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Vorstellung

Verfasst: 18.07.2009 10:06
von gaultier
Als ich 1983 nach einem schweren Unfall (als Fußgängerin vom Auto angefahren) und 6monatiger Amnesie nach Gehirnquetschung wieder, zumindest geistig, ins Leben zurückkehren durfte, war nach einem 3/4 Jahr Krankenahausaufenthalt den Umständen entsprechend alles wieder "in Ordnung".

Erst zwei Jahre später begannen die Angstzustände, Panikattacken und Depressionen, verbunden mit zwei Suizidversuchen. Verschrieben wurden: 50 mg Aponal sowie 10 mg Diazepam/Tag.

Ca. 10 Jahre ließ ich es bei dieser Medikation, obwohl ich durch das AD Aponal ca. 10 kg zugenommen hatte. Danach apruptes Absetzen des Ads ohne Nebenwirkungen, als Positivum Abnahme der 10 kg. Nur, die Ängste kamen wieder. Als ich vom "gelobten Prozac – Busy but happy" las, bat ich um Verschreibung und bekam es auch.

Jetzt, da ich mich als stabil bezeichnen würde, will ich das Fluoxetin absetzen. Vor ca. 5 Jahren startete ich schon einmal einen Versuch – von 20 mg auf null! Dementsprechend waren auch die Absetzerscheinungen und ich nahm anstelle des Fluctins mehr Diazepam. Kein guter Tausch, also wieder 20 mg ADs.

All dies geschah unter ärztlicher Aufsicht, resp. durch lediglich durch meine Initiative, denn all die Psychiater, die mich während der langen Jahre betreut hatten, fehlte der Durchblick, was Abhängigkeit und Ausschleichen dieser Ads bedeutet. Rezeptieren ist einfach, "Kundenbindung" inklusive, Absetzen durch Ausschleichen bedeutet Zeit für den Patienten. Und diese fehlt, wie allseits bekannt ist.

Nun hoffe ich, daß mein Plan, wöchentlich oder 14tägiges Ausschleichen von jeweils 10% klappt. Bisher gelingt es. Doch ich hoffe, daß ich bei Euch im Notfall Unterstützung finde, wie auch ich versuchen werde, anderen mit Rat zur Seite zu stehen, denn mein Erfahrungsschatz ist nicht der kleinste...

Danke im voraus & liebe Grüße

Gaultier

Alter: 53
Geschlecht: weiblich

Re: Vorstellung

Verfasst: 18.07.2009 22:50
von Marsupilami
Hallo,

willkommen hier! Sag mal, hat man Dir denn nach so einem schweren Unfall keine Trauma-Therapie angeboten, das wäre doch das absolut Naheliegende gewesen? Man kann doch ein traumatisches Ereignis nicht mit Pillen verarbeiten, ich bin mal wieder von den Socken...

Marsu

Re: Vorstellung

Verfasst: 19.07.2009 08:57
von gaultier
Hallo Marsu,

danke für Deine prompte Antwort.

Nein, von Trauma-Therapie wußte man Anfang der 80ger noch nichts, jedenfalls da, wo ich behandelt wurde. Im Vordergrund standen ja all die anderen Verletzungen körperlicher Art und ich lag auf der Unfallchirurgie, wurde dort mehrfach operiert. Insoweit kann ich den Ärzten dort keinen Vorwurf machen, so erledigten Ihren Job gut und während der KH-Aufenthaltes ging es mir psychisch gut.

Erst nach der Entlassung und den immer wiederkehrenden Rückschläge nach erneuter Arbeitsaufnahme kamen die Ängste und Depressionen. Es mußten zig Gutachten erstellt werden, um vor Gericht mein Recht zu bekommen. Doch Versicherungen haben immer den längeren Arm, so folgten Gegengutachten, eines nach dem anderen. Das Ganze erstreckte sich über Jahre und meine Ängste, überhaupt noch weitere Gutachten in verschiedenen Fachgebieten der Medizin zu durchlaufen, verschlimmerten sich gewaltig.
Hinzu kam, daß ich mich der Ängste schämte, nicht wußte, was mit mir los war, das ging so lange, bis ich sämtliche, noch anstehende Untersuchungen (die letzte wäre im Uni-Klinikum Frankfurt/M. gewesen) nicht wahrhaben konnte, da mir die Vorstellung 85 km zu fahren und nicht in meiner geschützten Umgebung, nämlich meiner Wohnung in Heidelberg zu sein, den Atem raubte. Also gab ich auf.

Gut, meine private Unfallversicherung hat bezahlt. Aber Schmerzensgeld o.Ä. bekam ich nicht, da ich nicht nachweisen konnte, fahrlässig gehandelt zu haben, als der Unfall passierte. Die anschließende, lange Amnesie hat mir lediglich geholfen, mich nicht an Schmerzen zu erinnern.

Einige Jahre später beantragte mein Psychiater die Erwerbsunfähigkeitsrente (Du hast damit auch zu tun, wie ich las), die nun schon seit mehr als zwei Jahrzehnten gezahlt wird und sicherlich in einer Altersrente endet. Man kann sich unschwer vorstellen, daß dies zum Leben nicht reicht. Da ich aber bereits vor dem Unfall eine Lebensversicherung abgeschlossen hatte, bekomme ich nun von dieser ebenfalls Geld und komme so über die Runden.

Ich wollte all das nicht in die Vorstellung einfließen lassen, da es mit dem Thema ADs nichts zu tun hat, aber, wenn ich's mir recht überlege, war dies der Grundstein für die Einnahme der unzähligen Psychopharmaka.

Vielleicht kann ich Dir helfen, wenn es um EU-Rente geht, wie ich im Forum las?

Ursula (Gaultier)

Re: Vorstellung

Verfasst: 22.07.2009 18:11
von mücke
Hallo Ursula
Nun hoffe ich, daß mein Plan, wöchentlich oder 14tägiges Ausschleichen von jeweils 10% klappt. Bisher gelingt es.
Wie viele Jahre hast du das Mittel denn genommen, 10 J. und mehr?
Wie hast du beim ersten Mal reduziert, in welchen Schritten ( Dosis ), in welchen zeitlichen Abständen?

Gruss Mücke

Re: Vorstellung

Verfasst: 22.07.2009 18:25
von gaultier
mücke hat geschrieben:Hallo Ursula

Wie viele Jahre hast du das Mittel denn genommen, 10 J. und mehr?
Wie hast du beim ersten Mal reduziert, in welchen Schritten ( Dosis ), in welchen zeitlichen Abständen?

Gruss Mücke
Ja, zuerst wurde mir für ca. 10 Jahre 50 mg Aponal rezeptiert, nach Absetzen - übrigens ohne NW außer 10 kg Gewichtsabnahme! - Fluoxetin, 20 mg, sicherlich auch mindestens 10 Jahre.

Die ersten 10% habe ich am 14.07.09 reduziert, also auf 18 mg runter. Da ich mich nicht unter Druck setzen will und die typischen Absetzerscheinungen selbst bei dieser geringen Dosisänderung eminent sind, laße ich mir noch Zeit bis zum nächsten Schritt.

Viele Grüße

Ursula

Re: Vorstellung

Verfasst: 22.07.2009 18:42
von mücke
Hallo Ursula

10 J. ist doch recht lang.
Ich glaube nicht, daß du da alle 1-2 Wo. reduzieren kannst.
Das dürfte zu flott sein.
Lass dir mehr Zeit.

Auf ein gutes Gelingen
Mücke