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Verfasst: 25.02.2004 21:14
von CloneX
Hi Anne,
schade dass es dir nicht so gut geht

.
Ich denke jetzt ist es wichtig, dass du die positiven Aspekte an der ganzen Sache siehst. Ja, diese ganze Entzugsscheise zerstört...aber es lässt einen auch reifer werden und das Leben viel mehr wahrnehmen als andere. Was einen nicht umbringt macht einen nur stärker.
Aber was wichtiger ist: Du musst dich vor NIEMANDEN rechtfertigen oder schämen. Wenn jemand dich als "psychisch krank" abstempelen will dann denk dir einfach "fuck you". es ist dein leben. vielleicht mussten leute etwas "leiden" während du krank warst, aber das ist nichts im vergleich zu dem was du durchmachen musstest - etwas für das du nichts kannst. hinzukommt noch, dass du jetzt anderen menschen hilfst die auch soetwas durchmachen - hier im forum. damit erleichterst du vielen anderen sogar das leid!
aber ich versteh schon, dass du angst hast jetzt überall als "psychisch krank" angesehen zu werden. viele können es auch nicht verstehen. deswegen habe ich es auch nicht viele leute wissen lassen - und ich habe "glück" das depressionen auch in den familien meiner freunde vorkamen. ich werde nicht groß anders behandelt. zumahl es ENTZUG ist - keine psychische krankheit. - ich kann dir da leider keinen großen rat geben.
sicher ist nur: es ist dein leben. du kannst dir ständig vorwürfe machen...oder es lassen. ich weiß, sowas ist immer einfacher gesagt - aber du packst das

. zumahl absolut kein grund besteht!
und falls leute dir vorwürfe machen: die sollen lieber dankbar sein, dass sie nicht selber das durchmachen mussten!
GO ANNE...GO ANNE

*rambleramble* ... hab n bisschen fieber

Verfasst: 25.02.2004 22:11
von Uschi
Hallo Anne,
das was Dir Clonex schreibt kann ich nur unterstreichen. Du hast schon viel mitgemacht , Du hast mir von Deinem Entzug geschrieben, mir hat das sehr geholfen und es hat mir Mut gemacht es auf die langsame Weise zu tun. Das was Du hier im Forum machst, nämlich anderen zu helfen, finde ich ganz toll. Und was Deine Verwandtschaft denkt muß Dir einfach egal sein, wichtig bist nur Du. Das was für andere ganz normal ist hast Du Dir schwer erkämpfen müssen, das kann nicht jeder. Vor allen Dingen, kann es auch jeden treffen, davor ist keiner sicher. Ich werde auch oft als psysich krank abgestempelt, na und ist mir mittlerweile Egal. Ich habe es auch manchmal satt mich rechtfertigen zu müssen, warum ich oft depressiv bin, Angstattacken habe usw, obwohl es mir doch eigentlich gut gehen müßte, da ich keine ernsthaften Probleme habe. So ist es eben in unserer Gesellschaft, wenn jemand eine Grippe hat oder Krebs bekommt der muß sich meist nicht rechtfertigen. Als es mir zum ersten Mal sehr schlecht ging habe ich auch etliche Freunde verloren, meine Mutter hat sich dann ganz zurückgezogen. Meine Geschwister sind erstmal weggeblieben. Nur mein Mann, die Familie von ihm und meine Kinder haben zu mir gehalten. Meine kleine Tochter hat mir damals, obwohl sie nicht verstand was mit ihrer Mami los war überall , bevor sie zur Schule ging kleine Zettel mit " Mama ich liebe Dich" hingelegt. Das hat mich dann immer wieder rausgerissen und sie stehen auch heute noch zu mir, obwohl sie ja eine psysich kranke Mama haben. Meine Mutter hat sich seit einem Jahr und nach einem Gespräch mit mir, indem ich so manches klären wollte was in meiner Kindheit war, sie ist bei den Zeugen Jehovas ganz von mir abgewendet. Wenn Sie mich jetzt irgendwo trifft, wendet sie sich ab , damit sie mich nicht ansehen muß. Dabei wollte ich mit ihr nur ein klärendes Gespräch führen, da ich heute noch viel was in meiner Kindheit war nicht verarbeitet haben. Meine eine Schwester hat sich seit 2 Jahren nicht mehr bei mir gemeldet da es mir ja wieder so schlecht ging. Sie ist auch bei den Zeugen Jehovas. Nur meine jüngere Schwester hat bisher zu mir gehalten, allerdings sprechen wir nicht mehr über den Rest der Familie, weil sie es so will. Als sie hörte, dass ich von dem Medikament weg will, man jedoch massive Probleme beim reduzieren hat, sagte sie wortwörtich: Oh Gott, wenn Du dann wieder anfängst zu spinnen, bleiben wir erstmals wieder für eine Weile weg! Toll oder? Du siehst also du bist nicht alleine, da müssen wir denke ich einfach damit leben. Aber da haben wir schon schlimmeres geschaft? Oder etwa nicht? Wenn Du Dich mittlerweile als gesund siehst, dann ist das das wichtigste, und die anderen sollen doch denken was sie wollen.
Also Anne Kopf hoch, die sollen hingehen wo der Pfeffer wächst!
Paß auf dich auf, viele Leute die hier im Forum sind, brauchen Dich und Deine Erfahrungen.
Uschi
Verfasst: 26.02.2004 00:00
von Astrid
Liebe Anne,
um dir heute noch antworten zu können, habe ich die Beiträge von CloneX und Uschi nur überflogen. Entschuldigt bitte, ich werde sie noch ausführlicher lesen.
Aber in Anbetracht der späten Stunde steht bei mir eine Antwort an Anne im Vordergrund.
Du fragst, wie du das Stigma wieder los wirst?
Antwort: Indem du es abgelegst oder besser noch erst gar nicht annimmst.
Denn, nicht du hast das Stigma im Kopf oder in Worte gefasst, sondern das waren andere. Was die über dich denken, musst du ihnen überlassen. Das kannst du nicht ändern.
Aber du kannst deine eigene Einstellung ändern.
Scham und Pein, das waren auch meine Hauptbefürchtungen. Wie ich schon im Erfahrungsbericht schrieb, habe ich bis zum heutigen Tag noch nicht mal meine Mutter eingeweiht. Die Stigmatisierung durch unsere nächste Umgebung macht auch in einer scheinbar weltoffenen Großstadt nicht vor uns Halt.
Also Anne, ich glaube du bist normal, weil du wieder normal empfindest. Ich finde es sehr passend, die Vorwürfe und das Misstrauen deiner Verwandten als verletzend, ja, ich möchte sogar sagen, dumm zu finden.
Anne, schau hin! Was weiß denn deine Verwandte über deine Erkrankung und Gesundung? Was weiß sie über die Lebenserfahrung oder besser gesagt über die Lebensaufwertung, die du durch deinen Weg des Gesundwerdens erfahren hast?
Nichts - würde ich mal vermuten.
Wir hier im Forum müssen uns mühsam all die Informationen über Depressionen und Medikamente und die damit verbundenen Zusammenhänge erarbeiten und das alles selbst „durchmachen“.
Angehörige stehen dem ratlos gegenüber. Sprechen geradezu in einer anderen Sprache darüber. Es basiert auf Unsicherheit.
Dir sei nicht zu trauen? Schade, nein, lächerlich, dass deine Verwandte das so meint.
Wir hier meinen wohl eher das ganze Gegenteil. Würden deine Beiträge sonst ein solches Echo erfahren?
Ach ja, ich vergaß, wir sind dann ja hier auch alle psychisch krank und können für nichts garantieren - lol!
Ehrlich gesagt, wenn ich die Wahl hätte, dann würde ich fast dazu tendieren mich für letzteres zu entscheiden, denn dann hätte ich immer noch die Wahl, statt mich für "einmal krank - immer krank" festlegen zu müssen.
Ich glaube dir gerne, dass dich solche mit insgeheimen Misstrauen bespickten Vorwürfe wie im Alptraum fühlen lassen.
Falls du davon überzeugt bist, dass jemand unter dir gelitten hat, dann sprich denjenigen darauf an. Sag ihm, was du glaubst und frag nach, wie es für ihn war (ist).
Ich weiß, das hört sich banal an. Ist es auch. Aber manchmal führen auch die einfachsten Wege zum Ziel.
Du sprichst davon, dass dich Bilder wieder einholen und nicht schlafen lassen.
Anne, das braucht nicht zu sein. Bilder sind austauschbar. Du kannst sie ersetzen, indem du dich zum Schlafen z.B. auf ein Sofa oder eine andere Bettstelle legst. Ich hätte noch viele Ideen dazu. Wenn du willst, schreibe ich dir gerne mehr darüber. Aber es würde momentan den Rahmen des Forums sprengen.
Du selbst schreibst:
"Ich selbst sehe mich nicht mehr als psychisch krank."
DAS IST DAS ENTSCHEIDENDE!!!!!!
Du ahnst nicht, wie lange ich meine "psychische Erkrankung" versteckt habe aus Angst vor "dem Stempel auf der Stirn".
Ein ganz enger und vertrauter Freund sagte mir mal: "Du warst schon immer so herrlich verrückt."
Klingt das nicht schön?
Aber als ich es hörte, tat sich ein Loch vor mir auf. Ich dachte nur: "Jetzt denkt selbst er schon so." Dabei hatte er es liebevoll anerkennend gemeint.
Kurz um, Anne, ich glaub schon, jemand zu sein, die das versteht, was du gerade durchmachst.
Falls dir danach zumute sein sollte, darfst du mir gerne schreiben.
Herzlichst
Astrid