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Nach 4 Jahren Leben mit AD endlich absetzen

Hier lassen sich auch viele Erfahrungsberichte über das Absetzen von Antidepressiva und Benzodiazepinen finden.
Gesperrt
Nicnac
Beiträge: 2
Registriert: 20.02.2012 16:57

Nach 4 Jahren Leben mit AD endlich absetzen

Beitrag von Nicnac »

Hallo,

dieses Forum hier hat mir Mut gemacht, endlich den Schritt zu gehen mein AD Duloxetin (Cymbalta) abzusetzen.

Wenn mir jemand vor 10 Jahren gesagt hätte, dass ich einmal AD nehmen, hätte ich ihn für verrückt erklärt. Wenn mir jemand vor einem Jahr gesagt hätte, dass ich ohne leben will, hatte ich dasselbe getan.

Ich war so eine typische Powerfrau aus der der Werbung für berufstätige Mütter, die einen 70 Stunden Job, 2 Kinder und ein Haus mit Garten gekonnt unter einen Hut bringt.
Dass ich mich dabei über 10 Jahre lang völlig ausgebeutet habe, erkannte ich erst als ich zusammenbrach und nicht mehr aufkam.
Im April 2008 ging überhaupt nichts mehr. Mein schönes, heiles Weltbild brach völlig zusammen. In meiner Verzweiflung und auf Anraten meiner Hausärztin suchte ich einen Psychiater auf, der mir 10mg Cipralex verschrieb und eine ergänzende Psychotherapie empfahl.
Als ich mit 5mg begann, waren die Nebenwirkungen sehr stark. Mir war übel und ich litt unter Schwindelwellen. Diese legten sich allerdings schnell wieder und ich versuchte die Dosis, wie vom Arzt empfohlen, auf 10mg zu steigern. Dies erweis sich jedoch als unmöglich, da die Nebenwirkungen einfach zu stark waren.
Durch das AD erholte ich mich aber sehr rasch und ging 5 Wochen nach meinem Zusammenbruch wieder arbeiten. Ich hatte sogar das Gefühl, besser als vorher "zu funktionieren". Es war wie ein Turbo, der mein Gehirn aufmischte. Alles ging locker und leicht von der Hand.
Im Mai 2009 hatte ich plötzlich so ein starkes Schwindelgefühl, dass ich vom Laufband fiel. Kurz danach fiel ich erneut in ein tiefes Loch aus Panikattacken und Depressionen. Zwei Monate lang hielt ich mich vorwiegend im Garten auf, da ich im Haus Panikattacken bekam. Mein Arzt empfahl mir Cipralex auf 10mg zu erhöhen und verschrieb mir noch zusätzlich 150g Wellbutrin. Die Umstellung war erneut die Hölle. Als die Nebenwirkungen auf nach 3 Wochen nicht aufhörten und ich dabei fast verhungerte, schlug mein Arzt vor 150g. Wellbutrin am morgen und 10mg Cipralex am Abend zu nehmen. Zusätzlich verschrieb er mir 25mg Trazodon (Trittico), die abends zum Schlafen nehmen sollte. Dieses Medikament nahm ich aber nicht lange, da ich überhaupt nicht mehr aufkam.
Irgendwann gab mein Körper auf sich zu wehren und akzeptierte die Medikamente. Es ging mir soweit besser, dass ich mich immerhin wieder um meine Familie kümmern konnte. Manche Nebenwirkungen blieben jedoch: Durchschlafprobleme, innerer Rückzug, sexuelle Unlust, Aggressionen, wenn ich mich gestört fühlte.
Ich versuchte nach einem Jahr Bildungskarenz vergeblich wieder in meinen Job zurückzukehren, begann dann ein Studium, welches ich nach 2 Semestern wieder abbrach.
Im März 2011 stellte mich mein Arzt nach Monaten des Schlafmangels auf 60mg Cymbalta um. Diesmal hatte ich keine Nebenwirkung und schöpfte wieder Hoffnung.
Schlafen konnte ich nun. Dafür hatte ich überhaupt keinen Antrieb mehr, zog mich immer mehr zurück und ging tagelang nicht aus dem Haus. Ich war immer sehr gepflegt und legte viel Wert auf mein Äußeres, nun lies ich mich völlig gehen. Auch meine Aggressivität nahm Ausmasse an, die mich in klaren Momenten zutiefst schockierten. Ich fühlte mich oft überfordert und wollte nur meine Ruhe haben.
Anfang Februar dieses Jahres hatte ich einen lichten Moment und erkannte, wie sehr ich mich in den letzten Jahren verändert habe. Ich bin vom Burn-Out direkt in die Medikamentenabhängigkeit gerutscht. Ein Wunder, dass mein Mann noch immer zu mir hält.
Diese Erkenntnis half mir den ersten Schritt zum Absetzen zu machen.
April 2008 Diagnose: Burn-Out mit Depression und Panikattacken -> 5m Escitalopram (Cipralex) empfohlene Steigerung auf 10mg war aufgrund massiver Nebenwirkungen unmöglich.
Juni 2009 starker Schwindel, Gefühl der totalen Erschöpfung, totale Antriebslosigkeit -> morgens 150mg Bupropion abends 10mg Escitalopram (Cipralex)
März 2011 nach monatelangen Schlafstörungen Umstieg auf 60mg Duloxetin (Cymbalta) - massive Persönlichkeitsveränderungen,Schlafstörungen kamen bei Belastungen wieder
9.Feb. 2012 Reduktion auf 30mg Duloxetin (Cymbalta)
5.März 2012 Reduktion 30mg Duloxetin (Cymbalta) um 25 Kügelchen 8,5%
2.April 2012 Reduktion um weitere 25 Kügelchen 9,3%
Das-kleine-Runde

Re: Nach 4 Jahren Leben mit AD endlich absetzen

Beitrag von Das-kleine-Runde »

Liebe Nicnac :) ,

ein herzliches Willkommen :)

Es tut mir Leid, daß Du unter den AD so gelitten hast.
Das ist ein ärgerliches, aber typisches Verschreibeverhalten... erst ein AD (Cipralex), dann dazu Wellbutrin und weil Du mit soviel antriebsfördernden Mitteln nicht zur Ruhe kamst, Trazodon als Bremse... :sick:

Mit einer psychosomatischen Kur, in der Du hättest lernen können, wie Du Deine Grenzen erkennst und mir Deinen Kräften sparsamer umgehst, wäre Dir besser gedient gewesen...

Persönlichkeitsveränderungen unter AD kenne ich ebenfalls, - auch launenenhaftes, egoistisches, aggressives Verhalten.
Gut, daß Du Dir der Veränderumg bewußt geworden bist. :)

Eine Dosisreduktion von 60 mg auf 30 mg Cymbalta ist ein Schritt, den nicht jeder verkraftet.
Wie geht es Dir damit?

Im unteren Dosisbereich wäre die Kügelchenmenthode ratsam, man öffnet die Kapsel, entnimmt die gewünschte Anzahl Kügelchen und verschließt die Kapsel mit dem Rest wieder und kann so fein dosieren.
So kannst Du schonend auschschleichen und vermeidest schlimme Beschwerden.

Schau, hier habe ich Handwerkszeug zusammengesammelt: http://www.adfd.org/austausch/viewtopic.php?f=18&t=6456

Alles Liebe
Rundi :hug:
Nicnac
Beiträge: 2
Registriert: 20.02.2012 16:57

Re: Nach 4 Jahren Leben mit AD endlich absetzen

Beitrag von Nicnac »

Liebe Rundi,

danke für dein herzliches Willkommen. :)
Das ist jetzt mein dritter Versuch dir zu antworten und ich hoffe, dass mich das System diesmal nicht rausschmeißt. :evil:
In Österreich hat mir vor 4 Jahren, als meine Beschwerden anfingen, niemand etwas von einer psychosomatischen Kur gesagt. Daher wusste ich nicht, dass es so eine Möglichkeit gibt, von der ich erst vor einem Jahr durch Zufall von einer Kontrollärztin der Krankenkasse erfahren habe.
Immerhin hatte die Situation den Vorteil, dass ich lernen musste auf meine Intuition zu hören und ich jetzt nach 4 Jahren des Herumprobierens und vielen verzweifelten Momenten das Gefühl habe, es schaffen zu können.
Schaffen in dem Sinne, dass ich wieder ein ausgeglichenes Leben führen kann und vielleicht in ein paar Monaten auch wieder einmal halbtags arbeiten kann.

Mein erster Reduktionsschritt von 60 auf 30 mg war für mich ein wichtiges Signal, dass ich ich mein Leben wieder in die Hand nehmen kann und nicht auf Chemie hoffen muss, die Dinge mit meinem Körper anstellt, die ich nicht wirklich nachvollziehen kann.
Um meine Erlebnisse mit dem Absetzen zu dokumentieren, werde ich einen eigenen Thread eröffnen.
Hoffe, dass meine Erlebnisse und Erfahrungen auch einigen anderen hier im Forum helfen, so wie es mir Mut gemacht hat.

Liebe Grüße,

Nicnac
April 2008 Diagnose: Burn-Out mit Depression und Panikattacken -> 5m Escitalopram (Cipralex) empfohlene Steigerung auf 10mg war aufgrund massiver Nebenwirkungen unmöglich.
Juni 2009 starker Schwindel, Gefühl der totalen Erschöpfung, totale Antriebslosigkeit -> morgens 150mg Bupropion abends 10mg Escitalopram (Cipralex)
März 2011 nach monatelangen Schlafstörungen Umstieg auf 60mg Duloxetin (Cymbalta) - massive Persönlichkeitsveränderungen,Schlafstörungen kamen bei Belastungen wieder
9.Feb. 2012 Reduktion auf 30mg Duloxetin (Cymbalta)
5.März 2012 Reduktion 30mg Duloxetin (Cymbalta) um 25 Kügelchen 8,5%
2.April 2012 Reduktion um weitere 25 Kügelchen 9,3%
Das-kleine-Runde

Re: Nach 4 Jahren Leben mit AD endlich absetzen

Beitrag von Das-kleine-Runde »

Liebe Nicnac :) ,

schön, daß Du wieder da bist :hug:
Das ist jetzt mein dritter Versuch dir zu antworten und ich hoffe, dass mich das System diesmal nicht rausschmeißt.


Das Problem hat man immer mal wieder. Deswegen schreibe denn Text lieber entweder separat und stell ihn dann online oder speichere zwischen, bevor Du auf Vorschau oder Senden klickst.
In Österreich hat mir vor 4 Jahren, als meine Beschwerden anfingen, niemand etwas von einer psychosomatischen Kur gesagt. Daher wusste ich nicht, dass es so eine Möglichkeit gibt, von der ich erst vor einem Jahr durch Zufall von einer Kontrollärztin der Krankenkasse erfahren habe.
Puh, das ist übel... :sick:

Ich freue mich, daß Du Mut gefaßt hast, wieder ohne AD zu leben. :)
Wenn Deine Lebensqualität so sehr unter der Einnahme gelitten hat, wie Du schilderst, dann ist es wohl wie eine Befreiung, wenn Du wieder Du selbst bist.

Mir ging es, was NW betrifft ein Stück weit ähnlich wie Dir, ich kann nur sagen, es lohnt sich, abzusetzen, man ist endlich wieder man selbst.
(Wenn Du reinlesen magst, in meiner Sigantur findest Du meinen Thread verlinkt.)

Ich drücke Dir die Daumen, daß Du gut bei Null ankommst. :)

Alles Liebe
Rundi :hug:

PS: Soll ich Deine ersten Beiträge ins AD-Absetzen-Unterforum schieben oder willst Du sie im nicht-öffentlichen Breich stehenlassen?
Gesperrt