Seite 1 von 1

Neu grüßt alt!

Verfasst: 11.04.2009 13:18
von Mirta-Moppelchen
Zuerst einmal Hallo an alle Mitleser (und -schreiber) in diesem Forum.

Zeitweilig habe ich früher auch dann und wann mal unter der alten ADFD-Adresse mitgelesen und weiß schon recht lange um die Existenz dieses Boards.
Große Schwierigkeiten mit Antidepressiva hatte ich eigentlich nie - zum einen, weil ich mich immer sehr genau informiere und abwäge, bevor ich etwas nehme, zum anderen, weil viele Antidepressiva meiner Meinung nach recht stark am Placeboeffekt vorbeischliddern - nicht immer und nicht für jeden sicherlich; und IRGENDWIE wirken sie ja in der Regel auch - nur halt häufig bei vielen Leuten nicht vernünftig antidepressiv.

Aber erstmal eine kleine Aufzählung mit grundlegenden Dingen über mich: ich bin männlich, 34 Jahre alt, habe in der Vergangenheit schon einiges an Drogenproblemen gehabt (u.a. auch einer üble Opiatabhängigkeit nach/durch eine/r Schmerzerkrankung), sehe (je nach Tagesform) 5-8 Jahre jünger aus - und schlank - so lange ich angezogen bin.
Da ich nirgendwo große und nach aussen sichtbare Fettdepots aufweise und eine große fette Schwabbelwampe unter dem Pulli (oder sogar dem T-Shirt) verstecken kann, mag ich auch seit Jahren keine Sexpartner mehr suchen. Würde man mir diese Wampe ansehen, könnten sich potentielle PartnerInnen (bin bisexuell) dafür oder dagegen entscheiden: es macht mir nichts aus - oder: nee, auf keinen Fall.
So lange ich bekleidet jedoch völlig schlank aussehe, bin ich die ultimative Mogelpackung. Sobald ich mich ausziehe, bekommt mein Gegenüber auf jeden Fall einen Schock.
Weshalb ich das gerade hier erzähle, geht schon aus meinem Nick hervor:
Als ich 2005 wg. meiner Schmerzerkrankung in der Neurologie lag, wurde ich dort auf Mirtazapin eingestellt. Das hat wohl auch einen positiven Einfluss auf Schmerzen (ähnlich wie Amitriptylin) - welches ich im Gegensatz zum Mirta überhaupt nicht vertrage. Im Grunde vertrage ich keine Trizyklika, keine SSRI, keine SNRI usw. usf.
Mirtazapin jedoch wirkt bei mir auch wunderbar antidepressiv. Es drängt meine Beschwerden großartig zurück und bewirkt, dass ich mich ziemlich wohl fühle. Psychisch gehts mir damit gut, körperlich gehts mir damit auch gut. Jede Nacht habe/hatte ich dadurch ein exzellentes und unterhaltsames Traumkino, welches ich auch immer in vollen Zügen genießen konnte.

Dummerweise bekomme ich dadurch einen nahezu unersättlichen Appetit. Esse ich etwas, hält die Sättigung oft nur eine halbe Stunde. Abends plündere ich dann den Kühlschrank.
Vor zehn Jahren wäre das egal gewesen. Damals habe ich einfach nicht zugenommen.
Nun werde ich aber fett, meine Blutfettwerte sprengen die Skala und mein Blutdruck ist auch abnorm hoch.
Wenn ich meine Gesundheit irgendwie noch in den Griff bekommen will, dann klappt es auf keinen Fall mit Mirtazapin. Die Fressorgien müssen aufhören. Dazu muss das Mirta weg.

Ich hatte zuerst einmal versucht, die Dosis von 30mg auf 15mg zu senken. Da ich es ohnehin grundsätzlich vor dem Einschlafen nehme, war meine erste Sorge, dass ich nach einer Reduzierung des Mittels nicht mehr einschlafen kann. Immerhin habe ich jahrelang 30mg täglich genommen.
Ich senkte auf 15mg und schlief abends/nachts immer noch wie ein Baby. Der Erfolg war verblüffend.
In der Vergangenheit hatte ich auch schon Probleme mit Schlafmitteln auf Benzodiazepin-Basis. Von dem Zeug musste man permanent immer mehr nehmen, um überhaupt noch einpennen zu können.
Das MIrta nahm ich nun bereits seit Jahren und schlief von einer halbierten Dosis genauso gut ein.
Kurz darauf besorgte ich mir 15mg-Tabletten und halbierte diese widerum - nahm also nur noch 7,5mg vor dem Einschlafen. Verblüffend: die Wirkung blieb voll erhalten - über längere Zeit. Die Nebenwirkungen leider auch. Der Appetit war immer noch unkontrollierbar. Nach ein paar Wochen setzte ich das Zeug dann ab.
Unterschied zum Absetzen mir bekannter Suchtdrogen bzw. Medis mit primärem Abhängigkeitspotential: ich entwickelte keine Gier oder einen unwiderstehlichen Zwang zur erneuten Einnahme. Ich kann und konnte einfach bei meiner Entscheidung bleiben, das Mittel wegzulassen.
Ähnlichkeiten zu diesen Drogen/Medis: ich konnte und kann beim besten Willen nicht mehr richtig ein- bzw. durchschlafen.
Manchmal penne ich abends vor der Glotze mit einer wunderbaren Müdigkeit ein - und wache gegen 2 Uhr hellwach wieder auf - basta!
Manchmal wache ich jedoch auch todmüde wieder auf und kann beim besten Willen nicht mehr einschlafen. Im Endeffekt läuft es ziemlich auf das Gleiche raus. Ich brauche einfach den Schlaf.

Rein familiär bedingt bin ich ohnehin schon ein Hypertoniker und kämpfe mit übelst hohem Blutdruck. Momentan ist mein Blutdruck wirklich abnorm hoch. Ich vermute, dass das an folgenden Gründen liegt: genetische Prädisposition, Bewegungsmangel in den letzten Monaten/Jahren, viel zu hoher Körperfettanteil/hohe Cholesterinwerte (Körperbau: "Apfeltyp"), unmittelbare Absetzungserscheinungen des Mirtazapins UND Erschöpfung durch permanent zu wenig Schlaf.

Ich habe kürzlich mit einer wunderbaren Selbstdisziplin fast zehn Kilo abgenommen und war auch sehr stolz darauf. Die Wampe ist deutlich geschmolzen. Obwohl man mich immer für schlank hielt, sagte man mir plötzlich, dass mein Gesicht etwas kantiger, weniger rund und eigentlich doch sehr viel besser aussieht.

Da mich die Schlafstörungen rasend machten, beschloss ich, abends ein, zwei, drei Male 7,5 mg Mirta zu nehmen - natürlich nur jeweils eine Einnahme pro Tag!

Ich schlief sofort wieder ein wie ein Baby und konnte am nächsten Tag (Wochenende) bis in den späten Vormittag durchpennen. Es war wunderbar. Bereits im Laufe dieses einen Tages aß ich das Vierfache von meinem sonstigen Tages"budget". Der Appetit war nicht mehr zu bremsen und jede Selbstkontrolle dahin.

Ich schwor mir, an den nächsten Tagen besser aufzupassen, wollte es aber doch noch ein paar Tage mit Mirtazapin versuchen, weil mich die Schlafstörungen sonst so fertig machen.
Nach knapp zwei Wochen musste ich diesen "Versuch" regelrecht gewaltsam unterbrechen, weil ich bereits wieder 5 Kilo mehr wog. Dabei hatte ich immer noch 9 Kilo zu viel. Jetzt sinds wieder 14 Kilo Übergewicht.

Ganz ehrlich: wer unter schweren Depressionen leidet, hat im Mirtazapin vielleicht ein für ihn/sie hochwirksames Mittel gefunden - evtl. auch in Kombination mit SSRI etc. (Das Mirta unterdrückt oft auch die schwere innerliche Unruhe bei beispielsweise citalopramüberempfindlichen Personen.)
Viele der von mir bislang durchforsteten Studien über Mirtazapin deuten darauf hin, dass der antidepressive Effekt dieses Mittels ungewöhnlich schnell auftritt - WENN er auftritt. Hilft dieses Mittel also nicht gegen die persönlichen Beschwerden, gibt es keinen Grund, es monatelang wartend einzunehmen und dabei wie ein Hefekloß aufzugehen.
Zunehmen (und Spaß beim Essen) ist sicherlich tausendmal besser, als hochdepressiv mit dem Leben zu hadern.
Aber es macht halt viele Leute unangenehm fett und löst mitunter schlimmere Fress-Flashs aus, als ich sie in meinem Leben jemals unter THC-Einfluss erfahren durfte.

Jetzt interessiert mich erstmal der Punkt: Schlaflosigkeit und innere Unruhe nach Absetzung dieses Mittels. Dass ein entsprechend veranlagter Kandidat auch noch schweren Bluthochdruck bekommt, ist ja fast schon eine absolute Selbstverständlichkeit.


Jetzt habe ich erstmal alles zu meiner momentanen Situation und meiner Intention für die Forenregistrierung gesagt.

LG

Ben

(das Mirta-Moppelchen)

Re: Neu grüßt alt!

Verfasst: 12.04.2009 09:46
von mücke
Hallo Ben

Willkommen im Forum u. danke für deine ausführliche Vorstellung.
Für die eigentliche Diskussion eröffne bitte ein neues Thema.

Ach ja, frohe Ostern.

Gruss Mücke