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Würdet Ihr noch mal Antidepressiva nehmen?

Verfasst: 29.02.2004 11:13
von Jasmin
Hallo.
Am 10.3. steht mir ein Termin bei einer Neurologin wegen meiner Angsterkrankung (panikattacken usw.) bevor. Es dürfte schon vorprogrammiert sein, dass sie mir Antidepressiva verschreibt. Ich habe mal Paroxetin bekommen, es aber nie eingenommen. Ich bin oft sehr verzweifelt, weil mich die Angst äußerst einschränkt, stelle mir aber die Frage, ob ich mich mit der Einnahme von Antidepressiva noch mehr runterziehe und am Ende alles noch viel schlimmer wird (auch wenn ich denke, das geht schon nicht mehr). Die Meinungen sind ja so verschieden und ich kann keine rechte Lösung finden.
Vielen Dank schon mal für eure Antworten!
Jasmin

Panik usw.

Verfasst: 29.02.2004 14:42
von alex
Nein, Nein , Nein.

Entspannungsübungen .

Keinesfalles Chemische pillen schlucken, du wirst zu 90 % nicht davon wegkommen oder nur sehr schwer.

Es ist ein Teufelskreislauf.

Den mach ich zur zeit durch.

Vor 15 Jahren fing ich mit schlafmittel an/und immer die selben. Jetzt bin ich dabei die Palggegeister wegzubekommen. Glaub mir es ist heftig.

Verfasst: 29.02.2004 15:26
von Unicorn
Hallo Jasmin,

Ich glaube vor zwei Wochen haette ich dir noch gesagt: Um von den Panikattacken wegzukommen, brauchst du die Hilfe der Medikamente!

Aber nach den Erfahrungen, die ich letzte Woche leider machen musste (beim Absetzen eines Antidepressiva zwecks Übergang zu einem anderen) kann ich nur sagen: Wenn es irgendwie geht, fang nicht mit Medikamenten an sondern suche alternative Lösungen (Meditation, Yoga etc.).

Oder suche zumindest im Internet zuerst nach naeheren Informationen bzw. Erfahrungsberichten über das Antidepressiva, das dir verschrieben wird. Mit vielen Antidepressiva (bzw. dem Absetzen) hatte ich persönlich keine Probleme. Aber das ist ja auch von Mensch zu Mensch unterschiedlich.

Viele Grüsse,
Unicorn

Verfasst: 29.02.2004 20:18
von Astrid
Hallo Jasmin,

die gleiche Frage habe ich mir selbst auch schon gestellt.
Ich würde so gerne Nein sagen, aber ich tendiere doch ein ganz kleines bißchen mehr zu Ja.
Das hat seinen Grund in meiner Krankengeschichte (siehe Erfahrungsbericht). Als ich mich für die Einnahme des ADs entschieden hatte, tat ich das nach langem Überlegen und vielfacher Beratung. Aber vor allem tat ich es, weil ich an einem Punkt angekommen war, der nicht mehr zu unterschreiten war. Mein Körper war durch jahrelange zunehmende Depressionen und mittlerweile chronische Panik bereits in einem Selbstvernichtungszustand. Mein Immunsystem war derart geschwächt, dass es mir nicht mehr gelang aus eigener Kraft gesund zu werden.
Es ging NICHTS mehr!

Bei meinem letzten Besuch beim Neurologen sprach ich mit ihm über die segensreiche Wirkung des ADs und über die unheilvollen Absetzsymptome.

Er erzählte mir die Geschichte eines Patienten, dem es ähnlich ging wie mir. Der Neurologe behandelte ihn zu einer Zeit vor 20 Jahren, als es noch keine der ADs gab, wie wir sie heute kennen. Er behandelte den Patienten zwei Jahre lang intensivst. Zunächst über mehr als ein Jahr in der Psychiatrie und dann weiter ambulant therapeutisch. Der Mann hat es geschafft zu überleben, wieder körperlich und psychisch gesund zu werden und auch wieder sozial- und arbeitsfähig zu werden - ganz ohne AD nur mit Therapie.

Das wäre also die Alternative gewesen, dachte ich so, als ich die Geschichte hörte.

Ist fast wie bei einer Erkältung. Sie dauert mit oder ohne Medikamente 10 Tage.

So ist es auch bei Depressionen, Angst und Panik.
Die Krankheit bzw. die Heilungsdauer scheint ob mit oder ohne Medikamente zwei Jahre oder mehr zu dauern.
Nur mit dem Unterschied, dass die Medikamente das Leiden deutlich lindern können.
Aber entscheidend ist und bleibt die Therapie, denn Medikamente allein verändern nichts.
Das sollte man unbedingt vorher wissen.

Außerdem, Jasmin, gibt es viele Menschen, die keinerlei Absetzprobleme haben. Das weiß man ja vorher nicht.

Ich würde an deiner Stelle gut abwägen, was du willst und worauf es dir ankommt, bevor du dich für oder gegen eine AD-Einnahme entscheidest.

Herzlichst
Astrid

Verfasst: 29.02.2004 21:06
von Max
Hi Jasmin,

auch von mir ein klares NEIN! :P
Letztlich ist es doch ein Lotteriespiel, ob man einen fähigen Neurologen findet und dann auch noch die richtigen Medis. Einer hat halt mehr Glück, der andere weniger. Die „Experten“ blicken doch meist selber nicht durch, in erster Linie ist das ganze doch ein riesiges Geschäft, wo es um viel Geld geht, und darum dreht sich bekanntlich die ganze Welt!

Alles Gute und gute Nacht allerseits! :wink:
Max

Verfasst: 29.02.2004 22:21
von Uschi
Hallo Jasmin,

vor dieser Frage stand ich auch oft, soll ich was nehmen oder nicht? Ich habe in den 20 Jahren seit ich immer mal wieder Depressionen und Ängste habe jedoch keine guten Erfahrungen gemacht. Man kann damit nämlich diese Erkrankung nicht heilen sondern nur lindern , wenn man diese Mittel dann absetzt geht es wieder los und man hat auch noch die Nebenwirkungen der Medikamente zu tragen. Ich bekam mehrere Antidepressiva im Laufe der Jahre, gebessert hat sich dadurch für mich nichts außer einer Gewichtszunahme. Dann habe ich es jahrelang ohne probiert, mit Naturheilmitteln, Homöophatie, Akupunktur usw. Dadurch hatte ich jedoch immer nur eine Linderung , jedoch ohne Nebenwirkungen außer für meinen Geldbeutel. Vor zwei Jahren habe ich dann wieder Depressionen und Ängste bekommen, da wollte ich es nochmals mit der Medizin probieren, ich habe damals mit Paroxetin angefangen erst 20mg zum Schluß 40mg. Und was soll ich sagen es ging mir so gut wie nie zuvor. Ich war ganz glücklich endlich etwas was mir hilft. Und nun fing es vor ein paar Wochen wieder an. Was war geschehen ich habe mich mittlerweile an das Mittel gewöhnt und müßte nun wieder erhöhen! Aber ich habe mich dagegen entschieden, ich habe angefangen auszuschleichen , jedoch mit Hilfe von Insidon.
Also wenn ich es noch mals zu tun hätte würde ich das Zeugs nicht mehr nehmen. Das einzige was mir diese ganzen Mittel gebracht haben , ist eine gewisse Linderung für kurze Zeit, enorme Gewichtszunahme, in den 20 jahren insgesamt 22kg!! Das einzige was mir bei meinen Ängsten auf Dauer geholfen hat , ich bin nicht mehr davor geflüchtet, ich habe die Angst ausgehalten und dabei gemerkt irgendwann kommt sie nicht mehr, wenn man erfährt es passiert einem nichts. Das habe ich bei bestimmten Ängsten regelrecht trainiert. Ist ein schwerer Weg aber durchzustehen. Und bei meinen Depressionen werde ich auch etwas finden das mir hilft. Ich habe mit Sport angefangen, und mir eine Beschäftigung gesucht die mir Spaß macht und mich ablenkt.
Wenn Du es irgendwie packst fang nicht damit an.
Vielleicht kannst Du ja mit Hilfe Deiner Ärztin einen Therapeuten finden der Dich unterstützt.
Für Dich alles Gute Uschi

Verfasst: 01.03.2004 11:39
von Hippo
In der gleichen Situation, in der ich damals war, würde ich es wieder nehmen, wenn auch etwas (viel) besser aufgeklärt.
Ich wusste nicht mehr weiter, war voller Angst, war psychisch und inzwischen auch körperlich am Ende. Die Spirale führte unaufhaltsam nach unten, ich glaubte ja nicht mal an die Wirkung des ADs.
Dennoch, meiner Ansicht nach sollte ein AD auschließlich dazu dienen, einen unaufhaltsamen Teufelskreis (bei mir Angst, Schwindel, Hypochondrie, Depression) zu durchbrechen, um überhaupt mit anderen Therapiemöglichkeiten ansetzen zu können.
So lange man selbst noch irgendwelche Alternativen sieht, sollte man diese natürlich versuchen zu nutzen.

LG
Hippo