Erfolgsstory
Verfasst: 01.07.2004 01:52
Hallo Zusammen,
erstmal möchte ich den Betreibern dieser Page danken, dass es sie gibt. Hätte ich durch Euch nicht erfahren, dass es sich bei meinen Symptomen um Absetzprobleme handeln kann, wäre ich wahrscheinlich davon ausgegangen, dass ich unheilbar krank bin und hätte das Zeug (Seroxat)wieder genommen.
Andererseits möchte ich auch GSK danken, dass es Seroxat gibt. Hätte ich es nicht genommen, wäre mein Leben immer noch eine Katastrophe.
Aber nun mal der Reihe nach:
Als ich ganz klein war, war ich eigentlich ein sehr fröhliches Kind, Freunde haben manchmal zu mir gesagt "Du lachst immer". Als ich dann in der 5. Klasse auf das Gymnasium kam, änderte sich das. Ich war ganz allein, wurde immer stiller, dicker und so nach und nach zum Aussenseiter. Ich hatte kein Selbstvertrauen und dachte von mir selbst, ich bin halt ein komischer Kauz. Das ging so und wurde immer schlimmer bis in die Pubertät. Da begann ich dann, das ein oder andere Mädel attraktiv zu finden aber erntete natürlich nur Hohn und Spott. Ich dachte, wenn ich jemals ein Mädel für mich gewinnen will, muss ich mich ändern. Also arbeitete ich an mir. Ich wurde schlank, machte mein Abitur, studierte, reiste viel...Ich habe mich weiterentwickelt und komischerweise jedesmal, wenn ich mich in Ausnahmesituationen befand (zB Prüfungen) war ich locker und gut drauf, also dachte ich, ich muss mich einfach mehr anstrengen, dann geht das schon. Bis ich irgendwann an einen Punkt kam, an dem garnix mehr ging. Trotz positivem Denken und Anstrengung war ich nicht mehr gut drauf. Zu dieser Zeit machte ich eine Beobachtung: Jedesmal wenn ich eine Erkältung hatte, war ich wieder gut drauf und zwar schon zu einem Zeitpunkt als ich noch garnicht wusste, dass eine Erkältung im Anmarsch ist. Da wurde mir klar: Da passiert irgendwas chemisches (ich bin Chemieingenieur) in Deinem Körper auf das Du keinen Einfluss hast. Ich kann mich noch so sehr bemühen und positiv denken, wenn einfach die "Chemie nicht stimmt" wird das nichts.
Also ging ich zum Neurologen und erzählte ihm das. Ich hatte Glück und habe einen guten Neurologen erwischt, er hat gemeint, ich wäre depressiv und hat mir Seroxat verschrieben (wobei ich das Wort "Depression" eigentlich nicht mag. Ich war nicht depressiv, ich habe immer positiv gedacht, ich konnte mich nur trotzdem nicht freuen.) Ich habe ihn gefragt, wie lange ich das nehmen soll und er hat gemeint, mindestens zweidrei Jahre, danach könnte man ja mal einen Ausstieg versuchen. Also hab ich es drei Jahre lang genommen. Mein Leben hat sich radikal zum Positiven verändert (allerdings hab ich 10kg zugenommen). Ich bin jetzt wieder so, wie ich als kleines Kind war, fröhlich und unbeschwert. Mir gefiel die Vorstellung aber nicht, mein Leben lang von einer Pille abhängig zu sein, also habe ich es nach drei Jahren eigenmächtig von 20 auf 10mg reduziert (sehr langsam, immer ein bissl mehr abgekratzt) und es ging mir immer noch gut. Ich habe dann noch ein halbes Jahr nur 10mg genommen und mir dann gedacht, ok jetzt versuch ich es ganz ohne. Ich hab es wieder sehr langsam reduziert, aber als ich dann bei etwa 5mg war, ging es los, ich war sehr mies drauf, hatte Schwierigkeiten beim Sprechen und konnte nicht schlafen. Eigentlich hatte ich das auch erwartet, denn wenn es so ist, dass es einem schlecht geht, weil dem Körper eine Chemikalie fehlt und es besser wird, wenn man den Abbau der Chemikalie vermindert, wieso soll es einem dann nicht wieder schlecht gehen, wenn man den Abbau der Chemikalie nicht mehr vermindert (ein Zuckerkranker ist ja auch nicht geheilt, wenn er drei Jahre Insulin spritzt). Also war ich schon drauf und dran es zu akzeptieren, dass ich halt unheilbar krank bin und wollte das Zeug schon wieder nehmen. Da bin ich auf diese Seite gestossen und hab erfahren, dass es sich evtl nur um Absetzprobleme handelt und nicht um das alte Gebrechen. Also habe ich es durchgezogen. Da ich aber wie gesagt nicht ganz davon überzeugt bin, dass es auch ohne geht, nehme ich momentan noch Johanniskraut. Ich werde auch das noch reduzieren, hätte aber auch kein Problem damit, wenn ich es den Rest meines Lebens nehmen müsste.
Ich bin jetzt seit etwa 2Monaten ohne SSRI und es geht mir fast noch besser als mit. Ich bin unglaublich glücklich, dass ich anscheinend wirklich geheilt bin.
Was ich damit sagen will: Ihr braucht zweimal Mut. Das erste mal um Euch einzugestehen, dass es nicht weitergeht und Ihr (medikamentöse) Hilfe braucht. Das zweite mal um wieder damit aufzuhören.
Wenn ich mich in meiner Umgebung umsehe und die ganzen Alkoholiker, Sonderlinge etc sehe, denke ich mir, dass viele bestimmt ein ganz anderes Leben führen würden, wenn sie rechtzeitig mit diesem Zeug behandelt worden wären.
An den Betreiber dieser Site: Ich hoffe er hat genug Grösse, diesen Beitrag nicht gleich zu löschen, weil er etwas positives über SSRI sagt und das nicht in sein Weltbild passt.
erstmal möchte ich den Betreibern dieser Page danken, dass es sie gibt. Hätte ich durch Euch nicht erfahren, dass es sich bei meinen Symptomen um Absetzprobleme handeln kann, wäre ich wahrscheinlich davon ausgegangen, dass ich unheilbar krank bin und hätte das Zeug (Seroxat)wieder genommen.
Andererseits möchte ich auch GSK danken, dass es Seroxat gibt. Hätte ich es nicht genommen, wäre mein Leben immer noch eine Katastrophe.
Aber nun mal der Reihe nach:
Als ich ganz klein war, war ich eigentlich ein sehr fröhliches Kind, Freunde haben manchmal zu mir gesagt "Du lachst immer". Als ich dann in der 5. Klasse auf das Gymnasium kam, änderte sich das. Ich war ganz allein, wurde immer stiller, dicker und so nach und nach zum Aussenseiter. Ich hatte kein Selbstvertrauen und dachte von mir selbst, ich bin halt ein komischer Kauz. Das ging so und wurde immer schlimmer bis in die Pubertät. Da begann ich dann, das ein oder andere Mädel attraktiv zu finden aber erntete natürlich nur Hohn und Spott. Ich dachte, wenn ich jemals ein Mädel für mich gewinnen will, muss ich mich ändern. Also arbeitete ich an mir. Ich wurde schlank, machte mein Abitur, studierte, reiste viel...Ich habe mich weiterentwickelt und komischerweise jedesmal, wenn ich mich in Ausnahmesituationen befand (zB Prüfungen) war ich locker und gut drauf, also dachte ich, ich muss mich einfach mehr anstrengen, dann geht das schon. Bis ich irgendwann an einen Punkt kam, an dem garnix mehr ging. Trotz positivem Denken und Anstrengung war ich nicht mehr gut drauf. Zu dieser Zeit machte ich eine Beobachtung: Jedesmal wenn ich eine Erkältung hatte, war ich wieder gut drauf und zwar schon zu einem Zeitpunkt als ich noch garnicht wusste, dass eine Erkältung im Anmarsch ist. Da wurde mir klar: Da passiert irgendwas chemisches (ich bin Chemieingenieur) in Deinem Körper auf das Du keinen Einfluss hast. Ich kann mich noch so sehr bemühen und positiv denken, wenn einfach die "Chemie nicht stimmt" wird das nichts.
Also ging ich zum Neurologen und erzählte ihm das. Ich hatte Glück und habe einen guten Neurologen erwischt, er hat gemeint, ich wäre depressiv und hat mir Seroxat verschrieben (wobei ich das Wort "Depression" eigentlich nicht mag. Ich war nicht depressiv, ich habe immer positiv gedacht, ich konnte mich nur trotzdem nicht freuen.) Ich habe ihn gefragt, wie lange ich das nehmen soll und er hat gemeint, mindestens zweidrei Jahre, danach könnte man ja mal einen Ausstieg versuchen. Also hab ich es drei Jahre lang genommen. Mein Leben hat sich radikal zum Positiven verändert (allerdings hab ich 10kg zugenommen). Ich bin jetzt wieder so, wie ich als kleines Kind war, fröhlich und unbeschwert. Mir gefiel die Vorstellung aber nicht, mein Leben lang von einer Pille abhängig zu sein, also habe ich es nach drei Jahren eigenmächtig von 20 auf 10mg reduziert (sehr langsam, immer ein bissl mehr abgekratzt) und es ging mir immer noch gut. Ich habe dann noch ein halbes Jahr nur 10mg genommen und mir dann gedacht, ok jetzt versuch ich es ganz ohne. Ich hab es wieder sehr langsam reduziert, aber als ich dann bei etwa 5mg war, ging es los, ich war sehr mies drauf, hatte Schwierigkeiten beim Sprechen und konnte nicht schlafen. Eigentlich hatte ich das auch erwartet, denn wenn es so ist, dass es einem schlecht geht, weil dem Körper eine Chemikalie fehlt und es besser wird, wenn man den Abbau der Chemikalie vermindert, wieso soll es einem dann nicht wieder schlecht gehen, wenn man den Abbau der Chemikalie nicht mehr vermindert (ein Zuckerkranker ist ja auch nicht geheilt, wenn er drei Jahre Insulin spritzt). Also war ich schon drauf und dran es zu akzeptieren, dass ich halt unheilbar krank bin und wollte das Zeug schon wieder nehmen. Da bin ich auf diese Seite gestossen und hab erfahren, dass es sich evtl nur um Absetzprobleme handelt und nicht um das alte Gebrechen. Also habe ich es durchgezogen. Da ich aber wie gesagt nicht ganz davon überzeugt bin, dass es auch ohne geht, nehme ich momentan noch Johanniskraut. Ich werde auch das noch reduzieren, hätte aber auch kein Problem damit, wenn ich es den Rest meines Lebens nehmen müsste.
Ich bin jetzt seit etwa 2Monaten ohne SSRI und es geht mir fast noch besser als mit. Ich bin unglaublich glücklich, dass ich anscheinend wirklich geheilt bin.
Was ich damit sagen will: Ihr braucht zweimal Mut. Das erste mal um Euch einzugestehen, dass es nicht weitergeht und Ihr (medikamentöse) Hilfe braucht. Das zweite mal um wieder damit aufzuhören.
Wenn ich mich in meiner Umgebung umsehe und die ganzen Alkoholiker, Sonderlinge etc sehe, denke ich mir, dass viele bestimmt ein ganz anderes Leben führen würden, wenn sie rechtzeitig mit diesem Zeug behandelt worden wären.
An den Betreiber dieser Site: Ich hoffe er hat genug Grösse, diesen Beitrag nicht gleich zu löschen, weil er etwas positives über SSRI sagt und das nicht in sein Weltbild passt.