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Umstieg von Fluctin auf Cipralex?

Verfasst: 15.06.2005 19:41
von Briana
Hallo zusammen,
ich habe beim googeln zufällig diese Seite entdeckt und werde diesen Glücksfall gleich einmal ausnutzen :D

Wie ihr an meiner Signatur erkennen könnt (wenn es denn funktioniert hat) nehme ich im Moment Fluctin. Verordnet wurde es mir wg. meiner Bulimie die mich nun schon seit 18 Jahren begleitet :evil:

Ich bin seit 3 Jahren in psychotherapeutischer Behandlung und war auch im letzten Jahr 3 Monate in einer psychosomatischen Klinik.

Die anfänglichen Sehstörungen die ich als Nebenwirkung bemerkt habe sind zwar mittlerweile verschwunden, mit dieser andauernden Müdigkeit komme ich allerdings überhaupt nicht zurecht.
Ich bin ein sehr sportlicher Typ und habe für meine Seele den Ausdauersport entdeckt :D Das laufen hat mir sehr oft geholfen meine depressiven Stimmungen besser zu ertragen. Nun bin ich aber ständig so müde, dass ich nicht mal mehr den Antrieb habe laufen zu gehen. Ich komme gerade noch so mit den tgl. Arbeiten zurecht.
Ich bin übrigens alleinerziehende Zwillingsmama und 1/2 Tags berufstätig.

Naja, vor 2 wochen habe ich dann die Dosis von Fluctin von 40mg auf 20mg verringert. Dazu kommt nun auch noch, dass ich nach langjähriger Pillenpause seit 1 Woche nun wieder eine Antibabypille wg. starker PMS Symptome einnehme.

Ich hab' keine Ahnung was nun mit mir passiert. Feststellen kann ich bisher: Ich drehe bei jeder geringsten Kleinigkeit sofort durch (schreien, weinen). Ich bin total müde und könnte ständig schlafen. Die Symptome der Bulimie haben sich extrem verstärkt - ständig EA's (Eßanfälle). Ich bin körperlich und psychisch so weit unten, wie ich es schon lange nicht mehr war :cry:

Nun habe ich heute von einem Medikament erfahren, daß wohl nicht so starke Nebenwirkungen hat wie Fluctin und zwar "Citaloprex". Hat jemand Erfahrungen mit diesem SSRI?
Könnt ihr euch vorstellen, daß mein momentaner Zusand auch mit der Einnahme der Pille zu tun hat "Belara"? Ich weiß nicht ob ich den Namen hier erwähnen darf, wenn nicht dann bitte löschen!

Ich habe mit meiner Therapeutin und mit meiner Gynäkologin bereits darüber gesprochen, habe allerdings nicht den Eindruck, dass sie damit große Erfahrung haben.

Vielen Dank für's lesen und für's antworten
Bri

Re: Umstieg von Fluctin auf Cipralex?

Verfasst: 15.06.2005 23:41
von PhilRS
Hi Briana,
Briana hat geschrieben:vor 2 wochen (...) Fluctin 40mg auf 20mg verringert
Das haut zwar zeitlich hin (d.h. wegen der langen Halbwertszeit von Fluoxetin) - es wäre ungefähr der Zeitraum, wo Entzugserscheinungen zu erwarten wären.

Dennoch nehme ich an, dass die Dosisverringerung beim Fluoxetin nicht der Grund ist.

Erstens weil Fluoxetin (Fluctin) nicht derart häufig Absetzsymptome macht wie andere SSRI - Paroxetin z.B. ist da wesentlich gefährlicher;

Zweitens weil es nicht die typischsten Erscheinungen sind für einen Entzug (obwohl er sich auch so äußern könnte);

Drittens ... dafür müsste ich idealerweise Körpergewicht, Größe und evtl. noch das Alter wissen, alternativ den BMI, falls er Dir bekannt ist.
(Geht auch per PN-PersönlicheNachricht-oben klicken => allerdings bist Du hier ja anonym ... also Deine Entscheidung.)

Denn dann könnte ich eine recht sichere Aussage treffen, ob's vom Fluoxetin ist oder nicht (Erklärung bei Bedarf).

<hr>
Dazu (...) seit 1 Woche Antibabypille wg. starker PMS
Ich tippe auf dieses als wesentlichere Ursache - wenigstens für die letzte Verschlimmerung.
- Nicht für die Müdigkeit; die kann sowohl vom Fluctin ausgelöst, als auch Zeichen sonstiger Krankheitsprozesse sein - gar nicht nur psychisch, auch körperlich ist vieles denkbar - leider ein extrem unspezifisches Symptom.

Was sagt das Blutbild: Hb in Ordnung? Müsste ja bei Neu-/Wiederverordnung der Pille gemacht worden sein. Niedriger Hb - als Ursache für extreme Müdigkeit bei Frauen sehr häufig.
Schilddrüsenwerte (T3, T4 UND TSH)? Ebenfalls sofort dran zu denken.

usw. usf.

Doch zurück zur "Pille".
drehe bei jeder geringsten Kleinigkeit sofort durch (schreien, weinen)
= Aggressivität, Reizbarkeit; = Kann Nebenwirkung vom Fluctin sein, aber auch von "BELARA". Da die Einnahme von Fluctin lange währte, ist BELARA eher verdächtig. Absetzen/Dosisverringerung von Fluctin: Könnte ferner zwar auch Ursache sein, aber eher untypisch - wenn, dann tritt erhöhte Aggressivität mehr am Anfang auf.
Ich weiß nicht ob ich den Namen hier erwähnen darf, wenn nicht dann bitte löschen!
:D Wer sollte das verbieten? Diejenigen, die was gegen die Verwendung ihrer Markennamen hier haben könnten, sind ja dieselben, die selbst - z.B. durch illegale Werbung, Korruption, Fälschungen - versuchen, die Präparate erstmal maximal bekannt zu machen!!
- Nee, nee, das möcht' ich sehen, wenn die deshalb Zoff machen. Stelle mich gern zur Verfügung ...

ALSO:
Die geschilderten Sachen könnten von beiden kommen, etwas unwahrscheinlicher scheint mir das Runterdosieren von Fluoxetin als Ursache. Sofern Du den BMI noch mitteilen wolltest, kann ich die Wahrscheinlichkeit etwas präziser sagen.
Therapeutin + Gynäkologin (...) nicht den Eindruck, dass sie damit große Erfahrung haben
DAS wäre allerdings wirklich schwach. Wenigstens die Gyn. sollte die möglichen NW von Östrogen/Gestagen-Pillen kennen. Ist einer der 3 hauptsächlichen/häufigsten Störwirkungskomplexe.
- Steht übrigens auch alles im Beipackzettel.
- Ach, und: Ja, BELARA kann auch PMS auslösen.
Nun habe ich heute von einem Medikament erfahren, daß wohl nicht so starke Nebenwirkungen hat wie Fluctin und zwar "Citaloprex". Hat jemand Erfahrungen mit diesem SSRI?
Diese Idee würde ich mal fix abhaken, und das meine ich freundlich, also nicht aggressiv - bitte nicht missverstehen.

Dafür gibt's etliche Gründe, ich hab schon viel zu viel geschrieben.
Tatsache ist vor allem, dass das Meiste des "Guten", was man so hört, nur Propaganda war + ist. CIPRAMIL und CIPRALEX sind damals mit dieser Behauptung (wenig NW) in den Markt gedrückt worden - doch bis heute hat sich das eher kaum bestätigt, obwohl viele Ärzte immer noch fest dran glauben.

Einzig positiver Punkt für Citalopram gegen Fluoxetin: Die kürzere Halbwertszeit. Aber dadurch erkauft man höheres Risiko der Abhängigkeit.

Alles Gute, Dein
-PhilRS.

Verfasst: 16.06.2005 13:06
von Linda
Hallo Briana,

ich tippe ganz schwer auf Entzugsymptome von dem Fluctin. Aggression und Weinerlichkeit sind ganz typische Symptome. Meiner Erfahrung nach wird die Schwere der Absetzerscheinungen des Fluoxetins wegen der langen Halbwertszeit oft unterschätzt. Ich habe beobachten können, dass sie genauso stark wie bei den anderen SSRI auftreten können, nur halt zeitlich verzögert.

Es ist jetzt etwas ungünstig, dass Du gleichzeitig mit der Pille angefangen hast, da es schwierig ist, direkte Zusammenhänge zu finden.

Ich würde Dir empfehlen, die 40 mg wieder zu nehmen und Dein Befinden zu beobachten.

Wir haben auch die Erfahrung gemacht, dass die Gynäkologin mit solchen Fragen überfordert war, wir hatten genau das gleiche Problem mit Jessica, da sie gleichzeitig auch ein 2-phasiges Hormonpräparat einnahm. Ihre Stimmungsschwankungen wurden dadurch noch verstärkt. Als sie auf ein 1-phasiges Präparat wechselte, ging es ihr besser. Da Du aber ein 1-phasiges Präparat nimmst, kann es nicht daran liegen.

Ich hatte auch nach Jessicas Geburt schwere Probleme mit PMS. Ich wurde jeden Monat regelrecht mörderisch. Die Pille hat mir damals geholfen, wieder ein Gleichgewicht zu finden. Wie alt sind denn Deine Zwillinge? Du stehst auf jeden Fall unter einer große Alltagsbelastung, die bestimmt alleine schwer zu tragen ist. Hast Du Unterstützung? Freunde, Familie usw?

Linda

Verfasst: 17.06.2005 07:21
von Briana
Hi Phil,

Zuerst einmal möchte ich mich herzlich für Deine ausführliche Antwort bedanken - es hat mir sehr weiter geholfen!

Ich hatte gestern ein Gespräch mit beiden Ärzten Gyn. und Psychotherapeutin. Wir haben nun für das erste folgendes vereinbart.

Weiterhin 20mg Fluctin und für diesen Zyklus weiter die Belara. Meine Hormonwerte sind wieder normal und somit könnte ich mir evtl. auch eine leichtere Pille aussuchen.

So, und jetzt wird es etwas kompliziert:
Nächste Woche noch einmal einen Bluttest um alle Mangelerscheinungen ausschließen zu können. Dann sollte einen Termin vereinbaren und einen ADHS Test machen lassen. Meine Ärztin vermutet schon länger eine ADHS bei mir (eines meiner Zwillinge ist bereits positiv darauf diagonstiziert worden). Bei Frauen mit Essstörungen wird häufig eine ADHS festgestellt. Wenn dem so ist, werden wir Fluctin ausschleichen lassen und auf ein anderes Medikament umsteigen (evtl. Ritalin).

Naja, das heißt nun wohl Augen zu und durch.

Vielen vielen Dank auf jeden Fall noch einmal für Deine Mühe.


Übrigens, ich habe einen BMI von 21. Wie könnte denn mein BMI mit den Symptomen in Zusammenhang stehen?

Viele Grüße Briana

- alle Klarheiten beseitigt? hmm... (UPDATE)

Verfasst: 17.06.2005 14:19
von PhilRS
Hallo Briana,
Briana hat geschrieben:Zuerst einmal möchte ich mich herzlich für Deine ausführliche Antwort bedanken - es hat mir sehr weiter geholfen!
Freut mich sehr, ist doch was, wenn man das ganze Zeug was man mal gelernt hat, auch sinnvoll einsetzen kann (ich vermisse die klinische Arbeit sehr).
So, und jetzt wird es etwas kompliziert:
Das kann man wohl sagen! Oha:
Nächste Woche noch einmal einen Bluttest um alle Mangelerscheinungen ausschließen zu können.
Nun weiß ich nicht, was damit gemeint ist, könnte vieles sein. Ich will mal hoffen, dass nicht die von mir erwähnten Sachen (Differential-Blutbild etc.) nachgeholt werden sollen - sonst müsste ich annehmen, da hätte jemand Medizin auf der Kirmes studiert.

Dass dies leider nicht auszuschließen ist, zeigt der folgende Vorgang.
Dann sollte einen Termin vereinbaren und einen ADHS Test machen lassen. Meine Ärztin vermutet schon länger eine ADHS bei mir (eines meiner Zwillinge ist bereits positiv darauf diagonstiziert worden). Bei Frauen mit Essstörungen wird häufig eine ADHS festgestellt. Wenn dem so ist, werden wir Fluctin ausschleichen lassen und auf ein anderes Medikament umsteigen (evtl. Ritalin).
:frust:
Naja, das heißt nun wohl Augen zu und durch.
NEIN !! Das heißt es nicht!
- Dummerweise habe ich ein Zeitproblem (wie zuletzt fast immer) und beantworte erstmal die anderen Dinge. Ich versuche irgendwann später noch was zum so genannten "Erwachsenen-ADHS" zu schreiben, speziell zur lächerlichen "Leitlinie" der DGPPN.

Einstweilen nur soviel:
  • Es ist umstritten, ob es "ADHS" überhaupt gibt. Die Diagnosekriterien sind jedenfalls fragwürdig.
  • Noch fragwürdiger ist es, ob es bei Erwachsenen ADHS gibt.
  • Die Tatsache, dass es im DSM-IV (USA) enthalten ist und - für Kinder! - in der Praxis akzeptiert wird, tut nichts zur Sache: Die Datenlage ist äußerst dünn.
Mag sein, dass ich durch persönliche Beobachtungen befangen bin: Ich habe keine Bedenken, meinen möglichen "Interessenkonflikt" zu benennen.
Leider tun das die DGPPN-Verantwortlichen nicht, und das ist schlimmer, weil sie Verantwortung tragen für Tausende mglw. fehlbehandelte Patienten!
- Doch wie gesagt, dazu ggf. später. Ich wollte nur erwähnen, dass alle (erwachsenen) Pat. mit "ADHS"-Diagnose, die mir begegnet sind, fehldiagnostiziert waren - es wurde also "ADHS" bescheinigt, obwohl es keine war. In zwei Fällen ist daraus eine RITALIN-Abhängigkeit entstanden.

Vorerst könntest Du z.B. das hier lesen. Die Einschätzungen dort sind sämtlich gut belegt und entspringen nicht etwa meiner Phantasie.
(Die wissenschaftlich korrekte Quellenangabe in der Übersicht hätte den Zeitaufwand verfünffacht, war darum im Rahmen des Forums verzichtbar. Anhaltspunkt: Ich schreibe stets so, dass ich einen theoretischen Gerichtsprozess (!) bestehen könnte - schließlich nehme ich hier mit meiner realen Identität teil, also eben nicht anonym.)

Zentraler Punkt: Wenn jetzt schon auf das RITALIN - ein höchst riskantes Mittel - orientiert wird, dann bin ich hinsichtlich der "Diagnostik" doch reichlich skeptisch. So etwas ist nicht fach- und sachgerecht.

<hr>
Übrigens, ich habe einen BMI von 21. Wie könnte denn mein BMI mit den Symptomen in Zusammenhang stehen?
Ah ja, des Rätsels Lösung, eigentlich ganz simpel:
Fluoxetin ist - wie mehr oder weniger alle "aufs Gehirn zielenden" Mittel - stark lipophil ("fettliebend").
Zu der langen Halbwertszeit, die auch zum Teil wiederum durch diese Eigenschaft bedingt ist, kommt ein ausgeprägter Effekt der Gewebebindung (für 'Kenner': Verteilungsvolumen 20-40 Liter!), speziell natürlich Einlagerung ins Fettgewebe.

(Jetzt wird's etwas theorielastig ... aber Du hast ja gefragt!) :)

Wenn man/frau das Fluoxetin so lange (in 40mg-Dosis) eingenommen hat, dann ist das Fettgewebe gewissermaßen zu einem Fluoxetin-Speicher geworden (der Effekt ist bei Frauen bedeutend größer als bei Männern). Je nach BMI muss man dies berücksichtigen, wenn man die Relevanz der Dosisverringerung - speziell das Zeitfenster - abschätzen will.

Ein höherer BMI hätte in Deinem Fall das Fluoxetin als Auslöser unwahrscheinlicher gemacht, ein niedrigerer wahrscheinlicher: Denn nach Minderung der Dosis bei einem höheren BMI würde soviel Fluoxetin aus dem Speicher freigesetzt, dass die Plasmaspiegeländerung (d.h. Wirkstoff im Blut) deutlich "abgepuffert" werden sollte (die so genannte Steady-State-Einstellung braucht im Normalfall 2-4 Wochen, dementsprechend gibt's eine grobe Faustformel für die Wieder-Einstellung eines konstanten Wirkstoffspiegels im Blut nach Dosis-Absenkung).

Demnach hätte ich bei einem BMI ab (ganz grob) 24-25 recht eindeutig gesagt, dass dies kaum Absetzsymptome sein könnten, da nach ca. 2 Wochen der Fluoxetin-Spiegel einerseits erst um 1/3 bis 1/2 der vorgenommenen Absenkung entsprechend gefallen sein dürfte (Achtung: weitere Einnahme von 20mg/d vorausgesetzt!) und andererseits die Wirkung nicht derart mit dem Plasmaspiegel
' parallel läuft, sondern langsamer nachzieht.

Dein BMI ist aber im unteren Normbereich, also keinesfalls erhöht. Das hatte ich zwar erwartet, denn das ist typisch für Bulimie** (aber nicht immer der Fall!). - Ich musste dennoch sichergehen***, um einer Fehleinschätzung vorzubeugen.
  • Denn ich sehe es u.g.U. als meine Aufgabe an, allzu schnelle "Schuldzuweisungen" an Antidepressiva zu bremsen, wenn wie in Deinem Fall bedeutende andere Ursachen zu berücksichtigen sind, weil
  • sonst die Glaubwürdigkeit des ADFD leidet:
  • wenn ohne Diskussion "immer die SSRI schuld sind" an Problemen, dann braucht jemand, der sich unsicher ist bzw. Hilfe sucht, gar nicht mehr hier zu fragen => er wüsste ja vorher welche Antwort kommt!
Fazit: Ich revidiere meine erste Analyse dahingehend, dass Fluoxetin mit mindestens 50% Wahrscheinlichkeit der Auslöser sein kann. Insofern stimme ich Linda also zu.
-> "Evidenz" nochmals kritisch geprüft; resultierende Empfehlung:
Wenn es geht, abwarten - d.h. ich rate nicht dazu, die Dosis wieder raufzusetzen, da
(1.) das Fluoxetin ohnehin nicht den erwarteten Nutzen gebracht zu haben scheint,
(2.) es bis zu einer Besserung - falls es ein Entzug ist - wiederum ähnliche Zeit dauern kann (ggf. etwas kürzer), und
(3.) die beabsichtigte Umstellung der "Pille" bzw. das Ende des Zyklus damit zusammenfallen dürfte.

Die Frage ist, was tut man statt dessen ... schwierig!
Vorerst bleibt natürlich abzuwarten, was die Laborwerte sagen. Ich halte die beschriebene Müdigkeit für hinreichend verdächtig, um erst einmal dem nachzugehen, bevor man weitere Umstellungen vornimmt.

(Was für ein Bandwurm-Posting, eine Stunde verbraten...)
Alles Gute wünscht
-PhilRS.


Anmerkungen:
* Plasma = "Blutflüssigkeit" ohne Zellen
** BMI ist ein Kriterium bei der DifferenzialDiagnose zwischen Bulimie vs. Anorexie: Normgewicht=>Bulimie, Untergewicht=>Anorexie
*** ich hatte erwartet, dass Du den BMI sofort parat hast - bitte mir das nicht übelzunehmen!


<hr>
:!: UPDATE:

Erhöhe Schätzung auf >60% für Fluoxetin als Auslöser (Prozentzahl ist nicht "zitierfähig" berechnet, sondern soll bei der schwer entscheidbaren Frage die Relation der Argumente/Wirkungen anschaulicher machen).

-> Begründung: Habe Häufigkeitsangaben und Arten psych. Störwirkungen von BELARA einbezogen (gem. Fachinfo); außerdem steht die Symptomatik in klarem Gegensatz zum Befinden unter der höheren Dosis - Fluoxetin gilt solange als Auslöser der Müdigkeit, wie keine andere Ursache gefunden ist.

(jetzt muss ich aber wirklich weg:)
-PhilRS.

Verfasst: 20.06.2005 09:25
von Briana
Hallo Linda,

sorry, dass ich erst heute antworte
Es ist jetzt etwas ungünstig, dass Du gleichzeitig mit der Pille angefangen hast, da es schwierig ist, direkte Zusammenhänge zu finden.
Das denk ich mir mittlerweile auch, ändert aber leider nichts an der momentanen Situation. Beim nächsten Mal bin ich schlauer.
Ich würde Dir empfehlen, die 40 mg wieder zu nehmen und Dein Befinden zu beobachten.
Wie ich auch Phil schon geschrieben habe, haben meine Therapeutin und ich vereinbart im Moment erst einmal so weiterzumachen und abzuwarten.
Du stehst auf jeden Fall unter einer große Alltagsbelastung, die bestimmt alleine schwer zu tragen ist. Hast Du Unterstützung? Freunde, Familie usw?
Nein im Moment leider nicht wirklich :cry:

Grüße
Briana

Da hab' ich doch noch was vergessen. Meine Zwillinge sind 8 Jahre alt. Weshalb soll ich denn nach Deiner Meinung die Dosis wieder erhöhen? Mir wäre es auf die Dauer gesehen am liebsten, Fluoxetin ganz abzusetzen.

Re: - alle Klarheiten beseitigt? hmm... (UPDATE)

Verfasst: 20.06.2005 13:24
von Briana
Hi Phil,

ich bin heute nur noch am entschuldigen, Du gibst Dir ja wirklich wahnsinnig Mühe mir alle möglichen Informationen zukommen zu lassen, also auch Dir ein sorry für die späte Antwort. Momentan tue ich mir leider ziemlich schwer vernünftige Antworten zu schreiben, da ich ziemlich durcheinander bin :?


Nun weiß ich nicht, was damit gemeint ist, könnte vieles sein. Ich will mal hoffen, dass nicht die von mir erwähnten Sachen (Differential-Blutbild etc.) nachgeholt werden sollen - sonst müsste ich annehmen, da hätte jemand Medizin auf der Kirmes studiert.
Meine Therapeutin hatt gesagt, ich soll meine Blutwerte noch einmal kontrollieren lassen, um ausschließen zu können, dass sich hier etwas verändert hatt. Diese Kontrolle lasse ich ca. alle 3 Monate auf Empfehlung meiner Therapeutin machen.

Den von Dir empfohlenen link habe ich gelesen. Sei mir bitte nicht böse, aber denkst Du nicht, dass es genau wie bei vielen anderen Themen auch beim Thema ADHS bei Erwachsenen sehr viele unterschiedliche Publikationen gibt? Die einen sagen "ADHS bei Erwachsenen gibt es wahrscheinlich gar nicht" die anderen sagen "Viele psychische Erkrankungen bei Erwachsenen sind die Ursache einer nicht erkannten ADHS"?

Jetzt meine Frage als Laie:
Was mache ich denn mit den ganzen Informationen? :frust:
Ich weiß, dass es ziemlich schwierig ist ADHS bei Erwachsenen festzustellen. Ich kann allerdings sehr viele paralellen bei den Symptomen ADHS und Bulimie erkennen.



Zentraler Punkt: Wenn jetzt schon auf das RITALIN - ein höchst riskantes Mittel - orientiert wird, dann bin ich hinsichtlich der "Diagnostik" doch reichlich skeptisch. So etwas ist nicht fach- und sachgerecht.
Wahrscheinlich habe ich mich hier falsch ausgedrückt. Sie hat nicht gesagt das ich Ritalin nehmen soll! Sie hat nur gesagt, ich soll abklären lassen ob bei mir nicht doch eine ADHS vorliegt. Sollte die Diagnose positiv ausfallen, weiß ich es wenigstens. Was ich mit der Diagnose dann anfange weiß ich jetzt noch nicht.


Dein BMI ist aber im unteren Normbereich, also keinesfalls erhöht. Das hatte ich zwar erwartet, denn das ist typisch für Bulimie** (aber nicht immer der Fall!). - Ich musste dennoch sichergehen***, um einer Fehleinschätzung vorzubeugen.
Na ja, wie Du schon schreibst "Nicht immer der Fall" Ein erhöhter BMI ist bei Bulimikern nicht unbedingt typisch. Ich kenne sehr viele Bulimiker(innen) (durch die Klinik) die einen BMI von 19 oder darunter haben. Und natürlich könnte ich Dir meinen BMI aus dem Stehgreif bis auf 3 Nachkommastellen sagen können - ja ja die liebe Essstörung ;-)
Und natürlich bin ich hier niemanden böse, der seine Meinung sagt - das wäre wirklich dumm!!

Ich gebe keines Falls den SSRI Schuld an meinem Zustand!! Ich wollte nur wissen was mit mir zur Zeit passiert!

Wenn ich meine Laborwerte habe weiß ich auf jeden Fall schon mal ein wenig mehr.

Ich möchte mich nochmal für die großartige Unterstützung von euch bedanken! Schön wenn man das Gefühl hat ernstgenommen zu werden. :)

Liebe Grüße
Briana

sorry, jetzt kommt's aber dicke ...

Verfasst: 20.06.2005 18:40
von PhilRS
Hallo Briana.

Sehr interessant; und in gerade im selben Moment habe ich zwei Sachen zu ADHS reingestellt.
Briana hat geschrieben:Sei mir bitte nicht böse, aber denkst Du nicht, dass es genau wie bei vielen anderen Themen auch beim Thema ADHS bei Erwachsenen sehr viele unterschiedliche Publikationen gibt? Die einen sagen "ADHS bei Erwachsenen gibt es wahrscheinlich gar nicht" die anderen sagen "Viele psychische Erkrankungen bei Erwachsenen sind die Ursache einer nicht erkannten ADHS"?
Warum sollte ich "böse" sein? Mache ich den Eindruck, dass ich wegen einer abweichenden Meinung grollen könnte? (Das würde mich beunruhigen.)

Ich muss allerdings schon darauf hinweisen, dass ich die Materie kenne, und nicht nur "eine Meinung" verfechte (die ggf. "beliebig" sein könnte?).

Dazu habe ich in zwei von drei geplanten Beiträgen gerade bis ins Detail auseinander genommen, was an der Diagnose ADHS - und der Behandlung - so problematisch ist. Es ist leider sehr lang (musste sein!) und mglw. schwer verständlich. Es handelt sich aber um substanzielle Kritik und nicht um "ADHS ist Quark"-Gerede; übrigens im Gegenteil zu den von mir zitierten Artikeln, die eben keine Substanz enthalten -> trotzdem bilden diese "Informationen" die Grundlage (!) der heutigen ADHS-Praxis.

(II) stellt einen von vielen derartigen "Fach-Artikeln" vor, die den Weg bereiten sollten für die ADHS-Diagnose und -Behandlung durch niedergelassene Psychiater.

(III) dreht sich um die angebliche "Leitlinie", die die Rechtfertigung bildet für heutige ADHS-Unterstellungen bei Erwachsenen (noch nicht ganz fertig).
Jetzt meine Frage als Laie:
Was mache ich denn mit den ganzen Informationen? :frust:
Ich weiß, dass es ziemlich schwierig ist ADHS bei Erwachsenen festzustellen.
Eben! Und das ist sogar der zentrale Punkt. Das heißt: Solange man keine verlässlichen Methoden kennt, um diese "Störung" festzustellen, sollte man aus Sicherheitsgründen davon absehen, RITALIN & Co. zu verordnen - weil es hochriskante Mittel sind, wie schon gesagt.

sehr viele paralellen bei den Symptomen ADHS und Bulimie
Gutes Stichwort. Das geht nicht nur mit der Bulimie so, sondern mit diversen anderen Erkrankungen. Das bedeutet, das die "ADHS-Symptome" genausogut für ganz andere Dinge stehen könnten.
Sowas nennt sich "Differenzialdiagnose", und gerade die ist m.E. mit heutigen Mitteln unmöglich. (Begründung steht unter obigen Links genauer.)
<hr>
...
PhilRS hat geschrieben:Wenn jetzt schon auf das RITALIN - ein höchst riskantes Mittel - orientiert wird, dann bin ich hinsichtlich der "Diagnostik" doch reichlich skeptisch. So etwas ist nicht fach- und sachgerecht.
Wahrscheinlich habe ich mich hier falsch ausgedrückt. Sie hat nicht gesagt das ich Ritalin nehmen soll! Sie hat nur gesagt, ich soll abklären lassen ob bei mir nicht doch eine ADHS vorliegt.
Sie hat aber das RITALIN erwähnt. Daraus schloss ich, dass sie es im Hinterkopf hatte. Und das ist eine Voreingenommenheit, keine gute Voraussetzung für die Diagnose.
<hr>
Na ja, wie Du schon schreibst "Nicht immer der Fall" Ein erhöhter BMI ist bei Bulimikern nicht unbedingt typisch.
Missverständnis: Ich meinte, ein Normalgewicht (BMI um 20) ist typisch für Bulimie. Offenbar muss ich aufpassen, wie ich schreibe...

Zum Schluss: Es lässt sich sehr genau nachvollziehen, wie die Entwicklung bei "ADHS" war und ist. Korruption, Fälschungen und Ähnliches ziehen sich wie ein roter Faden durch diese Geschichte.
Das ist der eigentliche Hintergrund dessen; trotzdem habe ich in (I), (II), (III) versucht, mich an den wissenschaftlichen, nachprüfbaren Fakten zu orientieren. Mit leider eindeutigem Ergebnis: Es gibt keine vernünftige Begründung für die Diagnose - dafür aber handfeste Interessen der Hersteller der Medikamente.

Das ist der Stand, ganz sachlich. Ausgangspunkt war ein Verdacht, vorläufiger Endpunkt ist dessen Bestätigung. Die fällt so eindeutig aus, dass die ADHS-Befürworter schwerlich dagegen ankommen dürften.

Viele Grüße
-PhilRS.

Verfasst: 20.06.2005 18:43
von Linda
Briana hat geschrieben: Weshalb soll ich denn nach Deiner Meinung die Dosis wieder erhöhen? Mir wäre es auf die Dauer gesehen am liebsten, Fluoxetin ganz abzusetzen.
Das ist die einfachste Methode, herauszufinden, ob Beschwerden Entzugsymptome sind oder nicht. Falls sie nach der erneuten Einnahme der Ursprungsdosis weg sind, sind sie eindeutig der geringeren Menge des Medikaments zuzuschreiben. Wie ich schon sagte, sind Aggression und Weinerlichkeit sehr typische Symptome. Wenn Du hier schaust Sicher Absetzen kannst Du sehen, welche Entzugserscheinungen möglich sind. Ich bin gerade dabei, diese Tabellen mit etwas Text zu ergänzen. Wenn man beim Absetzen diesen Empfehlungen folgt, kann man die Entzugserscheinungen so gut wie möglich minimieren.
Briana hat geschrieben: Wie ich auch Phil schon geschrieben habe, haben meine Therapeutin und ich vereinbart im Moment erst einmal so weiterzumachen und abzuwarten.
Falls sich Deine Symptome nicht bald bessern, würde ich Dir trotzdem raten, Deine Dosis wieder zu erhöhen. Vielleicht reicht auch eine Erhöhung auf 30 mg. Wenn Du absetzen willst, solltest Du in viel kleineren Schritten vorgehen - eine Halbierung der Dosis scheint für Dich zu viel auf einmal zu sein. Dr. Glenmullen, der diese Methode vorschlägt, schreibt in seinem Buch, dass man einem Patienten nicht empfehlen soll, Entzugserscheinungen auszuhalten oder durchzustehen, weil man auch nicht weiss, was dabei im Körper passiert. Es ist eigentlich ganz logisch, dass er sich an das Vorhandensein dieser Substanz, die eine tiefgreifende Wirkung auf die Mechanismen im Körper hat, gewöhnt hat; er braucht halt einfach auch Zeit, sich wieder umzustellen. Man kann ja in einem fahrenden Auto nicht bei 100 kmh den Rückwärtsgang einlegen - so ungefähr ist das dann. Die Rezeptoren, die während der Einnahme des Medikaments abgebaut werden, kann er nicht über Nacht wieder herstellen. Leider stößt man bei den meisten Ärzten im besten Fall auf Ratlosigkeit und normalerweise die Weigerung, solche Symptome als Entzugserscheinungen als solche anzuerkennen, da sie in Fachkreisen einfach geleugnet werden.
Briana hat geschrieben:
Linda hat geschrieben: Du stehst auf jeden Fall unter einer großen Alltagsbelastung, die bestimmt alleine schwer zu tragen ist. Hast Du Unterstützung? Freunde, Familie usw?
Nein im Moment leider nicht wirklich :cry:
Das tut mir wirklich leid, ich weiss, wie anstrengend Kindererziehung und Arbeit gleichzeitig ist; wenn man dann alleine mit allem steht, ist es ja logisch, dass man ständig an seinen Grenzen steht, auch wenn man gesund ist. Wo arbeitest Du? Kannst Du Dich wenigstens eine Weile krankschreiben lassen?

Linda

Verfasst: 20.06.2005 19:02
von PhilRS
Hoppla, da wäre noch etwas Wichtiges!

FLUOXETIN und METHYLPHENIDAT (RITALIN) dürfen nicht kombiniert werden!

Für den Fall, dass RITALIN verordnet würde (was ich nicht hoffe), kann es noch über eine längere Zeit (=Wochen) zu Wechselwirkungen mit dem Rest-Fluoxetin im Körper kommen.

Wird oft vergessen/ignoriert.

Gruß
-PhilRS.

Verfasst: 06.07.2005 11:47
von Briana
Hi Phil,

zuerst mal danke für den Hinweis!

ich wollte Dir mal ein kurzes Update über meinen "Zustand" geben.

So wie es aussieht, habe ich das schlimmste überstanden. Seit einer Woche bin ich relativ stabil. Ich kann auch schon wieder lachen :D

Letzte Woche hatte ich meinen ersten Termin beim Nervenarzt wegen des ADHS Testes. Ich habe ihn auf die großen Probleme hingewiesen, die ich seit der reduzierung von 40mg auf 20mg Fluoxetin hatte. Er meinte nur, ob ich immer alles auf die harte Tour mache *gg*. Er hat in keiner Weise davon gesprochen mir irgendwas zu verordnen. Ich habe zuerst einmal eine Menge Fragebögen auszufüllen. Heut nachmittag habe ich einen Termin zum MR-Schädel. Mal sehen was dabei rauskommt. In 1-2 Wochen wird dann der nächste Termin in der Praxis sein, was sie da allerdings mit mir anstellen weiß ich noch nicht.

Ich melde mich wieder.


Viele Grüße
Briana