vermuten lässt, dass Zwänge nicht durch zuwenig Serotonin ausgelöst werden sondern vielmehr durch zuviel Serotonin. Das würde auch erklären weswehgen bei einigen nach 3 Monaten die Zwänge unter SSRI schwächer werden, denn das Gehirn gleicht das viele Serotonin durch eine
verminderte Anzahl von Serotoninrezeptoren wieder aus, was weniger Zwänge macht. Allerdings kommen hier auch die Absetzerscheinungen her denke ich: denn setzt man das AD zu schnell ab, kommt es im Hirn plötzlich zu einem Serotoninmangel. Das Hirn kann nicht schnell genug neue Rezeptoren aufbauen und spielt ,,verrückt". Deshalb auch das langsame Ausschleichen: gib deinen Nervenzellen die Zeit sich neu zu formieren! Aber das ist nur meine Theorie, kann genausogut sein das das alles dummes Zeugs ist was ich erzähle. Mache sich jeder sein eignes Bild über Drogen und ADs.
CU , SVEN
...
Verfasst: 21.09.2004 11:36
von oldsumsel
Hallo Sven,
vielen lieben Dank für deine ausführliche Antwort!

Diese Nacht war leider die Hölle für mich. Meine Zunge war richtig "schwer", ich konnte keinen klaren Gedanken fassen und dachte, ich drehe gleich durch... Das Gepiepse meines Wellensittichs, die Geräusche durch das angekippte Fenster, die Stimme im Fernsehen - ich dachte, ich werde wahnsinnig!
Heute geht es auch nicht viel anders. Die Beine sind schwer wie Blei, ich kann kaum geradeaus laufen, fühle mich vollkommen neben mir...
Ich habe Angst, wie noch nie zuvor!!! Jetzt ist Schluß! Ich will nie wieder ein SSRI nehmen!
Außerdem fühle ich mich ständig, als müßte ich laut schreien, ausflippen ect...; furchtbar!!!
Das Herzklopfen und die Schmerzen dazu sind auch nicht normal...
Verfasst: 21.09.2004 12:03
von CloneX
Hi Susi, das sind typische Absetzprobleme, wie ich sie schon oft gehört und selbst erlebt habe. Dabei gerät besonders das Nervensystem durcheinander - alles fühlt sich zu laut an, visuelle Eindrücke sind unangenehm. Sogar Gerüche und so weiter können unangenehm werden.
Du bist jetzt in keinem "normalen" Zustand - also lass dich nicht verängstigen (die Angst bis Panik kann auch vom Absetzen kommen). Es geht auch wieder vorbei.
Wünsch dir viel Kraft.
Bei den B-Vitaminen wie Sven sie oben erwähnt hat würde ich auch vorsichtig sein. Sie können das Nervensystem noch emfindlicher machen. Bei manchen hilft es aber auch. Vielleicht helfen dir Fischölkapseln.
Verfasst: 21.09.2004 12:19
von Sven
mmhhh das hört sich nicht gut an, Du solltest noch heute oder morgen zu deinem Neurologen gehen und ihn bitten Dir zu helfen (er ist dazu verpflichtet, auch ohne Termin oder so!). vielleicht doch mal mit einem Beruhigungsmittel (Diazepam), er kann Dir ja anstatt 10 Tabletten davon nur mal 2 oder 3 geben, sodass Du mal 2 Nächte schlafen kannst.
Da wird man garantiert nicht abhängig und Du scheinst doch recht kaputt zu sein, sodass ein guter Schlaf nicht verkehrt wäre.
Auch wenn Du die SSRI schnell loshaben willst, reduziere wenigstens in 5 mg oder 10 mg Schritten alle 4 bis 7 Tage. Wenn Du von heut auf morgen absetzt, kanns Dich umhauen, denn Du scheinst empfindlich zu sein.
Aber da steckt keiner drinnen...
Nur nicht den Mut verlieren, geh rasch zu Deinem Arzt und erläutere Ihm ganz offen und sachlich wie beschissen Du Dich fühlst, er muss Dir Alternativen bieten! Vielleicht sagt er ja auch Du kannst sofort die Therapie beenden und auf was anderes umsatteln, das müsst Ihr beiden in einem offenen Gespräch klären was in Deiner Situation die meiste Erleichterung schafft, alleine etwas absetzen ohne Absprache mir Ihm kann ich nicht empfehlen, zumal die Ärtze dann recht stinkig werden und sich übergangen fühlen. Kopf hoch das wird wieder.
Sven
Ein folgenschwerer Fehler!!!
Verfasst: 25.09.2004 22:08
von oldsumsel
Hallo ihr,
war am Donnerstag bei meinem Neurologen - allerdings hätte ich mir diesen Besuch echt sparen können. Er hat nur gemeint, ich solle das Fluoxetin ruhig weiterhin einnehmen - oder damit halt aufhören...
Habe dann den schweren Fehler gemacht, und habe zwei Tage gar kein Fluoxetin genommen - von 20 auf 0mg...
Eigentlich muß ich zu meinem Erstaunen sagen, daß die Zwangsgedanken fast weg waren - mir ging es eigentlich auch ganz gut... Allerdings hatte ich heute am späten Nachmittag ständig das Gefühl, die Zunge zum Mundwinkel raushängen zu lassen - mit dem Gefühl, dann die Augen zu verdrehen und gleich "geisteskrank" zu werden... Ich weiß, es klingt komisch, aber bevor ich vor einem halben Jahr mit den ADs angefangen habe, hatte ich auch ständig das Gefühl und Panikattacken, gleich einen epileptischen Anfall zu bekommen (mein Bruder ist Epileptiker - mein EEG ist vollkommen i.O.)... Nun also die Angst vor einer "plötzlichen Geisteskrankheit".. In Gedanken ständig das Bild vor mir, sabbernd, die Zunge hängt raus, Augen verdreht...; habe nach einer massiven Panikattacke schon mit dem Leben abgeschlossen...
Habe dann in meiner Verzweiflung doch wieder meine Fluoxetin genommen - jetzt geht es etwas besser...
Tja, entweder ein Leben mit aggressiven Zwangsgedanken oder ständig das Gefühl haben, durchzudrehen!!!
Leider weiß ich nun auch nicht, WIE ich reduzieren soll, ob ich wirklich durch das Zeug geisteskrank geworden bin oder ich es je wieder losbekomme???
Es grüßt euch eine ganz traurige Susi...