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Kann Paraxotin abhängig machen?

Hier lassen sich auch viele Erfahrungsberichte über das Absetzen von Antidepressiva und Benzodiazepinen finden.
Gesperrt
Marci
Beiträge: 1
Registriert: 24.03.2005 21:23

Kann Paraxotin abhängig machen?

Beitrag von Marci »

Hallo,

ich bin neu hier und möchte mich über Paraxotin etwas Schlau machen.
Meine Freundin soll Paraxotin einnehmen mit einer Anfangs Dosis von 20mg und in ca 1woche soll die Dosis erhöht werden.
Meine Fragen dazu.

Kann da Medikament abhängig machen in dem die Wirkung nachlässt und die Angstzustände und Zwänge wieder anfangen?

Ist es normal das man davon sehr aufgekratzt wird, ein gefühl hat ob man hai ist?

Über welchem Zeit raum muss man das medikament nehmen bevor es wirkt und es wieder abgesetzt werden kann quasie geholfen von den Ängsten usw. frei ist?

Ich mache mir ein wenig sorgen da ich die Dosirung schon sehr hoch halte für den anfang, wie man es so liest!?

mfg

Marci[/b]
Hannes Wien
Gründer
Beiträge: 903
Registriert: 27.10.2003 14:16
Wohnort: Wien
Danksagung erhalten: 6 Mal

Beitrag von Hannes Wien »

Hi Marci,

deine Sorge ist nicht ganz unbegründet, denn Paroxetin ist das SSRI AD was am meisten abhängig machen kann.
Kann da Medikament abhängig machen in dem die Wirkung nachlässt und die Angstzustände und Zwänge wieder anfangen?
Das kommt auch öfters vor aber noch viel schlimmer ist das Absetzen von dem Gift.

Nimm mal die Suchfunktion von Google im ADFD und gib Paroxetin ein du wirst sehr viele Beiträge finden, wo Menschen unglaubliche Probleme haben davon wegzukommen!

Ist es normal das man davon sehr aufgekratzt wird, ein gefühl hat ob man hai ist?
In den ersten Wochen ja, bei manchen hält das aber auch über die gesammte Einnahmedauer an.

Schöne Ostern

Hannes
CloneX
Gründer
Beiträge: 1165
Registriert: 10.10.2003 17:01
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Re: Kann Paraxotin abhängig machen?

Beitrag von CloneX »

Marci hat geschrieben:Über welchem Zeit raum muss man das medikament nehmen bevor es wirkt und es wieder abgesetzt werden kann quasie geholfen von den Ängsten usw. frei ist?[/b]
Nur das Medikament alleine wird dich nicht von Ängsten befreien - langfrisitig. In den meisten Fällen blendet es die Ängste aus - du musst das dann nutzen um an dir zu arbeiten.
Lotus
Beiträge: 80
Registriert: 27.06.2004 18:24
Wohnort: Berlin

Beitrag von Lotus »

Hallo Marci,

selbstverständlich macht Paroxetin abhängig. Irgendwie ist das auch der Grund, warum man es schluckt. Es gibt ein Problem und man hofft, dass das Medikament zur Lösung des Problems beiträgt. Manchmal tut es das auch. Bei mir hat es den Antrieb gesteigert, und mir ein Gefühl der Gelassenheit gegeben. Ich habe den Eindruck, dass mir die langfristige Einnahme auch einen Lernprozess ermöglicht hat. Ich gehe heute z.B. viel leichter auf Menschen zu, und bin nicht mehr so streng gegen mich selbst. Der Prozess war durch eine Psychotherapie angeregt worden. Ohne Medikament wäre ich aber wahrscheinlich in ungesunde Verhaltensweisen zurück gefallen.

Paroxetin verursacht aber auch Schlafstörungen, Muskelschmerzen und Gewichtzunahme. Die Schlafstörungen hindern einen daran, unter Menschen zu gehen. Die Muskelschmerzen hindern einen daran, sich regelmäßig zu bewegen. Gesunder regelmäßiger Schlaf, Freunde, die einen unterstützen, und regelmäßige Bewegung sind aber sehr sehr wichtig, um einen psychisch stabil zu halten. Ich persönlich bin nicht unbedingt eine Frau, die sich sehr über das Äußere definiert. Trotzdem stört mich mein Bauch. Für eine Frau, für die es sehr wichtig ist, gut auszusehen, kann das schon ganz schön auf das Selbstbewusstsein gehen, wenn die Figur aus dem Leim geht.

Ich würde mir, nachdem ich sieben Jahre lang Paroxetin geschluckt habe, dieses Medikament nicht noch einmal verschreiben lassen. Es hat unter allen SSRI die meisten Nebenwirkungen und ist am schwierigsten abzusetzen. Sollte es mir noch mal so schlecht gehen, wie es mir während der Depression ging, würde ich ein anderes SSRI nehmen. Meine Depression war so schlimm, dass ich sechs Monate lang nicht arbeitsfähig war, und eigentlich ständig in Gefahr war, mich umzubringen. Ich war auch kaum in der Lage, mich selbst hauswirtschaftlich zu versorgen. Ich habe zu wenig gegessen, und habe die ganze Zeit nicht geputzt.

Mir konnte das Medikament deswegen helfen, weil ich es erst nach einer Psychotherapie genommen habe. Ich finde, man sollte SSRI erst nehmen, wenn man nicht mehr arbeitsfähig ist, und nachdem alle nicht medikamentösen Hilfsmöglichkeiten ausgeschöpft worden sind.

Dann sollte man auch noch einen Arzt finden, der genau über Nebenwirkungen und Absetzerscheinungen Bescheid weiß. Diese Ärzte sind leider so selten, dass man im Fall des Falles, dass man das Medikament wirklich braucht, wohl gezwungen ist, Kompromisse einzugehen. Denn wie gesagt, wenn man es wirklich braucht, ist man so fertig mit der Welt, dass man bei der Wahl der Hilfsmöglichkeiten nicht mehr wirklich frei ist.

Ich hoffe, Deine Freundin findet gesündere Wege, ihre Angststörung zu bekämpfen. Sollte es ihr so schlecht gehen, dass sie wirklich ein Medikament braucht, kannst Du ihr helfen, indem Du sie ermutigst, einen guten Arzt zu suchen. Mir hätte es sehr geholfen, wenn das jemand mit mir zusammen gemacht hätte.

Die Entscheidung, ob sie schluckt oder nicht, solltest Du aber Deiner Freundin überlassen. Psychische Krankheiten bringen es so mit sich, dass man nicht alles in Worte fassen kann, was man fühlt.

Ich wünsche Euch allen beiden alles Gute,
Gruß,

Lotus
1995 Selbstwertneurose, neurotische Depression, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, Besserung ohne Medikamente
1998 schwerer Rückfall: 20 mg Paroxetin zur Antriebssteigerung,
Absetzversuch: von 02.02.05 bis Juni 05 null, ab Juni 05 10 mg Escitalopram
Diagnose: bipolar schizo-affektive Störung. Medikation: 600 mg Seroquel, 22,5 mg Mirtazapin, 40 mg Citalopram
Gesperrt