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Frage?
Verfasst: 20.04.2004 10:37
von AliBaba
Hi Leute,
ich habe am Montag mit der Einnahme von Citalopram begonnen. Dabei habe ich festgestellt, dass es bei mir genau den gleichen Wirkungsablauf wie Paroxetin hat. Das heisst nach der Einnahme bin ich total unruhig und durch den Wind und erst nach einer langen Zeit (mehrere Stunden) fühle ich die gewünschte Wirkung. Keine Ahnung ob das so normal ist?????
Gruss
Alex
Verfasst: 20.04.2004 14:55
von Oliver
Hallo.
Paroxetin und Citalopram sind beides SSRIs, also ist es nicht verwunderlich, daß sie ähnlich wirken. Wenn Du am Montag mit der Einnahme begonnen hast, solltest Du aber "offiziell" erst nach zwei bis vier Wochen eine erwünschte Wirkung spüren - alles was davor kommt sind Nebenwirkungen ... Deine Unruhe ist zum Beispiel eine Recht verbreitete Nebenwirkung.
Alles Gute
Oliver
Verfasst: 21.04.2004 20:18
von Time
Hallo Alex,
die Wirkung interessiert mich.
Wie lange nach der Einnahme hat es gedauert, bis die Wirkung einsetzte?
Könntest du "unruhig" noch etwas genauer beschreiben. Wieviele Stunden hielt das an?
Könntest du "gewünschte Wirkung" noch etwas genauer beschreiben.
Zu Deiner Frage:
"Normal" gibt es hier nicht, was bei dir genau passiert ist wichtig und was du erreichen willst ist wichtig. Du kannst jetzt sehen, was Serotonin bei dir für eine Wirkung hat und was dein Körper bei zu viel Serotonin (5-HT) im synaptischen Spalt unternimmt.
In puncto SSRI stimme ich Oliver zu; die Wirkung wird zumindest ähnlich sein.
Den Begriff Nebenwirkungen halte ich aus einer ganzen Reihe an Gründen für unpassend. Offiziell sind es unerwünschte Arzneimittelwirkungen, was das ganze schon besser trifft. Das, was Du jetzt erlebst, ist ein unphysiologisch hoher 5-HT-Spiegel.
Dass die Wirkung erst in 2-4 Wochen einsetzt ist so natürlich nicht richtig. Die Wirkung setzt selbstverständlich sofort ein. Man nennt dies Akutwirkung. Die Akutwirkung ist in diesem Falle die direkte Wirkung des 5-HT. Bei vielen Menschen kann diese auch durch Einnahme von Tryptophan oder 5-HTP erzielt werden.
Nimmst du einen SSRI über mehrere Tage und Wochen, dann hast du einen ständig unphysiologisch hohen 5-HT-Spiegel. Deine Synapsen versuchen dies nun durch verschiedene Maßnahmen auszugleichen und ein neues Gleichgewicht einzupendeln, im Prinzip so wie, wenn du Sport treibst und dein System sich anpasst. Das Ergebnis ist eine reduzierte synaptische Übertragungskapazität. Es ergibt sich im Gesamten ein neues Gleichgewicht, das sich aus viel 5-HT im synaptischen Spalt plus weniger synaptische Übertragungskapazität plus daraus resultierenden Auswirkungen auf die anderen Transmittersysteme (vorrangig Dopamin und Noradrenalin) ergeben.
Wenn du dir die Liste der unerwünschten Arzneimittelwirkungen (UAW) ansiehst, dann stellst du fest, dass bei den UAW mit der höchsten Wahrscheinlichkeit die eine Hälfte offensichtlich ruhig wird und einschläft und die andere Hälfte wach wird und Angst bekommt. 5-HT macht physiologisch immer das Selbe, es dämpft. Was jedoch insgesamt passiert, hängt vom Gesamtsystem ab, sogar von der kognitiven (psychologischen) Struktur des Betreffenden. Es ist keineswegs so, dass sich hier irgendein undefiniertes Chaos abspielt, ganz im Gegenteil kann jeder bei sich sehr genau sehen und wiederholen, was sein System mit bestimmten Transmittern macht.
Daraus ergibt sich auch zwangsläufig eine Erklärung für Einschleichen und nicht Einschleichen. Einschleichen dauert länger, überfordert das System dafür nicht maßlos und beachtet das Gesamtsystem; nicht Einschleichen ignoriert das Gesamtsystem und konzentriert sich ausnahmslos auf das Endergebnis.
Weiterhin ergibt sich hieraus die oft anzutreffende Maxime des „Wenn ein Antidepressivum nicht antidepressiv wirkt, muss es höher dosiert werden“. D.h. der Druck wird so lange erhöht bis die daraus resultierende Gegenkraft des Systems maximal ist. Dies entspricht zwar dem Zeitgeist, funktioniert aber natürlich nur, wenn die Veränderung einen Zustand erzeugt, der erwünscht ist, was keineswegs immer so ist; so wie nicht jeder die Wirkung von Alkohol als angenehm empfindet und nicht jeder gleich auf Alkohol reagiert.
Gruß
Time
Verfasst: 22.04.2004 11:52
von AliBaba
Hallo Time,
also die Wirkung setzt relativ schnell ein, nämlich nach ungefähr einer Stunde. Doch unterscheiden sich die Wirkungen und zwar ist die zuerst eintretende Wirkung unangenehm und die später auftretende Wirkung angehm. Unter unangenehm verstehe ich das Eintreten einiger Nebenwirkungen wie Konzentrationsschwäche, Schläfrigkeit, Kraftlosigkeit, Bauchschmerzen und Unruhe (Nervosität). Die Unruhe macht sich durch Konzentrationsminderung, sprunghaftes Denken, Tatendrang und Schwitzen bemerkbar. Die andere Wirkung, die dann nach einer ziemlich langen Zeit entritt macht mich ausgeglichen, geistig "stabil", emotionsfähig, wirkt angstlösend und aktiv. Ich war hierbei um Vollständigkeit bemüht, kann aber nicht versichern, dass ich alle Auswirkungen aufgezählt habe.
Hierbei muss aber nochmal auf meine kurze Einnahmedauer von jetzt 4 Tagen hingewiesen werden in der die Nebenwirkungen bekanntlich am signifikantesten sind. Also die Wirkungen nach der Anpassungszeit des Körpers steht noch an.
Gruss
Alex
Danke!
Verfasst: 23.04.2004 18:23
von Time
Hallo Alex,
genau das wollte ich wissen. Danke!
Gruß
Time
Verfasst: 26.04.2004 11:25
von AliBaba
Hallo,
ich hab nochmal eine Frage. Macht es eigentlich etwas aus, wenn man den Hersteller des Medikamentes wechselt? Ist die Zusammensetzung immer dieselbe? Also bei Paroxetin hatte ich zwei verschiedene Pharmafirmen benutzt und bei einer der Beiden (Heumann) das Gefühl, dass es besser wirken würde

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Gruss
Alex
Verfasst: 26.04.2004 12:24
von CloneX
AliBaba hat geschrieben:Hallo,
ich hab nochmal eine Frage. Macht es eigentlich etwas aus, wenn man den Hersteller des Medikamentes wechselt? Ist die Zusammensetzung immer dieselbe? Also bei Paroxetin hatte ich zwei verschiedene Pharmafirmen benutzt und bei einer der Beiden (Heumann) das Gefühl, dass es besser wirken würde

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Gruss
Alex
http://lib00.hostsharing.net/forum/view ... hersteller
Verfasst: 26.04.2004 13:49
von Time
Hallo Alex,
bei Phytopharmaka würde ich sagen: Ja, es macht mit hoher Wahrscheinlichkeit unterschiede. Bei Johanniskraut ist das Problem sehr groß, weil es eine ganze Reihe wirksamer Inhaltsstoffe gibt, die sich gegenseitig bedingen. Die Standardisierung eines Inhaltsstoffes bei Johanniskraut sagt also nicht viel aus, auch, wenn Hyperforin für die stimmungsaufhellende Wirkung der zentrale Stoff sein könnte. Je komplexer ein Stoffgemisch an wirksamen Bestandteilen ist, um so problematischer wird natürlich die Standardisierung. Dies ist eines der Argumente für synthetische Pharmaka.
Bei synthetischen Stoffen wie Paroxetin ist das nicht so. Hier kannst Du davon ausgehen, dass der wirksame Stoff Paroxetinhydrochlorid immer genau der selbe ist und auch die Dosierung gleich bleibt. Generika von Zweitanbietern kaufen oftmals sogar den Wirkstoff beim Originalanbieter ein.
Der Unterschied zwischen einem Original und einem Generikum liegt in der Galenik (Begleitstoffe). Diese beeinflussen z.B. die Wirkstofffreisetzung. Hier kann es Unterschiede geben, die einzelne Konsument auch merken könnten.
Gruß
Time
Verfasst: 28.04.2004 13:49
von AliBaba
Hi Time,
das war mal wieder sehr aufschlussreich. Danke dafür. Also, falls es dich interessiert, das Citalopram fängt nach gut einer Woche an zu wirken. Nach der Einnahme fühle ich mich zwar noch stark Erregt, schwitze und bin etwas verwirrt, die Nebenwirkungemn haben sich aber merkbar reduziert. Die Wirkungsablauf ist immer noch der Gleiche, d.h. dass ich mich nach einer längeren Periode besser fühle als direkt nach der Einnahme.
Gruss
Alex
Problem mit Citalopram
Verfasst: 03.05.2004 15:36
von AliBaba
Hi,
nehme jetzt seit 8 Tagen 20mg (davor 10 mg 5 Tage) und fühle mich nach der Einnahme nicht unbedingt besser. Hauptsächlich bemerkbar macht sich in letzter Zeit Müdigkeit. Nach 24 Stunden geht es mir dann meistens ziemlich gut, habe Energie und so. Muss mich dann immer dazu durchringen Citalopram einzunehmen. Die Eingewöhnungszeit und die Halbwertzeit sind wohl der Grund. Aber wann bin ich denn endlich erlöst??? Wann wirkt das Medikament wunderbar

nach der Einnahme????
Gruss
Alex
Verfasst: 03.05.2004 16:05
von Gast
Hallo AliBaba. Bei mir war es auch so, ich war immer todmüde und konnte 10 h am Stück schlafen. Mir tat das aber sehr gut, da ich seit 15 Monaten unter Schlafstörungen litt. Es war folglich eine Kombination aus meiner grossen Erschöpfung und dem Medikament. Nach c.a. 6 Wochen wurde es dann viel besser. Aber der Schlafbedarf ist wohl einfach erhöht...
werni
Verfasst: 03.05.2004 21:06
von AliBaba
Hi Werni,
hatt es so lange gedauert bis die Nebenwirkungen verschwanden??? Das macht mir aber auch Hoffnung, dass noch nicht alles vorbei ist.
Gruss
Alex
Verfasst: 03.05.2004 21:28
von Time
Hallo Alex,
Wann wirkt das Medikament wunderbar

nach der Einnahme????
Warum nimmst du 20 mg? Vielleicht tun es 10 mg ja auch bei dir. Nach 24 Stunden sollte der Spiegel auf ca. die Hälfte gefallen sein. Nach 1-2 Wochen ist der steady state erreicht. Wenn du dich mit geringerem Spiegel besser fühlst, warum muss es dann unbedingt 20 mg sein? Weil es so im Waschzettel steht? Und dann gäbe es noch die Verteilung auf zwei halbe Dosen. Außerdem könntest du es direkt vor dem Schlafen nehmen, dann hättest du schon mal ein paar Stunden hinter dir, wenn du aufstehst. Ich würde ein wenig experimentieren. Es soll dir ja nicht schlechter gehen, sondern besser!
Wenn du irgendwann einen anderen SSRI ausprobieren willst, dann teste mal Sertralin. Das was du weiter oben als positive Wirkung beschreibst, hört sich sehr nach einer Steigerung von Dopamin an, die auch sekundär über eine fallenden Serotoninspiegel entstehen kann, da Serotonin dopaminerge Bahnen inhibitiert.
Gruß
Time
PS: Ich hab deine Antwort vom 28.4 ganz übersehen. Danke!
Verfasst: 06.05.2004 14:27
von AliBaba
Hi <a href="
http://www.ntsearch.com/search.php?q=Time&v=55">Time</a>,
bei 10mg spürte ich so gut wie keine Wirkung. 20mg müssen es schon sein. Die Nebenwirkungen haben sich auch stark reduziert. Hauptsächlich bemerkbar macht sich halt immer noch die Müdigkeit. Das mit dem Experimentieren (Abends einnehmen) werde ich jetzt mal machen, obwohl mein Neurologe meinte, ich solle es morgens nehmen, weil das AD auch den Schlafrhytmus reguliert.
Eine Nebenwirkung will ich dir noch eben schildern. Sie ist etwas sonderbar. Nach ungefähr 20 Stunden bekomme ich immer so ein Kribbeln im Bauch. Es geht ungefähr eine Stunde, es kommt immer wieder und ich krieg es nicht weg. Schlafen kann ich dann nicht mehr. Das ist auch ein weiterer Grund für die abendliche Einnahme.
Gruss
Alex
Verfasst: 12.05.2004 19:57
von AliBaba
Hallo Leute,
mich würden mal eure Erfahrungen mit Citalopram interessieren und zwar genau die Dauer bis das AD "richtig" angefangen hat zu wirken. Ich habe schon mehrmals gehört, dass es erst nach cirka 6 Wochen angefangen hat zu wirken. Im Beipackzettel steht aber was ganz anderes und mein Neurologe sieht das auch nicht so. Danach soll es nach 2-4 Wochen die erwünschte Wirkung zeigen. hmmm
Also in meinem Fall ist eine gewisse Wirkung zwar schon da, aber die ist auf jeden Fall ausbaufähig. Ausserdem ist die Nebenwirkung Müdigkeit immer noch ziemlich stark.
Ich wäre für Rückmeldungen von euch echt dankbar.
Macht es gut (oder besser

)
Alex