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Kurzer Absetzeinblick

Verfasst: 31.12.2003 01:12
von Heidi
Hallo,

möchte mich nach einiger Zeit wieder mal melden und meinen derzeitigen Zustand mitteilen.

Ich habe ja mit meiner neuen Nervenärztin entschieden, dass Trevilor und dass Cipramil abzusetzen. Sie möchte gerne sehen, wie es mir denn ganz ohne so gehen wird. Sollte es ohne nicht klappen - möchte sie mich auf eine andere Wirkstoffgruppe umstellen. Wahrscheinlich ganz in Ordnung so, denn mit diesen Beiden SSRI`s gings mir ja auch nie gut.

Nun bin ich von Trevilor schon weg. Die Weinkrämpfe, die zu Anfang sehr stark waren sind jetzt weg - also eindeutig Absetzsymptome.

Ich merke auch, dass ich schon nicht mehr so "gedämpft" bin. Irgendwie bin ich wacher, was mir eigentlich dass ganze Ausmaß meiner Erschöpfung viel bewusster erleben lässt. Ich weiß nicht, ob das nun ein Vorteil ist - aber trotz der Dämpfung hat sich eben dann also an dem Zustand nichts geändert.

Seit heute nun (30.12.03) - geht das Reduzierspektakel nun weiter. Die Dosis von Cipramil 30mg geht nun auf Cipramil 20mg.

Meine neue Ärztin hat mir (falls es mir dann ganz schlecht gehen sollte) - Atosil-Tropen als Bedarfsbehandlung verschrieben. Kennt jemand dieses Medikament???

Ob dieses Vorgehen nun richtig ist oder nicht - ich kann es ehrlich nicht beurteilen.

Ansonsten geht es mir nicht gut - kann nicht mal mehr die alltäglichen einfachen Hausarbeiten erledigen.

Mein Mann kämpft natürlich mit!!! - Er sagt ich soll einfach alles stehen und liegen lassen - wenns nicht geht dann gehts eben nicht.

Ich wünsche euch allen ein gutes neues Jahr - oder sagen wir zumindest ein besseres Jahr als dass - was es eben für viele war. Viel Kraft und Durchhaltevermögen für die kommenden Tage im Jahr 2004. Auf das es irgendwann besser wird.

Alles Liebe an alle - Heidi -

Verfasst: 31.12.2003 16:41
von Oliver
Hallo Heidi.

Atosil kenne ich nicht. Was soll es denn tun und wie definiert Deine Ärztin Bedarf?

Ich wünsche Dir auf jeden Fall viel Glück beim Absetzen - Du weisst ja mittlerweile, daß die Zauberformel "langsam und in kleinen Schritten" ist.

Einen guten Rutsch und ein besseres 2004 wünscht Dir
Oliver

Kurzer Absetzeinblick

Verfasst: 31.12.2003 21:18
von Heidi
Lieber Olivero,

manchmal habe ich Stunden, da verlier ich mich so stark in der Erschöpfung, dass ich eben kurz vor dem Zusammenbruch stehe. Das ist aber nicht immer - hatte ich mit SSRI auch - nur nicht so oft.

Als Bedarfsmedikation ersieht es meine Ärztin dann, wenn ich eben in einen solchen Zustand komme - um mich damit zu beruhigen.
Meines Wissens ist es ein Neroleptika - für Unruhe- und Erregungszustände, dass ich nur eben dann einnehme (10 Tropfen), wenn ich davor bin mich zu verlieren.

Da ich jetzt - ohne Trevilor - mich irgendwie bewußter fühle, d. h. irgendwie wacher und mir das Ausmaß meines Zustandes dadurch wirklich wieder deutlicher wird - denke ich dass es dann eben ohne Cipramil noch frustrierender wird. Deshalb werde ich es aber auch absetzen - denn auch mit gings mir nicht gut. Angst habe ich schon davor.

Versuche trotzdem etwas positiver ins Jahr 2004 zu gehen.

Alles Liebe - Heidi -

Verfasst: 04.01.2004 21:24
von Linda
Liebe Heidi,

Auf Deine PN meine Antwort im Forum, damit alle etwas mitkriegen:

Google sagt mir über Atosil folgendes:
Atosil®
Handelsform :
z.B. Ampulle 2ml / 50mg Promethazin
Indikation :
Übelkeit, Erbrechen
Erregungs- Unruhezustände
zur Prämedikation bei der Narkose
leichte allergische Reaktionen
Wirkungsweise :
antihistaminisches Neuroleptikum mit sedierender, antiemetischer und antiallergischer Wirkung
Dosierung :
12,5-50mg i.v. oder i.m.
bei Kinder die älter als 1 Jahr sind 1mg/kgKG i.v.
Nebenwirkungen :
Tachykardie, Erregungsleitungsstörungen, Blutdruckschwankungen
Auslösung eines Glaukomanfalls,
paradoxe Reaktionen
Kontraindikationen :
Intox mit zentral dämpfenden Pharmaka
Hypotonie, Koma,
Bemerkungen :
Mittel der 1. Wahl zur Sedierung beim Asthma-Anfall
Bei Überdosierung oder paradoxen Reaktionen als Antidot Anticholium

Ich denke, Deine Ärztin hat Dir mit dem Medikament eine Möglichkeit gegeben, die Absetzsymptome zu dämpfen, wenn Du sie nicht aushältst und das finde ich grundsätzlich gut. Es ist manchmal vielleicht wichtig zu wissen, dass man "fliehen" kann, wenn man das Gefühl hat, alles ist unerträglich, auch wenn man keinen Gebrauch davon macht! Eine Dauerlösung ist das ja natürlich nicht und für Deine grundlegenden Symptome kann es auch kein Heilmittel sein. Bei Dir ist es einfach so, dass die SSRI keine deutliche Verbesserung gebracht haben - deshalb denke ich auch, dass es gut ist, sie abzusetzen, damit Du überhaupt feststellen kannst, was an den Medikamenten liegt und was nicht. Wenn Du jetzt schon merkst, dass sich Dein Gefühlswelt ändert, wird diese Notwendigkeit noch deutlicher. Was Du danach entscheiden wirst kannst Du momentan nicht sagen - vielleicht eine andere Wirkstoffgruppe - vielleicht auch nicht...

An Deiner Stelle würde ich mich einfach auf das Absetzen von Cipramil konzentrieren und abwarten, wie es Dir dabei und danach geht. Dass Dein Mann Dich so unterstützt finde ich sehr bewundernswert - grüße ihn auch von uns!

Heidi ich denke, dass Du auf dem richtigen Weg bist und, dass Deine neue Ärztin auf Dich eingeht, soweit ich das beurteilen kann. Aber gebe nicht die ganze Verantwortung an sie ab, entscheide alles mit ihr zusammen. Vor allem gehe beim Absetzen BITTE ganz langsam vor - versprochen!?!

Liebe Grüße

Linda

Atosil

Verfasst: 05.01.2004 11:41
von Astrid
Hallo Heidi,

hab leider erst heute deinen Beitrag gelesen, daher die späte Antwort.
Ich kenne Atosil-Tropfen. Selbst habe ich sie nie genommen, aber meine Mutter und meine Schwiegermutter unter verschiedenen Diagnosen.

Meine Mutter hat Blutkrebs. Eine der vielen unangenehmen Begleiterscheinungen dieser Krankheit ist einunerträglichen Juckreiz. Er ist häufig schlimmer als die schlimmsten Schmerzen - und die hat sie auch zur Genüge. Das ganze schlägt sich natürlich auf die Psyche nieder. Ihr Hautarzt hat ihr Atosil verschrieben, weil es a) gegen den Juckreiz hilft und b) beruhigt. Leider ging selbst bei niedrigster Dosierung die Beruhigung bei meiner Mutter so weit, dass sie völlig matt und schläfrig war. Sie konnte ihre Augen kaum aufhalten.
Um diesen Zustand nicht länger aushalten zu müssen, weil er meine Mutter ins soziale Abseits führte, nahm sie kein Atosil mehr ein.

Meine Schwiegermutter leidet an einer fortschreitenden Altersdemenz (Altzheimer). Die eigene Wahrnehumg ihrer Vergesslichkeit und Vergänglichkeit verursachte so starke Depressionen, dass sie dagegen Atosil verschrieben bekam. Die dreimal täglich unterschiedlich hohe Dosis musste mehrmals neu angepasst werden, weil meine Schwiegermutter jegliche Orientierung und Zeitgefühl verlor. Sie schlief viel zu viel und musste uns anrufen um z.B. abends um 19.30 Uhr von mir zu erfahren, dass jetzt keine Frühstückszeit ist.
Das waren ganz schlimme Momente, die sie u.a. wegen Atosil erlebte. Sie hat sich für vieles geschämt, was die Depressionen letzlich nur schlimmer machte.

Mittlerweile bekommt sie es nur noch morgens (5 Tropfen) und abends (10 Tropfen) und zusätzlich 10mg eines SRRIs.
Das scheint zu helfen.

Liebe Heidi, ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg möglichst ohne Atosil

Mit herzlichen Grüßen
von
Astrid

Verfasst: 05.01.2004 18:14
von Jade
Liebe Heidi,
womöglich wirst Du Dir inzwischen Deine eigene Meinung über Atosil gebildet haben.
Nun aber noch kurz von mir meine Erfahrungen.
als ich noch kein AD nahm habe Atosil genommen gegen meine Angstzustände.
Habs in Tabl-Form genommen a 25 mg.Die erste Tablette hat mich fast umgehauen.Müdigkeit ,Schwindel etc.
Nach 3 Tagen allerdings hatte ich mich dran gwöhnt,bzw die Nebenwirkungen verschwanden größtenteils
Ich war dann später mit 4x50 mg eingestellt über den Tag verteilt-also schon ordentlich.
Allerdings hab ich dann später zu Insidon gewechselt(wirkt Angst und Spannungs-lösend)und ist wesentlich nebenwirkungsärmer.
Vielleicht wäre ja Insidon was ?!

Lieber Gruss und alles Gute
Jade