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Ich kanns nicht fassen, bin abhängig

Verfasst: 10.05.2005 21:11
von Velvet
von AD und weiß nicht wirklich weiter.

Ich kann es nicht glauben.
Bin tatsächlich Fluoxetin abhängig.

Höchstdosis waren 20 mg, habe mich immer wieder runtergehangelt und die Tabelette meist geviertelt. also nur 5 mg täglich, dies über einen längeren Zeitraum. Zuletzt 1 Jahr. Vor 6 Wochen hörte ich wieder ganz auf und nun, ja, das übliche wohl. Es fängt an mir schlecht zu gehen.
Seit Tagen merke ich es schon, bringe meinen Alltag nicht mehr auf die Reihe, schiebe alles vor mir her - weine schnell. Verdammt.

Endergebnis. Für morgen früh habe ich schon wieder die Tabletten hergerichtet.

Hört das nie auf? Habe schon soviele natürliche Nahrungsergänzungsmittel versucht, Ablenkung usw. und doch lande ich immer wieder an dem Punkt mir die Chemie zu holen.

Gruß Velvet

Verfasst: 11.05.2005 18:29
von Hannes Wien
Hallo Velvet!

Die letzten mg sind oft die schwersten!

Besorge dir doch das Fluoxetin in flüssiger Form so kannst du über längere Zeit die 5 mg langsam absetzen.
Hört das nie auf? Habe schon soviele natürliche Nahrungsergänzungsmittel versucht, Ablenkung usw. und doch lande ich immer wieder an dem Punkt mir die Chemie zu holen.
Hast du schon das link:infopaket gelesen ?

Liebe Grüße

Hannes

Verfasst: 12.05.2005 08:07
von Velvet
Hallo Hannes

ne, hab das Infopaket nur ein bischen durchgestöbert, werde es bei Gelegenheit machen.

Das es Fluoxetin auch flüssig gibt, wußte ich gar nicht. Werde es mir erst im Juli besorgen können, neues Quartal.
Bis dahin werde ich nun mit meinen Bröseln weiterleben um dann mit den Tropfen versuchen endlich davon wegzukommen.

Danke Dir

Gruß Velvet

Verfasst: 13.05.2005 08:43
von Velvet
Hab nun etwas im Info Paket gestöbert.
Da bin ich ja doch erschrocken.

Nehme nun den 3. Tag wieder meine 5 mg und fühle mich wieder entschieden besser.

Letzte Woche hatte ich noch ständig den Gedanken im Kopf:
*ich kann nimmer leben.*
Das ist z.b. wieder weg, auch das Gefühl, jetzt falle ich um. Hatte mich ja schon fast nirgends mehr hingetraut, geschweige fahrradzufahren, dacht ich doch mein Gleichgewicht ist gestört.

Manno manno, aber ich werde diese Medikamente noch los werden.

Gruß Velvet

Verfasst: 23.05.2005 00:42
von Stefan25
Hi,

könnte es denn auch sein das deine Grunderkrankung einfach wieder kommt ??????? Ich habe selbst mal Paroxetin genommen. Die Absetzerscheinungen sind echt krass. Ich hatte extreme Unruhe und auch diese Stromstöße. Das ganze war aber nach ich glaube 1 Woche oder so wieder weg und dann kamen halt meine Symptome wie schnelle Erschöpfung Angst Unruhe und so ne Energielosigkeit halt wieder zurück. Meines Erachtens hat das nichts mit Abhängigkeit zu tun. Ich meine das Fluctin hat dich ja nicht high gemacht sondern halt ein wenig zufriedener und die Stimmung war halt besser.

Mei was du da hast ist ne Krankheit so wie Krebs oder Diabetis oder weiß der Teufel. Für solche Erkrankungen gibt es Medikamente. Grundlegend andere Verfahren sind wohl ´was die quälenden Symtome anbelangt nicht so wahnsinnig hilfreich das ist meine Meinung. Du kannst das Fluctin weglassen und es geht dir schlecht oder es eben wieder nehmen und hoffen das es wieder hilft. Trotzdem gute Besserung.

MfG

Stefan

Verfasst: 23.05.2005 07:16
von Velvet
Hallo Stefan

das ist ja gerade dieser Teufelskreis, daß ich nicht weiß ist es die Krankheit oder ein Absetzproblem.
Nehme nun meine 5 mg wieder konstant weiter und fühle mich fast *normal*.
5mg ist ja nun keine hohe Dosis und immer wieder denke ich mir, es kann doch nicht sein, daß mein Wohlbefinden davon abhängt.

Ich werde sehen.

Gruß Velvet

Verfasst: 23.05.2005 09:26
von Rina
Hallo Velvet! Ich bin auch etwas irritiert über die Zeitangabe von 6Wochen nach denen es dir erst anfängt wieder schlecht zu gehen. Nach 6 Wochen findet bei der kurzen Halbwertzeit dieses Med. kein Entzug mehr statt. Oder?

Verfasst: 23.05.2005 11:04
von CloneX
Rina hat geschrieben:Hallo Velvet! Ich bin auch etwas irritiert über die Zeitangabe von 6Wochen nach denen es dir erst anfängt wieder schlecht zu gehen. Nach 6 Wochen findet bei der kurzen Halbwertzeit dieses Med. kein Entzug mehr statt. Oder?
Der Entzug ist leider nicht nur von der Halbwertszeit abhängig. Die hat vor allem Einfluss auf den akuten Entzug - längerfristige Entzugsprobleme hingegen dürften keinen direkten Bezug zur Halbwertszeit haben.

Verfasst: 23.05.2005 12:06
von Rina
Hallo Clonex! Entschuldige, ich bin neu hier. Ich weiß noch nicht so viel. Ich geb mir Mühe alle bereits erwähnten Informationen zu sammeln. Entstehen die Entzugssymtome nicht durch die Metabolisierung des Medikamentes, d.h. reduziert sich nicht die Wirkung mit der Halbwertszeit? Und ist das Medikament abgebaut vermisst der Körper dessen Wirkung und reagiert mit Entzugssymtomen? Hab ich da einen Denkfehler? Wie entsteht diese Übelkeit und der Schwindel zum Beispiel? Ich versteh das nicht.

Verfasst: 23.05.2005 12:26
von Oliver
Hallo Rina.

Bei längerer Einnahme von Antidepressiva findet im Gehirn eine Anpassungsreaktion statt, welche bis heute nicht vollständig erforscht ist. Vereinfacht gesagt, passen sich wohl die Zellen im Gehirn an die ständige Anwesenheit eines Antidepressivums an - das geht über mehrere Wochen bis Monate.
Wenn ein Antidepressivum zu schnell abgesetzt wird, hat das Gehirn nicht genügend Zeit, sich an das Fehlen der Substanz zu gewöhnen und es kann zu Absetzerscheinungen kommen - die können dann auch bei ADs mit kurzer Halbwertszeit in manchen Fällen erst nach Wochen auftreten.

Alles Gute
Oliver

Verfasst: 23.05.2005 13:10
von Rina
Ok, ich verstehe. Der Gehirnstoffwechsel kann sich also dem Fehlen von Serotoninwiederaufnahmehemmern nur ganz irre langsam und behutsam anpassen und Reaktionen auf das Fehlen dieses Stoffes kann Reaktionen noch Wochen später hervorrufen. Wie schrecklich, dass ich noch von 30mg abhängig bin.
Die SSRI erhöhen indirekt das Serotonin im Gehirn. So. Meine Info ist, dass sich nach ca. einem Jahr der Serotoninspiegel im Gehirn normalisiert hat. Angst und Unwohlsein aufgrund des Serotoninmangels nicht mehr auftreten sollten.
Ich frage mich wo kommt der ursprüngliche Serotoninmangel her, der die Symptome ausgelöst haben soll. Diesen habe ich doch mit meiner SSRI- Einnahme nicht therapiert. Wenn jetzt die Wiederaufnahmehemmer reduziert werden, liegt es doch nahe, dass sich das ursprüngliche Problem, nämlich des zu wenig Serotonin gebildet oder zu schnell abgebaut werdens , die Verschlechterung meines Befindens erklärt. Dies wäre so schrecklich.

Verfasst: 24.05.2005 00:19
von Oliver
Hallo Rina.
Die SSRI erhöhen indirekt das Serotonin im Gehirn. So. Meine Info ist, dass sich nach ca. einem Jahr der Serotoninspiegel im Gehirn normalisiert hat. Angst und Unwohlsein aufgrund des Serotoninmangels nicht mehr auftreten sollten.
Ich muss Dich enttäuschen - der zu niedrige Serotoninspiegel als Ursache von Depressionen und anderen psychischen Störungen, hat mit der Realität nicht viel zu tun. Schau z.B. mal hier: Mythos: Depressionen als Stoffwechselstörung im Gehirn

So einfach ist das alles leider nicht. Lies doch mal ein wenig in unserer Infosektion.

Das für Dich entscheidende ist, dass Du weißt, das Du ein SSRI laaangsam ausschleichen musst.

Alles Gute
Oliver

Verfasst: 24.05.2005 01:31
von Rina
Hallo Oliver! Das der Serotoninspiegel im Gehirn gar nicht gemessen werden kann ließ mich bereits stutzig werden als ich mit dem Medikament vor einem Jahr anfing und dass sich keiner meiner behandelnden Ärzte wirklich damit auskennt wurde mir schnell klar. Ich wollte aber auch einfach glauben dass das Medikament mir helfen wird.
Ist also anzunehmen, dass mein Paroxetin als Placebo gewirkt haben könnte? Wenn die Wirkung gar nicht nachgewiesen werden kann, wie kann so was dann auf den Markt gelangen. Oder wirkt es und es kann nur mittels Vermutungen erläutert werden, wie?

Verfasst: 24.05.2005 07:48
von Velvet
Hallo

hier hat sich ja einiges informative getan.

Zu meinem *erst* nach 6 Wochen schlecht gehen möchte ich noch etwas sagen.
Es ging mir nicht erst nach 6 Wochen schlecht. Nach 6 Wochen war allerdings der Punkt erreicht, an dem ich meinen Alltag nicht mehr auf die Reihe bekam.

Zuvor hatte ich ein häufiges Weinen, mich selbst bemitleiden, Angst, das Gefühl ich falle jetzt um usw.
Brachte es jedoch nicht mit dem fehlenden AD in Verbindung. Ich hatte schlichtweg vergessen, daß ich keines mehr nahm.

Nun das Zeugs hat sich ja wieder in Erinnerung gebracht.
Aber selbst jetzt vergesse ich manchmal die Einnahme. Gestern z.B. wieder vergessen.

Werde mich aber bis Ende Juni mit den 5 mg tägl. stabilisieren und es dann weiter halbieren oder Tropfen nehmen.

Ich will davon weg.

Gruß Velvet

Verfasst: 24.05.2005 14:35
von Rina
Hallo Velvet!
Schön von Dir zu hören! Ich vergesse es nie. Ich nehm es immer abends vor dem Schlafen gehen, da ich im Schichtdienst arbeite und am Abend eher eine Regelmäßigkeit stattfindet. Kann mir jemand sagen, warum man es morgens nehmen sollte?
Falls ich es wirklich als abendliches Ritual vergessen sollte, denke ich spätestens dann daran, wenn ich mich ins Bett eingekuschelt habe. Beim Augenschließen bekomme ich sofort Angst vor der Angst und versuche jegliche Regungen in meinem Körper zu ignorieren.
In mir klopft das Herz in einen normalem Rhythmus, doch ich empfinde es als flattere es. Mir wird übel. Gribbeln steigt vom Kreuzbein zum Genick. Ich atme schwer und bin vor Angst gelähmt. Brechreiz, Schweißausbrüche, Speichelfluß, Erstickungsgefühl. Mit Paroxetin war es weg und seit ich es reduziere kommt dieser Zustand das lieber sterben wollen als dies auszuhalten immer wieder auf. Nehm dann aber immer gleich eine oder zwei Tavor. Ich merke dann richtig wie die innere Anspannung nachlässt und dann auch die mich am meisten quälende Übelkeit. Will aber auf keinen Fall von dem Tavor auch noch abhängig werden.

Verfasst: 24.05.2005 20:28
von Hannes Wien
Hallo Rina!
Kann mir jemand sagen, warum man es morgens nehmen sollte?
Weil alle SSRI AD aufputschen können und es möglich ist, dass man dann nicht gut oder gar nicht schlafen kann.
In mir klopft das Herz in einen normalem Rhythmus, doch ich empfinde es als flattere es. Mir wird übel. Gribbeln steigt vom Kreuzbein zum Genick. Ich atme schwer und bin vor Angst gelähmt. Brechreiz, Schweißausbrüche, Speichelfluß, Erstickungsgefühl. Mit Paroxetin war es weg und seit ich es reduziere kommt dieser Zustand das lieber sterben wollen als dies auszuhalten immer wieder auf.
Hier liegt der Teufel im Deteil den so wenige Ärzte wissen:
David Healy hat geschrieben:LEIDE ICH AN ABSETZERSCHEINUNGEN?


Es gibt drei Indikatoren, um zwischen Absetzerscheinungen und dem Wiederauf-tauchen der ursprünglichen Symptomatik zu unterscheiden:

1. Wenn das Problem kurze Zeit nach einer Dosisreduktion oder dem Absetzen auftritt (das können je nach Patient Stunden, Tage oder sogar einige Wochen sein) ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es sich um ein Absetzsymptom handelt. Das erfolgreich behandelte ursprüngliche Problem sollte eigentlich nach dem Absetzen über Monate oder sogar Jahre nicht mehr auftauchen. 2. Wenn die Symptome (siehe Absetzsymptome) nach erneuter Einnahme oder Erhöhung der Dosis wieder verschwinden, deutet dies ebenfalls auf ein Absetzsymptom hin und nicht auf ein Wiederauftauchen der ursprünglichen Symptomatik. Wenn es echte Krankheitssymptome wären, würde es länger dauern, bis Sie wieder auf die Behandlung ansprechen. Die kurzfristige Reaktion der Symptomatik auf die Behandlung weist auf ein Absetzproblem hin.
3. Es ist durchaus möglich, dass sich ihre Absetzsymptome mit den Symptomen ihrer eigentlichen Krankheit überlappen. Beides enthält Elemente von Unruhe, Angst und Depressionen. Ebenso oft treten beim Absetzen aber auch völlig neue Symptome auf wie: kribbelnde Gefühle, elektrische Schocks, Schmerzen und ein grippeähnliches Gefühl.

Vor dem Absetzen eines SSRI sollte man sich vergegenwärtigen, dass viele Menschen keine Probleme haben werden. Einige werden minimale Probleme haben, die möglicherweise nach ein paar Tagen ihren Höhepunkt erreichen, um dann wieder nachzulassen. Die Symptome können allerdings auch einige Wochen oder sogar Monate andauern. Manche Menschen werden größere Probleme haben, denen mit den nachfolgenden Absetzplänen geholfen werden kann.
Schließlich wird es aber eine Gruppe von Menschen geben, die das SSRI schlicht und einfach nicht absetzen können. Es ist wichtig, diese letzte Möglichkeit anzuerkennen, damit Sie sich in diesem Falle nicht unnötig quälen. Ärztliche Hilfe mag für manche Angehörigen dieser Gruppe hilfreich sein, um den Nebenwirkungen der SSRI zum Beispiel dem Verlust der Libido, medikamentös

Ich würde an deiner Stelle ganz langsam runtergehen wenn nötig mit flüssigem Paroxetin.

Liebe Grüße

Hannes