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Was ist von Lamotrigin zu halten?
Verfasst: 28.10.2009 17:56
von bobk
Hallo,
ich habe schon seit langem Depressionen. Bisher sowohl Psychotherapie als auch ADs (Paroxetin, Sertralin, Trevilor, Citalopram, Johanniskraut) versucht. Leider hat sich nicht wirklich viel positives getan, die Medikamente habe ich jeweils nach 6-8 Wochen wieder abgesetzt (keine positive Wirkung verspürbar, viele der Nebenwirkungen). Mit der Depression habe ich halt so gelebt, was bisher auch einigermaßen ging. Seit einigen Monaten habe ich noch mehr Druck in meinem Leben und es ging richtig abwärts, sodass ich mir wieder einen Termin bei einem Psychiater habe geben lassen.
Ich habe den Eindruck, dass bei mir auch hypomane Phasen vorkommen. Da ich recht viel gutes von Lamotrigin gelesen habe (geringe Nebenwirkungen, kann bei bipolar II laut Erfahrungsberichten gut antidepressiv wirken), wollte ich das mal ausprobieren. Ich habe auch überlegt, nochmal ein "normales" AD dazu zu nehmen, da es mir wirklich schlecht geht. Allerdings bin ich von den SSRI nach meinen Erfahrungen nicht sonderlich überzeugt. Aber irgendwas muss sich ändern, ich muss aus diesem Sumpf wieder raus...
Was würdet ihr mir raten?
Danke & Gruß
Bob
Re: Was ist von Lamotrigin zu halten?
Verfasst: 28.10.2009 18:56
von Ulrich
Hallo Bob!
Welche Symptome hast Du bei den hypomanen Phasen? Bitte gib mal alle an!
Wann hatte Deine Krankheit angefangen?
Schreibe doch bitte mal Deinen Krankheitsverlauf mit den ADs hier ins Forum!
Bin selbst bipolar 2 und hatte auch schon Lamotrigin!
Lg Uli
Re: Was ist von Lamotrigin zu halten?
Verfasst: 28.10.2009 19:48
von bobk
Krankheitsverlauf ganz grob: schon in der Kindheit sehr ängstlich gewesen. Familiär auf Angst und Depressionen geprägt. Irgendwo mit 14 dann die erste Depression, die ich als solche wahrgenommen habe, ohne genaueres über die Krankheit zu wissen. AD und Thera habe ich aber erst mit ca. 20 angefangen, davor war ich zu „passiv“ bzw. auch unwissend und meine Eltern waren in der Hinsicht „inkompetent“. Die AD haben wie gesagt nichts gebracht bzw. teils die Symptome verschlechtert. Die Nebenwirkungen fand ich auch sehr unangenehm und einschränkend. Teils hatte ich die Medikamente vom Hausarzt, teils vom Psychiater. Bin aber eigentlich auch immer selber mit Wirkstoffvorschlägen hingegangen. Der Psychiater wollte mir auch Neuroleptika geben, da hatte ich aber noch mehr Vorbehalte als gegenüber SSRI und Co, sodass ich die abgelehnt habe. Da ich von den Ärzten, mit denen ich da zu tun hatte, eh keinen guten Eindruck hatte (viel Halbwissen, das mir da verkauft wurde und teils m.E. auch falsches Wissen – aber sag mal einem Arzt, du weisst es besser als er...), habe ich auch keinen festen Arzt.
Die zeitlichen Abstände zwischen den AD weiss ich nicht mehr. Ich bin letztlich immer dann zum Arzt, wenn ich das Gefühl hatte „es geht nicht mehr“ und ich eben doch wieder die Hoffnung hatte, ein Medikament könnte helfe. Danach war ich in der Regel wieder völlig gegen Medikamente und habe z.B. mit Johanniskraut experimentiert.
Ich finde die Phasen, die ich für hypoman halte, schwer zu beschreiben, da sie doch recht komplex sind und eingebunden in das „normale“ Leben. Die Phasen, die ich meine, habe ich seit meiner Jugend und halten i.d.R. nur einige Stunden an. Typischerweise geht’s irgendwann abends los und geht bis ich dann schlafe. Am nächsten Tag ists aber wieder vorbei damit.(*)
Es gibt eigentlich immer eine Art Auslöser, z.B. bestimmte Musik oder auch gewisse Gedankengänge (klingt sehr abstrakt, wenn ich das aufschreibe..). Gerade mit Musik versuche ich auch oft in diesen Zustand zu kommen. Das „Umschalten“ geht sehr schnell, in beide Richtungen („gute“ Stimmung in schlechte und umgekehrt).
Der Zustand zeichnet sich für mich vor allem dadurch aus, dass ich keine Depressionen habe und meine Zukunft nicht komplett düster aussieht. Ich fühle mich dann nicht völlig von allem überwältigt und glaube, meine Probleme lösen zu können (im Gegensatz zu meinem „Normalzustand“, in dem ich mir inzwischen fast nichts mehr zutraue). Ich habe dann eher einen leichten Hang zur Selbstüberschätzung und tendiere diese z.B. in Träumereien auszuleben, die ca. 70% unrealistisch sind. Allerdings ist es auch nicht extrem, ich löse mich nicht völlig von der Realität oder ähnliches. Ich habe mich auch unter Kontrolle, mache also keine „verrückten“ Sachen in diesen Phasen.
Ich habe dem ganzen nie eine negative Bedeutung beigemessen, für mich waren diese Phasen immer auch eine Quelle des Selbstbewusstseins. Obwohl es natürlich einen Unterschied zwischen Selbstbewusstsein und Selbstüberschätzung gibt, glaube ich, dass mir diese guten Phasen überhaupt die Kraft gegeben haben, weiterzumachen. Ich bin in diesen Phasen im positiven Sinne „aggressiv“, d.h. ich gehe mit Energie, zielstrebig und systematisch an Dinge heran, die ich machen muss und bin überzeugt von mir und meinen Fähigkeiten. In der Regel fühle ich mich in diesen Phasen auch „besser“ als viele andere Menschen, wobei das dann auch objektive überprüfbare Grundlagen hat. Also nicht wert- sondern eher fähigkeitsbezogen. Ich weiss nicht, ob man das so verstehen kann, wie ich es meine. Jedenfalls fühlte sich das in diesen Phasen eher wie mein "normales Ich" an als mein Zustand während der Depressionen.
Sonstige Symptome:
- etwas hektisch (will schnell alles fertig haben, voran kommen)
- vielleicht auch etwas Schwierigkeit, Probleme anderer Menschen ernst zu nehmen (Ungeduld)?
(*) Wenn ich mich richtig zurückerinnere gab es glaube ich auch Phasen, in denen das länger ging oder zumindest innerhalb einer Woche fast täglich auftrat – allerdings ist das schon länger her.
Re: Was ist von Lamotrigin zu halten?
Verfasst: 28.10.2009 21:08
von Marsupilami
Hallo,
willkommen hier. Frage: Du sprichst von hypoman, heißt das, dass Du bipolar bist? Was erwartest hier im Forum? Hat man Dir nie gesagt, dass Du eine Psychotherapie machen sollst, immer nur Medikamente?
Grüße,
Marsu
Re: Was ist von Lamotrigin zu halten?
Verfasst: 28.10.2009 21:45
von bobk
Wie im Ausgangspost gesagt habe ich auch Psychotherapien hinter mir. Ich spreche deswegen von hypoman, da ich das vermute, nachdem ich entsprechend selber nachgelesen habe. Ich habe keine offizielle Diagnose in der Richtung. Aber um ehrlich zu sein: der Arzt diagnostiziert doch das, was ich ihm erzähle. Da hat keiner entsprechend umfangreich nachgefragt um wirklich differenzieren zu können. Und eindeutige Tests gibts sowieso keine.
Ich erwarte erstmal gar nichts von einem Forum. Eine Frage, bei der ich mir hier eine Antwort versprochen habe, steht im Threadtitel.

Die Frage steht im Zusammenhang damit, dass man hier ja sehr kritisch gegenüber den Wiederaufnahmehemmern ist - ich weiss aber nicht, ob diese Problematik aus Sicht derselben auch für andere Medikamente, z.B. Lamotrigin gilt. Auch an Erfahrungsberichten bin ich interessiert.
Re: Was ist von Lamotrigin zu halten?
Verfasst: 28.10.2009 21:51
von Ulrich
Hallo Bob!
Das wären jetzt typische Symptome der Hypomanie!! Ich glaube nicht nach Deinen Beschreibungen, daß Du eine bipolare Störung hast! Wer hatt das Dir denn gesagt, daß Du bipolar 2 bist ?
Über das Lamictal schreibe ich Dir morgen etwas!! Lg Uli
Diagnose / Symptome nach DSM IV
Das „Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders“ (Diagnostisches und Statistisches Handbuch Psychischer Störungen, abgekürzt als DSM-IV) beschreibt die Hypomanie folgendermaßen:
A. Eine mindestens vier Tage andauernde, ausgeprägte Periode ständig gehobener, überschwänglicher oder gereizter Stimmung, die eindeutig verschieden von der üblichen nichtdepressiven Stimmung ist.
B. Während der Phase der Stimmungsstörung sind drei (oder mehr) der folgenden Symptome (vier, wenn die Stimmung nur gereizt ist) bis zu einem gewissen Grad ständig vorhanden:
1. überhöhtes Selbstwertgefühl oder Größenwahn
2. vermindertes Schlafbedürfnis (z. B. fühlt sich erholt nach 3 Stunden Schlaf)
3. gesprächiger als üblich oder Rededrang
4. Ideenflucht oder subjektive Erfahrung des Gedankenrasens
5. Zerstreutheit (das bedeutet Fokussierung auf unwichtige oder unerhebliche externe Reize)
6. Zunahme zielgerichteter Aktivitäten (entweder sozial, beruflich oder in der Schule, oder sexuelle oder psychomotorische Unruhe)
7. übertriebenes Engagement bei Vergnügungen, die in einem hohen Maße schmerzhafte Konsequenzen nach sich ziehen (z. B. hemmungsloser Kaufrausch, sexuelle Indiskretionen oder leichtsinnige geschäftliche Investitionen)
C. Die Episode wird begleitet von Veränderungen der Leistungsfähigkeit oder des Verhaltens, die für die Person in symptomfreien Phasen uncharakteristisch ist.
D. Die Stimmungsstörung und der Wechsel des Auftretens werden durch Andere beobachtet.
E. Die Episode ist nicht schwer genug, um eine ausgeprägte Beeinträchtigung in sozialen oder beruflichen Aufgabenbereichen zu verursachen oder einen Krankenhausaufenthalt zu erfordern, und es gibt keine psychotischen Merkmale.
F. Die Symptome sind nicht durch direkte physiologische Effekte einer Substanz (z. B. Drogenmissbrauch, Medikamente oder andere Behandlungen) oder eine generelle medizinische Verfassung (z. B. Überfunktion der Schilddrüse) verursacht.
Anmerkung: Hypomaniegleiche Episoden, die eindeutig durch somatische antidepressive Behandlung verursacht sind (Medikamente, Elektroschocktherapie, Lichttherapie), sollten nicht einer Diagnose: „Bipolare II Störung“ zugerechnet werden.
Re: Was ist von Lamotrigin zu halten?
Verfasst: 28.10.2009 22:52
von bobk
Das einzige, was von diesen Kriterien nicht gegeben ist, ist die Zeitdauer von vier Tagen und B.5 sowie B.7. Allerdings gibt es ja auch beim Rapid Cycling viel schnellere Stimmungswechsel, von daher habe ich Zweifel, ob das ein Ausschlusskriterium sein muss. Dazu kam mein Eindruck, dass ich in der ersten Woche der Einnahme von SSRI oft auch etwas euphorisch wurde. Aber gut, solche Indizien können einen auch in die Irre führen.
Ich will mich auch nicht darauf fixieren. Ich hätte halt gerne irgendwas, das mir wieder eine Zukunft gibt. Bei der ollen Depression gelten schließlich SSRI + evtl. Psychotherapie als Mittel der Wahl. Die haben bei mir versagt und aus meiner Erfahrung heraus bezweifle ich etwas, dass nochmal der gleiche Ansatz mir weiterhelfen würde. Außerdem denke ich mir: was kann es schaden, das Medikament auszuprobieren? Wenn die Chance besteht, dass es hilft und das noch mit tendenziell geringen Nebenwirkungen, liegt es irgendwie nahe, es zu versuchen.
Re: Was ist von Lamotrigin zu halten?
Verfasst: 29.10.2009 09:24
von Ulrich
Hallo Bob!
Ich selbst hatte auch schon Lamictal, und hatte auch keine Probleme beim Aufdosieren.
Es ist in der Tat eine Option es mal zu versuchen, nur geht die Aufdosierung 6 Wochen in 25mg Schritten. Es ein Medikament, das von vielen Betroffenen gut vertragen wird. Es hatt auch kein Abhängigkeitspotenzial. Es kommt natürlich jetzt darauf an wie stark Deine Depression und der Leidensdruck ist um kein AD zu nehmen um das lamictal einzudosieren und abzuwarten. Wäre halt eine Option dies zu versuchen.
Nebenwirkungen hatte ich manchmal leichte Kopfschmerzen!
Lg Uli
Das „Bipolare Spektrum“ umfasst noch
eine Reihe anderer Subgruppen. Rapid
Cycling beschreibt häufige (mindestens
vier) Phasen im Jahr, Ultra Rapid Cycling
den Phasenwechsel innerhalb von Tagen
und Ultra-ultra Rapid Cycling den
Phasenwechsel innerhalb weniger Stunden.
Bei bipolaren Mischzuständen treten
manische und depressive Symptome
gleichzeitig oder in sehr schnellem Wechsel
auf. Bei Rapid-Cycling-Verläufen und
bipolaren Mischzuständen handelt es sich
aber eher um mögliche Komplikationen
im Verlauf einer Bipolaren Störung, wobei
die Rolle einer genetischen Prädisposition
oder iatrogener Einflussfaktoren
(diskutiert wird hier vor allem ein negativer
Einfluss von Trizyklika oder alten
Antipsychotika) nicht geklärt ist
Mischzustände
Bipolare Mischzustände - gleichzeitig manisch und depressiv. Geht das?
Bei dieser Verlaufsform treten manische und depressive Symptome gleichzeitig oder in sehr schnellem Wechsel auf. Wird diese Diagnose gestellt, treffen die Kriterien für Manie und Depression zu. Symptome kommen dann fast täglich über einen Zeitraum von mindestens einer Woche vor. Dadurch werden Alltagsfunktionen, soziale Aktivitäten und zwischenmenschliche Beziehungen deutlich beeinträchtigt. Die Symptome der bipolaren Mischzustände lassen sich wie folgt zusammenfassen:
* Depressive, dysphorische Stimmung
* Reizbarkeit
* Hyperaktivität
* Gepresste Sprache
* Feindseligkeit
* Ideenflucht
* Angstattacken
* Wahnvorstellungen (krankhafte Veränderung der Wahrnehmung und des Erlebens, z.B. Verfolgungswahn, religiöser Wahn, Schuldwahn)
Re: Was ist von Lamotrigin zu halten?
Verfasst: 14.11.2009 10:10
von Jansen
Ich habe Lamotrigin nie sonderlich gut vertragen.Im Rahmen meiner bipolaren Störung, die aber temporär nicht sehr oft vorkommt, sprich ein bis zweimal im Monat, bekam ich 25 mg von dieser Substanz.Ich bekam widerliche "Rush`s" durch den Körper, mein Kopf fühlte sich innerlich rau an.Ich habe es dann abgesetzt.
Ich würde auf Lithium pochen, da dies einfach besser dokumentiert ist, als Lamotrigin.Lamotrigin hat zudem mehrere Indikationen und wird auch als Krampfschutz wie etwa das Carbamazepin eingesetzt.