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Bin auch neu hier
Verfasst: 11.02.2005 09:05
von Annett
Hallo Ihr lieben,
Ich hab mal ein paar Fragen an Euch. Ich habe Montag erfahren das ich ein Baby erwarte.

Ich nehme seit etwa 4 Monaten Trevilor Retard 75mg. Mein Arzt sagt ich soll es sofort absetzen. Das hab ich gemacht. Seit 2 Tage nehme ich nichts mehr. Nun hab ich in den Händen und Armen wie Stromschläge und etwas schwindlig ist mir auch. Wann gehen diese Beschwerden vorbei? Wie lang dauert so ein Entzug?
Verfasst: 11.02.2005 10:22
von Oliver
Hallo Annett.
Das ist eine etwas haarige Situation. SSRI sollten in der Schwangerschaft nicht eingenommen werden - da hat Dein Arzt recht. Es wurde vor kurzem eine Studie veröffentlich, dass Neugeborene unter Entzugserscheinungen litten, wenn die Mutter während der Schwangerschaft ein SSRI genommen hat. Paroxetin (ein anderes SSRI) ist da am problematischsten, aber Venlafaxin ist auch nicht ohne. Andereseits wäre es auch nicht so klasse, wenn Du jetzt längere Zeit unter schweren Entzugserscheinungen leiden solltest. Die offizielle Version ist zwar, dass SSRI nur ganz selten schwere und lang andauernde Entzugserscheinungen auslösen - Tatsache ist, dass man nicht wirklich eine verlässliche Aussage darüber machen kann. Wenn ich in Deiner Situation wäre, würde ich jetzt mal zwei bis drei Wochen abwarten und hoffen, dass die Symptome im erträglichen Bereich bleiben und dann nachlassen.
Alles Gute
Oliver
Verfasst: 12.02.2005 12:13
von xavro1
Hallo Annett,
ohne Frage ist es am Besten eine Schwangerschaft mit so wenig Medikamenten wie nötig zu belasten. Meinen Glückwunsch übrigens.
Den Rat das Trevilor sofort abzusetzen halte ich aufgrund des Risikos von Absetzerscheinungen, die für den Embryo bestimmt auch nicht prickelnd sind, allerdings für fahrlässig.
Soweit mir bekannt ist, besteht kein erhöhtes Risiko für genetische Schäden, Fehlgeburten oder ähnliches bei der Einnahme von Antidepressiva (Ausnahme: Lithium, MAO-Hemmer). Hauptproblem sind meines Wissens die Absetzerscheinungen und antichinolerge Effekte, wenn das Kind vor der Geburt Antidepressiva ausgesetzt war. Gut, Trevilor ist noch nicht so lange auf dem Markt, eine absolut sichere Aussage über mögliche Spätschäden gibt es daher nicht. Man hat jedoch die Erfahrungen aus den Tierversuchen. Außerdem gibt es schon sehr viele andere Antidepressiva, die z.T. schon fast 50 Jahre auf dem Markt sind. Grundsätzlich sollte man daher nicht davon ausgehen müssen, dass irgendwelche bleibenden Schäden zu erwarten sind. Man sollte natürlich jedes Risiko vermeiden, aber Panik und sofortiges Absetzen rechtfertigt das in meinen Augen nicht.
Sicher hätte man sich mindestens 1-2 Wochen Zeit lassen können mit dem Ausschleichen, denn ob im Gegenzug die "Stromschläge" so toll für das Kind sind? Wer weiß, was dass nun wieder für Folgen für das neue Nervensystem hat.
Außerdem sollte man nicht vergessen, dass auch eine Depression ein Risiko für eine Schwangerschaft darstellt. Da ist natürlich zunächst einmal das erhöhte Suizidrisiko. Aber auch der von der Depression verursachte körperliche Stress mit den begleitenden Hormonen kann Probleme verursachen. Im Gegensatz zu Antidepressiva geht Stress z.B. schon mit einem erhöhten Risiko für Fehlgeburten einher. Dazu kommt, dass Depressionen nicht selten mit Ernährungsauffäligkeiten (zuviel/zuwenig) verbunden ist oder gar mit Missbrauch von Nikotin, Alkohol und anderen Drogen. Ich denke, da muss man im Einzelfall schon sehr genau hinsehen, welches Risiko für das Kind insgesamt größer ist.
Es ist also wichtig, nicht nur einfach die Medikamente abzusetzen, sondern es muss auch für eine ausgleichende und stützende Behandlung gesorgt werden, z.B. eine Psychotherapie.
Die ausführlichsten Informationen zum Thema Antidepressiva und Schwangerschaft, die ich kenne, findest du auf der (leider etwas chaotischen) Seite
http://www.neuro24.de
Gruß
Xavro
Verfasst: 13.02.2005 12:48
von Oliver
Habe noch ein paar Infostückchen in unserem Forum gefunden, welche eher dafür sprechen, SSRI während der Schwangerschaft wegzulassen:
http://www.adfd.org/austausch/viewtopic.php?p=5259#5259
Aber 5-HTT kann noch mehr. Während der Entwicklung des Gehirns hilft es den Nerven dabei, sich zu teilen, zu entwickeln und Kontakte zu knüpfen. Werden diese positiven Effekte bei der Hirnreifung durch Fluoxetin blockiert, ist das Ergebnis paradoxerweise eine Depression – hervorgerufen durch ein Antidepressivum.
Die Wissenschaftler nehmen an, dass die empfindliche Phase für negative Effekte von Antidepressiva beim Menschen von der vorgeburtlichen Zeit bis zum achten Lebensjahr dauert. Werden Kinder in dieser Zeit Fluoxetin oder verwandten Mitteln ausgesetzt, könne das zu „unerwarteten Risiken für emotionale Störungen im späteren Leben führen“. Aber Kinder werden normalerweise erst nach dieser Zeitspanne mit Antidepressiva behandelt, beruhigt der Psychiater John Mann von der New Yorker Columbia-Universität.
http://www.adfd.org/austausch/viewtopic.php?p=5193#5193
Tierversuche zeigen: Antidepressiva können Spätschäden auslösen und Depressionen verursachen
Eine Behandlung junger Mäusen mit Antidepressiva veränderta deren Gehirnstruktur und macht sie später anfälliger für psychische Störungen. Darauf deuten Experimente von Mark Ansorge von der Columbia-Universität in New York und seine Kollegen hin. Bekamen junge Mäuse den Wirkstoff Fluoxetin, verringerte sich später auch im Erwachsenenalter die Wirkung des Botenstoffes Serotonin, der bei Depressionen eine große Rolle spielt. Über die Ergebnisse ihrer Studie berichten die Forscher im Fachmagazin Science (29. Oktober, S. 879).
Antidepressiva werden eingesetzt, um den bei Depressionen veränderten Serotoninspiegel im Gehirn zu regulieren. Medikamente aus der Klasse der so genannten selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) blockieren dabei vorübergehend die Serotonintransporter, so dass das so genannte Glückshormon länger wirken kann. Auf diese Weise helfen sie, Angst und Depressionen zu vermindern.
Die Forscher untersuchten, ob eine Einnahme des SSRI-Wirkstoffs Fluoxetin in den frühen Entwicklungsstadien des Gehirns anders wirkt als beim Erwachsenen. Die Wissenschaftler hatten die Mäuse mit dem Wirkstoff Fluoxetin behandelt, der in Medikamenten wie dem in den USA sehr verbreiteten Prozac und dem in Deutschland vertriebenen Fluctin vorkommt. Die in der Jugend mit Antidepressiva behandelten Mäuse zeigten im Erwachsenenalter ähnliche Verhaltensmuster wie Mäuse mit einem Gendefekt, bei dem der Serotonintransport gestört ist, fanden die Forscher heraus.
Der Wirkstoff sei ausgesucht worden, da er häufig bei Menschen angewandt werde, erklären die Forscher. Die Mäuse bekamen Fluoxetin ab dem vierten bis zum 21. Tag nach ihrer Geburt verabreicht. Dieser Zeitraum entspreche bezogen auf die Gehirnentwicklung eines Babys dem letzten Drittel einer Schwangerschaft und den ersten Lebenswochen, erklärt Ansorge. Die Behandlung von schwangeren Frauen und kleinen Kindern mit SSRI-Medikamenten könne daher möglicherweise auch beim Menschen psychische Spätfolgen nach sich ziehen, schreiben die Wissenschaftler. Klinische Studien müssten nun jedoch zeigen, ob sich die Ergebnisse tatsächlich auf den Menschen übertragen lassen.
Wenn allerdings die Entzugserscheinungen zu heftig sind, muss man abwägen, was wohl den geringsten "Gesamtschaden" anrichtet.
Wie geht's Dir denn im Moment?
Alles Gute
Oliver
Hallo Oliver
Verfasst: 13.02.2005 16:25
von Annett
Danke für den Beitrag . Ich denke ich habe das schlimmste geschafft. Mir ist noch Schwindlig und brechen mußt ich heut auch noch. Aber die Stromschläge durch Arme, Beine und kopf sind nicht mehr so oft. Kann sogar schon aus dem Bett.

Am Freitag war es sehr schlimm. War nur im Bett. Konnte meine Augen garnicht aufmachen. Also im gegensatz dazu geht es besser. Ich hab gesagt egal was kommt ich halte durch.

Verfasst: 13.02.2005 18:30
von Linda
Hallo Annett,
ich drücke Dir die Daumen, dass es bald ganz vorbei ist und dass Du Deine Schwangerschaft in Ruhe geniessen kannst.
Linda
Verfasst: 13.02.2005 23:40
von Oliver
Hallo Annett
Mir ist noch Schwindlig und brechen mußt ich heut auch noch.
Das kann ja auch schon eine "Nebenwirkung" der Schwangerschaft sein

Ich hoffe, dass es von jetzt an alles so weitergeht wie Du es Dir wünscht.
Oliver
Verfasst: 14.02.2005 07:46
von Annett
Danke Ihr lieben.

Eine frage noch
Verfasst: 14.02.2005 16:09
von Annett
Falls jemand von Euch schon mal einen knallharten Entzug gemacht hat mit Trevilor,würde ich gern Eure Erfahrungen mit den Absetzterscheinungen hören.
Wäre sehr lieb wenn mir jemand antwortet. Mein Arzt sagt solche symtome wie kribbeln und Schwindel sind ihm nicht bekannt. Bilde ich mir das nur ein? Nee sicher nicht.

Re: Eine frage noch
Verfasst: 14.02.2005 16:15
von CloneX
Annett hat geschrieben:Falls jemand von Euch schon mal einen knallharten Entzug gemacht hat mit Trevilor,würde ich gern Eure Erfahrungen mit den Absetzterscheinungen hören.
Wäre sehr lieb wenn mir jemand antwortet. Mein Arzt sagt solche symtome wie kribbeln und Schwindel sind ihm nicht bekannt. Bilde ich mir das nur ein? Nee sicher nicht.

Schau dich ein wenig im Forum um, oder auch das Infopaket
http://www.adfd.org/austausch/viewtopic.php?t=853.
Leider wissen nur die wenigsten Ärzte von dieser Problematik (ein Grund von vielen, warum es dieses Forum gibt).
Die anderen SSRI wie Paroxetine, usw, verursachen ähnliche Entzugserscheinungen wie Trevilor.
Es geht besser
Verfasst: 17.02.2005 04:44
von Annett
Ich wollte Euch wissen lassen das heute der 8te Tag ist nach meinem knallharten Entzug von Trevilor,und ich lebe noch.

Die ersten Tage waren die Hölle. Aber nun lassen die Stromschläge langsam nach und ich versuche gleich auf Arbeit zu gehen. Ich denk ich hab das schlimmste hinter mir. Ich danke Euch für die Unterstützung.

Paroxat
Verfasst: 18.02.2005 09:18
von caroline
hallo! ich hab da mal ne frage... leide seit einiger zeit an panikattacken und zwangsgedanken mit aggressivem inhalt. nun hat mir mein arzt paroxat was ich eine woche lang zu 10 mg nahm, danach das erste mal 20 mg pro tag, was ich ja überhaupt nicht vertragen hatte und das medikament wieder absetzen musste da ich extreme nebenwirkungen wie appetitlosigkeit schwindel kopfschmerz usw, hatte fühlte mich teilweise total aphatisch... und die gedanken usw wurden auch nur noch schlimmer. kann es sein das es so am anfang sein muss und das das medikament dann erst später anfängt zu wirken? wer hat erfahrung damit? liebe grüße caroline
Verfasst: 18.02.2005 22:09
von SandraF
Hallo Caroline,
willkommen im Forum.

Es kann schon sein, dass in der Anfangszeit Nebenwirkungen auftreten, die sich mit der Zeit evtl. wieder geben können. Aber genau kann das keiner vorhersagen, das muss man "leider" ausprobieren. Allerdings haben einige Betroffene auch von Zwangsgedanken durch SSRI berichtet, wobei es auch einige Zwangserkrankte gibt, die durch SSRi weniger Zwangsgedanken haben.
Hast du dir hier im Forum schon einige Berichte zum Thema durchgelesen?
Nimmst du im Moment gar kein Medikament ein? Wie geht es dir augenblicklich? Machst du eine ambulante Psychotherapie? Wie lange hast du die Ängste und Panikattacken?
Liebe Grüße
Sandra
Verfasst: 21.02.2005 12:50
von caroline
hallo sandra! also ich leide seit 2 jahren an panickattacken und zwangsgedanken mit aggresivem inhalt gegen meine tochter. hatte zwischendurch immer mal wieder paar wochen ruhe wo ich teilweise gar nichts gemerkt habe. es kommt halt immer mal wieder. mir wurde dann empfohlen zu einem arzt zu gehen, der hat mir dann halt vor 2 wochen das paroxat verschrieben, was ich ja gar nicht vertragen hatte, bin ja auch viel alleine mit meiner kleinen und die nebenwirkungen waren so heftig, das es mir schwer fiel den alltag zu bewältigen. hab hier in dernähe keine oma oder so die mich da unterstützen könnte. hab dann halt das medi nach 4 tagen wieder abgesetzt. heute ist eigentlich so der erste tag wo ich keine probleme hatte mit meiner maus alleine zu sein, die gedanken waren zwar da , aber nicht mehr so heftig. ich wills ohne medikamente schaffen bzw. werd es zumindest versuchen. hab ja gehört bzw. gelesen , das johanniskraut auch helfen soll. am 5.04. hab ich meinen ersten termin bei einem psychotherapeut, ich hoffe das der mir dann weiter hilft und mit mir einiges aufarbeitet. hat dir eine therapie geholfen udn wie läuft sowas überhaupt ab?
Verfasst: 21.02.2005 13:02
von SandraF
Hallo Caroline,
meine 17-jährige Tochter hat seit 8 Jahren eine Zwangserkrankung. Sie macht augenblicklich eine Therapie, die wir selber bezahlen, weil die Krankenkasse die Kosten nicht übernimmt. Es gibt für Kinder und Jugendliche leider kaum Verhaltenstherapeuten, die sich mit Zwängen gut auskennen.
Im Forum
www.zwaenge.de findest du eine Infos über Therapien und du kannst dich dort mit Betroffenen austauschen, das ist manchmal sehr hilfreich.
Wenn du Johanniskraut-Tabletten nimmst, dann könntest du auch zusätzlich Passionsblumenkraut-Tabletten (pflanzliches Beruhigungsmittel) einnehmen, z. B. "Sidroga Passiflor"-Dragees, meiner Tochter haben diese nach dem Absetzen der SSRI gut geholfen, die Absetzsymptome wurden weniger.
Ich wünsche dir viel Glück mit deiner Therpie und alles Gute!
Wenn du noch Fragen hast, dann melde dich ruhig.
Liebe Grüße
Sandra
THERAPIE
Verfasst: 04.03.2005 18:17
von caroline
hallo...wollt gerne mal noch wissen, wie oder nach was das entschieden wird ob die krankenkasse eine therapie bezahlt oder nicht??
Verfasst: 04.03.2005 20:17
von SandraF
Hallo Caroline,
wenn dein Therapeut eine Kassenzulassung hat (da musst du ihn fragen), dann machst du 4 bis 5 Probestunden, er schreibt einen entsprechenden Bericht und wenn du die Therapie machen willst (und er auch), dann brauchst du dich um nichts kümmern. Du bekommst von der Krankenkasse ein Schreiben mit der Zusage der Kostenübernahme für die Therapie.
Hat dein Therapeut keine Kassenzulassung, dann wird es komplizierter.
Da musst du wahrscheinlich noch einen bestimmten Neurologen oder Psychiater aufsuchen, der dann ein entsprechendes Gutachten erstellt (oder bestätigt). So war es jedenfalls immer, vielleicht hat sich das aber schon geändert.
Liebe Grüße
Sandra