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Arztbesuch
Verfasst: 20.11.2003 20:23
von nettchen
Hallöle,
wollte mal einen Zwischenbericht abgeben, wie es im Moment bei mir läuft.
Ich war heute beim Neurologen, da ich das Paroxetin (20 mg) absetzen will. Mir geht es im Moment echt gut damit, aber wie alle hier habe ich auch schon die Bekanntschaft mit den Absetzsymptomen gemacht (s. Erfahrungsbericht Annett).
Also wie gesagt war ich beim Neurologen. Wollte seine Unterstützung während des Absetzens in Anspruch nehmen. Ich habe mir das Infopaket ausgedruckt und den Absetzplan der User Group. Ich bin natürlich schon mit den Gedanken hingegangen, dass er mir sowieso kein Glauben schenken wird.
Naja, als ich ihn dann sah, wurde mir schon einiges klar. Ein älterer Arzt.

Da schoß mir gleich das alteingesessene durch den Kopf. Diese Ärzte lassen sich ja ungern noch was "beibringen". Aber ich hatte noch Hoffnung. Also erzählte ich ihm kurz meine Geschichte und auch von dem Forum und den Informationen, die ich hier erhalten konnte. Ich hatte irgendwie das Gefühl ich redete mit ner Wand. Ich bot ihm an, sich das Infopaket, welches ich extra für ihn ausgedruckt habe, durchzulesen wenn er Zeit hat und es auch zu behalten. Die Reaktion war irgendwie komisch. Er lenkte mit seinen Fragen, nach der Ursache meiner Krankheit ab und reagierte gar nicht auf mein Angebot. Er war nett und freundlich aber er ging nicht großartig darauf ein. Später nahm er sich das Infopaket blätterte einmal durch (so wie man schnell ein Buch durchblättert, bevor man sich entscheidet es zu kaufen) und gab es mir wieder. Er gab mir nicht direkt aber doch unmissverständlich zu verstehen, dass es bei dem Einem so und bei dem Anderen so sei. Als ich ihm dann nochmal erklärte (auch mit Hinweis auf die Sendungen, Forschungen und Erfahrungsberichte), dass dies nicht nur ein paar hundert Menschen beträfe, sondern eben tausende nickte er nur mit dem Kopf aber ließ es auch dabei.
Ich hatte keine Lust mehr mir weiter Mühe zu geben. Mir fiel dazu nur ein, alt und eingesessen.
Aber ein gutes hatte dieser Besuch. Er verschrieb mir das Seroxat Suspension und da er Homäopat (ich glaub das Wort ist falsch geschrieben

) ist verschrieb er mir auch gleich noch etwas. An und für sich habe ich nichts gegen solche Mittel, aber er hat mich so schon nicht verstanden, warum sollte er also dann nach so kurzer Zeit schon wissen was ich wirklich brauch gegen meine Angststörung.
Also was soll ich dazu sagen. Ich war nicht enttäuscht, weil ich es nicht anders erwartet hatte und warum soll es gleich beim ersten Neurologen klappen. Nächste Woche habe ich noch einen Termin bei einer Neurologin. Ich werde sehen, ob die dann Lust hat näher darauf einzugehen. Wenn nicht, so habe ich beschlossen, werde ich das Absetzen alleine durchziehen. Ich wollte eigentlich nur einen kompetenten Arzt an meiner Seite haben, den man jederzeit in Anspruch nehmen kann. Aber nunja.
Vielleicht werden sich diese Ärzte eines Tages an mich erinnern, wenn es dann mal heißt SSRI´s machen abhängig. Das nützt mir dann zwar nichts, aber sie haben vielleicht, aber auch nur vielleicht, ein schlechtes Gewissen Ihren anderen Patienten gegenüber. Obwohl, wenn ich so darüber nachdenke machen die ja auch nur einen Job wie jeden anderen und d.h. wenn man zu Hause ist, ist Job = Job und privat = privat.
So jetzt aber genug lamentiert

. Höre jetzt auf zu erzählen. Ich halte euch auf dem Laufenden. Drückt mir die Daumen für den 27.11. Dann gehe ich zu der anderen Neurologin.
Bis dahin liebe Grüße Nettchen.
Arztbesuch
Verfasst: 21.11.2003 00:51
von freaklin
> Aber ein gutes hatte dieser Besuch. Er verschrieb mir
> das Seroxat Suspension ...
Ich denke, daß wenn Du das Seroxat so ganz sachte über mehrere Wochen runterdosierst, Du kaum Absetzerscheinungen wahrnehmen wirst. Allerdings kann Deine Angststörung dann wieder an Intensität gewinnen.
> und da er Homäopat (ich glaub das Wort ist falsch geschrieben)
> ist verschrieb er mir auch gleich noch etwas.
Solltest Du die Sache drastischer angehen und das Seroxat über kürzere Zeit runterdosieren, so wird Dir sicher kein homöopathisches "Medikament" dabei helfen, die Absetzerscheinungen zu ertragen.
Verfasst: 21.11.2003 08:55
von nettchen
Ich will das Seroxat auch ganz langsam absetzen.
Was das homöopatische Mittel angeht, werde ich das auch nicht nehmen. Ich werde mich erst in Ruhe mit einem anderem Homöopaten unterhalten bevor ich da irgend etwas nehme. Ich weiß auch das es mir dadurch nicht unbedingt besser bei gehen wird, aber ich will ja auch etwas für die Zukunft tun um meiner Angst besser entgegen zu gehen. Ich war ja auch schon in ner Verhaltenstherapie und weiß wie ich mich der Angst stellen muß.
Jetzt steht aber erstmal das Absetzen an erster Stelle. Also packen wir es an.
Liebe Grüße Nettchen.
Verfasst: 21.11.2003 13:27
von Hippo
Hallo Nettchen,
der Ablauf Deines Arztbesuchs war typisch, ich ja ähnliches schon mal an anderer Stelle berichtet.
Wobei, immerhin hat er gesagt "bei dem einen so, beim anderen so". Meine Neurologin hat auf den Hinweis, daß es "Tausende mit Absetzsymptomem gibt", gesagt, "Die haben ALLE zu früh abgesetzt, das ist die ursprüngliche Erkrankung".
Ich finde es halt bedenklich, daß aufgrund solcher Ignoranz sehr viele die Sache alleine ohne Arztbegleitung in die Hand nehmen müssen. Das klappt sicher nicht bei jedem, da muß schon alles optimal laufen.
Alles Gute noch.
LG
Hippo
Verfasst: 21.11.2003 13:33
von nettchen
Danke, wünsche dir auch weiterhin alles gute für deinen weiteren Weg. Ich werde es wohl auch alleine in die Hand nehmen müssen, aber einen Versuch wage ich noch. Vielleicht sind ja doch nicht alle so unaufgeschlossen.
Auf jeden Fall werde ich dann wieder berichten wie es gelaufen ist.
Bis dahin liebe Grüße.
Verfasst: 21.11.2003 16:39
von Linda
Hallo Annett,
vielen Dank, dass Du uns von Deinen Erfahrungen so ausführlich berichtet hast, es ist für uns alle aufschlußreich zu hören, wie die Ärzte mit diesem Thema umgehen. Ich finde Du machst das genau richtig, und ich bin froh, dass Du Dich nicht verunsichern läßt.
Eins kann ich Dir versichern - ein richtiger Homeopath hätte Dir nie ein SSRI verschrieben. Wenn Du wirklich Interesse an einer homeopathischen Behandlung hast, mußt Du zu einem klassischen Homeopathen mit einer richtigen Ausbildung gehen. Meine Hausärztin behandelt auch mit homeopathischen Mitteln aber die Erfahrungen, die ich bei einem richtigen Homeopathen gemacht habe waren ganz anders. Allein die Anamnese, die meistens über eine Stunde dauert, ist schon unheimlich interessant.
Ich hoffe auch mit Dir, dass es irgendwann zum ärztlichen Allgemeinwissen gehören wird, dass diese Medikament gefährlich sein können. Wir arbeiten alle in diese Richtung weltweit.
Ich wünsche Dir viel Glück beim Absetzen, wenn Du irgendwas wissen willst oder falls ich Dir irgendwie behilflich sein kann melde Dich einfach. Und wir drücken Dir die Daumen am 27. - hoffentlich läuft alles so wie Du Dir es wünschst.
Liebe Grüße an Dich
Linda
Verfasst: 21.11.2003 19:26
von nettchen
Genauso wie du es beschrieben hast mit der Anamnese (?) so habe ich das nämlich auch schon gehört und deswegen kam mir die ganze Sache gleich schon spanisch vor.

Habe bereits schon eine Telefonnummer von einem Homöopaten. Dafür will ich mir aber genug Zeit nehmen und vor allem muss ich erst noch ein wenig Geld zusammen sparen

. Jetzt steht erstmal das Absetzen im Vordergrund. Aber ich verliere die Homöopatie nicht aus den Augen.
Natürlich wende ich mich an euch, wenn ich Fragen habe. Euer Forum ist ja zur Zeit leider der einzige Anlaufpunkt um sich auszutauschen. Aber auch da bin ich optimistisch. Das wird sich sicher ändern und das ist dann auch gut so.
Liebe Grüße!!
Homöopathen-Besuch
Verfasst: 21.11.2003 20:24
von freaklin
> Genauso wie du es beschrieben hast mit der Anamnese (?) so habe
> ich das nämlich auch schon gehört und deswegen kam mir die ganze
> Sache gleich schon spanisch vor.
Ich würde den ganzen Voodoo einfach sein lassen. Homöopathie ist bei einer handfesten psychischen Störung einfach Blödsinn. Man kann sich beliebig komplexe Theorien mit nicht nachweisbaren Kausalitäts-Ketten ausdenken um dem "Kunden" auch mehr als eine Stunde zu erzählen, aber helfen tut das deswegen lange noch nicht.
Ich denke es gibt günstigere Wege mit der gleichen Effektivität, also mit der eines Placebos. Wenn das Seroxat bei Dir wirklich indiziert ist, dann wird Dir die Homöopathie nichts bringen.
Verfasst: 21.11.2003 22:12
von nettchen
Ich möchte die Homeopathie nicht in Anspruch nehmen um die Absetzsymptome zu überstehen. Das ist nicht meine Absicht. Ich möchte mich auf lange Sicht mit dieser Alternative auseinandersetzen. Außerdem denke ich, kommt es darauf an wie man zu solchen Behandlungen steht.
Vielleicht hast du ja keine so guten Erfahrungen mit Homeopathen gemacht,

aber ich will es wenigstens versuchen.
Das Absetzen von dem Seroxat mache ich mit oder ohne homeopatische Unterstützung. Die Homeopathie soll mich ja später auch nicht heilen, sondern lediglich unterstützen. Ich bin ein Mensch der an solche Dinge glaubt, genauso wie an das Besprechen. Ob es im Endeffekt dann wirklich was gebracht hat wird man nie so genau wissen.
Auf jeden Fall ist es immer einen Versuch wert.
Verfasst: 21.11.2003 22:29
von nettchen
Genau Anne, das meine ich damit. Es ist wohl einfach Erfahrungssache eines jeden Einzelnen.
Ich werde es irgendwann mal ausprobieren und dann berichten. Vielleicht ergeht es mir wie euchl, aber dann war es alle mal eine Erfahrung wert.
Liebe Grüße Nettchen.
Verfasst: 22.11.2003 00:32
von freaklin
> Ich möchte die Homeopathie nicht in Anspruch nehmen um die
> Absetzsymptome zu überstehen. Das ist nicht meine Absicht.
Davon bin ich auch garnicht ausgegangen.
> Ich möchte mich auf lange Sicht mit dieser Alternative
> auseinandersetzen.
Ich denke es ist effektiv*er* sich mit einer der gängigen psychotherapeutischen Maßnahmen auseinanderzusetzen.
> Außerdem denke ich, kommt es darauf an wie man zu solchen
> Behandlungen steht.
Natürlich, aber ich glaube daß bei einer psychischen Erkrankung bei der Psychopharmaka indiziert ist, mit Homöopathie nichts zu holen ist. Damit will ich nicht sagen, daß Homöopathie generell ineffektiv ist.
Verfasst: 22.11.2003 02:19
von Oliver
Moin.
freaklin hat geschrieben:
Ich würde den ganzen Voodoo einfach sein lassen. Homöopathie ist bei einer handfesten psychischen Störung einfach Blödsinn.
Das ist ja harter Tobak

. Ich stehe solchen Dingen zwar auch skeptisch gegenüber, aber würde mich zu einer so krassen Aussage nicht hinreissen lassen. Wie kommst Du denn zu dieser Ansicht?
Was ist denn überhaupt eine handfeste psychische Störung? Eigentlich sind psychische Störungen genau das, wo unsere naturwissenschaftlich geprägte Hochschulmedizin immer noch ziemlich ratlos da steht (auch wenn Sie versucht einen anderen Eindruck zu erwecken). Wie genau Antidepressiva wirken, und warum sie nur bei ca 60 bis 75% überhaupt wirken - (im Gegensatz zu 30% bei Placebos) ist ja bis heute ein Rätsel.
Also ich finde, daß gerade bei "handfesten" psychischen Störungen auch alternative Heilmethoden ihre Chance bekommen sollten.
Die 30%ige Remissionsrate durch den Placebo Effekt ist ja auch kein Hinweis darauf, daß die Symptome Einbildung waren, sondern eher darauf, daß der Mensch über immense Selbstheilungskräfte verfügt, die halt nur manchmal ein bisschen gekitzelt werden müssen - soweit ich das jetzt über die Homöopathie sagen kann, beruht sie genau auf dieser Idee - die Selbstheilungskräfte gezielt zu stimulieren.
Du brauchst ja bei der Homöopathie auch keine gefährlichen Nebenwirkungen zu befürchten, also ist es schon einen Versuch wert, finde ich.
Der Mensch ist ganz schön kompliziert - wenn es um die menschliche Psyche (oder soll ich sagen Seele?) geht, steht die reduktionistische Naturwissenschaft auch heute noch ganz schön blöd da. Holistische Ansätze, können hier der richtige Weg sein - auch wenn die Naturwissenschaft nicht messen kann, was da denn jetzt z.B. überhaupt noch an Wirksubstanz in den homöopathischen "Zuckerkügelchen" ist ... es ist noch keine hundert Jahre her, da konnten wir auch noch keine radioaktive Strahlung messen ... ich weiss auch nicht was ich davon halten soll, und ich bin mir auch der Tatsache bewusst, daß es Gestalten gibt, die mit der Verzweiflung von kranken Menschen Kohle machen wollen, aber ich halte es für nicht so toll, so was völlig zu verteufeln (Genau wie ich auch die SSRIs nicht pauschal verteufle ... ausser vielleicht Paroxetin

)
Voodoo funktioniert ja übrigens auch ... ich habe gerade vor ein paar Tagen in "Erlernte Hilflosigkeit" von M. Seligmann gelesen, daß es viele dokumentierte Fälle von "psychosomatischen Todesfällen" gibt. Also z.B. Leute die mit einem "Voodoo Fluch" belegt wurden, daß sie an Tag X sterben werden - und an Tag X liegen diese Leute tot im Bett und es lässt sich beim besten Willen keine körperliche Todesursache feststellen. Da staunt der Fachmann und der Laie wundert sich ...
Alles Gute.
Oliver
P.S. @nettchen wegen Sparen: es gibt Krankenzusatzversicherungen, welche homöopathische und andere alternative Behandlungsformen mit abdecken - vielleicht ist das ja was für Dich (die monatlichen Kosten liegen so um die 10 - 20 EUR)
Verfasst: 22.11.2003 19:49
von nettchen
Danke Olli für deine Meinung. So ist das eben im Leben, die einen können sich mit diesen Dingen identifizieren und andere eben nicht. Ich werde sehen, was es mir bringt. Außerdem bin ich nebenbei ja auch in psychatrischer Behandlung.
Was die Krankenzusatzversicherung angeht ist das ein guter Tip. Ich werde mich die nächsten Tag mal schlau machen diesbezüglich. Ich habe noch eine Bekannte die mir auch angeboten hat es über sie abzurechnen. Sie z. B. vertraut der Homöopathie schon jahrelang. Es ist einfach nur ein Versuch. Ich denke in diesen Sachen ist der Glaube, wie du schon gesagt hast, wichtig.
PS: Konntest wohl wieder mal nicht schlafen hm? Normalerweise liegt man doch im Bett und schläft um die Uhrzeit, als du den Beitrag geschrieben hast. Grins... Ich weiß, leicht gesagt. Es erging mir damals ähnlich. Ich konnte zwar schlafen, aber sobald ich wach war konnte ich aus Angst nicht wieder einschlafen.
Okay. Dann wünsche ich dir natürlich auch alles Gute und bis bald.
Nettchen.
Verfasst: 26.11.2003 04:27
von Oliver
Hallo Nettchen.
Wie Du an der Zeit dieses Postings sehen kannst, bin ich generell eine ziemliche Nachteule

Na ja, es gibt schlimmeres ...
Noch eine Bemerkung zu Deinem letzten Posting:
Nettchen hat geschrieben:
Ich denke in diesen Sachen ist der Glaube, wie du schon gesagt hast, wichtig.
Ich habe nicht gesagt, daß ich denke daß der Glaube bei so was wichtig ist - ganz im Gegenteil - ich denke, daß ein gesundes Maß an Skepsis bei so etwas wichtig ist. Wenn es heisst "es funktioniert nicht, weil Du nicht daran glaubst" ist das für mich ein Grund die Ganze Geschichte für absolute Scharlatanerie zu halten. Mir hat eine Freundin jetzt allerdings versichert, daß ich nicht dran glauben muss, damit es funktioniert und deshalb werde ich es jetzt auch ausprobieren.
Was die wissenschaftliche Beweisbarkeit der Homöopathie angeht, habe ich übrigens einen interessanten Artikel gefunden - ich habe ihn in "Alternative Therapien" gepostet:
http://www.adf-das-forum.de/forum/viewtopic.php?t=168
Alles Gute
Oliver