Hallo Linda,
da muß ich wohl noch etwas erklären, was ich mißverständlich rübergebracht habe
Hmmm, Deine Verbesserung scheint denn doch eher mit der Gesprächstherapie zusammenzuhängen, ansonsten ging's Dir ja mit dem Cipramil weiterhin gut. Schade, dass man damals die medikamentöse Option gewählt hat.
Ich habe nach der stationären Therapie weiterhin durchgängig ambulant Therapie gemacht. Diese wurde nicht beendet, nachdem ich das Cipramil bekommen habe. Es ging mir also trotz Therapie und Cipramil plötzlich wieder extrem schlecht, was evtl daran lag, daß das Medikament bei mir halt doch nicht wirkte, sondern die anfängliche Verbesserung eher auf den Klinikaufenthalt zurückzuführen war, aus dem ich mit neuen Mut kam. Aber Klinik ist halt ein sehr geschützter Rahmen und mein Mut und meine Zuversicht brökelte schnell, als mich der Alltag dann wieder zurück hatte.
Was war denn mit der "Wahl" der Gesprächsttherapie? Ist die aus irgendeinem Grund (Zeit oder so) nicht mehr ins Gespräch gekommen? Kostenübernahme oder so?
Wie gesagt, die Therapie lief weiterhin ganz normal weiter. Ich werde auch in absehbarer Zeit die Therapie nicht beenden, sondern nach Auslaufen der Therapie durch die Krankenkasse die Stunden bie meiner Therapeutin selbst zahlen. Das ist so schon vereinbart.
Ging es Dir denn überhaupt aufgrund der Medikamenteneinnaheme schon mal besser, außer am Anfang, als Du begleitend eine Gesprächsttherapie hattest?
Es ging mir besser, als ich das Trevilor bekommen habe. Das zeigte Wirkung. Die Gesprächstherapie ist immer hilfreich gewesen, sowohl in den sehr krisenhaften Zeiten, als auch in denen, in denen es besser oder gut ging.
Ging es Dir nach der Erhöhung schlechter?
Nein es ging mir nach der Erhöhung des Trevilor zunächst besser. Es war für die Zeit, die ich es in der Dosierung genommen habe genau richtig angepasst.
Paikea hat geschrieben:Nein, es ging mir zunächst wesentlich besser. Ich hatte richtig Kraft und Energie, war längst nicht mehr so schusselig und vergesslich, wie vorher und habe vieles geregelt bekommen. Allerdings wurde ich innerlich sehr nervös und angespannt, was evtl. eine Nebenwirkung des Trevilor ist.
Linda hat geschrieben:Da komme ich nicht so ganz klar.
Es ist so, daß ich sehr, sehr empfindlich auf Medikamente reagiere und da ich vorher keinerlei Erfahrungen mit Psychopharmaka hatte, spüre ich da wohl die kleinste Veränderung extrem. Trevilor ist zwar kein Antriebssteigerndes Medikament, soweit ich weiß, aber bei mir hatte die Auflösung der Depression unter dem Medikament zur Folge, daß ich mich gleich als Nervös und Hibbelig und unter STress gefühlt habe. So kannte ich mich halt nicht, mit so vielen Power-Gefühlen. Ich fand es angenehm, mehr zu schaffen und nicht mehr in der Depression zu versinken, aber dieses Einstürmen und Kraft hat mich auch überfordert und mich völlig nervös gemacht. Ich hatte bis dahin nie lernen müssen, was man mit der Kraft und Energie anstellt, um sie sinnvoll zu nutzen und so fühlte ich mich dem hilflos gegenüber und rannte vor Energie strotzend hier wie ein eingesperrter Tiger herum und fühlte mich überfordert, angespannt und ganz unangenehm hektisch.
Da wäre es wichtig zu klären, ob die Krise trotz Citalopram vorkam.
s.o. Die Krise kam trotz Citalopram, da es scheinbar von Beginn an keine Wirkung bei mir hatte.
Wie sind gerade Deine Lebensumstände? Du sagst, Du hast einen stablilen Rahmen.
ich habe einen kleinen, aber guten Freundeskreis. Ich gehe arbeiten. Ansonsten habe ich mein leben so eingerichtet, daß ich sehr viel Zeit und Raum für mich alleine habe, da ich diese Zeit brauche, um die Eindrücke des Tages für mich alleine zu verarbeiten. Ich fühle mich in meiner Wahrnehmung und mit den Eindrücken oft überrollt und sortiere das dann hier, indem ich einfach still hier sitze und für mich Puzzel oder Hörspiele höre oder ähnlichem, was keine zusätzlichen Außenreize bringt, aber trotzdem die Aufmerksamkeit focussiert.
Ich sehe es auch so wie du, daß zu einem ganz normalen Leben immer Krisen dazu gehören. DAmit habe ich auch keine Probleme. Nur wenn die Krisen so groß sind, daß ich mich lebens-müde fühle, dann denke ich, daß sie nicht mehr zu den "normalen" Krisen gehören und ich bin froh, den Mut gehabt zu haben, es zusätzlcih zur Therapie auch medikamentös zu versuchen. Denn dadurch habe ich nach vielen Jahren erst wieder eine Vorstellung davon bekommen, das diese Antriebsarmut, dieses Niedergedrücktsein usw. nicht normal sind, und daß ich darunter ein sehr lebensfroher Mensch sein kann.
Danke für die vielen Nachfragen. Es zeigt Interesse und ich sortiere so gerne für mich auch noch einmal, wie genau eigentlich der Ablauf so war.
Viele Grüsse,
Paikea