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paroxetin ??

Verfasst: 18.11.2003 08:35
von volker_o
Hallöchen...

Ich leide seid ca. 15 Jahren an Sozialer Phobie. Alle Versuche was dagegen zu tun sind bisher gescheitert. Ich habe zwar einige Forschritte gemacht und manche Dinge sind mit dem Alter (jetzt 33) gekommen. So habe ich gelernt mich zu akzeptieren. Meine Schwächen einzugestehen und Fehler zuzugeben. Ich kann nunmehr mit vielen Dingen einfacher umgehen. Mein größtes Problem ist jedoch vor vielen Menschen zu reden und viele Menschen um mich zu haben. Das treibt regelrechte Panik in mir. Ich habe vor über einem Jahr angefangen Paroxetin zu nehmen und stellte fest dass ich damit sehr gut zurecht kam. Leider haben sich zunehmend auch die Nebenwirkungen bekanntgemacht. Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Agressivität besonder unter Alkohol, Lustlosigkeit beim Sex und beim Sport und vor allem das Wahrnehmen von Gefühlen positiv und Negativ hat sich deutlich eingeschränkt. So hab ich zum Beispiel festgestellt nicht mehr richtig lachen zu können. Traurige und Emotionsvolle Situationen und Filme haben bei mir keine Gefühle geweckt. Manchmal mußte ich sogar über solche Szenen lachen. Jetzt nach über einem Jahr habe ich selbst mit der Therapie aufgehört weil ich zum einen in Psychologischer Behandlung bin die sich sehr auf Emotionen und Vergangene Erlebnisse beruft (Tiefenpsychologisch) und ich endlich wieder zum Sport gehen möchte um nicht mehr so schlapp und lustlos zu sein. Besonders die Müdigkeit hat mich schwer zu schaffen gemacht. Der Abbruch des Medikaments war zum Teil mit heftigen Reaktionen verbunden. Ich hätte zittrige Hände und mit unter heftige Depressionen. Jetzt nehme ich seid ca. 3 Wochen gar nicht mehr und stelle fest wie frei ich auf einmal bin. Ich kann wieder richtig lachen. Meine Gefühle sind wieder da und ich spüre Gefühle in mir mir. Besonders bei Filmen merke ich das. Gänsehaut und die ein oder andere Träne kommt schon mal durch. Dabei stelle ich fest das das Medikament was ohne Frage starke positive Wirkung hatte auch nachhaltig wirkt. Viele Situationen die ich nur mit dem Medikament bestehen konnte funktionieren auch jetzt noch. Nur habe ich jetzt ein großes Problem.

Im nächten Jahr werde ich versuchen mich beruflich weiterzubilden was bedeutet wieder die Schulbank zu drücken. Eine Vorstellung die mir die Angst und die Röte ins Gesicht treibt. Was soll ich nur tun? Wieder das Medikament nehmen und wieder alles von Vorne beginnen lassen? Ich will meine Gefühle und meine Emotionen behalten. Und wieder zum Sport gehen. Anderseits will ich auf jeden Fall die Weiterbildung. Weiß jemand Rat? Kennt jemand ein anderes Medikament was hilft? (Zoloft hab ich bereits probiert. Leider keine Wirkung) Mein Arzt meint die Müdigkeit verschwindet nach einigen Wochen. Und sei auch nur der Ausdruck der Depressionen. Das Medikament würde eigentlich befreien und Auftrieb geben. Vorher habe ich 5 Tage die Woche Sport gemacht und wünsche mir da wieder anzuknüpfen. Wer schildert mir seine Erfahrungen damit? Ich überlege übrigens auch einen ca. 8 wöchigen Klinikaufenthalt um mein Problem in den Griff zu bekommen. Hab mich das schon erkundigt und könnte jederzeit diese Art der Therapie beginnen. Hat jemand Erfahrung damit? Ich lese auch immer mehr über Fluoxetin. Wäre das eine Alternative? Wäre für jede Antwort dankbar

Verfasst: 18.11.2003 14:51
von Linda
Lieber Volker,

ich bin in einer Zeit aufgewachsen, in der es keine "soziale Phobie" gab. Es gab folglich keine Medikamente dagegen. Es gab schüchterne Menschen, man fand das aber nicht schlimm, hatte Verständnis dafür und die Schüchternen gingen auch irgendwie gelassen damit um. Ich war selbst als Teenager unheimlich schüchtern, habe mich fast nicht getraut, mit älteren Menschen zu sprechen und bin teilweise so knallrot angelaufen, dass ich förmlich geglüht habe. :oops:

Ganz selten passiert mir das immer noch, und zwar in Momenten, in denen ich mich innerlich unsicher oder verunsichert fühle. Ansonsten bin ich eine erfolgreiche Geschäftsfrau, halte Vorlesungen an der Berufsakademie und niemand, der mich heute kennt würde denken, dass ich damals so schüchtern gewesen bin. Ich würde es deswegen nicht als Krankheit bezeichnen, dass es so war - ich hatte einfach mein eigenes Selbstvertrauen nicht so weit entwickelt und entdeckt.

Ich bin soweit gekommen, indem ich die Ursachen für meine Unsicherheit ins Gesicht geschaut habe - warum fühle ich mich unsicher - versuche ich irgendetwas darzustellen, was ich nicht bin? Ist die Situation einfach eine Nummer zu groß für mich? Habe ich Angst, dass mein Gegenüber mich "übertrümpfen" könnte, mich als "dumm" hinstellen könnte, irgendwelche "Mängel" an mir bloßstellen könnte? Diese Sachen kann man begegnen, indem man ehrlich mit sich selbst umgeht, die eigenen Fähigkeiten und Grenzen zuläßt und zugibt und nicht irgendeinem "Wunschbild" von sich nachjagt. Man muß lernen, zuzugeben, wenn man etwas nicht weiß - es ist ja nicht schlimm, nicht alles zu wissen. Fehler macht auch jeder Mensch, und normalerweise lacht man jemanden nicht aus, nur wenn er einen Fehler gemacht hat.

Ich kann Dir keine Medikamentenempfehlungen aussprechen. Ich kann Dich nur ermutigen, wenn möglich Deine Ängste auf offener und ehrlicher Art zu begegen. Du brauchst Dich wegen nichts zu schämen. Du bist wie Du bist und das ist gut so. Mit einem Medikament einen menschlichen Zug zu bekämpfen finde ich persönlich einfach nicht richtig.

Vielleicht kommst Du auch ohne ein Medikament klar. Prophylaktisch etwas zu nehmen, bevor Du weißt, wie Du reagierst, finde ich auch einfach überflüssig.

Hast Du schon mal etwas ganz einfaches aber äußerst wirkungsvolles wie Yoga schon versucht? Die Atemübungen sind in solchen Situationen unheimlich hilfreich und sehr nützlich, die Angst vor der Angst zu überwinden. Homeopathie hat mir persönlich in meinem Leben auch viel unterstützt und meine Tochter schwört auf Akupunktur.

Ich hoffe, Du kannst mit meinen Gedanken etwas anfangen.

Ich wünsche Dir auf jeden Fall viel Erfolg und alles Gute.

Liebe Grüße

Linda

Verfasst: 18.11.2003 19:26
von Oliver
Hallo Volker.
Ich kann mich Linda nur anschliessen. Ich habe selber wegen "Depressionen" und "sozialer Phobie" Paroxetin verschrieben bekommen - habe es aber wegen den krassen Nebenwirkungen (und aus anderen Gründen) recht schnell wieder abgesetzt.

Ich glaube nicht mehr, daß es eine Krankheit "soziale Phobie" (gibt - ich glaube eher, daß es eine Krankheit "Diagnosewahn" gibt, die dazu führt, daß nach und nach alle menschlichen Befindlichkeiten, die ausserhalb der "Norm" liegen pathologisiert werden - also zu Krankheiten umgedeutet. Das mag jetzt sehr ideologisch eingefärbt klingen, aber psychiatriche Diagnosen sind auch nichts anderes, als das Ergebnis einer Ideologie, welche den Menschen nicht mehr als Ganzes wahrnimmt, sondern nur noch als Symptombündel (Ich weiss datt is überzogen, aber ich lass datt getz trotzdem mal stehen :) ).

Ich war lange nicht in der Lage ein "normales" Leben zu führen, weil ich dachte ich sei krank. Mittlerweile bin ich mir da nicht mehr so sicher. Ich denke heute eher, daß ich nicht in der Lage bin ein "normales" Leben zu führen, weil es sowas 1. gar nicht gibt und 2. Ja eigentlich auch nix dagegenspricht, daß ich ein "unnormales" Leben führe und damit glücklich und zufrieden bin. Das ist jetzt natürlich sehr vereinfacht dargestellt - ich muss mich meinen Problemen stellen, und sie auf meine Art lösen - das ist nicht leicht aber seitdem ich es so sehe, mache ich mehr Fortschritte, als zu der zeit als ich alles durch die Krankheitsbrille gesehen habe.

Was Deine Angst vor sozialen Situationen angeht, denke ich, daß es vielleicht das Beste wäre eine Konfrontationstherapie zu machen - entweder auf eigene Faust, indem Du Dich einfach immer wieder den Situationen aussetzt vor denen Du Angst hast und nicht wegrennst - auch wenn Du denkst Du hältst es nicht mehr aus, sondern es durchstehst bis die Angst nachlässt. Ich habe so meine Höhenangst auf ein erträgliches Mass reduzieren können.

Google doch mal ein wenig zu dem Thema. Es gibt glaube ich auch auch Therapeuten die so arbeiten.

Was bei mir auch Wunder bewirkt, ist regelmässiger Ausdauersport - aber das ist mein persönliches Allheilmittel und ich weiss nicht, ob es bei jedem so ist.

Alles Gute
Oliver

Paroxetin

Verfasst: 19.11.2003 09:14
von volker_o
Ich danke euch für eure Antwort

Ich denke auch das ich es jetzt erst mal ohne Medikamente versuchen werde. Dadurch das ich jetzt seid ca. 8 Wochen "clean" bin merke ich erst wie schön es sein kann Gefühle zu haben. Zudem denke ich auch das gerade Sport eine wichte Alternative dazu ist. Leider kann ich mich auch dazu im Moment nicht aufraffen. Früher habe ich 5 TAge die Woche Sport gemacht und im Moment gerade mal ein mal mit viel Mühe. Mein Arzt mein das kommt von den Depressionen. Leider habe ich auch ca 8 kg zugenommen. :( Ich lese immer häufiger das das auch von dem Paroxetin kommen kann. Zur zeit mache ich ja eine Therapie die im Moment sehr interessant ist. Tiefenpsychologisch... Ich denke ich habe einen guten Therapeuten. Ich erfahre im Moment viel über mich und was mein Psychologe sagt klingt ziemlich logisch. Vielleicht komme ich ja so auch ein Stück weiter. Aber eine Konfrontation im Selbststudium wäre ja nicht schlecht. Werde mich da mal informieren. Danke für Eure Hilfe

Verfasst: 19.11.2003 10:57
von Linda
Lieber Volker,

aus meiner Sicht sind die Herausforderungen des Lebens etwas Wichtiges, woran wir lernen, uns selbst einzuschätzen und, die wir auch nützen können, um als Mensch zu wachsen. Deine Gefühle sind wichtige Hinweise für Dich - tut mir das gut oder nicht - und ohne sie kannst Du Dich einfach nicht entwickeln. Man sollte sich dagegen wehren, in irgendein Schema gepresst zu werden und dem Druck widerstehen, der angeblichen "Norm" zu entsprechen - wer setzt dann überhaupt diese Normen? Früher war doch Individualität gefragt - so ändern sich die Zeiten. Stehe zu Dir selbst wie Du bist - dann wirst Du auch für Dich weiterkommen.

Ich wünsche Dir viel Glück.

Liebe Grüße

Linda

Paroxetin??

Verfasst: 19.11.2003 17:49
von Heidi
Lieber Volker,

ich habe Deine Berichte gelesen.

Ich war selbst war in einer Psychosomatikkur in Prien am Chiemsee - Klinik St. Irmingard. Es wirklich eine tolle Sache - sehr zu empfehlen.

Ich war sogar schon 3 mal dort. Als es mir vor Jahren sehr,sehr schlecht ging waren es 14 Wochen. Ein Jahr darauf 10 Wochen und wieder ein Jahr darauf 8 wochen.

Die Gegend dort ist traumhat, am Chiemsee. Hier kann man richtig zur Ruhe kommen und an sich arbeiten. Man wird ganz schön gefordert mit Einzeltherapien, Gruppentherapien, wahlweise Kunsttherapie oder Musiktherapie oder Tanztherapie usw. Da lernst Du Dich wirklich richtig kennen.

Die schönste Zeit war für mich die Winterzeit dort. Im Sommer treiben sich viele Urlauber am See rum - im Winter hast Du das Gefühl der See gehört Dir alleine.

Liebe Grüße - Heidi -

Verfasst: 24.11.2003 18:44
von Andreas
Hallo!

Ich kann zwar keine Tipps hier geben, aber ich hätte eine (interessante?) Frage.

Ich leide wohl auch schon seit mind. 15 Jahre an soz. Phobie. Derzeit studiere ich noch (bin 25 Jahre). Bin vor einigen Wochen zur Neurologien gegangen und da hat sie soz. Phobie festgestellt (da hat sie bestimmt recht)!

Sie hat mir gleich Paroxetin verschrieben. Doch mit dem fange ich gleich gar nicht an, da ich schon einiges an unerwünschten Nebenwirkungen gelesen habe.
Habe mich daher vor 20 Tagen an eine Homöopathien gewand. Leider bis heute merke ich überhaupt keine Besserung! :-(

Mein nächster Schritt ist (falls mir die homöopathischen Mittel nicht bis spätestens zu Weihnachten etwas helfen) mit Johanniskrautkapseln aus der Apotheke zu beginne.

Findet ihr meine Vorgangsweise in Ordnung und habt ihr Erfahrungen mit Johanniskrautpräparaten? Könnt ihr mir vielleicht ein gutes Empfehlen?

Vielen Dank! lg