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Gibt es jetzt noch ein zurück?

Verfasst: 12.03.2004 17:56
von Mya
Erst einmal ein Hallo an alle!

Ich bekam von meinem Arzt wegen unterschiedlichen, psychischen Problemen Paroxetin verschrieben. Ich informierte mich bevor ich mich entschied es zunehmen ein bisschen darüber, da ich mit dem Antidepressivum davor auch negative Erfahrungen machte.

Nach Rücksprache mit meinem Arzt, der mir versicherte fast ausschließlich nur gute Erfahrungen mir Paroxetin gemacht zu haben, entschied ich mich es doch zu nehmen. Heute habe ich allerdings noch etwas im I-net recherchiert und bin jetzt absolut geschockt!
Ich habe von Menschen gelesen die jahre, sogar manchmal ein leben lang Entzugserscheinungen hatten.

Sicher kann man nicht alles glauben, Gegner die etwas schlecht reden git es immer, genauso wie Studien die von der Pharmaindustrie gesponsort werden, aber das beunruhigt mich doch ein wenig.

Hat jemand Erfahrungen mit Paroxetin gemacht?

Ich habe bis jetzt nur eine einmalige Dosis von 10 mg genommen. Kann ich noch zurück und es einfach bleiben lassen?

Liebe Grüße, Mya

Verfasst: 13.03.2004 11:04
von CloneX
Hi Mya,

wie meinst du das mit "noch zurück" ? Natürlich kannst du einfach das Medikament nicht mehr nehmen falls du es erst ein paar Mal genommen hast. Da sollten keine großen Probleme auftreten.

Im Internet findet man wirklich viel zu Paxil bzw. Seroxat bzw. Paroxetine. Es ist wohl mit das bekannteste aber auch anscheinend gefährlichste SSRI. Trotzdem trifft auch da zu, dass nicht jeder Probleme damit hat. Die Entscheidung liegt letztendlich bei dir.

Ich finde es gut, dass du dich vorher informierst. Viele wünschen sich, sie hätten es vorher auch getan zumahl viele Ärzte halt einfach keine Ahnung von z.b. den Absetzproblemen haben.

Lebenslange Entzugserscheinungen sind doch eher die seltene Ausnahme, aber sie KÖNNEN existieren - auch wenn des die Ärzte nicht wahrhaben wollen. Einen Entzug über mehrere Wochen bzw. Monate bis wenige Jahre is allerdings nicht sooo unwahrscheinlich.

Aber leider ist es immer so...no risk no fun :?

Hier wirst du sicherlich hauptsächlich negative Erfahrungen mit Paroxetine finden, weil sich dieses Forum besonders mit den Absetzproblemen befasst. Aber in anderen Foren wirst du sicherlich auch positive Erfahrungen finden - meistens beginnen die wirklichen Probleme auch erst beim Absetzen....

Verfasst: 13.03.2004 14:54
von Astrid
Hallo Mya,

herzlich willkommen in diesem Forum!

Natürlich kannst du noch zurück. Nach erst zweimaliger Einnahme kannst du bestimmt noch problemlos mit der Einnahme aufhören.

Was aber bleibt, ist eine grundsätzliche Entscheidung treffen zu müssen, mit welcher Methode bzw. auf welchem Weg du zum Gesundwerden kommen kannst.

Ich habe mit psychischen Problemen, Therapie und Paroxetin reichlich Erfahrung gesammelt. Wenn du Fragen hast, wenn ich dir bei der Entscheidungsfindung behilflich sein kann, dann stehe ich dir gerne zur Verfügung.

Mit herzlichen Grüßen
von
Astrid

Verfasst: 13.03.2004 17:27
von Mya
Vielen Dank für eure Antworten!

Ein paar Fragen hätte ich schon an dich Astrid...

Da ich vor einer wichtigen Prüfung stehe ist das Hauptziel mich psychisch Stabil zu halten bis ich "über den Berg" bin.

Eine klare Diagnose "Bipolarstörung", "Borderline" oder so habe ich (bis jetzt) nicht bekommen. Die Symptomatik ist breit gefächtert und es ist für mich wirklich furchtbar nicht zu wissen was mir fehlt. Ich bekam Trimipramin, ein trizyklisches AD was gleichzeitig auch etwas dämpfend wirkt. Die Wirkung war gut, ich schlief wieder gut, leider zu gut. Ich kam morgens nicht aus dem Bett, hörte den Wecker nicht mehr und war den ganzen Tag sehr platt und nicht Aufnahmefähig.

Daraufhin verschrieb er mir Paroxetin.

Gestern früh nahm ich dann Paroxetin was wirklich einschlug wie eine Bombe! Ich nahm nur eine halbe aber spürte nach kurzer Zeit eine antriebssteigernde Wirkung. Ich war so happy, hatte keine Angst mehr vor Menschen, die ganzen "alle hassen mich Gedanken" etc. waren weg. Ein bisschen fühlte ich mich wie auf Ecstasy, ich war so erschöpft eigentlich aber trotzdem so getrieben und gut drauf, ich konnte gar nicht mehr aufhören, es war sehr unangenehm.

Außerdem bekam ich wieder andere Ängste die eigentlich schon weg waren wie habe ich das Auto wirklich abgeschlossen, ich muss nochmal nachgucken...

Im "normalzustand" ohne Medis leide ich an antriebsschwacher Hyperaktivität. Das widerspricht sich, ich weiß, aber ich bekomme nichts auf die Reihe, nicht mal einen Breif in den Briefkasten zu werfen weil das soooo anstrengend ist, ist aber was geboten was mir freude macht bin ich das Hyperaktivitätsbündel schlechthin. Alles gepaart mit Stimmungsschwankungen.
Das war auf Paroxetin schon weg. Gestern abend bekam ich dann aber schreckliche Kopfschmerzen die fast unerträglich waren.

Wie sind deine Erfahrungen mit Paroxetin gewesen? Hat es bie dir ähnlich gewirkt? Hast du Erfahrungen mit anderen ADs die besser gewirkt haben?

Vielen Dank für deine Bemühung! Das ist wirklich sehr nett von dir :-)

Verfasst: 13.03.2004 19:15
von Astrid
Liebe Mya,

Paroxetin hat bei mir anders gewirkt als bei dir. Die ersten drei Wochen waren der nackte Horror. Ich weiß noch ganz genau, dass es dann einen Tag gab, an dem ich morgens spürte, wie es besser wird und ab mittags hatte ich den Eindruck, ab jetzt wirkt Paroxetin.
So war es und blieb es auch.
Seit dem hat mir die Einnahme des Medikaments geholfen stabiler zu werden. Die chronische Panik baute langsam ab und ich hatte "nur noch" Panikattacken. Hört sich absurd an, aber ich empfand es damals als enormen Fortschritt. Auch die Depressionen ließen nach. Mein Gesamtzustand besserte sich innerhalb einiger Monate so sehr, dass ich endlich auch in meiner Therapie Fortschritte machen konnte.
Das war überhaupt das Entscheidende. Bis es soweit kam, war ich bereits ein Jahr lang in Therapie, die sich nur darin ereignete mich irgendwie von einem Termin zum nächsten zu stützen. An Veränderungen, die ich mit der Therapie erreichen wollte, war erst zu denken, als ich psychisch und physisch stabil genug war.
In diesen Zustand kam ich aber erst mittels Paroxetin.
Sogesehen bin ich für die Wirkung des Medikaments sehr dankbar und nahm die Begleiterscheinung billigend in Kauf. Diese sind: 12 kg Gewichtszunahme, Nachlassen der Libido, Reizdarm und übertriebene Appetitsteigerung. Sie werden hoffentlich ohne Paroxetin genauso wieder verschwinden wie sie gekommen sind.

Das ist meine bisherige Erfahrung mit Paroxetin. Mehr dazu kannst du in meinem Erfahrungsbericht nachlesen.
Aber jeder reagiert individuell auf ADs. Das erlebst du jetzt gerade selbst bei dir.
Bekanntlich dauert es zwei bis vier Wochen, bis Paroxetin antidepressiv und angstlösend wirkt. In deinem Fall vermute ich fast, dass du zunächst eine detaillierte Diagnose abwarten solltest, bevor du ein AD einnimmst.

So wie du deine antriebsschwache Hyperaktivität beschreibst, die ich mir übrigens sehr gut vorstellen kann, liegt es nahe, dich auch auf ADS (Aufmerkssamkeits-Defizit-Syndrom) hin zu untersuchen.
Es gibt so viele Erwachsene die davon betroffen sind, ohne es zu wissen. Obwohl sie wie getrieben aktiv sind, halten sich häufig für unfähig irgendetwas zu Ende (auf die Reihe) zu bringen, fangen an hundert Ecken gleichzeit an und sind am Ende des Tages völlig erschöpft und ausgebrandt ohne ein zufriedenstellendes Ergebnis zu sehen. Das zieht leicht Selbstzweifel, Depressionen und Ängste nach sich. Und schon werden die behandelt ohne ihren Ursachen auf die Spur gekommen zu sein.
ADS wird anders behandelt als Depressionen und Panikattacken. Daher halte ich es für wichtig, dass du das vorher abklären lässt.

Mit anderen Antidepressiva habe ich nur sehr sporadische Erfahrungen gemacht. Das waren alles ADs, die situativ wirkten und ein großes Abhängigkeitsrisiko mit sich brachten.

Lexotanil nahm ich am Todestag meines Vaters ein. So ein Quatsch, kann ich im Nachhinein nur sagen. Die viertel Tablette macht matschig, matt und müde und ließ mich die Trauer nur dumpf spüren. Warum eigentlich, sollte ich die nicht ganz spüren? Der Arzt meinte es wäre besser.
Danach habe ich Lexotanil erst wieder eingenommen, als ich mit Prüfungsängsen im Staatsexamen zu kämpfen hatte. Hat aber nix gebracht. Also verkümmerte das Zeug im Medikamentenschrank, bis das Haltbarkeitsdatum ablief.

Talis hieß das Wundermittel, dass ich vor 9 Jahren verschrieben bekam. Das half spontan für ca. 4-8 Stunden und half mir manchmal "zu überleben". Insgesamt nahm ich davon 3,5 Tabletten.
Ähnlich erging es mir mit Bromazalin und Tavor. Einmal getestet - den Ausnahmezustand nicht gemocht - und dann in den Schrank zurückgestellt.
Du siehst, ich habe einen Heidenrespekt vor diesem Zeugs, muss aber auch dazu sagen, dass ich wohl extrem sensibel reagiere.

Eines ist mir noch wichtig zu sagen:
Kein Medikament schafft es alleine uns wieder gesund zu machen!
Es kann uns nur helfen, besser dazu in die Lage zu kommen, uns selbst zu helfen oder auf therapeutischem Wege helfen zu lassen.
Das ist meine Erfahrung!

Mya, frag ruhig weiter wenn du willst.

Mach´s gut!

Astrid

Verfasst: 13.03.2004 21:49
von Mya
Liebe Astrid!

Zu beginn zog mein Arzt die Diagnose ADHS im Erwachsenenalter in betracht und verschrieb mir Ritalin, von dem ich zwar gedämpft im Rededrang und anderen schädlichen Aktionen wurde aber ich wurde so depressiv wie noch nie in meinem Leben. Und ich bin zwar hyperaktiv wenn ich unterwegs bin, z.B. abends mit Freunden, da kann ich nicht aufhören zu reden und tue oft auch verrückte oder leichtsinnige Dinge und bin das absolute Nervenbündel oder auf der Arbeit oder in der Schule aber ansonsten liege ich oft im Bett oder sitze vor dem Pc und schaffe nicht einmal mir etwas zu kochen...

Daraufhin meinte mein Arzt ich würde wohl an einer Bipolarstörung leiden welche durch fehlende Hyperaktivität verstärkt werden würde. Oder ich sei überdurchschnittlich Intelligent und meine ständige Langeweile käme davon.
Ich weiß nicht ob ich wirklich depressiv bin denn ich kann weinen ich denke nur sehr selten an Selbstmord etc.

Seit ich richtig in die Pubertät kam ging es los so mit 14. In kurzer Zusammenfassung heisst dies:

SSV, Essstörung, Selbstmordversuche (früher), extremer Alkoholkonsum, übermäßiges Geldausgeben bis fast hin zur Kaufsucht, Beziehungen geprägt von Hassliebe, Nervenzusammenbrüche, uns als Kind hatte ich schwere Ängste (vorallem Angst vor Krankheiten, Angst zu sterben, Angst andere Leute können meine Gedanken lesen) und ich war immer schlecht eingliederbar. Heute habe ich nur noch seltenst Attacken in denen ich mich in Angst oder wahnhafte Vorstellungen verrenne (mein Arzt macht Medikamentenexperimente mit mir...) außerdem neigte ich früher auch zu lügen, Tatsachenverdrehen

Es ist so verfahren irgendwie. Und obwohl es mir seit etwa einem Jahr besser geht, bin ich wirklich immernoch absolut Verhaltensgestört. Mit Medikamenten bin ich auch sehr vorsichtig, zumal ich oft Panikattacken bekomme wenn ein Medikament "komisch" wirkt.

Meinst du ich sollte nocheinmal mit meinem Arzt sprechen? Wie ist denn die Wirkung von Paroxetin nach 2 Wochen?

Ich hoffe ich gehe dir nicht auf die nerven mit meinen Fragen...

Ganz liebe Grüße, Mya

Verfasst: 14.03.2004 00:09
von Astrid
Liebe Mya,

mir ist im Leben schon viel auf die Nerven gegangen. Mit anderen Worten, wie könntest du mir auf die Nerven gehen? - lol

Ich kann dir nicht sagen, wie die Wirkung von Paroxetin bei DIR in zwei Wochen sein wird. Das ist wie gesagt sehr individuell unterschiedlich.

Auf jeden Fall solltest du mit deinem Arzt im Gespräch bleiben.
Er scheint sich nicht sicher zu sein, WOGEGEN er dich behandeln soll.
In deinem Wortlaut lese ich, dass er bisher verschiedene Vermutungen geäußert hat, aber keine eindeutige Diagnose erstellen konnte.

Auf die würde ich an deiner Stelle vor einer Behandlung unbedingten Wert legen.

Du hast im letzten Beitrag stichwortartig ein bißchen von dir preisgegeben. Das lässt einen gewissen Einblick zu. Auf Grund dieses kleinen Einblicks möchte ich dir raten, über eine Therapie nachzudenken. Möglicherweise benötigst du gar kein AD.
Wenn du genügend Vertrauen zu deinem Arzt hast, dann sprich mit ihm darüber. Deine Bedenken, er könnte Medikamentenexperimente mit dir machen, sind nicht von der Hand zu weisen. Schließlich hat er dir bis heute nicht sagen können, was du A) genau hast und warum es B) genau mit Paroxetin behandelt werden sollte.

Ich möchte dir Mut machen, dir mehr Klarheit über all die Zusammenhänge zu verschaffen, die zu deinem Verhalten führen und die dich nicht wohl fühlen lassen.

Immer für Fragen offen
mit herzlichen Grüßen
Astrid