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Hilfe! Seit 3 Monaten Absetzsymptome von Deanxit

Verfasst: 05.02.2005 18:46
von Sidi
Ich habe 4 Jahre lang 1 Deanxit tägl. gegen Panikstörungen genommen und es ging mir sehr gut, darum dachte ich, ich brauche es nun nicht mehr und schlich es letzten September/Oktober aus. Ich hatte es schon fast geschafft da fing es an: starkes zittern, hypernervös, nach einer Stunde Schlaf wachte ich schweissgebadet wieder auf mit hitzegefühlen an den Oberschenkeln und kribbeln in den Handflächen. Einen Monat hielt ich das durch, dann begann ich wieder mit einem Deanxit pro tag, doch es half nicht mehr, nach einem weiteren Monat gab mir mein Arzt zusätzlich ein viertel Remeron, damit ich wenigstens schlafen konnte, das klappte auch mit dem schlafen, nur hatte ich den ganzen Tag über starke Nebenwirkungen (Benommenheit, Schwindel, sich nicht im Körper spüren etc.) auch das zog ich einen Monat lang durch - keine Besserung der Nebenwirkungen, also sezte ich Remeron ganz ab und begann 2 Deanxit pro Tag zu nehmen. Mein Kopf wurde bereits am nächsten Tag ohne Remeron wieder klar und in der ersten Woche verbesserten sich auch das Zittern und die Nervosität, Schlafen geht auch einigermassen, zwei Tage lang ging es mir sogar seit drei Monaten endlich wieder richtig gut. Jetzt fängt es aber wieder an mit dem zittern, auch hatte und habe ich die ganze Zeit über Kälteschauer.
Bin ich überhaupt auf dem richtigen Weg? Mein Ziel war es Deanxit abzusetzen und jetzt nehme ich sogar zwei davon und es geht mir körperlich mies.
Die Panikattacken sind sehr gut unter Kontrolle dank Therapie, sie kommen auch nur selten.
Hat jemand das schon durchgemacht und einen Tipp? Werde ich das Medikament jemals los?

Verfasst: 05.02.2005 19:58
von Linda
Hallo Sidi,

willkommen im Forum.

Ich habe vorher nie von Deanxit gehört, Google sagt mir aber, dass es ein Dopaminrezeptoragonist ist.

Ich kenne mich damit wirklich nicht aus, gehe aber davon aus, dass ein Medikament, das auf andere Neurotransmitter wirkt, sich ähnlich wie die SSRI verhalten kann.

Über welchen Zeitraum hast Du denn abgesetzt? Wenn diese Symptome plötzlich nach einer Verringerung Deiner Dosis angefangen haben, weist das auf jeden Fall auf Absetzsymptome hin. Auch, dass es Dir nach der Einnahme wieder gut ging.

Warum hast Du gleich mit 2 Tabletten wieder angefangen? Gab es einen bestimmten Grund dafür? Vielleicht ist die jetzige Dosis einfach zu hoch. Probiere doch die 2 Tabletten über eine oder zwei Wochen auf eine zu reduzieren und schauen, wie es Dir dabei geht.

Vielleicht hat jemand im Forum bereits Erfahrung mit diesem Medikament.

Linda

Verfasst: 05.02.2005 20:45
von Sidi
Hallo Linda,
ich wohne in der Schweiz, darum kennst du Deanxit nicht, es heisst in Deutschland vermutlich anders.
Ich habe in einem Zeitraum von 6 Wochen ausgeschlichen, war aber noch nicht ganz fertig damit. Ich habe im Dezember mit einer Tablette wieder angefangen, diese hat eben nichts bewirkt, darum meinte mein Arzt ich sollte es jetzt mit zwei versuchen, und es geht auch etwas besser. Die Idee ist schon, nachdem es mir eine zeitlang wieder gut geht, wieder auf eine zu reduzieren und dann auch diese wieder auszuschleichen bis ich frei davon bin. Können solche Symptome auch chronisch werden? Jezt nach drei Monaten hab ich endgültig die Schnauze voll (sorry für den Kraftausdruck, aber es langt mir wirklich)
Danke für deine Antwort,
Sidi

Verfasst: 06.02.2005 10:45
von Dana
Hallo Sini,

das habe ich im netz gefunden:

Können Sie mich bitte darüber informieren, ob Deanxit® bzw. seine beiden Komponenten Flupentixol/Melitracen ein Abhängigkeitspotential aufweisen?


Melitracen ist ein verhältnismässig altes, sehr wenig dokumentiertes trizyklisches Antidepressivum. Flupentixol ist zwar als Neuroleptikum gut dokumentiert; über die Eigenschaften der Kombination Flupentixol-Melitracen finden sich anderseits auch nur bescheidenste Daten. Es wundert deshalb nicht, dass zu der spezifischen Frage, ob Deanxit zu Abhängigkeit führen könnte, keine Angaben zu finden sind.

Somit stellt sich die Frage nach der „Abhängigkeit" von Trizyklika bzw. allenfalls von Neuroleptika. Dazu gibt es nun schon einiges, das mir erlaubt, anzunehmen, Deanxit könnte durchaus zu einer Abhängigkeit führen. So ist z.B. über Imipramin (Tofranil®) zu lesen, dass das Absetzen dieses Medikamentes zu ähnlichen Beschwerden führen kann, wie Sie sie für Ihre Patientin beschreiben:

Withdrawal symptoms have been associated with the discontinuation of tricyclic antidepressant therapy and may occur in 21 to 55% of the patients. These symptoms frequently occur within the first 24 to 48 hours after cessation of therapy. The withdrawal period is characterized by general somatic malaise (muscle aches, coryza, excessive sweating), gastrointestinal (nausea, vomiting, diarrhea, and abdominal pain), motor restlessness, and/or neuropsychiatric symptoms (drowsiness, apathy, irritability, agitation, and recurrence of depressed mood). Restarting imipramine therapy generally improves the condition. To prevent the occurrence of this withdrawal reaction, the imipramine therapy should be withdrawn gradually, when possible (Sathananthan & Gershon, 1973a; Stern & Mendels, 1980; Petti & Law, 1981; Shrivastava & Itil, 1985; Prod Info Tofranil(R), 1995). [aus Micromedex]

Ob die Abhängikeitsproblematik eventuell durch das gleichzeitig verabreichte Flupentixol verstärkt wird, kann ich nicht mit Sicherheit sagen, wäre aber denkbar. Ich muss Ihnen auch sagen, dass ich bei Patienten in meiner Praxis, die auf Veranlassung des Psychiaters Deanxit erhielten, nicht selten auch schon den Eindruck hatte, sie gewöhnten sich an das Präparat.

Verfasst: 07.02.2005 13:33
von Astrid
Hallo Sidi,

umfangreiche Informationen über Medikamente oder Wirkstoffe findet man im Schweizer Arzneimittel-Kompendium
http://www.documed.ch/deutsch/
Dort kannst du auch über Deanxit Fach- und Patienteninformationen erhalten:
http://www.kompendium.ch/MonographieTex ... MonType=fi

Zu deiner persönlichen Situation möchte ich dir gerne den Rat geben, das Medikament so langsam und behutsam wie möglich auszuschleichen. Nach 4 Jahren Einnahmezeit wird es deinem Körper und auch deiner Psyche gut tun, sich langsam Schritt für Schritt daran zu gewöhnen, ohne die Wirkstoffe von Deanxit auskommen zu können.

Ich wünsche dir Ausdauer und Geduld dafür. Ich bin davon überzeugt, es wird sich lohnen.

Herzlichst
Astrid