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 ! Nachricht von: Oliver

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Entzugserscheinungen oder Absetzprobleme? - Was sagt ihr?

Hier lassen sich auch viele Erfahrungsberichte über das Absetzen von Antidepressiva und Benzodiazepinen finden.
Gesperrt
Astrid
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Entzugserscheinungen oder Absetzprobleme? - Was sagt ihr?

Beitrag von Astrid »

Liebe Forums-Mitglieder,

man liest hier immer wieder von Entzugserscheinungen und / oder Absetzproblemen.

Entzugserscheinungen, dass hört sich nach Sucht und Abhängigkeit an.
Absetzprobleme klingt irgendwie harmloser, so als könnte man es schaffen.

Machen AD süchtig?
Machen AD abhängig?
Sind diese beiden Adjektive wirklich die zutreffenden?
Oder sollte man sagen, AD können massive Probleme beim Absetzen nach sich ziehen?

Was sagt ihr?
Was trifft auf euch zu?

Diese Frage interessiert mich schon seit langem.

Über zahlreiche Antworten freue ich mich sehr.


Astrid
CloneX
Gründer
Beiträge: 1165
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Beitrag von CloneX »

Das ist eine der Hauptstreitfragen wenn es um die Absetzprobleme von den SSRI geht.

Ich nenne es Entzugserscheinungen. Absetzungserscheinungen klingt gleich viel niedlicher und wurde - soweit ich weiß - von der Pharmaindustrie erschaffen. Denn wie würde es aussehen wenn man plötzlich Entzugserscheinungen im Beipackzettel stehen hätte ? Unter Absetzungserscheinungen kann sich der Patient nicht so viel vorstellen. Man will schließlich keine "Kunden" verlieren. Geld regiert die Welt.

Sind es nun Entzugserscheinungen ? Da gibt es ja verschiedene Defintionen.

Hat man nach dem Absetzen der Medikamente den Suchtdrang das Medikament wieder einzunehmen ? - NEIN
Hat man nach dem Absetzen schwere Entzugserscheinungen die einem dazu bringen können das Medikament wieder einzunehmen ? - JA

Ich finde nur der Beriff Entzug kann dieses Phänomen beschreiben. Obwohl Hölle es für viele wohl noch besser trifft.

Das ist das faszinierende - In der Werbung (USA) tun die Hersteller alles damit die Leute die Vorteile ihrer dollen Medikamente verstehen. Aber die Nebenwirkungen werden so umständlich umschrieben wie es nur geht.

Die Frage ist doch: Wenn ein Patient sich vor Einnahme den Beipackzettel durchliest - was stellt er sich unter Absetzungserscheinungen vor ? Für mich wäre es nicht das gewesen was es ist: Entzug, ich finde kein anderes Wort.

Ich denke auch: Alle bis auf die Ärzte und Hersteller würden das Wort Entzug benutzten, weinn ihnen nicht das "Absetzungssyndrom" untergejubelt würde. Nicht umsonst ist das Internet voll mit dem Begriff "withdrawal" (Entzug) in Bezug auf die SSRI und ähnlichen ADs. Denn das ist das, was dem Patienten zuerst einfällt, wenn ihm nicht vorher "Absetzungserscheinungen" aufgedrängt wird.

Aber das einzige was die Pharmaindustrie interessiert ist GELD. Nichts anderes. Würde es ihnen auch um die Gesundheit gehen, dann sähe jetzt schon einiges anders aus. Der Hersteller von Seroxat wurde durch BBC Panorama mit den ganzen tausenden von Emails und Anrufen konfrontiert. Sie wissen also, dass es so ein Problem gibt und es nicht nur 2 Wochen anhält.

Hat sich was geändert ? Nein. :twisted:

Macht es mich wütend. Ja. :twisted:


Übrigens...Ich weiß nicht mal ob Entzug das richtige Wort ist. Ich kenne mich zwar nicht mit (echten) Drogen Entzug aus, aber ich habe gehört das schwerer SSRI Entzug noch heftiger sein kann als Drogenentzug. Und einer der größten Unterschiede ist ja: Drogenjunkies glaubt man, dass sie Entzug durchmachen. SSRI Junkies glaubt man es nicht.
Ini
Beiträge: 14
Registriert: 23.01.2004 18:30

Beitrag von Ini »

Wie ich hier so den Beitrag las, dachte ich.. schau doch mal in dem Beipackzettel von Diazepam nach, was da so drinnen steht in bezug auf Absetzen/Abhängigkeitmachung des Medikamentes. Wie ich jetzt ja nun weiß, ist es ein Hammermedi.

Als erstes fiel mir auf, daß es keinen direkten Absatz gab mit der Überschrift "Absetzungerscheinungen". Alle Hinweise über die Gefahr der Abhängigkeitmachung des Medis waren in den anderen Absätzen untergebracht, Absetzerscheinungen fanden sich unter Absätzen wie zB. unter "Zur Beachtung für den Patienten", "Nebenwirkungen" oder "Worauf müssen Sie sonst noch achten".

Unter "Worauf müssen Sie sonst noch achten" steht:
... beim Absetzen nach längerem Gebrauch könnnen, oft in Verzögerungen von einigen Tagen, Unruhe, Angstzustände und Schlaflosigkeit auftreten. Die Absetzungserscheinungen verschwinden im allgemeinen nach 2-3 Wochen.
*Hier gehe ich davon aus, daß mit Absetzen nach längerem Gebrauch die langsame Reduzierung des Medis gemeint ist. Wird aber so geschrieben, als wäre man nach drei Wochen Langsamreduzierung mit dem Thema durch. Nach so einigen Beiträgen, die ich hier gelesen habe, scheinen das wohl eher Utopieangaben zu sein.*

Unter "Nebenwirkungen" steht:
Durch plötzliches Absetzen des Arzneimittels nach längerer täglicher Anwendung können ca. 2-4 Tage Schlaflosigkeit und vermehrtes Träumen auftreten. Angst, Spannungszustände sowie Erregungen und innere Unruhe können sich verstärkt wieder einstellen. Das Erscheinungsbild kann sich in Zittern und Schwitzen äußern und sich bis zu bedrohlichen körperlichen (z.b. Krampfanfälle) und seelischen Reaktionen wie symptomatischen Psychosen (zB. Entzugsdelir) steigern.
*Hier ist wohl eher die Von-Heute-Auf-Morgen-Absetzung gemeint. Und das deutet doch extrem auf Entzug hin. Sodenn ist die Bezeichnung Absetzerscheinung eine nicht geringe Untertreibung.*

Leider habe ich keinen Beipackzettel von Zoloft mehr da, was ich mal eingenommen hatte. Wäre interessant mal den Vergleich zu sehen, was dort zu dem Thema steht. Und auch wo.

INI

Traf vielleicht nicht ganz das Ausgangsthema. Na Ja.
Astrid
Beiträge: 313
Registriert: 26.11.2003 18:02
Danksagung erhalten: 1 Mal

Beitrag von Astrid »

Hochinteressant, vielen Dank Anne und indirekt auch Oliver und Clonex!
Oliver
Gründer
Beiträge: 11072
Registriert: 10.10.2003 23:58
Hat sich bedankt: 713 Mal
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Beitrag von Oliver »

Hallo.

(Sorry bin gerade in England und deshalb mangelt es mir an Umlauten ...)

Ich finde, dass das ein sehr wichtiges Thema fuer jeden Betroffenen ist. Es ist wichtig zu erkennen, dass Worte haeufig auch dazu missbraucht werden, um die wahre Bedeutung eines Sachverhalts zu verschleiern. "Absetzsymptome" sind ein sehr gutes Beispiel dafuer. Neill Postman hat mal in etwa gesagt, dass Macht bedeutet, die Macht zu haben Begriffe zu definieren und dass man niemals ganz Sklave ist, wenn man sich seine eigenen Begriffe definiert (oder so aehnlich). Es liegt also an jedem selbst, wie er Begriffe wie "Abhaengigkeit", "Entzugserscheinungen" etc. fuer sich selbst versteht. Was ist Sucht? Was ist Abhaengigkeit? Es gibt viele Definitionen dafuer, aber am Ende kann nur jede fuer sich selbst entscheiden, was es fuer sie persoenlich bedeutet.

Ich finde z.B., wenn jemand grosse Probleme damit hat, die Einnahme eines Medikamentes zu beenden, dann ist sie abhaengig von diesem Medikament - ist doch eigentlich ganz einfach, oder? Die Pharmas schaffen es trotzdem die Oeffentlichkeit jahrelang schwindlig zu reden bis dann irgendwann trotzdem die Wahrheit ans Licht kommt - aber dann ist die Kohle schon in der Kasse, das Patent ist abgelaufen und das naechste "Wundermittel" kommt auf den Markt (Sehr schoen nachzulesen in David Healys letztem Buch "Let them eat Prozac" - Lorimer, Kanada).

Wie Anne schon gesagt hat, ist im Doktorpaket ein kleiner Essay zu dem Thema, welcher die Problematik der Definition von Abhaengigkeit ganz gut umreisst.

Alles Gute
Oliver
Gesperrt