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Starke Nebenwirkungen durch Antidepressiva

Hier lassen sich auch viele Erfahrungsberichte über das Absetzen von Antidepressiva und Benzodiazepinen finden.
Gesperrt
gravityy
Beiträge: 6
Registriert: 05.06.2005 23:32

Starke Nebenwirkungen durch Antidepressiva

Beitrag von gravityy »

Hallo!

Vor ca. 2 Jahren (mit 18 Jahren) wurde ich knapp 2 Wochen wegen Depressionen stationär in der "Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie" in Düsseldorf-Gerresheim mehr oder weniger gut behandelt.

Mir schien es, dass die Gabe von Antidepressiva den Mittelpunkt der Therapie bildete. Zumindest wurde jeder Patient mit AD behandelt. Außerdem schienen mir die angebotenen, nicht auf Medikamentengabe beruhenden Therapieansätze, wie etwa die sogenannte "Ergotherapie" nicht die nötige Qualität zu erreichen. Hier wurde man in einen Raum gesetzt und sollte sich künstlerisch betätigen, worauf aber viele, ob nun wegen des fehlenden Antriebs oder wegen dem sich aufdrängenden Kindergartenniveaus, überhaupt keine Lust hatten.

Für ca. 30 Patienten stand auch nur ein Psychologe zur Verfügung, mit dem man einen Termin vereinbaren musste, auf wessen Zustandekommen man mitunter Tage warten musste.
Über die Kompetenz dieses Psychologen möchte ich hier nicht urteilen.

Gegeben wurde mir Euplix 10 mg. Alternativen, wie Johanniskraut, 5-HTP, Tryptophan oder Lichttherapie wurden mir nicht angeboten.

Vor allem in der Anfangszeit, aber während der ganzen Behandlungszeit mit diesem Medikament traten Nebenwirkungen auf:
- Geschmacksveränderungen (wie süßliches Schmecken von Zigarettenrauch)
- verändertes Fühlen (Hautkontakt)
- Schwindel (mittelstark)
- Verstärkung der inneren Unruhe, die bereits durch die Depressionen vorhanden waren
- Herz-Rhythmus-Störungen
- Gelenkschmerzen
- stark vermehrtes Schwitzen

Nach dem stationären Aufenthalt in der Klinik konnte mir das Medikament von der Station nicht mehr verschrieben werden und ich musste mir einen Psychiater in meiner Umgebung suchen. Dieser wollte mir Euplix nicht verschreiben, da er meinte das wäre zu teuer. Stattdessen gab er mir Cipramil. Aufgrund meines Gemütszustandes war ich auch nicht in der Lage zu widersprechen, was dieser Arzt eiskalt ausnutzte.

Cipramil 20 mg war im Vergleich zu Euplix, welches nur RELATIV schwache Nebenwirkungen bereitete, ein echter Horror:
- starker Schwindel
- Übelkeit
- grundlose Gereiztbarkeit bis Aggressivität (ich schlug z.B. mit der Faust so stark gegen die Wand, obwohl mich niemand verärgerte oder sonstiges)
- starke Stimmungsschwankungen
- mittelstarke Kopfschmerzen
- Herz-Rhythmus-Störungen (ausgeprägter als bei Euplix)

Die Aggressivität, die Übelkeit und der Schwindel störten mich am meisten. Gerade da ich ansonsten keineswegs aggressiv bin. Ich setzte das Medikament ab und suchte mir einen Arzt, der mir wieder Euplix, auf mein Bitten, für etwa 5 Monate verschrieb.

Ich vermute, dass Ärzte geschmiert werden, damit sie bestimmte Medikamente verschreiben.
Mehrere Beobachtungen lassen mich dies vermuten:
- Cipramil ist TEURER als Euplix, nicht umgekehrt
- die Nebenwirkungen sind den Ärzten sehr wohl bekannt, obwohl der Cipramil-Arzt dreist behauptete er könne sich nicht vorstellen, dass Cipramil aggressiv mache. Ich sah ihm an, dass er log!

Warum verschreiben die Ärzte nicht einfach Johanniskraut oder besser noch 5-HTP gegen Depressionen, obwohl bewiesen wurde, dass beispielsweise 5-HTP (5-Hydroxy-Thrypthophan, die Vorstufe des Serotonin) sich als genauso wirksam, in vielen Fällen sogar als wirksamer erwies als diverse AD. Und das OHNE Nebenwirkungen!

5-HTP kommt in der Natur vor und darf daher nicht patentiert werden. Daher ist die Gewinnspanne für den Vertrieb von 5-HTP viel, viel geringer. In Deutschland ist 5-HTP sogar verboten, obwohl es natürlich in jedem von uns vorkommt und dessen künstliche Gabe KEINE Nebenwirkungen hervor ruft. Warum wohl? Ich schreibe nur: GELD!!!
Leider verfügte ich derzeit noch nicht über dieses Wissen.

Jetzt nützt es mir nicht mehr viel, da meine Depressionen durch exzessiven Cannabisconsum bedingt waren und ich den Konsum an den Nagel gehängt habe.
Dazu muss ich sagen, dass das THC nicht der ursächliche Grund für die Depressionen ist, sondern sie "nur" auslöst. Der eigentliche Grund ist wahrscheinlich eine Enzymstörung in der Serotoninsynthese. Durch THC wird enorm viel Serotonin, Dopamin und GABA ausgeschüttet. Nach dem Konsum stellt sich dann vor allem ein Serotoninmangel ein, der durch die defekte Synthese nicht (schnell genung) ausgeglichen werden kann. So zumindest meine Theorie.
Auch ohne Cannabis bin ich phasenweise leicht depressiv, vor allem an Tagen mit schlechtem Wetter und im Winter, was meine Theorie stärkt. Das soll übrigens nicht bedeuten, dass ich Cannabiskonsum verharmlosen will. Für mich ist es sehr schlecht, andere jedoch scheinen damit kaum bis keine Probleme zu haben.

Grüße,

Daniel
fatma
Beiträge: 7
Registriert: 02.04.2005 17:52
Wohnort: Hockenheim

Beitrag von fatma »

Hallo Daniel,

leider ist man wohl immer erst hinterher schlauer.
Ich war bis Februar, als ich das erst Mal zu einem Psychiater ging, auch völlig unbedarft, was Medis bzw. deren Verschreibungspraxis anbelangt.
Nachdem ich den 2. Psychiater aufgesucht hatte, dämmerte es mir allerdings. Mir kam es auch sehr komisch vor, dass beide Ärzte sofort Citalopram/Cipramil geben wollten bzw. gaben.
Der erste Arzt verschrieb nach meinen schlechten Erfahrungen mit Cipramil (krasse Nebenwirkungen) dann Opipramol. Der zweite Arzt kam wieder sofort mit Cipramil an, meinte so locker aus der Hüfte, es hätte außer leichter Übelkeit keinerlei Nebenwirkungen und ich solle auch gleich mit 20 mg anfangen ... zu diesem Arzt bin ich erst gar nicht mehr hin.

Ich denke auch, dass da viel Kohle dahintersteht. Ich hab mir mal ein paar kritische Bücher über Psychopharmaka und die Psychiatrie im Allgemeinen durchgelesen ... letzten Sonntag (gestern) kam ja z.B. auch diese Doku in 3 Sat um 18 Uhr ("Forschungsreise in die Psychiatrie"): Das war ein einziger Werbefilm über die Psychiatrie und deren Medikamente: Lauter zufriedene Patienten, alle Medis ohne Nebenwirkungen, sogar Elektroschocks wurden da als probates Mittel gegen Depressionen angepriesen als sei das ein Saunagang, völlig unkritisch.

Liebe Grüße,
Fatma
amanda

Beitrag von amanda »

Hallo Fatma....gut dass ich diese Sendung nicht gesehen habe.....denn sonst hätte ich mich wahrscheinlich übergeben müssen...sorry....Ich habe SELBST gesehen wie es in der Psychiatrie ist.......Forschung am Patienten....schlecht ausgebildete Ärzte.........und scandalträchtige Vorfälle (Behandlungsfehler etc)Was kann man tun um die Patienten und deren Angehörige besser aufzuklären.....damit sie sich nicht so unbedarft in die Hände von solchen Ärzten begeben!!!????Gruss AMANDA....entsetzt über die Zustände in der Psychiatrie im 20Jh
gravityy
Beiträge: 6
Registriert: 05.06.2005 23:32

Beitrag von gravityy »

Hallo!

Und die Geschichte wiederholt sich:
Heute war ich wieder bei einem Facharzt f. Allg. Med., Naturheilverfahren, Psychotherapie. Von wegen Facharzt, eher Fachid*** oder Fachskrupelloser.

Aber von vorne:
Im Moment geht es mir nicht besonders. Und ich frage mich mal wieder warum. In der Hoffnung, dass mir endlich mal jemand hilft, die tatsächliche Ursache für meine psychischen und körperlichen Probleme zu finden ging ich also zu oben genannten Arzt.
Ich bin auf der Suche nach dem Grund für meinen "abnormalen" Serotoninspiegel, merkwürdige Zahnprobleme, die in letzter Zeit auftreten (mein Oberkiefer scheint sich zu verschieben, meine Zähne sind auch lockerer als vorher), die Candidapilzinfektion und einiges andere, das will ich hier aber nicht breit treten. Das würde keinem helfen und tut auch nichts zur Sache.
Ich ging also zu diesem "Arzt". Nach kurzer Wartezeit bat mich die Sprechstundenhilfe in einen Behandlungsraum, in dem ich dann für ca. 5 Minuten alleine war. Da ich durch meine bisherigen Erfahrungen recht misstrauisch gegenüber Ärzten geworden bin, nutzte ich die Zeit um mich ein wenig in dem Zimmer umzusehen. Ich habe nicht rumgeschnüffelt, sondern von dem Stuhl aus, auf dem ich saß, habe ich das Zimmer genauer betrachtet. Vor mir befand sich ein Schreibtisch auf dem ich ein Medikament der Firma Lundbeck lag. An den Präparatnamen kann ich mich leider nicht erinnern, ich hätte es mir besser merken sollen. Naja... Jedenfalls dachte ich mir: "Wenn der Typ mir gleich als erstes Cipramil (produziert von Lundbeck) vorschlägt, ist schon so gut wie alles klar."
Der Arzt betrat das Zimmer, in dem ich saß und bat mich ihm zu folgen. Er führte mich in ein anderes Zimmer mit dem Kommentar, der Raum sei größer. War er auch, aber nur 2 bis 4 m².
Nun sollte ich erzählen.
Das tat ich auch.
Ich begann mit den Symptomen, die mich am meisten störten, also mit den psychischen. Schon nach den ersten Aufzählungen unterbrach er mich: "Ich verschreibe ihnen Cipramil!". Keine Diagnose, kein garnichts, nur diese Aussage. Ich erwiderte, dass ich mit diesem Medikament schlechte Erfahrungen gemacht habe und es nicht nehmen möchte. So oder ähnlich (ich kann mich nicht an jedes einzelne Wort genau erinnern, aber sinngemäß war es so) lief das Gespräch weiter:

"Aber das ist doch ein sehr gutes Medikament. Kaum Nebenwirkungen..."
"Mir hat es aber sehr viele üble Nebenwirkungen beschert und ich halte auch generell nicht viel von synthetischen Antidepressiva."
"Na gut, dann probieren wir es mit Johanniskraut, das wollen sie ja."
"Ok."
"Aber falls es ihnen nicht genug hilft, kommen sie wieder und ich gebe ihnen Cipramil. Das ist wirklich ein sehr gut verträgliches Medikament und es wirkt vortrefflich. Ich hatte hier viele Patienten, die sich ärgern, dass sie das nicht von Anfang an genommen haben. Das macht auch nicht abhängig, wie manche meinen."
"Aber starke Absetzerscheinungen treten auf."
Schweigen.
"Gut, sie probieren es jetzt erstmal mit Johanniskraut und wenn ihnen das nicht reicht, können sie ja immernoch Cipramil nehmen. Ich will ihnen hier ja nichts verkaufen." <-- Mit der Bemerkung hat er sich jawohl endgültig verraten!

Der nette Onkel Doktor wollte die Sitzung schon beenden, doch da zeigte ich ihm noch meine stark belegte Zunge (weiß und stellenweise gelblich, bei genauerer Betrachtung sieht man weiter hinten auch merkwürdige kleine Pickelchen, ich meine nicht die größeren Dinger ganz hinten, die jeder hat) und äußerte meinen Verdacht einer Pilzinfektion mit Candidapilzen.
Nach einem kurzen Blick aus ca. 1,5 Metern Entfernung, meinte er dann: "Ich glaube nicht, dass das eine Pilzinfektion ist."
Ich fragte ihn was das denn sonst sei und er sagte, dass das ein Zungenbelag sei. Als ich nachfragte woher dieser Zungenbelag denn kommen würde, bekam ich zu hören, es sei ein Belag der zusammen mit psychischen Symptomen, wie ich sie hätte auftauchen würde.

Es folgte keine Erklärung dieser vagen Theorie. Ich fragte ihn, ob er mir trotzdem ein Antipilzmittel verschreiben könne, woraufhin er ein Privatrezept ausstellte und dazu sagte, ich müsse das sowieso selber bezahlen. Wenn der Belag durch das Nystatin wegginge, hätte ich recht, ansonsten wohl er, war sein letzter Gedanke, dem er freien Lauf ließ, bevor wir uns verabschiedeten.


Wenn dieser Arzt bei jedem seiner Patienten soviel Engagement an den Tag legt, plädiere ich dafür diesem Arzt schleunigst die Zulassung zu entziehen! Mein ganz klares Gefühl: Der Kerl war überhaupt nicht daran interessiert mir zu helfen, denn wenn er das wirklich gewollt hätte, hätter er zum Beispeil einen popeligen Abstrich von meinem Zungenbelag machen können, um zu klären, wer von uns beiden nun recht hat. Dieser Arzt war jedenfalls der schlechteste, den ich je aufgesucht habe.

Mein Fazit: Einen guten Arzt zu finden ist wirklich nicht leicht, aber ich werde es trotzdem weiter versuchen. Irgendwer wird sich mit meinen Beschwerden vielleicht ernsthaft auseinandersetzen und mir helfen die Ursache zu beseitigen. Oder es wenigstens wirklich versuchen.

Bemerkenswert finde ich im Übrigen, dass alle drei Ärzte, die ich bis jetzt hinsichtlich dieser Probleme um Hilfe bat, mir als erstes Cipramil andrehen wollten. Die Firma Lundbeck scheint gewissenlosen Ärzten gegenüber wohl sehr spendabel zu sein.

Traurig finde ich, dass Patienten, die ihren Ärzten blind vertrauen (was man eigentlich auch können sollen müsste), ganzschön damit auf die Nase fallen können. Seid also lieber ein wenig zu misstrauisch, als zu gutgläubig.

Wenn man sich entschließt Arzt zu werden, sollte einem das Wohlbefinden seiner Patienten doch das Wichtigste sein. Ärzte sollen helfen, nicht kassieren! Oder wenigstens beides!


Liebe Grüße,

Daniel
amanda

Beitrag von amanda »

Hallo Daniel...ich hatte auch mit Zungenbelag(gelblich) zu tun....bei mir hat sich rausgestellt dass meine Leber nicht in Ordnung war....und ich eine Bauchspeicheldrüsenentzündung hatte!!!Leberwerte werden durch ein Blutbild geprüft...wichtig ist auch ein Entzündungsparameter....Zur Kontrolle der Bauchspeicheldrüse muss man Stuhlproben sammeln....Sicher kann auch Zungengelag seelisch sein.....aber wichtig wäre doch erst mal das Organische abzuklären.Gruss AMANDA
fatma
Beiträge: 7
Registriert: 02.04.2005 17:52
Wohnort: Hockenheim

Beitrag von fatma »

Hallo Daniel,

da haben wir beide ja ziemlich ähnliche Erfahrungen gemacht, kaum dass ich von seelischen Problemen sprach, hatte ich doch auch bei beiden das Citalopram auf dem Tisch bzw. in die Hand gedrückt.

Das war ohne Zweifel ein schlechter Arzt, den Du da aufgesucht hast. Ich muss allerdings sagen, dass mir mein langjähriger HAusarzt z.B. noch nie irgendwelche Antidepressiva verschrieben hat. Als ich wegen meiner Probleme das letzte Mal (2004) mit ihm sprach, riet er mir, mir praktische Hilfe zu suchen und gab mir Anregungen dazu. Zur kurzfristigen Überbrückung gab er mir wegen meiner Schlafstörungen ein leichtes Schlafmittel, betonte auch, das sei eine Ausnahme.
Ich bin erst ein viertel Jahr danach aus eigener Initiative zu einem Neurologen gegangen.

Heute denke ich, das war ein Fehler, ich bezweifle, dass man Probleme mit Tabletten wegmachen kann, das ist eine so typisch menschliche Einstellung zu problematischen Gefühlen: Alles schön rational verbrämen und dann die passende Pille rein.

Bei Neurologen denke ich, dass es die nicht im geringsten interessiert, was wirklich mit Dir los ist, hier geht es einzig um's Pillenandrehen.

Genau wie in dieser Doku im TV: Ein einziger Werbefilm für Psychopharmaka und Psychiatrie. Kein einziger Hinweis auf Risiken, Nebenwirkungen, Schäden... hauptsache die Leute schlucken brav und die Kasse stimmt.

Fatma
gravityy
Beiträge: 6
Registriert: 05.06.2005 23:32

Beitrag von gravityy »

Hallo!

Vielen Dank für deine Hinweise Amanda!
Das werde ich auf jeden Fall abklären lassen, denn mein Stuhl ist auch etwas komisch, fast schwarz und fest heute, hell braun und dünn morgen!?

Fatma, ich sehe das genauso wie du, schön, dass ich nicht der einzige bin, der so denkt.
Wir haben's durchschaut! 8-) ;-)

Liebe Grüße,

Daniel
Gesperrt