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Braucht Ratschläge....hofft auf Hilfe!

Verfasst: 13.02.2011 18:08
von phybee
Hallo zusammen,
puh, ich weiß gar nicht so recht, wie ich anfangen soll. Wie ich euch beschreiben soll, was gerade in mir vorgeht, wie ich euch um Ratschläge bitten soll...falls das überhaupt möglich ist, aber ich leg mal los. Alleine die Gedanken frei werden zu lassen, wird ein Stück weit Ruhe in mir verursachen.

Ich bin (oder war - so sicher ist das noch nicht) mit jemandem zusammen, dem vor circa einem Jahr Burnout diagnostiziert wurde. Zu diesem Zeitpunkt waren wir noch nicht zusammen, aber wir kennen uns seit knapp 4,5 Jahren, waren immer irgendiwe ganz gut befreundet. Im September 2009 kamen wir uns dann zum ersten Mal richtug nahe und es entwickelte sich eine Affäre, dann erfuhr ich, dass er eine Freundin hat, sich aber in mich verliebt hat. Dennoch wollte er seine Beziehung nicht aufgeben, weil er davon überzeugt war, dass wir einfach zu verschieden sind und nicht zusammen passen. Das musste ich akzeptieren,habe mich aber emotional sehr weit von ihm entfernt, wie ich später merkte, habe ich die Gefühle nur verdrängt. Im Februar 2010 haben wir die Affäre quasi beendet, aufgrund seiner Depressionen und seines Burnout, die zu diesem Zeitpunkt festgestellt wurden. Ich versuchte ein Freund zu sein und für ihn da zu sein, somit kamen wir uns wieder näher und im April 2010 wurde dann doch eine Beziehung draus. ( Im März hatte er sich von seiner damaligen Freundin getrennt.) Unsere Beziehung war von Anfang an sehr schwierig, weil wir durchaus einen eher komplizierten Start hatten und sich unsere Charaktere sehr unterscheiden, wir kaum gemeinsame Interessen haben. Dennoch mögen wir uns sehr und sind einander wichtig. Im September,als ich emotional sehr labil war aufgrund von beruflichen Problemen und zusammen gebrochen bin, hat er sich von mir getrennt, mit der Begründung, er kann in seiner Lage nicht der FREUND sein, den ich verdient habe, weil er zu sehr mit seinen Problemen beschäftigt sei. Das hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen. Ich war verzweifelt, habe Tage lang nur geweint. Dann mein Stimmungsumbruch, ich musste stark sein. Ein paar Tage später auf Arbeit (wir arbeiten oft zusammen und sehen uns daher mindestens ein Mal die Woche) sind wir uns dann begegnet und ich war stark, emotional stabil. Schließlich musste ich auf Arbeit professionell sein, was ich auch war. Ich kann das sehr gut trennen, er NICHT! Er kam reuemütig an und hat sich entschuldigt, es wäre der größte Fehler gewesen etc. und er will mich zurück. Ich war sehr unsicher in dem Moment und er versprach mir, dass er genug Kraft für uns beide hätte. Ich wollte ihm so sehr glauben, aber innerlich wusste ich, dass er das nicht schaffen würde.) Doch wir wurden glücklich, sehr sogar, keine Streiterein, keine depressiven Ausbrüche seinerseits, tolle gemeinsame Urlaube. Wir waren uns sehr nahe.
Im Januar 2011 begann er seine medikamentöse Therapie, er nimmt seit dieser Zeit Mirtazapin. Anfangs hat ihn das sehr müde gemacht, aber er hat sich relativ schnell darauf eingelassen und ich habe ihm immer den Rücken frei gehalten. Als Selbstständiger nimmt er teilweise sehr viele Jobs auf einmal an, macht oft Doppelschichten (16-18 Stunden), nebenbei geht er zu einer sehr guten Therapeutin. Sie ist toll, hilft ihm wahnsinnig, den Ursprung seiner Depression zu erörtern und zu bekämpfen (wenn man das so sagen kann.) Seit Dienstag letzter Woche wurde es plötzlich eigenartig zwischen uns, haben uns aufgrund von zeitgleichen Jobs nicht sehen können und dadurch auch nicht wirklich telefonieren können. Gestern dann der erste Tag und es herrschte eine frostige Stimmung. Er erzählte mir dann, wie anstrengend der Freitag auf Arbeit war, 11 Stunden lang ein total besch******* Job, der ihm schlechte Laube bereitet hat, weshalb er sich am Abend auch nicht mehr gemeldet hat. Das Gespräch entwickelte sich zu einer Beziehungskrise und er trennte sich erneut von mir, mit folgender Begründung: Ich wäre ihm emotional zu weit entfernt von ihm (ich kann halt nicht nonstop knutschen, jem. umarmen etc.), was ihn total verunsichert, er hat Angst verletzt zu werden und auch zu verletzen und er glaubt, dass es in einem halben Jahr den großen Knall zwischen uns gibt. Er glaubt einfach nicht an uns, er zieht sich an Kleinigkeiten, sie total banal sind, extrem nach unten und kann nicht mehr das Positive sehen, geschweige denn, die richtigen Prioritäten setzen, also die Probleme gewichten. Ich würde ihm indirekt Druck machen, obwohl ich NIE etwas in der Richtung getan habe, ganz im Gegenteil. Ich habe ihm gesagt, es gibt einen Weg den wir gehen können, ich bin stark, ich kann sehr viel ertragen, die negative Energie aufsauegn, ich könne warten, ich gebe ihm Zeit, damit er sich mit sich beschäftigen kann, ich stelle keine Erwartungen (was ich NIE getan habe) und bin für Ihn da, egal wann und wie er mich braucht. Ich weiß, dass ich das kann.
Doch so richtig überzeugt war er wohl nicht (mein Eindruck) und sagt, er würde sich morgen (also heute) bei mir melden. Ist bisher noch nicht geschehen, was ja auch okay ist, ich erwarte NICHTS.
Dennoch hoffe ich, dass er wieder einmal so reagiert hat, weil er einen Rückfall hatte, der Freitag auf Arbeit ihn extrem runter gezogen hat und sobald er wieder etwas Kraft getankt hat, er zurück kommt und auch sieht, dass doch eigentlich alles gut zwischen uns ist.
Ich weiß nicht was ich tun soll. Was meint Ihr, habe ich noch Chnacen, nützt es noch zu hoffen? Wie soll ich mich ihm gegenüber verhalten? Ich sehe ihn am Donnerstag wieder auf Arbeit und weiß einfach nicht, was ich tun kann, damit er wieder zurück kommt.

Oh Goot, ein ellenlanger Text. Ich hoffe, es ist jemand da, der eventuell schon einmal etwas ähnliches erlebt hat oder mir einfach nur jemand raten kann, wie ich mit depressiven Menschen umgehen soll. Ich bin wirklich verzweifelt, und weine nur noch...Habe große Angst Ihn zu verlieren. Ich möchte ihm so gerne helfen und für Ihn da sein. Kann ich das überhaupt???

Ich danke Euch für´s geduldige Lesen und freue mich auf Antworten.
Lieben Dank

phybee

Re: Braucht Ratschläge....hofft auf Hilfe!

Verfasst: 13.02.2011 18:46
von Das-kleine-Runde
Hallo Phybee :) ,

Herzlich Willkommen!

Ich kann gut verstehen, daß Dich diese Achterbahn sehr mitnimmt, aber leider dient dieses Forum in erster LInie dem Erfahrungsaustausch hinsichtlich Nebenwirkungen und Gefahren von Antidepressiva und anderen Psychopharmaka und der Unterstützung beim Absetzen.
Hast Du Fragen zu den Medikamenten Deines Freundes?

Hier zwei Foren, die sich mit psychischen Problemen an sich beschäftigen und auch Unterstützung für Angehörige bieten:

http://www.psychotherapiepraxis.at/pt-forum/
http://depri.ch/

Liebe Grüße :group:

Re: Braucht Ratschläge....hofft auf Hilfe!

Verfasst: 13.02.2011 19:21
von phybee
Vielen Dank,

in meiner Verzweiflung muss ich das wohl überlesen haben, bzw. hatte ich mich damals hier angemeldet, weil ich mehr über Mirtazapin erfahren wollte.
Ich wollte meine Gedanken einfach loswerden und habe auf Hilfe gehofft...

Danke für die Links, werde mich gleich mal damit beschäftigen.

Mirtazapin: Ist das ein sehr starkes Antidepressiva?
Weißt Du, was das in einem Menschen bewirken kann?

Ich fühl mich gerade nur so hilflos!

Re: Braucht Ratschläge....hofft auf Hilfe!

Verfasst: 13.02.2011 20:08
von mücke
Hallo
Ich wollte meine Gedanken einfach loswerden und habe auf Hilfe gehofft...
Ja, das kann ich gut nachvollziehen.
Da ich keinen von euch kenne ist es schwierig Rätschläge zu geben.
Das erste was mir so einfiel war: Die passen nicht zusammen!.
Ich kann dir nicht sagen warum, aber dieses Herumgeeiere bringt nichts.
Ihr müßtet klären in wie weit ihr beide ein Paar sein wollt.
Wenn ihr beide diese Beziehung wollt, dann könnt ihr daran arbeiten.
Gemeinsamkeiten sind da sehr wichtig.

Rede am Do. mit deinem Freund, erzähle ihm wie es dir geht, wie traurig du bist.
Erzähle ihm von deinen Wünschen, deinen Zukunftsplänen und bitte ihn ehrlich zu sein.
Du wirst ja dann hören was er meint.
Mirtazapin: Ist das ein sehr starkes Antidepressiva?
Mirta gehört zu den sedierenden ADs.
Wie stark es wirkt hängt von der Dosierung ab.
Mirta erhöht das Serotonin und soll auf diesem Weg die Stimmung verbessern.

Ich habe es vor J. genommen. Da keine pos. Wirkung auf die Stimmung auftrat, wurde es wieder abgesetzt.
Schlafen konnte ich davon allerdings gut.

Zum Medikament kannst du hier noch einiges lesen.
http://www.adfd.org/wissen/Fachinformationen sh.: Remeron, Remergil
http://www.sanego.de/Medikamente/Mirtazapin/
Im letzten link kannst du erfahren welche NW häufig auftraten und bei welchen Krankheiten eingesetzt.

Gruss Mücke

Re: Braucht Ratschläge....hofft auf Hilfe!

Verfasst: 13.02.2011 20:22
von phybee
Hallo Mücke,

vielen Dank für Deine Antwort...
Dieses Gefühlschaos bzw. Hin und Her besteht aufgrund seiner Depression.
Daher weiß ich nicht, ob sein "ich trenne mich von Dir" gestern wieder aus einem Rückfall entstanden ist.
Ja wir sind sehr verschieden, aber mein Herz will ihn eben nicht aufgeben, will uns nicht aufgeben.

Ich habe nie verstanden, warum er Antidepressiva angefangen hat zu nehmen.
In der ganzen Zeit habe ich ein einziges Mal mitbekommen, dass es ihm wirklich schlecht geht.
Ansonsten hat er eigentlich immer gute Laune gehabt, wir haben viel unternommen etc.

Kann man Depressionen fast ein ganzes Jahr mit sich alleine ausmachen und Angehörige können das nicht sehen?
Ich meine, es gab Zeiten, in denen wir 10 Tage 24 Stunden lang zusammen waren und es gab nicht einen Moment, in dem
ich ihn bewusst depressiv erlebt habe. Kann man das so gut verbergen? Ich kann nur von mir sprechen und weiß, dass man
mir jegliche Emotion sofort ansieht....gute, schlechte, traurige, böse etc.

Er nimmt 30mg immer abends, er konnte anfangs auch gut damit einschlafen, aber sobald ihn irgendetwas belastet, kann
er nicht einschlafen und kriegt schlechte Laune...

Re: Braucht Ratschläge....hofft auf Hilfe!

Verfasst: 14.02.2011 10:10
von Das-kleine-Runde
Hallo Phybee :) ,

hier noch weitere kritische Informationen zum Thema AD:

http://www.adfd.org/wissen/Problematik_ ... depressiva
http://www.adfd.org/wissen/Nebenwirkungen

Zu Deiner Situation geht mit folgendes durch den Kopf:

Es kann mit der Depression und auch mit deren Behandlung zusammenhängen, daß Dein Freund sich trennen will, genausogut kann es aber sein, daß er aus Gründen, die mit der Problematik nichts zu tun haben, die Beziehung beenden will. Beide Möglichkeiten solltest Du akzeptieren können, sonst machst Du Dir vielleicht nur etwas vor.

Die Veränderungen, die während einer Psychotherapie in Gang gesetzt werden, können eine Rolle spielen, wenn jemand aus einer Beziehung heraus will, weil die Beziehung mit der persönlichen Entwicklung nicht vereinbar ist und evtl. an alte, weniger gesunde Muster bindet oder aber im momentanen Übergewicht eines bestimmten Themas in der Therapie falsche Prioritäten gestzt werden.

Es kommt immer wieder vor, daß Menschen unter der Einnahme von AD ihr Verhalten mehr oder weniger stark verändern und andere Prioritäten setzen, als es ihrem Wesen entspricht, was von ihnen selbst als stimmig empfunden wird und v.a. den Angehörigen zweifelhaft erscheint. Das kann eine NW der AD sein, die zu falschen und später bereuten Entscheidungen führen kann. Typisch wäre es dafür, daß die Veränderungen im Verhalten mit dem Beginn der Einnhame zeitgleich wären.

Durch eine Depression kann auch das Gefühl von Liebe verloren gehen, genauso, wie Freude und Vitalität.

Du solltest alle Möglichkeiten einkalkulieren und in einem offenen Gespräch klären, was in Euerem Fall zutrifft.
Kann man Depressionen fast ein ganzes Jahr mit sich alleine ausmachen und Angehörige können das nicht sehen?
Das ist durchaus möglich. Nicht jeder trägt das Herz auf der Zunge.
Gerade Depressionen, die nicht mit starker Antriebslosigkeit verbunden sind, können mit einer intakten Fassade kaschiert werden.

Alles Gute :group:

Re: Braucht Ratschläge....hofft auf Hilfe!

Verfasst: 14.02.2011 22:03
von phybee
Hallo,

ich habe mich gestern noch sehr viel mit diesem Thema beschäftigt. Gelesen, gelesen, gelesen. Und so wie ich feststellen konnte, geht es wohl vielen Frauen so wie mir. Sie werden in depressiven Phasen von Ihrem Partner verlassen, sie ziehen sich zurück, kommen aber auch wieder, sobald es ansatzweise wieder bergauf geht. Ich kann natürlich nicht sagen, ob das bei mir auch so sein wird, aber er hat mich gestern Abend noch angerufen und wir haben lange geredet. Er hat sich sehr für meine Worte bedankt. Es war ein gutes Gespräch. Dann kam noch ne SMS hinterher, dass er meine Worte sehr ernst nimmt, sehr dankbar ist und mich in Gedanken küsst. Heute Morgen dann noch eine SMS: Er wünscht mir einen schönen Tag, denkt an mich und küsst mich. Was kann ich davon halten?
Nähert er sich wieder? Hält er mich hin, weil er nicht will, dass ich leide? Ich vermisse ihn wahnsinnig, muss jetzt aber stark bleiben. Ich weiß, ich darf ihn nicht unter Druck setzen und nichts erwarten, aber er fehlt mir so sehr. Ich will ihn sehen, aber überlasse ihm das völlig. Ich will ihn nur verstehen können....