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Amitriptylin
Verfasst: 30.11.2003 10:42
von Kadu
Hallo an Alle,
ich nehm´seit Feb 03 Amitriptylin gegen Schlafstörungen und einer reaktiven Depression, die sich genau vor einem Jahr mit körperlichen Symptomen zeigte (Herzrasen, schwankender Blutdruck, Panikattacken...). Hab´eine Reihe von arztbesuchen hinter mich gebracht, war unteranderem auch im Krankenhaus (Verdacht auf Angina pectoris)...alles ohne befund...bin gesund..toll dachte ich damals: und warum fühl´ich mich dann so Sch...Im Febr. hatte ich dann einen Termin beim Psychiater, der mir dann eien endog. depression diagnostizierte. Es hat lange gebraucht, bis ich das akzeptierte...ich hatte ja "nur" körperliche Symtome...Nun ja, ich nahm aber erst 12,5 mg. dann 25 mg und seit März bis jetzt 50 mg A. ...und mir ging es Stück für stück besser...zwar gab es immer mal wieder Rückschläge, aber seit 3 Monate fühle ich mich stabil...Das Schlafen ist zwar noch nicht optimal (max. 5 Std. hintereinder..)...ich muss allerdings dazu sagen, dass ich die Schlafstörungen schon mind. 3 Jahre habe...
Amitriptylin ist ja ein trizykl. Ad, deshalb weiß ich gar nciht ob ich hier tichtig bin, mit meiner Frage, aber ich versuchs´mal

:
Mein Psychiater will im kommenden Frühjahr das Medikament ausschleichen. Hab´ aber etwas Angst davor, dh. vor einem Rückfall...

...Vielleicht hat ja einer von euch schon erfahrungen mit diesem Medikament gemacht? Es streiten sich ja "die Gelehrten", ob ein Ad vorübergehend oder in einer Art Erhaltungsdosis lebenslang genommen werden muss (ähnlich Insulin bei einem zuckerkranken)...ich bin Mitte 30 und will mir das eigentlich nicht nicht "antun", allerdings will ich auch nicht nochmal das erleben, was ich voriges Jahr durchgemacht hab...
Vielen Dank fürs Zuhören!
LG
Kadu
Verfasst: 30.11.2003 12:19
von Linda
Hallo Kadu,
willkommen im Forum. Das Medikament, das Du nimmst, gibt es seit langer Zeit, d.h. es ist erprobt und man weiß viel darüber. Das kann man über die SSRI nicht sagen. Ich habe selbst keine Erfahrung mit diesem Medikament aber ich habe von anderen gehört, das es wirkungsvoll ist. Über Amitriptylin haben sich einige Forumsbesucherinnen bereits ausgetauscht, vielleicht magst Du die alten Beiträge durchsuchen. Beim Absetzen solltest Du aber auf jeden Fall auch vorsichtig und langsam vorgehen, damit Dein Körper sich allmählich an die geringere Dosis gewöhnen kann.
Ich verstehe, dass Du Angst hast, das Medikament abzusetzen. Du sagst, Du hättest an einer reaktiven Depression gelitten - was hat sie denn ausgelöst?
Dieser Insulin-Vergleich hat auch absolut keine Basis. Insulin ist eine körpereigene Substanz, das heißt, es wird von der Bauchspeicheldrüse hergestellt. Das Insulin, das einem Diabetiker verabreicht wird, wird auch biologisch hergestellt und ersetzt lediglich das fehlende Insulin im Körper. Ich weiß von keiner Drüse, die chemische Substanzen wie Antidepressiva herstellen. Sie sind auch keine körpereigene Substanz, die ersetzt werden muß, wenn der Körper sie nicht selbst herstellen kann.
Ich würde an Deiner Stelle einfach dem Rat Deines Arztes folgen, und das Medikament über mehrere Wochen langsam ausschleichen. Versuche, die Angst vor der Angst zu begegnen - sie hilft Dir einfach nicht. Es kann wirklich gut sein, Du brauchst die Medikamente als Krücke gar nicht mehr - aber das weißt Du erst, wenn Du sie nicht mehr nimmst. An Deiner Stelle würde ich das wissen wollen.
Ich hoffe, ich konnte Dir damit helfen.
Liebe Grüße
Linda
Verfasst: 30.11.2003 13:57
von Kadu
Hallo Linda,
danke für deine schnelle Antwort

.
Der Auslöser meiner Depresion ist der Tod meines Papas Er starb´ Im Sommer 2002 an akutem Herversagen mit 58 Jahren. Alerdings muss ich dazu sagen, dass er 2 Jahre an schweren Depressionen litt, die mit allem mögl. Medikamenten und sogar mit Elektroschocks versucht wurden zu behandeln...ohne Erfolg...

...daher auch meine Angst...Er hatte auch schonmal mit 18 und mit Ende 40 schwerste Depressionen. Das vorletzte Mal sind sie auch mit Hilfe von Akkupunktur und Schlafentzung in Verbindung mit Medikamenten (Trevilor?) erfolgreich behandelt worden...ich hab´mich aus deisem Grund schon viel mit dem Thema beschäftigt und eigentlich nicht daran geglaubt selbst daran zu erkranken...

...der Vergleich mit dem Insulin basiert meiner Meinung darauf, dass bei Depr. der Hirnstoffwechsel nicht richtig funktioniert..Botenstoffe...aber wie schon erwähnt..streiten sich ja da die "Gelehrten"...bin froh dieses Forum gefunden zu haben...
Liebe Grüße von Kadu
Verfasst: 30.11.2003 14:45
von Linda
Hallo Kadu,
wie hast Du versucht, den Tod Deines Vaters zu verarbeiten? Hast Du da irgendwas unternommen in Richtung Beratung oder so? Ich verstehe, dass sein Tod heftige Gefühle in Dir ausgelöst hat. Mir ging es auch so, als meine Mutter mit 61 plötzlich an Herzversagen gestorben ist. Der Schock ist einfach riesig... Darf ich fragen, wie alt Du bist? Aus Deinem Namen sehe ich auch nicht, ob Du männlich oder weiblich bist.
Es gibt meines Wissens keine konkrete empirische Untersuchungen, die belegen, dass eine Depression wegen Hirnstoffwechselprobleme ausgelöst wird. Oliver setzt sich gerade mit dieser Thematik auseinander und weiß bestimmt mehr darüber zu berichten. Er ist nur momentan verreist, wird sich aber bestimmt bald dazu äußern.
Liebe Grüße
Linda
Verfasst: 30.11.2003 17:06
von Kadu
Hallo Linda,
ich bin 36, und weiblich

...ja so richtig auseinandergesetzt mit seinem plötzliche Tod hab´mich eigentlich erst in diesem Jahr, aber mehr allein, ohne Beratung....als es passierte hat man erstmal nur funktioniert, schon wg. meiner Mutti...es war eine schlimme Zeit...Das mit deiner Mutti tut mir leid, man steht so hilflos daneben...vor allem bin ich mit meiner Familie damals gerade aus einem tollen Urlaub gekommen und ich hatte mit meinem Vater noch telefoniert..wir wollten uns am darauffolgenden WE sehen...1 Tag später ruft meine Schwester an...

...es war schrecklich...
Nun, nochmals danke für deine Antworten...ich werd´hier öfter mal vorbeischauen
Liebe Grüße
Kadu
Verfasst: 01.12.2003 00:47
von Oliver
Hallo Ihr.
Bin gerade angekommen und sehe, daß meine Person gefragt ist *schnurr*, aber ich habe gerade das Gefühl, daß diese wissenschaftliche Seite im Moment überhaupt nicht wichtig ist - ihr habt ja eine ganz andere und für Dich Kadu wahrscheinlich im Moment viel wichtigere Richtung eingeschlagen ...
Ich komme gerade vom 60. Geburtstag meiner Mutti zurück ... und ich bin dort auch mit dem Thema plötzlicher Tod konfrontiert worden - es war zwar niemand, den ich kannte, aber es war eine alte Schulfreundin von meiner Mutti, welche ganz plözlich kurz nach ihrem 60. gestorben ist - meine Mom war völlig am Boden zerstört heute ... und ich war einfach nur froh, daß ich gerade da war, um sie ein bisschen zu trösten ... eigentlich hatte sie mit der Schulfreundin schon lange nicht mehr viel Kontakt, es war wohl auch ein großer Teil Bewusstwerdung ihrer eigenen Sterblichkeit, die ihr da heute so zugesetzt hat. Ich glaube, es ist wichtig über die Endlichkeit unserer Existenz nachzudenken und sich darauf vorzubereiten Abschied nehmen zu müssen und zwar fast immer unerwartet ... das wird mich wohl jetzt auch ein Weilchen beschäftigen.
Kadu, wenn Du ein bisschen mehr über die Hintergründe (Hirnstoffwechsel, Wirkung von ADs) wissen willst, kannst Du ja mal einen "Frag Olli" Thread aufmachen und ich erzähle Dir ein bisschen, was ich bisher weiss, o.k.?
Alles Gute
Oliver